Geschichte
Geschichtliches
Bodenburg ist einer von 13 Ortsteilen der Stadt Bad Salzdetfurth und liegt am Westhang der niedrigen Höhenzüge Rhoden und Ohe. Von Bodenburg aus blickt man auf die bewaldeten Höhenzüge des Hildesheimer Waldes. Die Hanglage Bodenburgs und viele Quellen in der Umgebung machten den Ort einst zu einem attraktiven Siedlungsgebiet. Das besondere Verhältnis der Bodenburger zum Wasser spiegelt sich daher heute wider in der Anlage eines "Ökologischen Wasserlehrpfades Bodenburg" von überregionaler Bedeutung.
Der Name des Ortes geht laut Ortschronik von Sylvia Köneke möglicherweise zurück auf eine von einem Bodo errichtete Burg, wofür es jedoch keinerlei schriftliche Belege gibt.
In der ersten eindeutigen Urkunde Bodenburgs vom 16. Juni 1142 wird ein Meinfried von Bodenburg (Meinfridus comes de Bodenburg) erwähnt. Er gehörte zu einer hildesheimischen Ministerialenfamilie, die sich nach dem Ort nannte.
Wann genau Bodenburg in den Besitz der Familie von Steinberg, eines der ältesten niedersächsischen Adelsgeschlechter, überging, ist nicht bekannt.
Urkundlich erscheint die Familie erstmals 1182 mit Conradus de Steinberche, der als Zeuge des Fürstbischofs auftritt und der zu dieser Zeit in Bodenburg lebte. Conradus organisierte erfolgreich die Salzgewinnung für den Hildesheimer Bischof in Salzdetfurth und kam schließlich selbst zu Wohlstand und Grundbesitz durch den Besitz eigener Salzpfannen.
Armgard von Reden beschreibt die von Steinbergs als Adelsgeschlecht, das im Unterschied zu den übrigen Familien des Hildesheimer Stiftsadels „in die Fußstapfen von gräflichen und edelfreien Familien (trat). Wurde deren Herrschaft doch nach dem Ende der Stauferkaiser zwischen dem Hochstift und den erstarkenden welfischen Territorien nach und nach aufgerieben. Mit den Burgen von Bodenburg und Werder erwarben die von Steinbergs ehemalige Grafensitze und mit Brüggen sogar einen ehemaligen ottonischen Königshof“.
Die Adelsfamilie verfügte seit dem 14. Jh. über die hohe und niedere Gerichtsbarkeit in Bodenburg und Oestrum und ab 1623 erwarb sie auch das Patronat über die St.-Johannis-Kirche in Bodenburg.
Bis heute zeigt das Gemeindewappen von Bodenburg daher den Steinbock der Herren von Steinberg und darüber hinaus einen Schlüssel, der sich an einem der Leuchter der St.-Johannis-Kirche befindet.
Die Verbindung zum Bischofsstuhl hielten die von Steinbergs in der Folgezeit aufrecht, „wenn jüngere Söhne ziemlich regelmäßig ins Hildesheimer Domkapitel eintraten ... Aus dem späten Mittelalter ist vor allem der Domherr Lippold von Steinberg zu nennen, dessen herausragende Stiftungen und baulichen Leistungen noch heute zu sehen sind.“ Er stiftete u.a. eine Kapelle des Hildesheimer Domes, die nach ihm benannt wurde. Die von Steinbergs standen außerdem mit zehn voll ausgerüsteten Ritterpferden anzahlmäßig an der Spitze der Heerfolge des Fürstbischofs.
Zu einem bedeutenden und folgenreichen Wendepunkt wurde der 15. Juni 1359, als die von Steinbergs den Entschluss fassten, in den Dienst des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg (Linie Göttingen) zu treten und sich damit dazu verpflichteten, ggf. auch gegen den Hildesheimer Bischof zu kämpfen. „Seitdem glich die inmitten des Bistums gelegene Burg einem Trojanischen Pferd des Welfenhauses, das nun zum wichtigsten Protektor der Steinbergs wurde.“ Das hatte über Jahrhunderte zur Folge, dass die Braunschweiger Exklave bei jeder Auseinandersetzung mit dem Hildesheimer Bischof zum Feind erklärt und die Bevölkerung zusätzlich zu Krankheiten und Ernteausfällen immer wieder an das Existenzminimum gebracht wurde. So litten die Bodenburger Bewohner besonders während der Auseinandersetzungen der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523), einhundert Jahre später wiederum während des 30jährigen Krieges (1618-1648). Darüber hinaus wurde Bodenburg im Jahre 1641 dem Erdboden gelichgemacht. Im Bodenburg betreffenden Abschnitt der Buchreihe Kunstdenkmälerinventare des Niedersachsen, Band 12 Kreis Gandersheim, heißt es dazu nach einem Bericht Merians: „Das Flecken Bodenburg, nebst den Vorwerken, ist Anno 1641 den 21. August, bey der Kaiserl. und Beyerischen Einfall, von denselben in Brand gesetzt und erbärmlich gantz eingeäschert worden.“ Auch die Bodenburger Burg blieb nicht vom Feuer verschont, wurde aber anschließend wieder aufgebaut.
Die Zugehörigkeit des Ortes als Exklave des Braunschweiger Landes blieb noch bis ins 20. Jh. erhalten. Mit der Gründung des Zollvereins ..... Das hatte zur Folge, Erst 1942 wurde Bodenburg in die preußische Provinz Hannover umgegliedert und dem Landkreis Marienburg zugeordnet. Seit 1974 ist der ehemalige Flecken Bestandteil der Stadt Bad Salzdetfurth und gehört heute zum Landkreis Hildesheim.
Die bereits ab 1483 nachweisbare und für diese Zeit wohl einzigartige Handwerkersiedlung („junkeren plek“) außerhalb der Burg musste neu aufgebaut werden. Um den Wiederaufbau zu unterstützen, verlieh der Braunschweiger Herzog August Bodenburg 1675 das Marktrecht für vier in Bodenburg stattfindende Märkte im Jahr. Seitdem und noch bis zum Jahre 1974 und der Eingemeindung in die Stadt Bad Salzdetfurth durfte sich der Ort „Flecken Bodenburg“ nennen. Darüber hinaus verliehen die Herren von Steinberg an 62 der 120 Häuser das Braurecht, d.h. das Recht zu brauen und ihr Bier auch außerhalb Bodenburgs zu verkaufen. Belegt ist außerdem eine Selbstverwaltung der Bürgerschaft mit zwei Bürgermeistern an der Spitze, die in dem heute leider nicht mehr existierenden prächtigen Rat- und Brauhaus am Marktplatz besonderen Ausdruck fand.
Bis heute in Bodenburg sichtbar blieben Maßnahmen und Veränderungen des Johann Ernst August Philipp von Steinberg (1789-1853) und seines Sohnes Bodo von Steinberg (1819-1897). Unter Johann Ernst wurde mit der Umgestaltung des Gutsparkes begonnen. Im Dienst für den englischen König und als Direktor der Kgl. Herrenhäuser Gärten war er stark vom Umfeld Laves beeinflusst. Außerdem verlegte er die ursprünglich innerhalb der Burg gelegene Gutskapelle durch einen Neubau an die Straße nach Salzdetfurth.
Sein im Königreich Hannover aufgewachsener Sohn und Erbe Bodo, dessen Lebensmittelpunkt als bevollmächtigter Minister und Abgesandter des Hannoveraner Königshauses später Paris war, lebte nur sporadisch, vermutlich aber wohl in den Jahren 1859 bis 1866 dauerhaft in Bodenburg und kümmerte sich nach dem Tod seines Vaters um das väterliche Erbe. Er widmete sich der Organisation und der Erweiterung des Wirtschaftshofes des Bodenburger Gutes und war verantwortlich für Planung und Bau eines Bullenstalls mit einem außergewöhnlichen Dach, des heute über die Grenzen Bodenburgs bekannten und nach umfangreicher Restaurierung zum Kunstgebäude umgestalteten Stalls mit regelmäßigen Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen.
Als zu Beginn des 19. Jh. mit Ernst von Steinberg (1848-1911) der letzte männliche Angehörige der Familie von Steinberg verstarb, wurde dessen Tochter Jutta von Steinberg-Brüggen, seit 1905 mit Burghard Freiherr von Cramm verheiratet, Alleinerbin. Ihr Erbe und damit auch das Schloss Bodenburg, ging auf die Familie von Cramm über. Das Ehepaar hatte sieben Söhne und machte Bodenburg neben Schloss Brüggen und Schloss Oelber zu einem ihrer Lebensmittelpunkte. Ihr drittältester Sohn war der international erfolgreiche und bekannte Tennisspieler Gottfried von Cramm.
Nach dem Tod ihres Mannes machteJutta von Cramm Bodenburg zu ihrem Hauptwohnsitz und das Schloss damit zum Zentrum ihrer Familie. Sie lebte hier bis zu ihrem Tod im Jahre 1972.
Bis heute ist Schloss Bodenburg im Besitz der Familie von Cramm.
Die nach dem 30-jährigen Krieg entstandene Ortsanlage der Händler und Handwerker Bodenburgs ist im Kern bis heute erhalten geblieben. Drei Straßen des Ortes stehen mit ihren Häusern in der Gesamtheit unter Denkmalschutz und prägen noch immer das Bild des Ortskerns.
Zu dieser Zeit schufen die von Steinbergs außerhalb dieses Ortskerns für ihre gutsabhängigen Mitarbeiter eine eigene Siedlung „unten vorm Tor“ und am „Schattenberg“ (noch heute als Straßenname erhalten), womit der Ort eine Zweiteilung erfuhr – eine Entwicklung, die dazu führte, dass Gutsarbeiter und Bürger unterschiedliche Kirchen besuchten und ihre Kinder in zwei unterschiedlichen Schulen unterrichtet wurden.
Nach dem 2. Weltkrieg verdoppelte sich mit der Zuwanderung von Flüchtlingen die Einwohnerzahl in Bodenburg allerdings auf 2400 Bewohner. Für die Flüchtlingsfamilien musste Wohnraum geschaffen werden, was zur Erschließung neuer Straßenzüge führte. Viele Neubürger dieser Zeit haben endgültig eine neue Heimat in Bodenburg gefunden.
Heute sind, wie in vielen Dörfern des Landkreises Hildesheim, die meisten der einst ansässigen Handwerksbetriebe und Geschäfte Bodenburgs geschlossen. Die Grundversorgung ist aber durch einen am Ortsrand ansässigen Supermarkt gewährleistet. Wichtig ist der zu Beginn des 20. Jh. entstandene Bahnhaltepunkt zwischen Bodenburg und dem angrenzenden Ortsteil Östrum. Von hier aus sind nach wie vor der Gemeindemittelpunkt Bad Salzdetfurth und die Stadt Hildesheim per Bahn sowie die Gemeinden Bockenem und Lamspringe sowie Bad Gandersheim per Bus/Bahn zu erreichen.
Ein Gewinn für junge Familien ist das Bildungsangebot Bodenburgs. Problemlos und ohne öffentliche Verkehrsmittel erreichen die Vorschul- und Grundschulkinder Kindergarten und Schule des Ortes, die in direkter Nachbarschaft zueinander liegen. Weiterführende Schulen sind wegen der guten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gut zu erreichen. Darüber hinaus prägt ein lebendiges Vereinswesen die Dorfgemeinschaft und das kulturelle Angebot und die Sportanlagen mit einem Freibad machen das Leben in Bodenburg attraktiv. Heute ist Bodenburg mit etwa 1750 Einwohnern der zweitgrößte Ortsteil der Stadt Bad Salzdetfurth.
@Verena: Hier könnten doch irgendwo die vielen Ortshinweisschilder thematisiert werden. Oder sind die woanders beschrieben und ich habe sie übersehen?
Historische Baulichkeiten
Schloss Bodenburg und Schlossanlage
Zu finden: Teichstr. 15
Zur denkmalgeschützten Schlossanlage in Bodenburg gehören das auf eine mittelalterliche Burg zurückgehende Herrenhaus, ein Schlossturm, eine Scheune, ein Stallgebäude, ein Gutspark und die im Osten und Süden noch erhaltene Einfriedung des Gutsanlage.
An der strategisch wichtigen Kreuzung der kaiserlichen Ost-West-Handelsroute zwischen Goslar und Aachen mit der Frankfurter Heerstraße entstand zu Beginn des 12. Jh. eine von einem Wassergraben umgebene wehrhafte Burg, die im Laufe der Jahrhunderte an die Wohnbedürfnisse ihrer Bewohner angepasst und verändert wurde.
Nach Plänen aus dem Jahre 1618 umschloss die Burg damals einen innen liegenden Hof. Merian beschreibt den Gebäudekomplex 1654 als „Hauß auß tiefer Wassergrafft, mit starker fester Maur, und hohen Thurm, außgeführet, wozu nur ein Zugang, mit der Zubrück versehen, gehet; hat einen alten Wall, auch trockenen Graben, und ist das Gebäu so weitläufig, daß vier absonderliche Adeliche Sitze daroben gewesen, nunmehr aber nur von zwoen Linie der von Steinberg bewonet wird.“ Von diesem nach Merians Ansicht absonderlichen Bauwerk, einem dreigeschossigen, auf einer viertelkreisförmigen Anlage ruhenden unsymmetrischen Mehreck, das einen kleinen Innenhof umschloss und das nach einem verheerenden Brand 1641 fast vollständig vernichtet und anschließend wieder aufgebaut wurde, ist bis heute nur der unterkellerte Westflügel erhalten. Auf der Westseite des Schlosses lässt sich noch heute das ehemalige Torhaus der Burg erkennen, das über die von Merian erwähnte und nicht mehr existierende Zugbrücke zu erreichen war.
An die Außenwand des Westflügels wurde ein quergerichteter Treppenturm angesetzt – eine ungewöhnliche Entscheidung, die Armgard von Reden-Dohna damit erklärt, dass dieser den Innenhof „wohl sehr eingeengt hätte“. Die Obergeschosse mit schräggezogenen Fenstern wurden im 16. Jh. erneuert, der Turm erhielt später eine Welsche (geschwungene zwiebelförmige) Haube. Der östliche Gebäudeflügel wurden 1760 abgerissen, aus dem erhalten gebliebenen Westflügel des alten Herrenhauses wurde ein dreigeschossiger Wohnbau, nach Michael Stoeber „ein typisches Beispiel für den Übergang von einem Wehrbau zu einer herrschaftlichen Residenz.“
Zur Schlossanlage gehört außerdem der nahezu quadratische mittelalterliche Turm aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, der einzig erhaltene Teil der östlichen Burg. Er erhielt später einen verschieferten Turmhelm mit rechteckigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, durch die er den Ausdruck eines der Verteidigung dienenden Burgfrieds verlor. Mit seiner heutigen Höhe überragt der Schlossturm die Türme der beiden Bodenburger Kirchen deutlich.
Östlich an die Burg schließt sich der ehemalige und heute im Privatbesitz befindliche Wirtschaftshof an. Dieser brannte 1669 nieder und wurde 1670 von Henning Adolph von Steinberg wieder aufgebaut. Die an der Zufahrt zum Wirtschaftshof gelegene Sandstein-Bruchstein-Scheune mit Halbwalmdach stammt jedoch aus dem Jahr 1810. Die abgeschrägte Südostecke und die ursprünglich an den Giebelseiten bogenförmigen Zufahrten lassen auf eine später veränderte Hofzufahrt schließen.
Die Stallscheune am südlichen Rand des Wirtschaftshofes von Schloss Bodenburg entstand unter Bodo von Steinberg im Jahre 1857. Sie wurde zeitweise als Rinderstall genutzt und ist heute in Bodenburg und über die Ortsgrenzen hinaus als „Bullenstall“ bekannt. Seit der 1993-1998 grundlegenden Sanierung wird er als Kunstgebäude genutzt.
Der ehemalige Rinderstall ist ein zweigeschossiger verputzter Massivbau mit langgestreckten Außenabmessungen von rund 29 m auf 9 m. An den Gebäudelängsseiten sind im Erdgeschoss noch die Stalltüren, im Obergeschoss die Fensteröffnungen der Scheune erhalten. Auf der rückwärtigen Westseite befindet sich ein niedriger Anbau aus dem 19. Jh. mit Fachwerkgiebel. Das Innere der ehemaligen Stallscheune wurde im Rahmen der Restaurierung jedoch stark verändert, so dass heute umfangreiche Ausstellungsflächen im Erd- und Obergeschoss und viel Freiraum für Musik- und Theater-Veranstaltungen zur Verfügung stehen.
Der „Bullenstall“ mit seinem ungewöhnliche Dachkonstruktion ist nach Prof. Martin Thumm ein Beispiel für „einen jener seltenen Bauten ..., die den Übergang der neuzeitlichen Wirtschaftsgebäude aus barocker Zeit zu den `modernen´ Gebäudetypen des Industriezeitalters markieren. Äußerlich fällt der kubisch streng geschnittene Bau durch sein schiefergedecktes `Sattelschwingdach´ auf. Diese Dächer gehören zur Gruppe der `Krummen Dachwerke´, die wir seit alters her kennen, seien es die schiffbauchartigen Dachkonstruktionen oder Holzgewölbe in Kreuztonnenform aus dem Mittelalter oder der Renaissance, oder sei es eben die Konstruktion jener Sattelschwingdächer aus klassizistischer Zeit, mit der auch der „Bullenstall“ ausgestattet ist. Eindrucksvoll zeigt sich die Bauart im Inneren des Dachraumes. Einzelne „Krümmlinge“ in Bohlenstärke, die über Zangen verbunden sind, bilden die Sparrenpaare. Gesichert sind die Verbindungen mit Frühformen industriell hergestellter Bolzen und Vierkantschrauben, wenn auch noch jeder Bolzenverbindung aus Eisen zur Sicherheit je zwei herkömmliche Holznagelverbindungen beigegeben werden – als ob man den reinen Eisenverbindungen noch nicht ganz vertraute. Durch das System von Zug- und Stichbalken ist die Konstruktion standfest, die Holzverschalung mit Teerpappe und Schieferdeckung schützte – solange es gepflegt wurde – gegen Wind und Wetter.“ Nach Thumm „weist das gesamte, äußerst sparsame und rationelle Fertigungssystem, mit dem wiederum eine erhebliche Vergrößerung des Dach- und Lagerraumes bewirkt wurde, auf ganz allgemein wirtschaftsgeschichtlich bedeutende Zusammenhänge zur Rationalisierung und Optimierung im Agrarwesen des frühen 19. Jahrhunderts hin.“
Diese Dachkonstruktion ist – bis auf die durch helles und neues Holz erkennbaren Reparaturstellen der 1990er Jahre – zum Innenraum unverschlossen geblieben und für jeden Besucher des Kunstgebäudes sichtbar.
Die eindrucksvolle Anlage wurde mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz instandgesetzt. Der historische Schlosspark ist der Öffentlichkeit zugänglich. Insbesondere der Park und das Kunstgebäude „Bullenstall“ erfreuen sich über die Gemeindegrenzen hinaus großer Beliebtheit. Gegenüber ist das moderne Ateliergebäude des Bildhauers und Kunstvereinsgründers Hans-Oiseau Kalkmann entstanden, so dass sich das Areal des Schlosses Bodenburg zu einem kulturgeschichtlich anspruchsvollen Ensemble aus verschiedensten Epochen entwickelt hat.
St.-Johannis-Kirche
Zu finden: Kirchgasse 21
Die St.-Johannis-Kirche in Bodenburg ist eine rechteckige Saalkirche aus Bruchsteinmauerwerk mit geradem Chorschluss unter einem Satteldach. Das Mauerwerk ist verputzt. Die jetzige Form der Kirche entstand durch maßgebliche Umbau- und Sanierungsarbeiten in den Jahren 1861/62. Mit Eckehardus de Bodenburc wird aber bereits 1207 ein erster Geistlicher erwähnt.
1861/62 wurden, wie noch heute in den Eckquaderungen des Gebäudes erkennbar, die Außenmauern der Kirche erhöht, zudem erhielt sie damals neue Fenster. Der Turm der Kirche war bereits 1675 entfernt worden und später durch einen verschieferten oktogonalen Dachreiter mit welscher Haube auf dem Westende des Satteldachs ersetzt.
Den Innenraum der Johanniskirche betritt man durch den einzigen Eingang über einen Portalvorbau auf der Südseite.
Das Kirchenschiff überspannt seit 1693 ein hölzernes Tonnengewölbe, die Wände sind verputzt und in einem Creme-Ton gestrichen. Die sakrale Ausstattung entstand im Wesentlichen in der Barockzeit in den Jahren 1689/99 im Zuge der Neugestaltung des Innenraums. Sie wurden durchgeführt von den ortsansässigen Handwerkern Siegfried Schultze (Maler) und Hermann Roleves (Tischler).
Der reich verzierte doppelstöckige Barockaltar mit Akanthusgerank und gedrehten Säulen wurde gefertigt vom Bildschnitzer Daniel Bartels aus Hildesheim. In seinem Zentrum befindet sich eine plastische Kreuzigungsszene, die von den Evangelisten Johannes dem Täufer und Johannes dem ??? als Hauptfiguren flankiert wird; darüber erkennt man die Kreuzabnahme, begleitet von Putti und weiteren Assistenzfiguren. Auf der Spitze steht Christus mit der Siegesfahne. In der Predella befindet sich ein Abendmahlsrelief.
Der Hochaltar wird gestützt durch eine vermutlich ältere Prieche, deren Brüstung durch ovale Ölgemälde mit biblischen Szenen verziert ist.
Im Altarraum vor dem Kanzelaltar steht eine hölzerne Kanzel im Knorpelstil, die von Moses als Träger des Kanzelkorbs gestützt wird. Am Korpus erkennt man sechs vollplastische Figuren der Evangelisten, des Apostels Paulus und Christi als Erlöser. Der Schalldeckel mit vierseitigem baldachinartigem Aufbau und Engelsfiguren wird vom triumphierenden Christus bekrönt. Direkt neben der Kanzel befindet sich der Pastorenstuhl, von dem aus die Kanzel über eine kleine Treppe erreichbar ist.
Der Kanzel gegenüber steht im Ostchor der Anfang der 1690er Jahre aus Stein gefertigte vierseitige Taufstein. Auch dieser, reich verziert und farbig gestaltet, entstammt vermutlich der Werkstatt von Daniel Bartels. Der ältere achteckige Taufstein aus Sandstein wurde im Rahmen der Umgestaltung offensichtlich gegen den barocken Stein ausgetauscht und hat nun, als Blumenkübel genutzt, seinen Platz im Pfarrgarten.
Zur barocken Ausstattung der St.-Johannis-Kirche gehören außerdem ein Kruzifix unter der Empore auf der Nordseite sowie drei barock gerahmte Epitaphe, die Mitgliedern der Familie von Steinberg gewidmet sind:
- An der Nordwand erkennt man die neun verstorbenen Kinder (nummeriert) des ebenfalls dargestellten Friedrich von Steinberg (1619-1679) und einer seiner beiden Ehefrauen, darüber der in einer Lichtglorie schwebende Christus. Über der Inschrift das Wappen der von Steinbergs (mittig) sowie rechts und links davon die Wappen der von Spiegel und von Weidensee.
- An der Südwand Christus in Gethsemane, davor kniend Johann Hilmar von Steinberg (1585-1648) und seine Ehefrau Ursula Dorothea, geb. von Veltheim, mit ihren Kindern, die beiden kleineren mit Blumen und Seifenblasen spielend. Oben über dem Rahmen ihre Hauptwappen der Familien der Eheleute.
- Gegenüber der Kanzel Adolf von Steinberg (1594-1660) mit seiner Ehefrau Dorothea von Wrisberg in Witwentracht, darüber Christus am Kreuz. Oben über dem Rahmen ihre Familienwappen.
Die Epitaphe wurden 1939 von Grund auf restauriert und 1990 noch einmal überarbeitet, so dass sie sich heute in einem hervorragenden Zustand befinden.
Darüber hinaus schenkte Henriette von Steinberg der Kirchengemeinde ein 1852 von ihr selbst angefertigtes Ölgemälde, die Darstellung der Kreuzabnahme, eine Kopie nach P.P. Rubens.
Die im Gegensatz zur Ostprieche etwas schlichter gestaltete Westprieche ist ebenfalls mit farbigen und gerahmten Gemälden und außerdem mit Wappenbildern der Angehörigen der Familie von Steinberg versehen. Unter dem höher liegenden und mit einer Treppe versehenen Westteil der St.-Johannis-Kirche, dem Mannhaus (dort nahmen früher während der Gottesdienste nur die Männer Platz) befindet sich das Begräbnisgewölbe der Familie von Steinberg.
Als 1861/62 im Rahmen einer weiteren umfangreichen Renovierung der Kirche der Fußboden aufgenommen wurde, fand man 22 Grabplatten über acht Gewölben. 18 Grabplatten der Familie von Steinberg aus dem 16. und 17. Jh. wurden entnommen und im Schlosspark auf einer kleinen Halbinsel im Schlossteich um ein Erinnerungsmonument wieder ausgelegt. Sie sind seitdem jederzeit zu besichtigen.
Die Denkmal-Orgel in St. Johannis wurde 1696 vom Orgelbaumeister Kappe aus Hildesheim entworfen. Sie befand sich bis 1860 auf der Ostprieche rechts des Altars und wurde nach dem Neubau der Westprieche 1862 nach dorthin verlegt, später mehrfach restauriert und zuletzt 1997 von der Fa. Hillebrand (Altwarmbüchen) instandgesetzt.
Die historische Grabplatte an der südlichen Außenwand der Johanniskirche wurde Mitte der 1950er Jahre im Rahmen von Umbauarbeiten des Übungsraumes des Musikzuges gefunden. Es ist die Grabplatte des Pastors Konrad Johannes Bohne, der 1641 (Korrektur laut Chronik S. Köneke am 14. Juni 1661) verstarb.
Der Kirchplatz vor der St.-Johannis-Kirche wurde im Rahmen einer Kontakt-Kunst-Aktion von Hans-Oiseau Kalkmann ausdrucksvoll umgestaltet. Auf einem Spaziergang durch Bodenburg beschreibt Michael Stoeber den Platz genauer:
„Wir richten hier unsere Aufmerksamkeit zuerst auf das Zentrum des Platzes, der ein aus rötlichem Vanga-Granit gebildetes Labyrinth zeigt. Es repräsentiert das symbolische Herz des Platzes und taucht im Übrigen auch mit Vorbedacht im Siegel des Künstlers auf. Hier wie da steht es für spirituelle Suche, Einkehr und innere Orientierung.
Vom Labyrinth aus fällt unser Blick auf die Zwölf Apostelsteine, die den inneren Kreis um das Zentrum bilden. Jeder Stein ist einem Apostel gewidmet, dessen Name in den Granit eingraviert ist. Petrus, auf den Jesus seine Kirche baute, symbolisiert Standfestigkeit und Verkündigung, Paulus repräsentiert Mission und Theologie, Jakobus steht für Pilger- wie Zeugenschaft usw. Die kreisförmige Anordnung lässt uns ihre Verbundenheit und Gemeinschaft als Jünger Jesu spüren. Es ist, als würden wir von der Mitte aus die Gründungsgeschichte der Kirche umschreiten. Jeder Schritt im Kreis ist zugleich ein Schritt durch die Geschichte des Glaubens.
Am äußeren Kreis begegnen wir den vier Evangelisten, die als „Verkünder der Frohen Botschaft“ durch ihre traditionellen Symbole dargestellt sind. Der Engel betont bei Matthäus die Menschlichkeit Jesu. Bei Markus ist der Löwe ein Symbol für die Kraft der Verkündigung, bei Lukas der Stier ein Zeichen für christliche Opferbereitschaft und bei Johannes verkörpert der Adler die geistige Höhe seines Evangeliums. Sie verbinden die innere Gemeinschaft der Apostel mit der Botschaft nach außen und laden uns ein, die Evangelien zu reflektieren.
Besonders aufmerksam betrachten wir die Apostelin Junia, die Hans-Oiseau nach entsprechendem Studium als 13. Figur dem Apostelkreis eingefügt hat. Sie steht für Inklusion und Perspektivenvielfalt und fordert dazu auf, die Rolle von Frauen in der Kirchengeschichte in der Gegenwart neu zu überdenken“( aus: Bodenburg – Kunst mit und ohne Dach, S.35/36, s. Literaturhinweise)
St.-Laurentius-Kirche
Zu finden: Salzdetfurther Str. 5
Die St.-Laurentius-Kirche liegt außerhalb des Schlossgeländes im Nordosten des Bodenburger Gutes, wo sich nach dem dreißigjährigen Krieg dessen Arbeitersiedlung „Schattenberg“ entwickelte. Wie schon der Vorgängerbau innerhalb der Burganlage, diente sie den Bewohnern dieser Siedlung und der Ortschaft Oestrum als Gemeindekirche.
Der Vorgänger dieser Kirche war eine 1481 von Burchard und Cord von Steinberg gestiftete gleichnamige Kapelle auf dem Schlossgelände nördlich des Wehr-/Schlossturmes in unmittelbarer Nähe zum Pfarrwitwenhaus und heute noch existierenden Pfarrhaus.
Die Verlegung dieser Kapelle stand vermutlich in direktem Zusammenhang mit der Umgestaltung der Gutsanlage Mitte des 18. Jahrhunderts. Mit dieser wurden der Hofbau- und Gartendirektor Friedrich Karl von Hardenberg und dessen Hofarchitekt Johann Paul Heumann betraut. In seiner wissenschaftlichen Arbeit zur St.-Laurentius-Kirche erwähnt Chr. Bock von Wülfingen eine auf das Jahr 1751 datierte Entwurfsplanung für eine neue Hofkapelle außerhalb der Burg. Die Pläne für eine Kirche im Barockstil wurden für die spätere Umsetzung zum Teil übernommen. Bauherr Johannes Ernst August Philip von Steinberg wies in einem Schreiben an das Bauamt Gandersheim außerdem darauf hin, „dass der Turm der alten St.-Laurentius-Kirche in den ersten Jahren des Jahrhunderts Einsturz gefährdet gewesen sei und auch die Mauern des Gebäudes seien baufällig gewesen.“
Weitere Planungen für eine neue St.-Laurentius-Kirche wurden jedoch erst ab 1824 fortgesetzt.
Nach diesen Plänen entstand 1826 eine Saalkirche auf rechteckigem Grundriss unter abgewalmten Ziegeldach. Während der eine Eingang der Kirche direkt zur L493 ausgerichtet ist, grenzt das Kirchengebäude mit der gegenüberliegenden Seite an das Schlossgelände. Die Schlossmauer verläuft hier direkt bis zum Kirchenbau. Es ist zu vermuten, dass die Familie von Steinberg als Patronatsfamilie der schon immer als Guts- und Schlosskirche dienenden Kirche verbunden war, dort an den Gottesdiensten teilnahm und den Kirchenraum über den zweiten Eingang von der Parkseite aus betrat.
Das Dach krönt mittig ein polygonaler Dachreiter, dessen Helm und Fuß schiefergedeckt sind. Die Fassaden sind symmetrisch und haben an den Längsseiten jeweils vier und an den Querseiten je zwei hohe rechteckige Fenster. An die Längsseiten des Kirchenbaus wurden außerdem Mittelrisalite mit Dreiecksgiebel mit Halbrundfenster und darunterliegendem Rundfenster vorgesetzt, die als Eingangsvorbauten dienen. Auf der nordöstlichen Eingangsseite ist der Schriftzug „Zu Gottes Ehren“, über der gegenüberliegenden Tür „Erbaut von Johann Ernst August Philip von Steinberg im Jahre 1826“ zu lesen. Tür- und Fenstergewände wurden aus Sandstein gefertigt. Die einheitliche Putzoberfläche hat einen hellgelben Farbanstrich.
Zwischen 1938 und 1948 wurde die Laurentiuskirche nicht zu kirchlichen Zwecken genutzt. Grund dafür scheinen notwendige Einsparungen von Bau- und Unterhaltskosten zweier Kirchengebäude in Bodenburg gewesen zu sein. Um Renovierungsmaßnahmen an der St.-Johannis-Kirche vornehmen und finanzieren zu können, wurde die Orgel aus St. Laurentius verkauft. Während des zweiten Weltkrieges wurde der Kirchenbau stattdessen als Lagerraum, Sanitätsstation und Instruktionsraum einer Infanterie-Kompanie genutzt.
Den ab 1946/47 zugezogenen Flüchtlingsfamilie katholischen Glaubens aus dem Osten ermöglichte man zunächst, ihre Gottesdienste in der ev. Johanniskirche zu feiern. Ab 1948 stellte man ihnen die St.-Laurentius-Kirche zur Verfügung und es wurde ein über fünf Jahre geltender Nutzungsvertrag zwischen evangelischer und katholischer Kirche geschlossen.
Der bis dahin verwahrloste Kirchenbau wurde aus privaten Eigenmitteln, mit Spenden und durch persönlichen Arbeitseinsatz der Gemeindemitglieder instandgesetzt. Die Patronin der Kirche, Jutta von Cramm, stellte darüber hinaus Baumaterial.
1951 erhielt die St.-Laurentius-Kirche wieder Glocken für ihren Glockenturm, die zuvor während der beiden Weltkriege abgegeben werden mussten und eingeschmolzen wurden. Bürgerspenden machten es möglich, dass drei Glocken aus den Jahren 1400, 1471 und 1490 vom Glockenfriedhof in Hamburg erworben werden konnten.
Der schlicht und symmetrisch gestaltete Innenraum der rechteckigen Kirche mit einer eingezogene Emporenanlage erfuhr 1954 entscheidende Renovierungs- und Umgestaltungsarbeiten von Seiten der evangelischen Kirche. Dazu gehörte „die Herrichtung eines Gruppen- oder Gemeinderaumes auf der Emporenebene und die Umgestaltung des Altarraumes. Wie den Plänen von 1954 zu entnehmen ist, wurde bei der Herrichtung des Gruppenraumes die bestehende Rückempore der nördlichen Querwand in den Kirchenraum erweitert. Durch den Einbau einer Holz-/Glaswandkonstruktion wurde der Raum gegenüber dem Kirchenraum abschließend gestaltet. Das Fensterelement im Mittelbereich ist versenkbar, so dass für spezielle Gelegenheiten der neue Raum dem Gesamtraum wieder zugeschlagen werden kann.
Bei der Umgestaltung des Altars wurde die vorher freistehende Altarwand aufgelöst und mit ihren noch verbleibenden Teilen eine neue Aufteilung und Anordnung hergerichtet. Der Altar wurde mittig vor das Fenster der südlichen Außenquerwand gerückt und damit verschlossen. Eine massive, den Raum teilende Wand wurde eingezogen. Links und rechts wurden symmetrisch zwei getrennte Sakristeien eingerichtet, die Zugänge durch die Rundbogentüren der alten Altarwand erhielten. ... Die Gottesdienste beider Konfessionen verliefen in den Folgejahren parallel in der St.-Laurentius-Kirche.“
Ab 1968 begannen – laut Protokollen und Aktenbestand wohl kontroverse – Verhandlungen beider Glaubensgemeinschaften über den Verkauf von St. Laurentius an die katholische Kirche, die mit einer Zahlung in Höhe von 145.000 DM im Jahre 1973 endeten.
Seit Anfang der 2020er Jahre finden in der St.-Laurentius-Kirche aber keine Gottesdienste mehr statt. Das Kirchenmobiliar wurde weitestgehend ausgeräumt, ebenso die liturgischen und sakralen Geräte. Das Bistum Hildesheim erwägt mittlerweile den Verkauf des Kirchengebäudes. Schon seit geraumer Zeit wird auch in Bodenburg über eine sinnvolle Nachnutzung der Kirche nachgedacht. Der Bodenburger Hans-Oiseau Kalkmann hat sich bereits für eine Umwandlung in ein von der Dorfgemeinschaft nutzbares Kunst- und Konzertgebäude ausgesprochen. Darüber hinaus hat sich auch ein Studierender der HAWK Hildesheim-Holzminden im Rahmen seiner Masterarbeit mit diesem Thema beschäftigt.
Fest steht nach Aussagen des Ortsrates: Die historische St.-Laurentius-Kirche hat für den Ort einen hohen Stellenwert und soll für die Bodenburger Bevölkerung und die Region erhalten bleiben. Ideen für eine Nachnutzung und deren Finanzierung werden diskutiert und Gespräche mit dem Domhof geführt.
Pfarrhaus
Zu finden: Pastorengasse 1
Das um 1750 auf einem direkt an den Schlosspark angrenzenden Grundstück errichtete Pfarrhaus der St.-Laurentius-Kirche von Bodenburg ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau unter Halbwalmdach, dessen Balkenköpfe mit einem profiliertem Deckbrett vor Witterungseinflüssen geschützt sind. Das Obergeschoss kragt leicht vor. Der Eingang liegt mittig in der streng symmetrischen und fünfachsigen Ostfassade. Die Südseite ist im Erdgeschoss ziegelmassiv, oberhalb davon sind die Gefache in Backstein ausgemauert. Die Nordgiebelfläche und das Obergeschoss sind mit Ziegelpfannen verkleidet. Eingefriedet ist das Pfarrgrundstück im Westen und Norden durch eine hohe Kalkbruchsteinmauer, im Süden ist diese lediglich bis zum Pfarrhausgiebel erhalten. Im Pfarrgarten steht, als Blumenschale genutzt, der Rest eines achtseitigen verzierten Taufsteins aus dem Jahre 1642.
Das Pfarrhaus wird nicht mehr von einer Pastorenfamilie bewohnt, dort befindet sich aber noch immer das Pfarramt der Bodenburger Kirchengemeinde.
@Verena: Gehören die Pfarrhaus-Fotos zu St. Laurentius oder St. Johannis?
Das zur St.-Johannis-Kirche gehörende Pfarrhaus liegt der Kirche gegenüber in der Kirchstraße 21a. Es wurde in der Liste der Brandkasse zunächst als Haus mit der Brandversicherungs-Nr. 64 in Bodenburg geführt und nach der Vereinigung der beiden Bodenburger Kirchengemeinden im Jahre 1912 verkauft. Seitdem diente es mehreren Familien als Wohnhaus und befindet sich, heute modernisiert, im Privatbesitz einer Familie.
Alte Schule
Zu finden: Teichstraße, Sehlemer Straße/Am Markt und Lamspringer Straße
Über lange Zeit gab es in Bodenburg zwei Schulen, die Schulhäuser St. Laurentius und St. Johannis. Wann genau diese gegründet wurden, ist nicht bekannt. Da aber Herzog August von Braunschweig (1635-1666) im Jahre 1647 in einer Landesordnung verfügte, dass alle Kinder lesen und schreiben lernen sollten und vier Jahre später die Dörfer verpflichtete, Schulen einzurichten, ist davon auszugehen, dass dem auch in Bodenburg Folge geleistet wurde. Da in den Kirchenbüchern der Tod eines Bodenburgers im Jahre 1662 notiert ist, der über 57 Jahre das Amt des Schulmeisters und Opfermannes verwaltete, ist es durchaus möglich, dass dieser der erste Schulmeister von Bodenburg war und es dort demnach schon um 1600 ein Schulhaus gab. In der Nachfolgezeit sind Schulmeister und Kantoren namentlich bekannt, die für einen regelmäßigen Unterricht in Bodenburg sorgten.
Von den beiden Schulgebäuden ist erst 1767 die Rede. Jede dieser Schulen verfügte über einen eigenen Lehrer. Die Laurentiusschule neben der St.-Laurentius-Kirche besuchten die Kinder der am Gutshof beschäftigten Familien aus Bodenburg und Oestrum, alle andern gingen zur Schule St. Johanni. Diese lag mit der Brandversicherungs-Nr. 63 neben dem Pfarrhaus und der Johannikirche gegenüber und war „von Eichen- und Tannenholz erbaut, mit Steinen und Lehmsteinen ausgemauert“. In diesem Schulhaus wurden bis zum 31.12.1847 Kinder unterrichtet und der Schulbetrieb anschließend in dem von der Gemeinde gekauften Bürger- und Brauhaus Nr. 81 in der Sehlemer Straße fortgesetzt.
1870 entschloss man sich zur Zusammenführung beider Schulgemeinden, wobei beide Schulgebäude weiter genutzt und nach Bedarf auch erweitert wurden. Mit steigenden Schülerzahlen Anfang des 20. Jh. war die Einstellung eines dritten Lehrers notwendig und ein Teil der Kinder musste ab 1903 in einem Behelfsklassenzimmer in der Gaststätte Dortmund unterrichtet werden. Gleichzeitig begann man mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes mit Klassenräumen und drei Lehrerwohnungen sowie einem Nebengebäude mit Schultoiletten, drei Stallungen und einer Waschküche für die Lehrerfamilien im Pfarrgarten von St. Johanni. 1905 wurde die neue und große Schule eingeweiht. 1955 wurden die Nebengebäude abgerissen und durch ein neues Gebäude für die Schultoiletten ersetzt. Im selben Jahr baute man auf dem Schattenberg zwei neue Lehrerwohnungen und gewann damit zwei weitere Klassenzimmer in der Schule.
Heute werden die Bodenburger Kinder sowie die Kinder aus Breinum, Östrum und Wehrstedt in der zweizügigen Grundschule am Ortsrand unterrichtet.
Aus dem alten Schulhaus an der Sehlemer Straße wurde ein Wohnhaus mit mehreren Wohnungen und einem Architekturbüro.
Beide Gebäude existieren heute nicht mehr.
Drei unter Denkmalschutz stehende Straßenzüge
Der Kernbereich der heutigen Bodenburger Altstadt geht auf eine Handwerker- und Kleinbauernsiedlung zurück, die ab dem 14. Jahrhundert vor der Burg nachweisbar ist. Die hier lebenden Bewohner stellten eigene Bürgermeister und verfügten über eigene Privilegien, wie z.B. dem Braurecht und dem Recht, regelmäßig Märkte abzuhalten.
Von der ortsmittigen Platzanlage „Am Markt“ gehen drei Straßen sternförmig Richtung Norden(Teichstraße), Richtung Westen (Sehlemer Straße) und Richtung Süden (Lamspringer Straße). Die zumeist traufständig stehenden und direkt aneinander angrenzenden Fachwerkhäuser unter Satteldächern entstanden überwiegend in den Jahren 1836-1867, nachdem Großbrände den Ortskern vernichtet hatten. Da die Wohn- und Geschäftshäuser direkt an die jeweilige Straße angrenzen, verfügen fast alle über eine Hinterhofbebauung auf den schmalen, rückwärtigen Parzellen. Nicht alle Häuser können an dieser Stelle erwähnt und beschrieben werden. Stellvertretend sollen hier nur einige Häuser älterer Bauzeit genannt werden.
Das älteste Gebäude und in seiner Gesamtheit erhalten ist das Wohn-/Wirtschaftsgebäude in der Teichstraße 5. Bauherr und Baujahr sind in der Balkeninschrift über dem mittig liegenden Dielentor festgehalten: Angezündetes Feuer und Brandt hat voriges Haus verzehrtt. Der mildt reiche Gott hat durch seine Hulfe auf neue wieder beschehrtt. Tile Karsten Ilsa Maria Bartheram 1677
1678 entstand das dreigeschossige, traufständig Fachwerkhaus mit vorkragendem zweiten Obergeschoss an der Teichstr. 9.
Das Nachbarhaus mit der Hausnummer 11, ein zweigeschossiger Fachwerkbau, wurde im Laufe der Jahrhunderte baulich verändert und das Dielentor zugesetzt. Laut Torsturzbalken ist es datiert auf das Jahr 1670.
Der Gebäudekomplex an der Straßenecke Am Markt/Teichstraße besteht aus zwei Gebäudeteilen, einem dreigeschossigen Wohnhaus mit Gastwirtschaft, an dessen Ostgiebel das Obergeschoss vorkragt. Es wurde um 1700 erbaut. Traufständig zur Teichstraße wurde 1826 ein zweigeschossiger Fachwerkbau auf erhöhtem, verputztem Sockel angesetzt.
Nähere Informationen zu allen Gebäuden der unter Denkmalschutz stehenden Straßenzüge sind hier zu finden.
@Verena: Kommt noch Text zu Lamspringer und Sehlemer Straße? Dafür gibt's ja viele Fotos.
Spuren von historischen Produktionsstätten
Eine die ältesten Produktionsstätten des Ortes existiert heute nicht mehr. Es wurde 1972 abgerissen, soll aber wegen seiner großen Bedeutung in der Vergangenheit Bodenburg zumindest Erwähnung finden.
Bodenburgs Haus Nr. 1 war das Rats- und Brauhaus. Es wurde im 16. Jh. am heutigen Marktplatz errichtet. Aus einer Ortsbeschreibung aus dem Jahre 1770 geht hervor, dass „das Brauen geschiehet in dem zu solchen Behuefe angelegten gemeinen Brauhauße, welches zugleich das Rathhauß ist. Es liegt mitten im Flecken auf dem Markte, ist in der Brandversicherung-Gesellschaft sub Nro 1 catastriret. ... Die Brau-Gerähte werden auf gemeine kosten unterhalten. Die Brauzeit gehet unter vorgedachte 62 Brauer auf der Reihe ...“
Heute erinnert nur noch ein bemaltes Trafohäuschen am Marktplatz, auf dem ein freundlicher Gastwirt mit einem Bierkrug in der Hand abgebildet ist, an das Bodenburger Rat- und Brauhaus.
Natürlich gehört unter diese Rubrik auch der berühmte „Bullenstall“ des Steinberg'schen Gutes in Bodenburg. Über diesen kann man hier und hier mehr erfahren.
Werkzeugfabrik
Zu finden: Sehlemer Straße
Spuren hinterlassen hat auch die längst nicht mehr produzierende Werkzeugfabrik an der Sehlemer Straße, deren Gebäude man aber auch vom Schlosspark aus sehen kann.
Sattlerei
Zu finden: Lamspringer Str. 3
Der Pferdekopf und das Innungsschild der Sattler erinnern an die Werkstatt von Alwin Löhmann. Das Schild schenkten Löhmanns Kinder, in Ergänzung zum bereits damals vorhandenen Pferdehof, zum 100. Geschäftsjubiläun im Jahre 1990. Das Löhmann´sche Haus, ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit neun Fensterachsen und außermittig liegendem Querdielentor, entstand im Jahre 1830. Die Sattlereilag ehemals zwischen Eingangstür und Dielentor hinter dem etwas tiefer angesetzten dreigeteilten Fenster.
Bahnhof
Zu finden: ???
Der Bodenburger Bahnhofskomplex gehört heute zu den wenigen nahezu komplett erhaltenen, relativ unveränderten, kleineren ländlichen Bahnhofsanlagen, die im Rahmen der im Jahre 1900 geschaffenen Bahnstrecke von Elze bis Bad Salzdetfurth entstand. An dieser Bahnstrecke, an der auch die Kreisstadt Gronau und die Orte Almstedt/Segeste lagen, profitierten vor allem Wirtschafts- und Gewerbebetriebe von den Transportmöglichkeiten per Bahn. Auch Bahnhaltepunkte ins Despetal und die Verknüpfung mit der Bahnstrecke nach Groß Düngen wurden geschaffen. Darüber hinaus nutzten natürlich auch die Züge des Personenverkehrs die Bahnstrecke. Mit der Fertigstellung der Verbindung Bodenburg – Bad Gandersheim im Jahre 1902 war das Nebenbahnnetz vollendet und Bodenburg entwickelte sich zu einem Bahn-Knotenpunkt mit mehreren Gebäuden.
Hier erinnert Joachim Diehl (2001) an Entstehung und Geschichte der Alme-/Lammetalbahn.
Die bis heute erhaltenen Gebäude haben laut Denkmalatlas Niedersachsen „aufgrund ihrer beispielhaften Ausführung geschichtliche Schau- und Zeugniswerte für die Bau-, Verkehrs- und Technik- bzw. Wirtschaftsgeschichte um 1900“ und stehen daher unter Denkmalschutz.
Zur Bahnhofsanlage gehören das Empfangsgebäude mit Güterschuppenanbau, der ehemalige Lokschuppen, der Wasserturm und zwei Wohngebäude sowie die komplett vorhandene Technik des mechanischen Stellwerkes und der Gleisbereich mit Schienen, Weichen, Spannwerken und Signalen mit ihrem technischen Zubehör. „Neben den baulichen Anlagen trägt auch das mit allen Zeitschichten erhaltene Gleisfeld erheblich zum Denkmalwert der gesamten Anlage bei. Jedes der ursprünglich 11 Gleise hatte eine spezielle Aufgabe bzw. Funktion, als Haupt- Ein- und Ausfahrgleis, Abstellgleis für Güterwagen, u.a. für die Rübenanlieferung sowie als Umfahr- oder Lokschuppengleis.“
Während das zwischen 1901 und 1902 entstandene Empfangsgebäude an der Bahnhofstr. 8 heute ungenutzt ist, leer steht und nach Verkauf an eine Privatperson im Jahre 2018 nun verfällt, sind die beiden Bahnarbeiter-Wohnhäuser Am Bahnhof 2 und 4 nach wie vor bewohnt. Der südlich des Bahnhofs gelegene dreigeschossige Wasserturm mit Ziegelsichtmauerwerk prägt bis heute das Ortsbild von Bodenburg und Oestrum. Auch er wurde 1901/02 im Zuge der Neuanlage des Bahnhofes Bodenburg erbaut.
Die Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahnen (AHE) schätzt die Bedeutung des Bodenburger Bahnhofs ebenfalls hoch ein:
„Der Bahnhof Bodenburg ist in seiner Erhaltungsform ein wertvolles Zeugnis dieser vergangenen Epoche und könnte dies mit entsprechendem Engagement auch wieder für die Allgemeinheit zeigen. Noch immer erinnern Lokschuppen, Wasserturm, Signale und Bahnsteige eindrucksvoll an diese Zeit. Nur wenige wissen, dass dort nicht nur Dampflokomotiven gepflegt worden sind, sondern auch bereits ab etwa 1910 damals hochmoderne Akkutriebwagen eingesetzt worden sind. In Bodenburg hat es eine unglaubliche Vielfalt im Fahrzeugeinsatz gegeben, weswegen das gesamte Areal schützenswert ist. Der Denkmalschutz des Ensembles ist eine willkommene Ergänzung zu der Wiederaufnahme eines öffentlichen, historisch-touristischen Verkehrs von Bodenburg nach Almstedt-Segeste.“ 23.10.2022, aus: https://www.almetalbahn-online.de/?p=4501
@Verena: Haben wir keine Fotos vom Bahnhof?