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Magische Orte

Conradi-Turm

Zu finden: Im Waldgebiet zwischen Mahlerten und Heyersum

Anmerkung: Der Turm ist jederzeit zu Fuß zu erreichen. Er ist allerdings nicht zu besteigen und daher nicht als Aussichtsturm zu bezeichnen.

Der Conradi-Turm ist zwischen 1850 bis 1860 auf Initiative von Georg Friedrich Ludwig Conradi entstanden.

Conradi, geb. 1799, kam im Alter von 50 Jahren nach Mahlerten. Er hatte Religionswissenschaften studiert, war aber – offenbar wegen gestörter Zurechnungsfähigkeit – mit keinem kirchlichen Amt betraut worden. (Ullrich, S. 59, s.u.) Überlieferungen zufolge soll Conradi den Turm mit eigenen Händen gemauert haben, was Gustav Ullrich im Heimatkundlichen Dorfbuch bezweifelt: … dann müsste er fachmännische Kenntnisse besessen haben … Betrachtet man die harmonisch abgestufte Verjüngung des Bauwerks mit dem Wandputz und den vorstehenden Bruchstein-Umlaufkanten zwischen den Etagen, so mag man kaum glauben, daß der Turm von einem gemütsgestörten Menschen gebaut wurde. (Ullrich, S. 61)

Conradi nutze den Turm als Kultstätte, wo er seinen Eichen - Geistern nahe sein konnte. (Ullrich, S. 61) Darüber hinaus hatte er auch geplant, eine Kapelle in der Nähe des Turms zu errichten. Der damals verantwortliche Pastor Meyer berichtet dazu: Wenn nun Conradi von einer Bonifatius – Capelle, die er auch Nepomucks-Capelle nennt, spricht, so ist das ein Haufen Steine, welche er in seiner Kopfbedeckung oder in einem kleinen Körbchen, unweit eines von ihm errichteten Thurmes im Mahlertener Holze, zusammengetragen hat und wohin er mit Fahnen und Glockenspiel – gleich den Catholiken – wallfahrtet und den dort versammelten Kindern Weißbrot und dergl. spendet. (Meyer, S.60) Dieser Steinhaufen ist noch bis heute zu erkennen.

Trotz seiner Wahnideen (Meyer, S.60) wurde Conradi als Sonderling in Mahlerten akzeptiert und geduldet. Er starb 1889 im Alter von 90 Jahren und wurde auf dem Friedhof in Mahlerten beerdigt. Sein Turm blieb über viele Jahre Treffpunkt für die Mahlertener Jugend. 1987 setzten sich die Dorfbewohner für die Restaurierung des Turmes ein und retteten das liebens- und erhaltenswerte Stück Heimat (Ullrich, S.61) in Eigenleistung vor dem Verfall.

Der Conradi-Turm ist auf Heimat- und Wanderkarten verzeichnet und Orientierungspunkt für Spaziergänger. Von Mahlerten aus erreicht man ihn über die Straße Am Kastenborn am südlichen Ortsausgang und folgt dieser bis zur L480. Dieser nach Norden Richtung Heyersum folgen und nach etwa 200m queren. Dem Weg auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Richtung Lehmkuhle folgen und nach circa 100 Metern in den Waldweg abbiegen. Von hier aus erreicht man den Conradi–Turm in nordöstlicher Richtung nach etwa 150 Metern.

Quelle: Ullrich, Gustav; Mahlerten – Ein heimatkundliches Dorfbuch; 1992