Interessant + Wissenswert
Sagen und Geschichten
Die „Ohe“ bei Bodenburg
Als vor Zeiten dem Ritter von Steinberg ein Töchterchen geboren wurde, wünschten die Eltern für ihr Kind reiche Paten, von denen es wertvolle Geschenke erhalten würde. Sie wandten sich daher an die Lamspringer Nonnen mit der Bitte, bei ihrer Tochter die Patenschaft anzunehmen. Dazu waren die Nonnen auch gern bereit und gaben als Patengeschenk ein nordöstlich von Bodenburg an der Lamme gelegenes großes Stück Ackerland, das ihnen gehörte. Dieses Land sollte der Ritter einmal bestellen und abernten lassen, der Erlös der Ernte solle das Patengeschenk sein.
Der Ritter aber bestellte das Feld nicht mit Korn, wie die Nonnen sich gedacht hatten, sondern er ließ Bucheckern darauf säen. Nach einem Jahr kamen die Nonnen, um den Acker zu besehen. Wer beschreibt jedoch ihr Erstaunen, als sie das Land wohl bestellt, aber nicht abgeerntet vorfanden; denn auf dem Acker wuchsen viele tausend kleine Buchenpflänzchen.
In ihrem Schrecken riefen die Nonnen: „Oh, oh, oh!“ Aus diesem Ausruf entstand der Name des heranwachsenden Waldes. Es blieb ihnen wohl oder übel nichts anderes übrig, wollten sie ihr Wort nicht brechen, als dem Kind den Wald zu schenken.
Quelle
Von Tückeboten, Lüchtenkeerls und weißen Frauen – Sagen und Erzählungen aus dem Hildesheimer Land, Gerstenberg Verlag 1986
Schriftgut und Überliefertes
- Zwissler, Steinacker, Karl (Sonstige), Meier, Paul J. (Sonstige), Die Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig; 5, Wolfenbüttel 1910
- Kunstdenkmälerinventare Niedersachsens, Band 12, Kreis Gandersheim, H.Th.Wenner, Wolfenbüttel 1910
- Sylvia Köneke, Die gute alte Zeit fand nicht statt, eine Sozialgeschichte der Einwohner Bodenburgs und Oestrums, 1990
- Bruno Koch, Bodenburg im Wandel der Jahrhunderte, 1956
- von Reden-Dohna, Armgard, Heinde, in: Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim, Barton´sche Verlagsbuchhandlung, Wallstein Verlag, Göttingen 1995
- Andreas von Hoeren/ Regine Hantke, Eindrucksvoller Blick in lieblicher Landschaft – Gutspark Bodenburg eine bekannte Gartenanlage, Jahrbuch 2002, Hrsg. Landkreis Hildesheim, Gerstenberg Verlag 2002
- Die Inschriften des Landkreises Hildesheim, Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2014
- Axel Chr. Kronenberg, Grabmäler im Park des Schlosses zu Bodenburg, in: Hildesheimer Kalender – Jahrbuch für Geschichte und Kultur, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2020
- Die Lamme – Biographie eines Flusses, Hrsg. Stiftung Kunstgebäude Schlosshof Bodenburg, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2010
- Eine Arche für die Kunst – Das Kunstgebäude auf dem Schlosshof in Bodenburg, Hrsg. Stiftung Kunstgebäude Schlosshof Bodenburg, Gerstenberg Verlag 2017
- Thumm, Prof. Martin, Der „Bullenstall“ im Schlosshof von Bodenburg – ein Kunstdenkmal von besonderer Art, in: Jahrbuch des Jahres 1999 des Landkreises Hildesheim
- Bodenburg – Kunst mit und ohne Dach, Hrsg. Stiftung Kunstgebäude Schlosshof Bodenburg, Sattler Media GmbH, Bad Oeynhausen 2026, daraus: Stoeber, Michael, Mein Spaziergang durch Bodenburg
- Der „GRENZ-STEIN“ – das Symbol des Trenneden als Zeichen der Verständigung, Broschüre zur 33.KONTAKT-KUNST-Aktion 1993
- SCHUL-MUND, Broschüre zur 7.Bodenburger Kontakt-Kunst-Aktion 2004, Hans- Oiseau Kalkmann
- Ökologischer Wasserpfad Bodenburg – das Heft zur Sache, Kalkmann, Hans-Oiseau, Quensen, Lamspringe 1995
- Jens Nordalm, Der schöne Deutsche – Das Leben des Gottfried von Cramm, Rowohlt Verlag 2021
Berühmte Persönlichkeiten
Gottfried von Cramm
Deutscher Tennisspieler
Seit 1911 ist der Name von Cramm eng mit Bodenburg verbunden. In jenem Jahr verstarb Ernst von Steinberg. Das Erbe trat seine älteste Tochter Jutta Gräfin von Steinberg-Brüggen an. Diese war seit 1905 verheiratet mit Burghard Freiherr von Cramm und somit gingen die gesamten von Steinberg’schen Besitztümer in Bodenburg, Brüggen(verlinken mit Eintrag von Brüggen), Wispenstein und Harbarnsen auf die Familie von Cramm über. Das Ehepaar von Cramm hatte sieben Söhne, die im Schloss Brüggen aufwuchsen.
Zu einer besonderen sportlichen Berühmtheit wurde ihr drittgeborener Sohn Gottfried, der im Jahre 1909 in Schloss Nettlingen zur Welt kam. Gottfried von Cramm begann im Alter von 11 Jahren mit dem Tennisspiel und nahm schon vier Jahre später erfolgreich an der Deutschen Tennis-Juniorenmeisterschaft im Doppel teil.
Von seiner Familie unterstützt, konnte er sowohl in Brüggen, als auch in Nettlingen und Bodenburg auf eigenen Tennisplätzen trainieren.
Nach dem Abitur im Jahre 1928 zog er zum Jura-Studium nach Berlin, spielte dort weiterhin Tennis und gehörte schon ein Jahr später zu den besten zehn Spielern der deutschen Rangliste. 1931 gewann er seinen ersten internationalen Titel und brach mit 21 Jahren sein Studium zugunsten des Tennisspiels ab. Als erster Deutscher und unter dem Namen „Tennis-Baron“ bekannt, erreichte er das Finale in Wimbledon, Ende der 1930er Jahre war er der erfolgreichste und populärste Sportler Deutschlands und belegte bis 1937 Platz 2 der Weltrangliste.
Als er 1938 gemeinsam mit weiteren Spitzensportlern von einer Sport-Weltreise nach Deutschland zurückkehrte, wurde er wegen des Verstoßes gegen den auch als „Schwulenparagraph“ bekannten und erst 1994 aus dem Deutschen Strafgesetzbuch gestrichenen §175 verhaftet, angeklagt und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach vorzeitiger Haftentlassung verweigerte man ihm 1939 als Vorbestraftem trotz seiner andauernden sportlichen Erfolge die Teilnahme am Wimbledon-Turnier. 1940 wurde Gottfried von Cramm zur Wehrmacht einberufen, eine Offizierslaufbahn wurde ihm wegen seiner Vorstrafe aber verwehrt. Nach schweren Erfrierungen an beiden Beinen erhielt er 1942 zunächst Heimaturlaub von der Ostfront und wurde dann als „unzuverlässiges Element“ aus der Wehrmacht entlassen.
Nach dem 2. Weltkrieg setze er seine Tennislaufbahn fort und wurde 1947 und 1948 zum ersten Sportler des Jahres in Deutschland gewählt. Er war einer der Mitbegründer des Deutschen Tennis Bundes (DTB) und sein Engagement für den Sport sorgte maßgeblich dafür, dass der DTB 1950 in den Internationalen Tennisverband (ITF) aufgenommen wurde. Im Alter von fast 42 Jahren nahm er 1951 noch einmal am Einzelwettbewerb in Wimbledon teil, sein letztes Davis-Cup-Match bestritt er 1953.
1948 wurde er Besitzer des Rittergutes Wispenstein bei Alfeld, wo er seinen Wohnsitz nahm.
1951 gründete er eine Importfirma für ägyptische Baumwolle, 1976 kam er während einer Geschäftsreise bei einem Autounfall in der Nähe von Kairo ums Leben.
Gottfried von Cramm war in erster Ehe mit der Baronesse Elisabeth von Dobeneck und in zweiter Ehe mit der amerikanischen Woolworth-Erbin Barbara Hutton verheiratet. Beide Ehen wurden geschieden.
Der für Fair Play bekannte von Cramm spielte 101-mal für Deutschland im Davis-Cup und konnte dabei 82 Spiele im Einzel und Doppel gewinnen. Er nahm erfolgreich an zahlreichen internationalen Tennisturnieren und Wettkämpfen wie in Wimbledon, den French Open und US Open teil und wurde 1977 posthum als erster Deutscher in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.
In seinem Heimatort Brüggen wie auch in Bodenburg und Nettlingen war Gottfried von Cramm sehr beliebt. Auf Initiative des Ortsheimatpflegers und Museumsleiters widmete das ehemalige Heimatmuseum in Brüggen dem „Tennis-Baron“ zu seinem 40. Todestag eine eigene Ausstellung. In Nettlingen widmete man von Cramm einen Park, der zu Bewegung und Aktivitäten im Freien animieren soll und der insbesondere von der benachbarten Grundschule genutzt wird.
Bestattet wurde Gottfried von Cramm im Park von Schloss Oelber in Oelber am weißen Wege (Gemeinde Baddeckenstedt im Landkreis Wolfenbüttel).
Hans-Werner/Hans-Oiseau Kalkmann
Bildhauer und Initiator vieler Kunst- und Natur-Projekte in und rund um Bodenburg
Hans-Werner Kalkmann, der sich als Künstler Hans-Oiseau nennt, lebt seit 1974 mit seiner Familie in Bodenburg.
1940 in Ullersdorf/Kreis Bunzlau geboren, besuchte er nach der Schulausbildung von 1958 bis 1960 die Werkkunstschule in Braunschweig und absolvierte anschließend eine Modellbauerlehre im Volkswagenwerk in Wolfsburg. Danach begann er ein Studium mit dem Schwerpunkt Bildende Kunst an der Pädagogischen Hochschule Alfeld.
Die Beschäftigung mit Umweltproblemen lagen Kalkmann schon früh am Herzen, wobei er hierbei einen Schwerpunkt auf das Thema Wasser setzte. 1970 gründete er die Künstlervereinigung „central administration of artistic environment defence“.
Von 1969 bis 1973 lehrte Kalkmann an der Wissenschaftlichen Hochschule Hildesheim (heute Stiftungs-Universität Hildesheim) und erhielt außerdem eine Gastprofessur an der École Cantonale des Beaux-Arts, Lausanne. Von 1970 bis 1973 arbeitete er mit Tom J. Gramse als team: gramse / kalkmann zusammen.
In Bodenburg war er zunächst als Kunstlehrer an der dortigen Grundschule tätig und richtete in den 1980er Jahren auf dem Gelände von Schloss Bodenburg der Familie von Cramm seine Werkstatt ein.
An der FH Aachen hatte Kalkmann von 1989 bis 1995 einen Lehrauftrag im Fachbereich Architektur inne und war von da an bis zur Auflösung Mitglied der Gruppe Kontakt-Kunst mit Otto Almstadt und Moritz Bormann. Seit 1987 werden die Kontakt-Kunst-Aktionen unter dem Namen Kalkmann Kontakt-Kunst fortgeführt.
1991 gründete Hans-Werner Kalkmann den Kunstverein Bad Salzdetfurth, der 2009 in die Stiftung Kunstgebäude Bodenburg überführt wurde.
Seit Hans-Oiseau in Bodenburg seine Heimat hat, prägt er als Bürger und Künstler den Ort entscheidend. Über sein herausragendes Engagement für die Stiftung Kunstgebäude Bodenburg und die dort stattfindenden Ausstellungen und Veranstaltungen hinaus finden sich überall in Bodenburg und Umgebung die Ergebnisse seiner künstlerischen Projekte und zahlreiche bildhauerische Kunstwerke in Form von Skulpturen und Brunnen bis hin zu neugestalteten öffentlichen Plätzen wie beispielsweise dem Kirchplatz vor der St.-Johannis-Kirche. Dabei sind ihm Bürgernähe und die Beteiligung von Anwohner*innen aller Altersgruppen ein Anliegen.
So entstanden 2004 unter Mitwirkung der Bodenburger Grundschüler die „Schul-Mund“ Skulptur aus Granit, die heute vor der Schule ihren Platz hat. An verschiedenen Stellen im Ort finden sich Brunnen, die Kalkmann an historischen Wasserstellen schuf und die zum Trinken, Schauen, Hören und Verweilen einladen und als Treffpunkte für die Ortsbewohner fungieren. Die Brunnen liegen an einem von Kalkmann initiierten Wasserlehrpfad, über den hier mehr zu erfahren ist.
Kalkmanns modernes Atelier nach den Plänen seines Sohnes und Architekten Jens Kalkmann befindet sich seit 2007 auf dem Schlosshof von Bodenburg in unmittelbarer Nachbarschaft zu Schloss und Bullenstall und verbindet damit drei unterschiedliche Architekturstile auf engem Raum miteinander.
Bis heute konnte Hans-Oiseau Kalkmann im Rahmen vieler Ausstellungen seine Kunstwerke deutschlandweit präsentieren. Er nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen teil und veröffentlichte in Katalogen. Kalkmann wurde vielfach für seine Kunst ausgezeichnet und realisierte seit Beginn der 1980er Jahre in vielen Städten Skulpturen und Wasserskulpturen, so beispielsweise in Hamburg (1983), Unna/Westfalen (1984), Hann. Münden (Wasserspuren, 2000), Sarstedt und Einbeck (2014).
Weitere Informationen sind hier zu finden.
Das gibt's so nur bei uns
Ökologischer Wasserlehrpfad – Bodenburger Brunnen
Eine Kontakt-Kunst-Aktion des Jahres 1997 mit Brunnen und Schautafeln
Der ökologische Wasserlehrpfad erstreckt sich über eine Länge von 15 km durch drei Ortsteile der Kurstadt Bad Salzdetfurth. Thematisiert werden allgemeinen Themen wie Wasserversorgung, Trinkwasserschutz, Feuchtbiotope und Auenlandschaften, aber auch Wasserkulturbauten wie Wasserturm, Wehr, Kläranlage und Wasserschloss.
Der Weg verläuft durch bewirtschaftete Felder und an idyllischen Flussauen und den Rändern lichter Buchenwälder entlang. An insgesamt 17 Stationen informieren Hinweis- und Schautafeln unterschiedliche Schwerpunkte zum Thema Wasser.
Im Ortsgebiet von Bodenburg sind mit 9 Stationen ein großer Teil der Stationen des ökologischen Wasserlehrpfads zu erkunden. Dazu gehören unter anderem auch diese Brunnen.
Zu finden Kirchstraße
Die Brunnenwelle ist eine Kombination aus Skulptur, Platzgestaltung und einem öffentlichen Trinkbrunnen.
Zu finden:Hinter dem Hagen/Schmiedeweg
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Hagenbrunnen oder „Das dritte Ohr“
Der Hagenbrunnen bildet die sechste Station des Ökologischen Wasserlehrpfades in Bodenburg, der Besuchern die Bedeutung und Geschichte des Elements Wasser im Ort näherbringt. Die aus Marmor gefertigte Skulptur trägt wegen ihrer charakteristischen Gestaltung den offiziellen Namen „Das Dritte Ohr“.
Nähere Informationen zum Wasserlehrpfad sind hier und hier zu finden.
Der Bullenstall – ein Kunstgebäude im Schlosshof Bodenbur
Von Rindviechern und Stallgeruch ist heute nicht mehr die Rede, wenn man Bodenburgs „Bullenstall“ besucht – die Bullen sind ausgezogen und haben der Kunst Platz gemacht. Unbedingt hierher kommen sollte man daher, wenn der „Bullenstall“ zu einer Ausstellung einlädt!
Das Gebäude trägt im Volksmund noch immer diesen Namen, weil es einst zum Wirtschaftshof des Bodenburger Gutes gehörte und seine landwirtschaftliche Nutzung der Rinderzucht diente. Der Bullenstall entstand unter Bodo von Steinberg (1819-1897) und wurde nach dessen Wunsch mit einem außergewöhnlichen Dach, einem Sattelschwingdach, errichtet. Dieser Bautyp steht stellvertretend für jene seltenen Bauten, die den Übergang der neuzeitlichen Wirtschaftsgebäude aus barocker Zeit zu den modernen Gebäudetypen des Industriezeitalters markieren.
Nach dem das Stallgebäude wirtschaftlich nicht mehr genutzt wurde und länger leer stand, pachtete der Kunstverein Bad Salzdetfurth e.V. es im November 1992 und schloss mit Burghard von Cramm einen Vertrag über 50 Jahre ab, in denen der Kunstverein die Möglichkeit erhielt, zeitgenössische Kunst und kulturelle Aktivitäten im Südraum des Landkreises einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit Hilfe von Spenden, öffentlichen Geldern sowie einem sehr hohen Anteil von Eigenleistungen wurde die Bausubstanz wiederhergestellt und die notwendigen Maßnahmen zur Umnutzung für kulturelle Zwecke vorgenommen. 1998 wurde das Gebäude eingeweiht.
Im Jahre 2009 wurde der Verein in die STIFTUNG KUNSTGEBÄUDE SCHLOSSHOF BODENBURG überführt und mit der Schenkung des „Bullenstalls“ durch Burghard von Cramm im Jahre 2012 ging dieser an die Stiftung über.
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© Verena Bloch
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© Hans-Oiseau Kalkmann
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Mit zwei Ausstellungsetagen von ca. 500 m² Grundfläche verfügt der Bullenstall nun über attraktive Räume, die darüber hinaus wegen ihrer außergewöhnlichen Architektur von besonderem Reiz sind. Bis heute wurden bereits umfangreiche Ausstellungen und Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des Bullenstalles durchgeführt.
Wer regelmäßig informiert werden möchte, kann über die Website der Stiftung Kunstgebäude Schlosshof Bodenburg den Newsletter abonnieren und dort auch mehr über das über die Grenzen Bodenburgs bekannte Ausstellungsgebäude erfahren.
Geöffnet ist der Bullenstall nur während der Ausstellungen am Samstag von 15:00 bis 18:00 Uhr, am Sonntag von 11:00 bis 18:00 Uhr und nach Vereinbarung. Gebäude- oder Ausstellungsführungen können per E-Mail vereinbart werden.
Spuren von historischen Produktionsstätten
Eine die ältesten Produktionsstätten des Ortes existiert heute nicht mehr. Es wurde 1972 abgerissen, soll aber wegen seiner großen Bedeutung in der Vergangenheit Bodenburg zumindest Erwähnung finden.
Bodenburgs Haus Nr. 1 war das Rats- und Brauhaus. Es wurde im 16. Jh. am heutigen Marktplatz errichtet. Aus einer Ortsbeschreibung aus dem Jahre 1770 geht hervor, dass „das Brauen geschiehet in dem zu solchen Behuefe angelegten gemeinen Brauhauße, welches zugleich das Rathhauß ist. Es liegt mitten im Flecken auf dem Markte, ist in der Brandversicherung-Gesellschaft sub Nro 1 catastriret. ... Die Brau-Gerähte werden auf gemeine kosten unterhalten. Die Brauzeit gehet unter vorgedachte 62 Brauer auf der Reihe ...“
Heute erinnert nur noch ein bemaltes Trafohäuschen am Marktplatz, auf dem ein freundlicher Gastwirt mit einem Bierkrug in der Hand abgebildet ist, an das Bodenburger Rat- und Brauhaus.
Natürlich gehört unter diese Rubrik auch der berühmte „Bullenstall“ des Steinberg'schen Gutes in Bodenburg. Über diesen kann man hier und hier mehr erfahren.
Werkzeugfabrik
Zu finden: Sehlemer Straße
Spuren hinterlassen hat auch die längst nicht mehr produzierende Werkzeugfabrik an der Sehlemer Straße, deren Gebäude man aber auch vom Schlosspark aus sehen kann.
Sattlerei
Zu finden: Lamspringer Str. 3
Der Pferdekopf und das Innungsschild der Sattler erinnern an die Werkstatt von Alwin Löhmann. Das Schild schenkten Löhmanns Kinder, in Ergänzung zum bereits damals vorhandenen Pferdehof, zum 100. Geschäftsjubiläun im Jahre 1990. Das Löhmann´sche Haus, ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit neun Fensterachsen und außermittig liegendem Querdielentor, entstand im Jahre 1830. Die Sattlereilag ehemals zwischen Eingangstür und Dielentor hinter dem etwas tiefer angesetzten dreigeteilten Fenster.
Bahnhof
Zu finden: ???
Der Bodenburger Bahnhofskomplex gehört heute zu den wenigen nahezu komplett erhaltenen, relativ unveränderten, kleineren ländlichen Bahnhofsanlagen, die im Rahmen der im Jahre 1900 geschaffenen Bahnstrecke von Elze bis Bad Salzdetfurth entstand. An dieser Bahnstrecke, an der auch die Kreisstadt Gronau und die Orte Almstedt/Segeste lagen, profitierten vor allem Wirtschafts- und Gewerbebetriebe von den Transportmöglichkeiten per Bahn. Auch Bahnhaltepunkte ins Despetal und die Verknüpfung mit der Bahnstrecke nach Groß Düngen wurden geschaffen. Darüber hinaus nutzten natürlich auch die Züge des Personenverkehrs die Bahnstrecke. Mit der Fertigstellung der Verbindung Bodenburg – Bad Gandersheim im Jahre 1902 war das Nebenbahnnetz vollendet und Bodenburg entwickelte sich zu einem Bahn-Knotenpunkt mit mehreren Gebäuden.
Hier erinnert Joachim Diehl (2001) an Entstehung und Geschichte der Alme-/Lammetalbahn.
Die bis heute erhaltenen Gebäude haben laut Denkmalatlas Niedersachsen „aufgrund ihrer beispielhaften Ausführung geschichtliche Schau- und Zeugniswerte für die Bau-, Verkehrs- und Technik- bzw. Wirtschaftsgeschichte um 1900“ und stehen daher unter Denkmalschutz.
Zur Bahnhofsanlage gehören das Empfangsgebäude mit Güterschuppenanbau, der ehemalige Lokschuppen, der Wasserturm und zwei Wohngebäude sowie die komplett vorhandene Technik des mechanischen Stellwerkes und der Gleisbereich mit Schienen, Weichen, Spannwerken und Signalen mit ihrem technischen Zubehör. „Neben den baulichen Anlagen trägt auch das mit allen Zeitschichten erhaltene Gleisfeld erheblich zum Denkmalwert der gesamten Anlage bei. Jedes der ursprünglich 11 Gleise hatte eine spezielle Aufgabe bzw. Funktion, als Haupt- Ein- und Ausfahrgleis, Abstellgleis für Güterwagen, u.a. für die Rübenanlieferung sowie als Umfahr- oder Lokschuppengleis.“
Während das zwischen 1901 und 1902 entstandene Empfangsgebäude an der Bahnhofstr. 8 heute ungenutzt ist, leer steht und nach Verkauf an eine Privatperson im Jahre 2018 nun verfällt, sind die beiden Bahnarbeiter-Wohnhäuser Am Bahnhof 2 und 4 nach wie vor bewohnt. Der südlich des Bahnhofs gelegene dreigeschossige Wasserturm mit Ziegelsichtmauerwerk prägt bis heute das Ortsbild von Bodenburg und Oestrum. Auch er wurde 1901/02 im Zuge der Neuanlage des Bahnhofes Bodenburg erbaut.
Die Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahnen (AHE) schätzt die Bedeutung des Bodenburger Bahnhofs ebenfalls hoch ein:
„Der Bahnhof Bodenburg ist in seiner Erhaltungsform ein wertvolles Zeugnis dieser vergangenen Epoche und könnte dies mit entsprechendem Engagement auch wieder für die Allgemeinheit zeigen. Noch immer erinnern Lokschuppen, Wasserturm, Signale und Bahnsteige eindrucksvoll an diese Zeit. Nur wenige wissen, dass dort nicht nur Dampflokomotiven gepflegt worden sind, sondern auch bereits ab etwa 1910 damals hochmoderne Akkutriebwagen eingesetzt worden sind. In Bodenburg hat es eine unglaubliche Vielfalt im Fahrzeugeinsatz gegeben, weswegen das gesamte Areal schützenswert ist. Der Denkmalschutz des Ensembles ist eine willkommene Ergänzung zu der Wiederaufnahme eines öffentlichen, historisch-touristischen Verkehrs von Bodenburg nach Almstedt-Segeste.“ 23.10.2022, aus: https://www.almetalbahn-online.de/?p=4501
@Verena: Haben wir keine Fotos vom Bahnhof?