Historische Baulichkeiten
St. Martin zu Bettrum
Zu finden: Breite Straße 7
Die St.-Martins-Kirche prägt seit Jahrhunderten das Ortsbild von Bettrum. Ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Damals wurde vermutlich der erste Wehrturm errichtet, der zugleich als Taufkapelle diente. Der heutige Westturm stammt in Teilen aus der Zeit um 1500. Sein markantes Bruchsteinmauerwerk und die sogenannte spanische Haube machen ihn zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen des Dorfes. Derzeit (2026) wird der Turm restauriert und ist eingerüstet.
Nach der Einführung der Reformation 1542 blieb die Kirche von den wechselvollen Zeiten nicht verschont. Brände und Kriegsereignisse richteten mehrfach Schäden an, im 17. und 18. Jahrhundert folgten umfangreiche Erneuerungen. Ihr heutiges Gesicht erhielt die Kirche jedoch vor allem durch den Neubau von 1848/49 nach Plänen des Baumeisters Friedrich August Ludwig Hellner. Der alte Westturm wurde dabei einbezogen, während das Kirchenschiff als großzügiger Ziegelbau mit hohen Rundbogenfenstern entstand. Rund 450 Menschen finden darin Platz.
Besonders ungewöhnlich ist die Gestaltung des Innenraums. Hellner machte die Kanzel zum Mittelpunkt und ließ sie wie einen Balkon gestalten. Die Botschaft dahinter ist sinnbildlich: Die Predigt soll nicht im Kirchenraum bleiben, sondern hinaus in die Welt wirken.
Auch die übrige Ausstattung ist bemerkenswert. An der Ostwand befindet sich eine gemalte Altarwand in der Art eines Kanzelaltars. Beiderseits der Kanzel zeigen Gemälde des Berliner Kunstmalers Piepenberg die Kreuzigung und Auferstehung Christi; unterhalb der Kanzel ist die Grablegung dargestellt. Eine achteckige Sandsteintaufe erinnert an die lange Tauftradition des Gotteshauses. Über der Kanzel schwebt in einem Buntglasfenster der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Weitere Fenster zeigen florale Ornamente und christliche Symbole wie Kelch und die Zehn Gebote.
1906 wurde die Kirche grundlegend im Stil des Jugendstils renoviert. Die dabei entstandene Gestaltung gilt in dieser Form als Besonderheit im Hildesheimer Land. Zum historischen Erscheinungsbild gehören außerdem der Kronleuchter, die Orgel und die Gemälde von Grablegung, Kreuzigung und Auferstehung. Über dem Altar steht die Einladung: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“
Ein Stück ihrer Geschichte wurde 2003 wieder sichtbar: Im Zuge des Einbaus einer Bankheizung wurde der historische Mittelgang wiederhergestellt.
Heute wird die St.-Martins-Kirche weiterhin von der evangelischen Kirchengemeinde genutzt. Sie ist nicht nur Mittelpunkt des kirchlichen Lebens, sondern auch ein außergewöhnliches Zeugnis der Bau-, Kunst- und Kirchengeschichte Bettrums.
Direkt an der St.-Martins-Kirche liegt der Bettrumer Friedhof. Kirche und Friedhof bilden seit Jahrhunderten eine Einheit und gehören bis heute zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Der Friedhof ist als Denkmal im Denkmalatlas Niedersachsens erfasst.
Auch die Kirchenbücher erzählen von der langen Geschichte des Ortes: Die Bettrumer Beerdigungsregister reichen bis ins Jahr 1640 zurück.
Auf dem Friedhof befinden sich außerdem zwei Gräber deutscher Zivilpersonen, die im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff ums Leben kamen. Damit ist der Friedhof nicht nur ein Ort des Abschieds, sondern auch ein stiller Erinnerungsort an die Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Scheune des Pfarrhofes (Jugendscheune)
Zu finden: Breite Straße 5
Die denkmalgeschützte Scheune des ehemaligen Pfarrhofes an der Breiten Straße ist ein Zeugnis der bäuerlichen Vergangenheit Bettrums. Der traditionelle Fachwerkbau mit seinem großen Tor gehört zum historischen Pfarrhofensemble und steht heute als Jugend- und Kirchenscheune mitten im Dorfleben.
Pfarrhaus
Zu finden: Breite Straße 5
Das historische Pfarrhaus von Bettrum wurde 1750 errichtet und gehört zu den ältesten erhaltenen Gebäuden des Dorfes. Über mehr als 250 Jahre war es eng mit dem kirchlichen Leben des Ortes verbunden und diente den Bettrumer Pastoren als Wohn- und Dienstsitz. 1958 wurde das Gebäude erweitert. Mit der Aufgabe der eigenständigen Pfarrstelle verlor das Haus seine ursprüngliche Funktion. Heute erinnert es gemeinsam mit der St.-Martins-Kirche und der ehemaligen Pfarrscheune an die jahrhundertealte Bedeutung des Pfarrhofes für das Dorf. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist ein wichtiges Zeugnis der Bettrumer Orts- und Kirchengeschichte.
Dorfgemeinschaftshaus
Zu finden: Breite Straße 9
Die Geschichte des heutigen Dorfgemeinschaftshauses beginnt als Schule: Bereits 1877 wurde die Bettrumer Schule erwähnt. Bis 1972 gingen die Bettrumer Kinder hier zur Schule. Der erste Jahrgang wurde im Sommer 1972 in Hoheneggelsen eingeschult. Anschließend wurde das Schulgebäude zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut und damit blieb es ein Mittelpunkt des Dorflebens.
Wohnhaus
Zu finden: Breite Straße 1a
Der zweigeschossige Ziegelbau mit Walmdach und Ziegelzierfachwerk ist ein charakteristisches Zeugnis der historischen dörflichen Baukultur Bettrums. Eine imposante, weit ausladende Blutbuche steht unmittelbar vor dem Haus und verbirgt es heute weitgehend vor den Blicken von der Straße.