Die bloße Zelle
Auf dem nördlichen Teile des Hilses liegt die bloße Zelle, einst Grenzpunkt des Amtes Lauenstein. Die Sage erzählt, dass hier in grauer Vorzeit ein Versammlungsort zur Feier des neuen Jahres oder der Scheidung zwischen Winter und Sommer gewesen sei. Diese fiel auf den ersten Mai und war eines der größten Feste der Alten. Später verlegte man es auf Pfungsten und machte aus der Fahrt zur alten Volksversammlung am ersten Mai eine Hexenfahrt.
Von Zeit zu Zeit versammelte der Teufel hier seine Getreuen beim Hexensabbath. Nachdem die Hexen sich mit einer Salbe aus Totenfett und Alraunwurzel bestrichen hatten, erhoben sie sich in die Lüfte und ritten auf Besenstielen zum Versammlungsort. Hier angekommen, mussten sie zunächst ihr Hexenmal vorzeigen und dem Teufel huldigen. Dabei entsagten sie feierlich Gott und den Heiligen und gelobten sich aufs Neue dem Satan, traten ein Kreuz mit Füßen, tanzten, mit dem Rücken zusammen, je zwei und zwei umher und schwelgten schließlich bei einem scheußlichen Mahle. Danach tanzten und sangen sie zügellos bis zum Hahnenschrei.
Im Morgengrauen ritten sie auf ihren Besenstielen wieder heimwärts, wobei sie etwas von ihren Zaubermitteln auf die Felder und Häuser ihrer Feinde niederfallen ließen. War der Weg einzelner Hexen weit, so verwandelten sie sich in irgend ein Tier, um unerkannt wieder in ihre Häuser zu gelangen.
Anmerkung:
- Oben auf der bloßen Zelle bezeichnet noch jetzt eine Vertiefung den alten Opferplatz. Er wird eie "Teufelsküche" genannt. Zu dieser Stelle führt ein alter, ausgetretener Weg, den der Volksmund noch heute "Bockssteig" nennt.
- In Merians Toppgraphie vom Jahre 1654 heißt es auf Seite 97: "Am Ende des Hilses befindet sich ein sehr hoher kalher Berg, wird genannt auf den bloßen Zellen, worauf dem Vorgeben und Einbilden nach die Hexen in der Walpurgisnacht, gleich wie auf dem Brockenberge am Harz, ihre Tänze halten sollten."