Orgel der Ev.-luth. St. Matthäi-Kirche
Der Neubau der romantisch intonierten Furtwängler Orgel aus dem Jahr 1856-1860 in Gronau an der Leine wurde als Opus 55 in einen neugotischen Orgelprospekt des hannoverschen Oberhofbaumeisters Georg Laves eingebaut. Die Planung wurde nach Begutachtung durch den hannoverischen Hof- und Schlossorganisten Heinrich Enckhausen vom Konsistorium und am 19. April 1858 durch die Königlich-Preußische Landdrostei Hildesheim genehmigt. Es sollte ein Orgelumbau mit 48 Register und 3596 Pfeifen verteilt auf 3 Manuale und Pedal sein, aber Philip Furtwängler fügte 9 Register auf eigene Kosten zu. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Orgel mit 57 Register und 3596 Pfeifen gebaut wurde, verteilt auf 3 Manuale und Pedal. Als größte Pfeife wurde die Bass-Bombarde 32 Fuß (aus Platzgründen hier in halber Länger 4,8 Meter) und die kleinste Pfeife 8 Millimeter gebaut. Die Orgel wurde mit Schleifladen und mechanischer Traktur und Registertraktur gebaut. Der Tonumfang bei jedem Manual reichte von C bis f'''. Das Pedal reichte von C bis d'. Der Orgelklang hat nicht nur einen weichen, mystischen, sondern auch einen kraftvollen Orchesterklang mit allen dynamischen Abstufungen. Grundlage für den Orgelbau der Romantik war das vergrößerte Orchester seiner Zeit, für das ebenfalls neue Klangfarben entwickelt wurden; das Arsenal der Blasinstrumente und auch der Streichersatz wurden stark erweitert, um Effekte und Stimmungen zu erzielen.
Diese Orgel überlebte die großen Katastrophen, den 1. und 2. Weltkrieg. Das Instrument wurde in der Zeit zwischen 1978 und 1981 durch die Firma Hillebrand aus Hannover restauriert. Bei der Restaurierung mussten lediglich die fünf Zungenregister erneuert werden.
2018 wurde auch durch die Orgelbaufirma Gebr. Hillebrand die Restauration der größten Philipp-Furtwängler-Orgel der Welt abgeschlossen. Bei der Sanierung wurden die Einzelteile des Instruments gereinigt, der Spieltisch, die Manual Klaviaturen und der Balg sind instandgesetzt worden. Die Gronauer Orgel gilt als das größte erhaltene Instrument Philipp Furtwänglers und stellt eine besondere Stufe in der Entwicklung des Orgelbaus dar. Diese Orgel ist wesentlich bis heute unverändert erhalten.
Text: Pawel Haluszczak
Disposition:
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Manual I: Principal 16' Quintatön 16' Principal 8' Rohrflöte 8' Gemshorn 8' Quintatön 8' Quinte 5 1/3' Octav 4' Rohrflöte 4' Gemshorn 4' Quinte 2 2/3' Octav 2' Cornet 3.4.5 fach [1 1/3'] Mixtur 4 fach [2'] Cymbel 3 fach [1/2'] Trompete 16' Octavant erstes Manual |
Manual II: Bordun 16' Principal 8' Gamba 8' Hohlflöte 8' Gedact 8' Octav 4' Viola 4' Gedactflöte 4' Quinte 2 2/3' Octav 2' Waldflöte 2' Pickelflöte 1' Mixtur 4 fach [2'] Scharf 3 fach [2'] Spitzig 2 fach [1'] Trompete 8' Octavant zweites Manual |
Manual II: ? Geig. Principal 8' Viol. d. Gamba 8' Salicional 8' Spitzflöte 8' Flöte 8' Dolceflöte 8' Dolcissimo 8' Rohrflöte 8' Gedactflöte 8' Octav 4' Salicet 4' Gedactflöte 4 Terz 3 1/5' Spitzquinte 2 2/3' Flautino 2' Cornettino 2.3.4 fach [2'] |
Pedal: Forte Pedal: Principalbass 16' Subbass 16' Quintenbass 10 2/3' Octav 8' Bombarde 32' Posaunenbass 16' Trompete 8' Piano Pedal: Bordunbass 16' Violonbass 16' Violoncello 8' Spielhilfen: Manualkoppel I u. II Manualkoppel III u. II Pedal Koppel zu I, durchkoppelnd |