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Interessant + Wissenswert


Sagen und Geschichten

Das Rittergeschlecht von Nettlingen

Im Mittelalter war ein Rittergeschlecht in Nettlingen begütert, dessen Angehörige schon im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurden. Über diese Ritter werden in lokalen Erzählungen manchmal geschichtenhafte Anekdoten oder kleine Legenden erzählt – etwa von ihren alten Höfen, Wappenzeichen (z. B. Wolfsangel) oder der überlieferten Wallburg „Querenburg“. Diese Wallburg am südlichen Dorfende soll früher das Dorf gegen Eindringlinge geschützt haben und bildet gelegentlich den Hintergrund älterer Geschichten, in denen sie als geheimnisvoller, fast schon gespenstischer Ort beschrieben wird.

Kirchen und „Legendenstoff“

In der Ortschronik bzw. in lokalen Erzählungen kommen Elemente vor, die den Glauben und die Kirchenfeste im Dorf zu sagenhaften Traditionen verweben, etwa Geschichten über Kirchenprozessionen, Reliquienfeste oder alte Frömmigkeitsbräuche, z. B. historische Kalands‑Zusammenkünfte (Treffen mittelalterlicher Bruderschaften). Solche Erzählungen haben oft einen leicht mystischen oder sagenhaften Charakter, weil sie Gottesbegegnungen, Wunder oder ungewöhnliche Ereignisse rund um kirchliche Orte thematisieren.

Der goldene Wagen

Am Steinberg südlich von Nettlingen gibt es ein tückisches Sumpfloch. Wer dort im Frühjahr Holz abfahren will, darf nicht hindurchfahren, denn unter dem scheinbar harmlosen Grün steckt ein tiefer See, in dem seit Urzeiten ein goldener Wagen versenkt liegt. Zahlreiche Versuche, ihn zu bergen, sind gescheitert. Wer ziellos umhergeht, sagt man, „sucht wohl den goldenen Wagen“.

Die goldenen Sporen

Bei Nettlingen stand einst ein Ringwall, die sogenannte Oder- oder Quellenburg, verbunden durch einen unterirdischen Gang mit dem Nettlinger Schloss, dem „Grawen Haus“. In der Oberburg hausten laut Sage Raubritter, die Salzfuhrleute aus Salzdetfurth überfielen. Der Bischof von Hildesheim schickte Truppen, die die Burg belagerten. Die Ritter flohen in den unterirdischen Gang. Es gelang den Soldaten, den Eingang zu entdecken. Sie stiegen mit Fackeln hinein. Plötzlich leuchteten in ihrem Schein die goldenen Sporen des Ritters auf. Er kämpfte, verlor die Sporen und entkam, doch sein Glück war für immer verloren. Noch heute sollen die goldenen Sporen dort liegen.


Schriftgut und Überliefertes 

  • Unser Hildesheimer Land, Beiträger zur Geschichte und Gegenwart,Band IV, Herausgeber: Hans Meyer-Roscher, Hildesheim 1982
  • Festzeitschrift 1000 Jahre Nettlingen 1022 -2022, Nettlingen 2022
  • Festschrift zum Jubiläumsfest am 20. und 21. Mai 2018 zum Deutschen Mühlentag 30 Jahre Verein zur Erhaltung der historischen Wassermühle e.V., Nettlingen 2018
  • Festschrift “Schützenfest 1972 verbunden mit dem 950 jährigen Bestehen des Dorfes Nettlingen”, Nettlingen 1972
  • Leben in der Gemeinde Söhlde, Offizielle Bürgerinformationsbroschüre, Hannover, Oktober 2022
  • Sagen aus dem Hildesheimer Land, Gerhard Kraus, Husum 1996
  • Der schöne Deutsche: Das Leben des Gottfried von Cramm, Frankfurt am Main 2016


Berühmte Persönlichkeiten 

Gottfried von Cramm – der Tennisbaron (1909-1976)

Gottfried von Cramm war einer der erfolgreichsten deutschen Tennisspieler der 1930er und 1940er Jahre. Geboren im Schloss in Nettlingen, entwickelte er sich früh zu einem international führenden Athleten und erreichte mehrfach das Finale der Wimbledon Championships sowie große Erfolge bei den French Open. Zudem war er eine zentrale Figur im Davis Cup und galt weltweit als Vorbild für elegantes und faires Spiel.

1938 wurde er wegen seiner Homosexualität nach § 175 verfolgt und kurzzeitig inhaftiert, was seine Karriere im NS-Deutschland stark beeinträchtigte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er in den Spitzensport zurück, gewann erneut bedeutende Turniere und wurde zweimal zu Deutschlands „Sportler des Jahres“ gewählt. Neben seiner sportlichen Laufbahn engagierte er sich im Wiederaufbau des deutschen Sports und war Mitbegründer des Deutschen Tennisbundes.

Das Kriegsende im Mai 1945 und die erste Nachkriegszeit verbrachte Gottfried von Cramm bei seiner Familie auf Schloss Bodenburg. Seine internationale Bekanntheit führte dazu, dass ihm die Besatzungsmächte großes Vertrauen entgegenbrachten, wodurch er sich maßgeblich am Wiederaufbau des deutschen Tenniswesens beteiligen konnte.

1948 wurde er Eigentümer des Ritterguts Wispenstein bei Alfeld, wo er seinen Wohnsitz nahm. Das Gut ließ er weitgehend verwalten und hielt sich selbst aufgrund seiner sportlichen und organisatorischen Verpflichtungen nur zeitweise dort auf.

in den 1950er Jahren stand Gottfried von Cramm vor allem wegen seiner langjährigen Beziehung und späteren Ehe mit der US-amerikanischen Erbin Barbara Hutton, der reichsten Frau der Welt, im Fokus der internationalen Öffentlichkeit. Gleichzeitig führte er auch in dieser Zeit weiterhin gleichgeschlechtliche Beziehungen, was jedoch weitgehend im privaten Bereich blieb.

Er starb 1976 bei einem Autounfall nahe Kairo und wurde im Familiengrab bei der Kapelle der Familie von Cramm auf dem Gelände von Schloss Oelber in Oelber am weißen Wege beigesetzt. Sein Leben verbindet sportliche Weltklasse im Tennis, gesellschaftliche Bedeutung sowie politische Zeitgeschichte. Posthum wurde er 1977 als erster Deutscher in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.

Dem berühmten Sohn Nettlingens wurde 2022 ein Denkmal gesetzt: Der Park am Schloss in Nettlingen erhielt den Namen „Gottfried-von-Cramm-Park“ und erinnert damit dauerhaft an sein Wirken und seine historische Bedeutung.


Das gibt's so nur bei uns

St.-Marien-Kirche: Gotteshaus und Gemeindehaus zugleich

Bemerkenswert ist die ungewöhnliche Doppelnutzung der St.-Marien-Kirche als Gotteshaus und Gemeindehaus zugleich, eine Lösung, die es in dieser Form nur selten gibt. Durch einen modernen, gläsernen Einbau im hinteren Bereich der Kirche entstand ein separater Raum für Treffen, Sitzungen, Ausstellungen und Veranstaltungen. Dieser „Glaskasten“ bleibt bewusst transparent und lässt den historischen Kirchenraum weiterhin vollständig wirken. Gleichzeitig ist das Konzept flexibel angelegt: Der Gemeindebereich kann bei Bedarf erweitert oder geöffnet werden, so dass sakraler Raum und lebendige Dorfgemeinschaft miteinander verbunden werden, ohne den Charakter der romanischen Kirche zu verlieren.


Spuren von historischen Produktionsstätten

In Nettlingen lassen sich noch heute mehrere Spuren historischer Produktionsstätten erkennen, auch wenn viele Betriebe längst verschwunden sind. Besonders gut sichtbar wird die frühere Wirtschaftsstruktur des Ortes in drei Bereichen:

Wassermühle als älteste Produktionsstätte

Zu finden: Kornstraße 1

Die wichtigste erhaltene Produktionsstätte ist die historische Wassermühle an der Marienburger Straße. Sie wurde um 1581 erstmals erwähnt und war über Jahrhunderte ein zentraler Ort der Lebensmittelproduktion (Getreideverarbeitung). Das Wasserrad und der Mahlgang zeigen noch heute, wie hier früher mit Wasserkraft gearbeitet wurde.

Die Mühle ist damit ein direktes Zeugnis der vormodernen „Industrie“ des Dorfes.

Schloss und Gutshof als agrarische Produktionszentren

Zu finden: Am Park 4

Das Schloss Nettlingen entstand um 1570 als Adelssitz der Familie von Saldern. Damit verbunden waren große landwirtschaftliche Flächen, Abgabenrechte und wirtschaftliche Nutzung der Umgebung. Solche Gutshöfe waren damals nicht nur Wohnsitze, sondern auch zentrale Organisationsorte der landwirtschaftlichen Produktion (Ackerbau, Abgaben, Verwaltung). Zum Schloss und Gutshof gehörte früher auch ein gemauerter Eiskeller unter der Erde. Mit Eisblöcken aus dem Schlossteich konnten dort Lebensmittel und Vorräte über längere Zeit kühl gelagert werden, lange bevor es elektrische Kühlschränke gab.


Wirtschaftsbetriebe 


Magische Orte

Ding Dong – ungewohnte Klänge am Waldrand

Wer am Waldrand bei Nettlingen unterwegs ist, kann plötzlich ungewöhnliche Klänge hören: Die Klanginstallation „Ding Dong“ überrascht Spaziergänger und Radfahrer mit metallischen Tönen, leisen Geräuschen und kreativen Klangobjekten mitten in der Natur. Geschaffen wurde das Kunstwerk vom Nettlinger Künstler und Musiker Timo Schaper, der dafür alte Materialien und Fundstücke zu einer besonderen Klanglandschaft zusammengestellt hat.

Besonders in der Adventszeit fällt der Bereich durch geschmückte Bäume mit Weihnachtsdekoration und kleinen Überraschungen ins Auge. Dadurch entsteht ein besonderer Ort zwischen Kunst, Natur und Dorfleben. Die Installation lädt dazu ein, stehenzubleiben, genauer hinzuschauen und die Umgebung einmal mit anderen Ohren wahrzunehmen.

Gerade durch seine versteckte Lage am Forst wirkt das „Ding Dong“ fast wie ein kleiner magischer Ort, irgendwo zwischen Kunstwerk, Klangspiel und Waldgeheimnis. Kinder und Erwachsene entdecken hier immer wieder neue Details und Geräusche.