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Spuren von historischen Produktionsstätten

Backhaus der Bäckerei Beyes/Koch

Zu finden: Landstr. 3

In der Häuserliste Sellenstedts aus dem 19. Jh. sind 19 Kothöfe mit eigenem Backhaus verzeichnet – eine ungewöhnlich hohe Zahl, denn in vielen andern Dörfern war den Bewohnern aus Sicherheitsgründen nur die Nutzung eines zentralen Dorfbackhauses erlaubt. In Sellenstedt handelte es sich um kleine Backhäuser aus Lehm und Fachwerk mit Schornstein, die sich wegen Feuergefahr außerhalb der Wohngebäude befanden. Ende des 19. Jh. wurde die Nutzung der privaten Backhäuser untersagt.

Über viele Jahrzehnte kauften die Sellenstedter nun ihr Brot beim Bäcker Beyes an der Landstraße. In dem noch heute existierenden Backhaus fertigte der Bäckermeister Heinrich Beyes ab Anfang des 1880er Jahre Brote und Gebäck. Darüber hinaus konnten die Dorfbewohner ihre auf Blechen vorbereiteten Wochenend- oder Feiertagskuchen in seiner Backstube abliefern und dort später gebacken wieder abholen. 1925 übernahm Heinrichs Sohn Hermann die Backstube und führte den Betrieb bis in die Nachkriegszeit weiter. In den 1950er Jahren wurde die Bäckerei vom Bäckermeister Koch übernommen, der sie noch bis 1989 weiterbetrieb.

Der in Sellenstedt geborene und aufgewachsene Benno Willes erinnert sich: „In seinem Obstgarten war immer ein ungewöhnlicher Holzstapel aufgeschichtet. Das waren keine gesägten und ofenfertig gehackten Holzscheite, wie sie überall als Brennmaterial zu sehen waren, das waren längs gespaltene Stämme, sicherlich einen Meter lang, für seinen Backofen.“

Sellenstedter Sauenviertel

Zu finden: auf dem Wiesengrundstück zwischen den Häusern Küchengarten 5 und 9

Der Gutspächter Eduard Willers hatte wohl ein großes Herz für seine Zuchtsauen und deren Nachkommen, denn vermutlich nirgendwo sonst im Hildesheimer Land wurden Schweine so komfortabel untergebracht wie in Sellenstedt. Willers sorgte dafür, dass jede Zuchtsau seines Betriebes mit ihren Ferkeln ein „Eigenheim mit Garten“ bewohnen konnte, die auf der Schweinewiese nebeneinander aufgereiht standen. Heute etwas baufällig weil mangels Schweinen nicht mehr genutzt und gepflegt, kann man sie zumindest noch auf dem Grundstück zwischen den Häusern Küchengarten 5 und 9 unter Bäumen erspähen.