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Spuren von historischen Produktionsstätten

Strauch‘sche Töpferei (heute an dieser Stelle ein Baustoffhandel)

Zu finden: Bruchstr. 8/Bruchwiesen

Zur Blütezeit des Töpfereihandwerkes waren in Duingen vierzig Töpferhandwerker ansässig. Aus einem der bedeutendsten Töpferbetriebe, der Töpferei der Familie Heuer im Ortskern Duingens, entwickelte sich beispielsweise ein großer Produktionsbetrieb, die Tonröhrenfabrik Knolle & Co. Diese gehörte ab 1913 dem jüdischen Kaufmann Louis Steinberg. Am 1. Juni 1937 musste er das Unternehmen an den Betriebsleiter Werner abtreten.

1969 stellte die Tonröhrenfabrik ihre Produktion ein, das Gebäude mit zugehörendem Schornstein wurde 1980 abgerissen. Auf dem Grundstück der alten Töpferei (Eckhardtstr. 4) steht heute ein Ärzte-und Apothekenhaus.

Letzter Schornstein und Zeuge eines Töpferbetriebes in Duingen ist der an der Bruchstraße. Dieser Schornstein gehörte zum Töpferbetrieb Strauch, der später von der Familie Waje gekauft wurde. Heute handelt die Fa. Waje an dieser Stelle mit Baustoffen.

Holzwarenfabrik WiNi

Zu finden: Industriestr. 1 (NP-Markt) und Triftstraße (Rewe-Markt)

Letzte Zeugen eines erfolgreichen in Duingen angesiedelten Betriebes sind die großen Werkshallen, die bis heute noch an der Industriestraße neben dem Lebensmittel-Einkaufszentrum erhalten geblieben sind. Mittlerweile von anderen Firmen genutzt, gehörten sie jedoch bis zum Jahre 1964 zur Holzwarenfabrik WiNi.

Hinter dem Namen der Firma verbargen sich Vor- und Nachname des Firmengründers Wilhelm Niemeier.

Der in Duingen geborene Wilhelm Niemeier übernahm den bereits seit 1874 bestehenden Holzverarbeitungsbetrieb seines Großvaters Christian in dritter Generation. Was Christian als Drechslerei begonnen hatte, führte sein Sohn Wilhelm durch Anschaffung und Einsatz der für die damalige Zeit fortschrittlicher Geräte wie einen durch Pferdekraft angetriebenen Göpel (eine durch im Kreis herumgehende Tiere bewegte große Drehvorrichtung zum Antrieb von Arbeitsmaschinen) erfolgreich weiter und ersetzte diese schon bald durch Dampfmaschinen. Um die Jahrhundertwende schaffte er darüber hinaus einen Dynamo an, mit dessen Hilfe er Strom für seinen und einige landwirtschaftliche Betriebe in der Nachbarschaft erzeugte.

1908 gründete sein Sohn Wilhelm seine WiNi Werke an die heutige Industriestraße, während der Sohn Gustav die Drechslerei von Vater Wilhelm sen. im Ortskern (heute Heinrich-Niemeier-Str. 1 und 1a) noch lange weiterführte.

Während des 1. Weltkrieges übernahm Wilhelms jun. Frau Karoline die Leitung der Holzwarenfabrik und organisierte außerdem das Dreschen von Getreide der Duinger Landwirte durch die betriebseigene Dreschmaschine.

Nach dem Krieg begann Wilhelm Niemeier mit der Produktion von Schul- und Büromöbeln, entwickelte seine Firma in diesem Bereich als Marktführer in Deutschland und erweiterte diese kontinuierlich durch Zweigstellen in Marienau, Drakenburg, Weenzen und Braunschweig.  Die Anlieferung von Rohstoffen und Material sowie der Transport der fertigen Möbel verlief über die Kleinbahn Voldagsen-Duingen-Delligsen (VDDH). Zum Sortiment der Firma WiNi gehörten später auch weitere Kleinmöbel und sogar Fertighäuser. Vertretungen und Auslieferungslager entstanden an zehn Standorten im ganzen Bundesgebiet.

Zum Standort in Duingen gehörten zahlreiche Werks- und Produktionshallen, in denen zeitweise bis zu 1300 Mitarbeiter beschäftigt waren. Während des 2. Weltkrieges bewohnten viele Zwangsarbeiter und bei WiNi beschäftigte Kriegsgefangene Baracken auf dem Werksgelände.

Ende der 1950er Jahre verschlechtere sich die finanzielle Situation der Firma und Niemeier musste seine Zweigwerke verkaufen oder auflösen. Wenige Jahre nach Wilhelm Niemeiers Tod stand seine Firma in Duingen vor dem Konkurs. In den 70er Jahren wurde sie von der Firma Bock in Duingen aufgekauft. Georg Schmidt, der Geschäftsführer in Marienau und Ehemann von Niemeiers Adoptivtochter Minna, wurde Inhaber der Standorte Marienau und Drakenburg und formte aus diesen das noch heute erfolgreiche Unternehmen WiNi Büromöbel in Marienau.

Von den Gründungs-Gebäuden der Firma WiNi existieren heute nur noch einige Werkshallen. Der größte Teil der Betriebsgebäude, der hohe Schornstein sowie das Wohnhaus der Familie Wilhelm Niemeier wurden Anfang des 21. Jh. abgerissen.

Duinger Mühle

Zu finden: Windmühlenweg 1

Die Straße „Windmühlenweg“ erinnert an die erste Windmühle Duingens, die 1661 hier errichtet wurde. 1742 wurde die Windmühle baufällig und neu aufgebaut. Bis Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts betrieb Müllermeister Großmann seinen Betrieb, zuletzt mit einer Elektromühle. Die Mühle wurde später zu einem Wohnhaus umgebaut.

Eines der Duinger Holzschilder und ein alter Mühlstein machen Spaziergänger heute auf den alten Mühlenbetrieb Duingens aufmerksam.

Ehem. Braunkohleabbaugebiet, heute Duinger Seenplatte mit Bruchsee, Entensee, Weinbergersee und Humboldtsee (Salzhemmendorf)

Es gibt wohl keine Region in Deutschland, in der auf so engem Raum eine so außergewöhnliche Vielfalt unterschiedlicher Gesteine und Bodenschätze an der Erdoberfläche liegen wie in der Region Duingen. Sie war nicht nur für den Abbau von Ton, Stein- und Braunkohle, sondern ist auch bis heute für die Förderung und Gewinnung von Quarzsand, Gips und Kalkstein bekannt.

Insbesondere der Abbau von Braunkohle prägte das Bild der Landschaft in der Vergangenheit entscheidend.

Der Bruchsee westlich von Duingen ist einer von mehreren Restseen des Braukohletagebaus in der Region. Mit dem Abbau der Braunkohle wurde Mitte des 18. Jh. begonnen, um den Hausbrandbedarf der umliegenden Dörfer zu sichern. Die erste Brikettfabrik entstand im Jahre 1900, zwei Jahre später übernahm die „Bergwerksgesellschaft Humboldt“ die Förderung der Braunkohle. Bis zum Ende der Förderung 1966 und der zunehmenden Bedeutung des Heizöls als Brennstoff wurden 20 Mio. Tonnen Rohbraunkohle geschürft und weiterverarbeitet.

Mit der Stilllegung des Tagebaubetriebes blieb eine vegetationslose „Mondlandschaft“ zurück, deren Flöze infolge ansteigenden Grundwassers und durch Zulauf von Oberflächenwasser nach und nach vollliefen. So entstand eine Seenlandschaft, die heute als Duinger Seenplatte bekannt ist und zu der neben dem Bruchsee auch Weinbergersee, Entensee und Humboldtsee gehören.

Nach Rückgabe der ausgebeuteten Flächen an die Forstverwaltung begann man mit der Rekultivierung der Landschaft und verwandelte diese durch den Einsatz von großem Raupen innerhalb von 1,5 Jahren wieder in eine sanfte Hügellandschaft mit Vorflut- und Wegesystem, die anschließend mit heimischen Baumarten bepflanzt wurden. Innerhalb von zwei Jahrzehnten konnte das gesamte Kohleabbaugebiet wieder zu einem Waldgebiet mit heimischen Wildarten gestaltet werden und sich die ebenfalls bepflanzten Uferzonen der entstandenen Seen in Lebensräume für zahlreiche Wasservögel verwandeln.

Bis heute haben sich der Bruchsee und die zur Seenplatte gehörenden Gewässer Weinberger-, Enten-  und Humboldtsee zu beliebten Naherholungsgebieten mit Bade- und Angelmöglichkeiten und einem Wanderwegenetz entwickelt.

Während Bruchsee und der noch etwas größere Humboldtsee (dieser gehört zum benachbarten Salzhemmendorf / Landkreis Hameln-Pyrmont) sich zum Naherholungsgebiet für Familien und Badefreunde mit Kiosk, Tretbootverleih und Campingmöglichkeiten entwickelt haben, ist der Weinbergersee durch seine Fischvorkommen vor allem bei Anglern beliebt.

Die Renaturierung des ehemaligen Braunkohletagebau-Gebietes rund um den Weinbergsee gilt allerdings nicht als rundum gelungen, denn hier hatte man vor Jahrzehnten den Verlauf der Saale verändert und den Flussverlauf mitten durch den See umgeleitet. Die sich dadurch entwickelnden Strömungsverhältnisse führten dazu, dass Schwimmgewohnheiten einiger hier lebender Fischarten gestört und gebremst wurden. Im Herbst 2021 wurde damit begonnen, den Gewässerverlauf der Saale auf einer Länge von rund 400 Metern wieder in ein Flussbett entlang des Weinbergsees zurückzuleiten. Ziel des Projekts ist es, die Wertigkeit der Saale als Lebensraum wieder zu erhöhen und darüber hinaus etwas für einen effektiven Hochwasserschutz zu tun. Ein- und Ablauf der Saale in den Weinbergsee werden so umgebaut, dass der Wasserstand in dem mehr als 20 Meter tiefen Gewässer um etwa 1.5 m sinkt. So kann im Falle eines Hochwassers die Saale aus ihrem neuen Bett zum Teil wieder in den See gelenkt werden.

Ein geologischer Lehrpfad im Weenzer Bruch berührt alle wichtigen geologischen Einheiten und informiert auf Schautafeln über deren Entstehung, Aufbau und Nutzung der ehemaligen Tagebauregion.