Spuren von historischen Produktionsstätten
Grafelde war einst ein Dorf mit bis zu fünf Schlachtern, einer Tischlerei, einem Bäcker und einem Lebensmittelladen. Von früher 27 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet nur noch ein Landwirt seinen Hof.
Aus Inschriften in Holz und Stein kann man aber bis heute noch die Jahreszahlen der Erbauung einiger Höfe entnehmen.
Alte Schmiede
Zu finden: Halbe 25
Ehemaliger Getränkehandel
Zu finden: Grafelder Str./Brinkstr. und Halbe 21
Letzte Zeugen von Handwerk und Handel sind das kleine Gebäude eines Schmiedemeisters in der Halbe direkt am Ortseingang sowie das des Bierverlegers Hartwig. Heinrich Hartwig und seine Frau Johanne gründeten diesen Betrieb am 1.April 1887 an der Grafelder Straße/L489 Ecke Brinkstraße. Sowohl deren Sohn als auch der Enkelsohn, beide ebenfalls auf den Namen Heinrich getauft, führten den Betrieb in den folgenden Jahrzehnten weiter. Man transportierte mit einem Kutschwagen nicht nur das Bier, sondern holte in den Jahren zwischen 1901 und 1977 mit dem Pferdewagen und später mit Trecker und Anhänger die Milch der Bauern aus Grafelde und den Dörfern der Umgebung ab und brachte sie zur Molkerei nach Harbarnsen. So war insbesondere der Enkel Heinrich nicht nur als Getränkehändler, der im Raum von Sibbesse und der ganzen Börde lieferte, sondern auch als Milchkutscher in der Gegend bekannt.
In den Räumen des Bierverlages verfügte Hartwig ab 1927 sogar über einen Eiskeller, für den er das Eis aus der Ziegelei des benachbarten Wrisbergholzen bezog. Hier wurden die Getränke der Gastwirte Westfelds und der Umgebung gekühlt.
Hartwigs Tochter und ihr Ehemann führten den Getränkehandel nicht nur weiter, das Ehepaar Schaper-Hoppe baute das Unternehmen in vierter Generation noch aus und verlegte es in die Halbe 21. Erst 2020 wurde der Betrieb in Grafelde geschlossen und nach Lamspringe verlegt (https://www.schaperhoppe.de/). Das Geschäft in Grafelde ist jedoch bis heute fester Anlaufpunkt des Umzuges am 1.Mai. Dann spielt der Musikzug der FFW Grafelde traditionell das vor vielen Jahren gedichtete Lied „Das beste Lagerbier hat Heinrich Hartwig hier“.
Altes Transformatorenhaus
Zu finden: Schmiedebrink, gegenüber dem Friedhof
Seit dem ersten Viertel des 20. Jh wurde die Stromversorgung Grafeldes über ein Transformatorenhaus am Schmiedebrink gesichert. Wie überall in Deutschland stehen diese turmartigen Bauwerke auch im Landkreis Hildesheim und auch hier in Grafelde schon seit vielen Jahren in Erinnerung an alte Zeiten und zunehmenden technischen Fortschritt leer und scheinbar nutzlos da.
In einigen Orten rund um Hildesheim hat man sich nun Neues für diese markanten Trafotürme überlegt. So auch im nahe gelegenen Möllensen und Eberholzen, beide ebenfalls Ortsteile der Gemeinde Sibbesse. Dort sind die ungenutzten Trafotürme an den Nabu-Kreisverband verkauft worden und sollen in Zukunft dem Artenschutz dienen. Die Trafostationen sollen mit Singvogel-Nistkästen ausgestattet werden und durch neu geschaffenen Fluglöcher Turmfalken zum Nisten im Turm animieren. Vielleicht auch eine Idee für Grafelde?
Eine andere Initiative im Landkreis hat aus einem Trafohaus die höchste Kneipe der Gegend gemacht, zu sehen in Rott und hier!