Gedicht von Therese Bormann anlässlich der Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses
Mit unserer Schule ist es aus,
ein Hoch dem Dorfgemeinschaftshaus.
Wo früher uns die Köpfe rauchten
und wir was mit dem Rohrstock brauchten
da herrschet jetzt und in künftiger Zeit
nur lauter Lust und Fröhlichkeit.
Das Schulhaus stand schon Jahre leer
hier gibt’s ja keine Kinder mehr.
Der Ortsrat tüftelte dann aus:
Das wird das Dorfgemeinschaftshaus.
Doch es wurde lange nichts auf die Beine gestellt,
die Gemeinde in Harsum hatte kein Geld.
Adlums Jugend nutzte zwar hin und wieder das große Zimmer,
es gab nur eine Steckdose
und die Toiletten machten die Sache noch schlimmer.
Tische und Stühle kaufte zwar Pfarrer Richter aus der Kirchenkasse,
aber sonst sah es trostlos aus in jeder Klasse.
Elisabeth Vollmer geb. Schrader hat immer wieder Eingaben
wegen einer Teeküche gemacht
und damit die Sache beschleunigt und den Umbau endgültig
ins Rollen gebracht.
Auch dem Ortsrat verging allmählich das Lachen,
sie spuckten in die Hände und sagten:
Dann werden wir eben alles selber machen!
Herr Lenz arbeitete den Umbau aus,
und dann ging Adlum ran an das Haus.
Handwerker und Bauern fingen gemeinsam an,
der Ortsbürgermeister ging mit gutem Beispiel voran.
Zuerst sollte die Firma Dammeyer den Schornstein abtragen,
doch das ließ sich Meister Franz des öfteren sagen.
Erst in der Schlechtwetterzeit
war seine Firma für sowas bereit.
Nach Feierabend begann hier nun ein emsiges Treiben,
das hatte nichts mehr zu tun mit Lesen und Schreiben.
Adlumer Bürger nahmen Hammer und Meißel zur Hand,
unter „Hau Ruck“ und mit Getöse fielen die Steine aus der Wand.
Bis tief in die Nacht zog der Boschhammer Kreise,
und so ein Ding läuft leider nicht leise.
Familie Wander fühlte sich gestört,
sie riefen „Ruhe“ und „sowas ist ganz unerhört“!
Als die Späthandwerker darüber lachten
und immer wieder weitermachten,
da kam er runter, der Wandersmann
und bot den Leuten Schläge an.
Kommt nur her, wir werden nicht bange,
auf so eine Gelegenheit wartet die Gemeinde schon lange.
Wie oft habt ihr mit kreischenden Bremsen Adlumer Bürgern den
Schlaf geraubt,
wir hauen euch die Jacke so voll, daß sie nie wieder staubt.
Da zog sich die Familie Wander kampflos zurück,
wenn ich mir den Ortsrat so ansehe, war das auch ihr Glück.
Die Arbeit ging uns weiter gut von der Hand,
Adlumer Bauern fuhren Steine und Sand.
Kaiser, Heinz, Moritz und Fröhlich waren immer zur Stelle,
sie nutzten und rappten mit ihrer Kelle,
Willi und Alo waren mit der Heizung am Gange,
nur das Strippenlegen, das dauerte lange.
Dieter konnte und konnte sie nicht zieh’n,
er hatte zur Zeit keinen freien Termin.
Um eine optimale Höhe zu erlangen,
mußten wir auch noch die Decken abfangen.
Der Ortsbürgermeister hat sich so geschunden,
seitdem hat er eine Sehnenzerrung und Hand und Arm bis dahin verbunden.
Und taten wir uns ob der schweren Arbeit selber leid,
hielt Gerhard Lüke ein Schnäpschen bereit.
Auch Bier gab es für die staubigen Kehlen,
die vielen Flaschen kann keiner mehr zählen.
Samstags wurden auch mal Brötchen serviert,
dick mit Feuerwehrmarmelade beschmiert.
Der Fußboden wurde an eine Firma vergeben,
doch die ließ sich Zeit und kam nicht zum Kleben.
Erst nach vielen Ermahnungen kam sie endlich zum Zuge
und hinterließ in den Mitte eine gewaltige Fuge.
Heinz Gosewisch baute eine neue Küche ein,
nur der Wasserboiler ist ein bißchen zu klein.
Ein Kasten muß da auch wieder raus,
das ist kein Problem, nur das Licht geht kurz aus.
4 Steckdosen sind zwar 'ne ganze Menge,
doch alle in einer Ecke, das gibt beim Kochen ein böses Gedränge.
Geschirr ist lang da, dazu die Bestecke,
ein Kaffeeautomat steht auch in der Ecke.
Töpfe und Kannen sind auch reichlich hier,
es gibt Aschenbecher, Frühstücksbretter und Öffner für’s Bier.
Vor der Benutzung mußte man noch einmal die Maurer rufen,
vor der Haustür waren kaputt alle Stufen.
Im September sollte das Haus fix und fertig sein,
da wollte Herr Pastor mit seinen Kursteilnehmern zum Essen da rein.
Aber erst im November, da war es soweit,
da stand das Dorfgemeinschaftshaus für die Gemeinde bereit.
Fast war alles fertig, Garderobe, Gardinen und so,
dazu noch das Herren- und Damenklo.
Extra Fußbodentrapse in beiden,
um Überschwemmung zu vermeiden.
Nur die Türen waren noch nicht bestellt,
die große kostet 10.000,- DM und dafür fehlte das Geld.
Die Endreinigung machte der Frauenverein,
der Ortsbürgermeister lud alle Helfer zur Einweihung ein.
Viele Ehrenamtliche hatten das Ihre dazu getan,
erfüllt war der Fünf-Jahres-Plan.
Zum Dank gab es Essen und Trinken in Massen,
jeder durfte ruhig öfter zufassen.
Dann kamen die obligatorischen Reden,
jeder lobte und dankte nun jedem.
Gemeindedirektor Moldt und Bürgermeister Budde war’n auch mit dabei,
Seppel Budde erwähnte wieder, daß er ein halber Adlumer sei.
Seine Mutter Therese Fleige ist aus gutem Adlumer Holz,
und darauf ist der Aseler Budde heute noch stolz.
Die Ortsheimatpflegerin schenkte alte Schulfotos mit Rahmen
und ein Tablett kam von den putzenden Damen.
Alle Adlumer Vereine - genannt AAV - schenkten Geld,
und der Reichsbund hatte ebenfalls ein Wandbild gestellt.
Pastor Dyckhoff ließ herzliche Grüße entbieten,
Denn auch er möchte gerne diese Räume mal mieten.
Der Ortsbürgermeister nahm alles dankend entgegen,
und dann kam das gute Essen allen gelegen.
Es wurde getrunken, erzählt und gelacht,
jeder hatte das Gefühl, hier hast du endlich was Gutes mitvollbracht,
38 Prozent machten öfter die Runde,
manche hatten auch Bier im Munde.
Zwei Männer konnten das wohl nicht vertragen,
sie wollten sich vor der Theke noch an den Kragen.
Die Schläger werde ich keinesfalls nennen,
nur soviel, Gerhard Lüke wollte die Kampfhähne trennen,
sie waren am Raufen, es flogen die Loden,
der Ortsbürgermeister lag ganz plötzlich selber am Boden.
Darüber waren die Streiter so erschrocken,
sie machten sich gemeinsam schnell auf die Socken.
Am nächsten Tag war offene Tür,
das halbe Dorf war da schon hier.
Jungkolping bot Kaffee, Brötchen und Kekse an,
das Dorfgemeinschaftshaus gefiel jedermann.
Nun steht es bereit für Vereine und Feste,
für alle Adlumer und ihre Gäste.
Das alte Schulkreuz ist auch zurückgekommen,
und heute hat unser verehrter Pastor Dyckhoff die Segnung
der Räume vorgenommen.
Sie, meine lieben Herren und Damen,
waren bei der Handlung der würdige Rahmen.
Der Segen Gottes möge hier jede Feier begleiten,
er bleibe bei uns heute, morgen und in allen ferneren Zeiten.