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Historische Baulichkeiten

Marienkirche

Zu finden: Hauptstraße (Bundesstr. 240) /Lübbrechtser Straße

Marienhagens erstes Gotteshaus war vermutlich eine kleine Kapelle, die wahrscheinlich um das Jahr 1000 errichtet wurde und von der man – da der Hl. Maria gewidmet – später den heutigen Namen des Dorfes ableitete.

Schriftliche Aufzeichnungen über eine Kirche in Marienhagen gibt es allerdings erst seit dem Jahr 1433.  Zu dieser Zeit gehörte das Dorf möglicherweise zum Kirchspiel Deinsen. Wann genau sich die von Elisabeth von Calenberg vorangetriebenen Reformationbestrebungen in Marienhagen durchsetzten und man sich hier der lutherischen Kirche anschloss, ist nicht bekannt. Spätere Versuche der Rekatholisierung waren nicht erfolgreich.

Aus der Zeit um 1400 stammt der älteste noch erhaltene Teil der Marienhagener Kirche, ein Wehrturm, in dem die Bevölkerung in den von Kriegen geprägten Zeiten Schutz suchen konnten. Dieser Turm wurde später erneuert und erhöht. Aufzeichnungen über die Entstehungszeit des ersten Kirchenschiffs, das man an diesen Turm ansetzte, gibt es nicht.

Der quadratische Turm hat ein Rundbogenportal nach Westen, im verschieferten Glockengeschoss befinden sich viereckige Schallöffnungen. Das Pyramidendach wird bekrönt durch Kugel und Wetterhahn, nach Norden hat der Turm eine Gaube mit Kirchturmuhr.

Belegt ist, dass die ursprüngliche an den Westturm angrenzende Holzkirche wegen Baufälligkeit in den Jahren 1796 – 1798 durch ein neues Schiff aus Stein ersetzt wurde. Einzig aus der alten Holzkirche erhalten blieb der schöne Taufstein aus dem Jahre 1656, der Ähnlichkeit zum Taufstein von Deinsen zeigt.  Er ist das älteste Stück der heutigen Marienkirche.

Schaft und Sockel der Taufe sind verziert mit Diamantquadern und Reliefköpfen (am Schaft mit Flügeln) und einer Inschrift, aus der die Namen des damals verantwortlichen Pastors und der Kirchenvorsteher sowie ein Bibelspruch hervorgehen:

WAS VOM FLEISCH GEBOREN WARD DAS IST FLEISCH UNT WAS VOM GEIST GEBOREN WIRT DAS IST GEIST  ANNO 1656 DEN 22 APRILIS

ALS EHR JUSTUS FILTER HIE PASTOR HABEN HINRICH WOLTERS CORT MENEKEN CORT TÖNNIES UND HINRICH SCHLIE DIE HABEN DIESEN TAUFSTEIN DER KIRCHE VEREHRET

Man betritt den schlichten Kirchenraum nur durch ein Portal auf der Nordseite. Auf der Süd- und Nordseite befinden sich jeweils drei hochrechteckige Fenster mit farbkräftiger Verglasung, ein weiteres Fenster hinter dem Altar. Diese Fenster, Zeichen des zunehmenden Reichtums in Marienhagens und für eine Dorfkirche eher ungewöhnlich, erhielt die Marienkirche im Jahr 1899. Sie sind besonderer Schmuck der Kirche. In ihnen sind Symbole verschiedener kirchlicher Feste und Bibelsprüche des Neuen Testamentes dargestellt.

- Südseite links: Der Pelikan (als altes Symbol für Christus), der seinen Jungen mit dem Blut aus seiner eigenen Brust füttert, steht für den Karfreitag. (Mt. 26.26)

- Südseite Mitte: Die Taube ist das Symbol für den Hl. Geist und somit für das Pfingstfest. (Apg. 1.8)

- Südseite rechts: Der Kelch spricht für das Abendmahl in Form von Brot und rotem Wein

- Ostseite: Die sich um das Kreuz rankende Dornenkrone steht für die Leiden Christi, die dreiblättrigen Kleeblätter an den Enden des Kreuzes für die Trinität von Gott Vater, Sohn und Hl. Geist (Joh. 19.5)

- Nordseite rechts: Das Fenster mit der Darstellung des auferstandenen Christus ist eine Stiftung des Kalkfabrikanten Friedrich Rogge aus Marienhagen, der seinem Heimatort mit der Gründung seiner Firma zu wirtschaftlichen Wohlstand verhalf.

- Nordseite Mitte: Die griechischen Buchstaben Alpha und Omega stehen für Beginn und Ende des christlichen Lebens, die ineinander verschränkten Buchstaben X und P bilden im Griechischen die beiden Anfangsbuchstaben des Namens „Christus“ (Offb. 22.13)

- Nordseite links: Ein mit Löwenköpfen verzierter Brunnen wird aus den Füßen des gekreuzigten Christus mit lebendigem Wasser gespeist. (Joh. 7.37b und 38)

Seit 1857 verfügt die Marienkirche über eine Orgel des Elzer Orgelbauers Philipp Furtwängler (1800-1867). Sie wurde mehrfach restauriert und überarbeitet, blieb in ihrer Disposition jedoch bis heute unverändert und steht aus diesem Grund unter Denkmalschutz. Näheres zur Furtwägler-Orgel erfährt man hier.

Im Rahmen von Renovierungsarbeiten erhielt die Kirche 1906 einen neuen Altar, ebenso einen in Hannover gefertigten Altaraufsatz und eine neue Kanzel aus Holz.

Die ersten Glocken aus den Jahren 1433 und 1551 mussten im Laufe der Jahrhunderte ersetzt werden. Das derzeitige Dreiglocken-Geläut erhielt die Marienkirche im Jahre 1964.

Letzte Anschaffung für den Kirchenraum ist ein 2009 von Ditmar Wrede aus Delligsen gestalteter Engel aus Walnussbaumholz.

Die pfarramtliche Verbindung von Deinsen und Marienhagen endete erst 1993. Heute ist die Kapellengemeinde Marienhagen der Kirchgemeinde Hoyershausen angeschlossen.

Der kirchliche Friedhof rund um die Marienkirche wurde eingeebnet. Nur noch einige alte Grabmale sind erhalten geblieben. Ein neuer Friedhof wurde 1900 nicht weit entfernt am südöstlichen Ortsrand an der Straße nach Lübbrechtsen angelegt. Hier befinden sich auch das Grabmal des Kalkwerkgründers Friedrich Rogge und das Ehrenmal Marienhagens.

Alte Wohnhäuser

Zu finden: an der Hauptstraße

Die Marienhagener Hauptstraße säumen viele schöne und zum Teil alte Häuser. Das älteste Wohnhaus, ein Fachwerkhaus, liegt etwas versteckt hinter Haus Nr. 90, das zweitälteste ist das Fachwerkgebäude an der Hauptstr. 30.

Marienhagens Schulhäuser

1898 entstand das Schulgebäude an der Lübbrechtser Straße als ev. luth. Volksschule. Infolge steigender Schülerzahlen reichte dieses Gebäude später nicht mehr aus und es entstand in direkter Nachbarschaft ein zweites Schulhaus. Das erste Schulhaus wird heute vom Kindergarten Marienhagen genutzt.

Mehrere über den Ort verteilte Gebäude des ehem. Kalkwerkbetriebes

Nach der Schließung des Marienhagener Kalkwerkes wurde das bis dahin genutzte und zum Teil parallel zur B 240 verlaufende Schienennetz der „Kalkbahn“ von Marienhagen nach Banteln abgebaut. Einige über den Ort verteilt liegende Betriebs- und Wohngebäude sind aber bis heute erhalten geblieben, werden jedoch anders genutzt.

Verwaltungsgebäude und Pförtnerhaus Kalkwerk

Zu finden: Hauptstr. 18 und in einer Grünanlage oberhalb des Freibades

So steht noch immer das ehemalige Verwaltungsgebäude des Kalkwerks, ein rotes Klinkergebäude, das heute als privates Wohnhaus dient. Hier befand sich der offizielle Haupteingang zum Kalkwerksbetrieb, auch zu erkennen an einem noch erhaltenen, aber mittlerweile etwas baufällig gewordenen und von Büschen weitgehend zugewachsenen Pförtnerhäuschen. Dieses war jedoch kein Pförtnerhaus im allgemein üblichen Sinne, an dem sich Besucher des Werkes melden mussten. An dieser Stelle trafen die Gleise der Werksbahn mit den Gleisen der Bahnlinie nach Barnten zusammen, die parallel zur Hauptstraße verlief. Erst nach einem Unfall, bei dem ein Kalkzug ungebremst in ein gegenüber liegendes Gebäude fuhr, wurde das Pförtnerhäuschen gebaut. Der in diesem kleinen Haus beschäftigte Werksarbeiter hatte die Aufgabe, bei jedem ankommenden Zug mit Hilfe einer erhobenen Fahne die Hauptstraße zu sperren und weitere Unglücke zu verhindern.

Das Pförtnerhäuschen, das seit 1926 an Marienhagens Hauptstraße stand und nach der Schließung des Kalkwerkes nicht mehr genutzt wurde, drohte nach und nach zu verfallen. In den Köpfen einiger Dorfbewohner entwickelte sich 2024 die Idee, das kleine, fast einhundert Jahre alte Gebäude und damit ein Stück Ortsgeschichte zu retten. Für den jetzigen Eigentümer war die Sanierung des Gebäudes ausgeschlossen, einem Abbau des Pförtnerhauses und Wiederaufbau an neuer Stelle stimmte er jedoch zu. Sach-und Geldspenden von Privatpersonen und regionalen Firmen brachten das Projekt in Gang. Weitere finanzielle Unterstützung erhielten die Initiatoren darüber hinaus durch den Landschaftsverband Hildesheim.

Nach einigen Überlegungen fand sich ein geeigneter Platz in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Kalkwerks. Am Verbindungsweg zwischen der Förstergasse und der Berliner Straße oberhalb des Freibades Marienhagen wurde unter weitgehender Verwendung der alten Bausubstanz nicht nur das Pförtnerhäuschen neu errichtet und innen restauriert, sondern auch die gesamte Grünfläche rundherum gestaltet. Nach unzähligen Arbeitsstunden konnte der geschichtliche Erinnerungsort Marienhagens im Sommer eingeweiht werden, mit dem der Ort gleichzeitig einen neuen Dorftreffpunkt hinzugewonnen hat.

Interessierte Besucher finden beim schmucken Pförtnerhaus nun auch eine nachgebaute Werkslore des Kalkwerkes, eine Infotafel und überdachte Sitzbänke – eine schöne Möglichkeit für Wanderer und Radfahrer, eine kleine Verschnaufpause einzulegen.

Villa des Kalkwerkbesitzers (heute Diakonie Himmelsthür)

Zu finden: Hauptstr. 28

Nicht weit entfernt auf dem Eckgrundstück der Hauptstraße/Förstergasse steht die Villa, die der Kalkwerkgründer Friedrich Rogge 1895 in unmittelbarer Nähe zum Werk für sich und seine Familie baute. Heute wird das stattliche Gebäude von einer Wohngruppe der Diakonischen Werke Himmelsthür/Hildesheim genutzt.

Werksarbeitersiedlung „Rodeland“

Die Werksarbeitersiedlung „Rodeland“ entstand erst nach dem Tod Friedrich Rogges. Im Zuge der Erweiterung des Kalkwerkes bemühte man sich darum, die wachsende Zahl der Beschäftigten auch in Marienhagen sesshaft zu machen und die Arbeitskräfte an das Werk zu binden. So wurden zwischen 1902 und 1908 acht nahezu identische Wohnhäuser geschaffen. Zu jedem dieser noch immer existierenden und genutzten Häuser gehören bis heute ein Stück Gartenland und kleine zwischen Haus und Garten liegende Stall- bzw. Schuppengebäude.

Ausführliche Informationen zur Geschichte und Entwicklung des Marienhagener Kalkwerks findet man in der Chronik Marienhagens.