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Duingens Töpfergeschichte

Duingen lag in einem der bedeutendsten Töpferzentren Norddeutschlands, dem Pottland. Die Duinger Töpfer verwendeten Ton, der aus dem Erdzeitalter Wealden stammte und der in großen Ablagerungen oberfächennah rund um Duingen zu finden war. Den hier lebenden Töpfern stand das Recht zu, jederzeit im Wald nach Ton zu graben. Voraussetzung hierfür war die Sorge darum, Schäden an Wegen und Bäumen zu vermeiden. Als Gegenleistung für den freien Abbau des Tons verpflichteten sie sich, die Öfen des Amtes Lauenstein zu bauen und zu warten.

Der Schwerpunkt des Töpferhandwerks lag in Duingen etwa ab 1250 in der Herstellung von Steinzeug, das wasserundurchlässig und mit einer schmückenden Glasur versehen und in Europa zu dieser Zeit eine Neuheit war. Es hatte einen höheren Gebrauchswert als die bis dahin gebräuchlichen irdenen und wasserdurchlässigen Kochgeschirre, war zum Kochen allerdings nicht geeignet. Hier war man bekannt für die Herstellung von mit Ornamenten und Medaillons verzierten Trinkgefäßen, Kannen und Krügen, mit denen sich wohlhabende Höfe, Bürgerhäuser oder auch Klöster beliefern ließen. Bekannt sind aus Duingen auch Gefäße und mit Tiermotiven, Spruchbändern und Wappen sowie farbig gestaltete Teller und Schüsseln. Das wasserdichte und säurebeständige Steinzeug der Duinger Töpfer wurde auch von Apothekern besonders geschätzt. Sie ließen sich hier Gefäße für Salben, Tinkturen und Rohstoffe anfertigen. Auch die Duinger Pullen, Henkelflaschen aus Steinzeug für die Aufbewahrung von Mineralwasser, wurden im 18. und 19. Jh. ein Produktionsschwerpunkt und waren bis zur Einführung der Glasflasche ein mit Duinger Stempeln versehener Markenartikel.

Die nähere Umgebung wurde mittels Hausierern und ärmeren Töpfern zu Fuß und per Kiepen mit Topfwaren versorgt. Auf diese Weise gelangten nicht nur die Duinger Töpfe in die Dörfer und zu den Jahrmärkten in Braunschweig, Goslar, Wolfenbüttel und Hildesheim, sondern auch die neuesten Neuigkeiten wurden von den Topfhändlern von unterwegs mitgebracht.

Der größte Teil der im Raum Duingen hergestellten Ware wurde jedoch über Topfhändler weit über die Grenzen des Pottlandes hinaus bis nach Danzig, Königsberg oder auch nach Groningen in Holland transportiert und dort verkauft. Dazu machten sich die Töpfer in den Sommermonaten häufig in hochbeladenen Pferdewagen mit ihren Familien zu Töpferreisen auf, um ihre in den Wintermonaten gefertigten Waren zu verkaufen. Nicht selten kam es während dieser Reisen auf unbefestigten Straßen zu schweren Unfällen, bei denen nicht nur die zerbrechlichen Töpferwaren zu Bruch gingen, sondern sich die Reisenden verletzten oder zu Tode kamen. Gleichwohl gehörten Geburten von Töpferkindern zum Alltag der reisenden Familien. So sind aus der Zeit zwischen 1730 und 1850 in Kirchenbüchern 250 Geburten und 150 Sterbefälle von Duinger Töpfern in der Fremde verzeichnet. Ein im Duinger Töpfermuseum erhältliches Kinderbuch (Maries Töpferreise) erzählt anschaulich die Geschichte einer reisenden Töpferfamilie.

Beliebter war daher schon im Mittelalter der Transport der Pottwaren per Schiff. Dieser war kostengünstiger und ging erschütterungsarm von statten. Wohlhabende Duinger Töpfer kauften anderen Töpfern ganze Ofenladungen ab, transportierten diese mit eigenen Wagen zu den Weserhäfen Bodenwerder, Hameln und Vlotho, von wo aus sie auf Flößen und Kähnen bis zum Umschlagplatz Bremen verschifft wurden. Hier wurden die Waren auf größere seetaugliche Schiffe umgeladen und schließlich über die Nordsee bis nach Holland, England und Norwegen und über die Ostsee nach Ostpreußen und ins Baltikum transportiert. Bekannt sind wegen der über die Weser verbreiteten und seit Beginn des 17. Jh. gefertigten und farbig gestalteten feinscherbigen Töpfergegenstände auch als Weserwaren.

Der technische Fortschritt (die Erfindung der Zentrifuge) und neue Materialien wie Glas, Zinn, Fayencen und Porzellan ersetzen ab dem 18. Jh. zunehmend das Steinzeug und seitdem war die Zahl der Töpfereien in Duingen rückläufig. Von den einst vierzig angesiedelten Töpfern blieben bis zum Beginn des 19. Jh. noch gut 20 Betriebe erhalten, schon bis zum Jahr 1900 war ihre Zahl auf sechs geschrumpft. Man stellte auf die Produktion von Wasser- und Kanalisationsröhren und Blumentöpfe um.

Die letzte Töpferei Duingens, der Betrieb Heinrich Müllers, stellte die Arbeit 1947 ein. Andere bekannte und traditionsreiche Töpfereibetriebe waren zu dieser Zeit schon geschlossen.

Der bereits 1686 in Duingen angesiedelte Betrieb der Familie Heuer ging nach mehreren Umstrukturierungen 1938 in die Firma „Duinger Steinzeug- und Tonwarenfabrik Knolle & Co.KG“ über, die zuletzt Tonröhren für die Bauindustrie herstellte. Die Produktion musste 1969 eingestellt werden.

Ein Grabstein auf dem alten Kirchhof erinnert noch heute an den Duinger Töpfermeister Lampe, der seine Töpferei 1925 aufgab.