Die Sage vom Sippscher Feld
Die Ortschaft Duingen lag früher auf dem Sippscher Feld im Duinger Wald. Durch das lohnende Gewerbe des Töpferhandwerks waren die Bewohner wohlhabend geworden und führten ein ausschweifendes, gottloses Leben. Während die Kirche leer war, waren die Gasthäuser ständig überfüllt. Der Herrgott, dem dieses Treiben nicht gefiel, hatte bereits durch mehrere Zeichen seinen Unwillen zu erkennen gegeben, aber alle Warnungen waren unbeachtet geblieben.
Als nun an einem Karfreitag die Glocken zum Gottesdienst riefen, hielt gerade der Bürgermeister mit seinen Ratsherren im Ratskeller ein großes Trinkgelage ab. Der Pfarrer, der mit seinen Messdienern auf dem Wege zur Kirche dort vorbeikam und das Lärmen hörte, ermahnte den Bürgermeister und sein Gefolge, von dem gottlosen Leben abzulassen. Sie sollten lieber im Gedenken an Christi Tod den Tag würdig begehen. Ob dieser Vorhaltungen ergrimmte der Bürgermeister nun derartig, daß er mit seinem irdenen Bierkrug dem Pfarrer den Kopf zerschmetterte! Sterbend fiel dieser den Messdienern in die Arme.
Die anwesenden Ratsherren waren vor Entsetzen stumm. sie ahnten, daß diese Tat nicht ungesühnt bleiben würde. Eine Stille trat zunächst ein, dann aber erfolgte ein mächtiger Donnerschlag, die Erde tat sich auf und in wenigen Augenblicken war der ganze Ort mit samt seinen Bewohnern in der Tiefe verschwunden! Nur einige wenige konnten ihr nacktes Leben retten und siedelten sich am Waldrand an, wo sie das Dorf Dingen gründeten.
Im Wald aber, wo einstmals der blühende Ort gestanden hatte, blieb nur ein übelriechendes Sumpfloch zurück. Das Gelände wurde später aufgeforstet, aber auch heute noch nach vielen hundert Jahren kann man am Karfreitag während der Kirchzeit die Glocken der untergegangenen Kirche läuten hören; auch sollen an diesem Abend die Lichter der alten Wohnstätten wieder auftauchen!
In der Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten im Rahmen von archäologischen Notgrabungen sehr umfangreiche Scherbenfunde, Brennofen-Fundamente und andere Siedlungsspuren auf dem Sippscher Feld zu Tage gefördert werden. Es war die Siedlungsstelle des einstmals hier gelegenen Ortes Seypessen. Zeitgleich sind durch Tonabbau die letzten Reste dieser Siedlung endgültig verschwunden. In der nach Ende der Ausbeutung abgesoffenen Tongrube hat sich mittlerweile ein See gebildet.
Das Bild zur Duinger Gründungssage hat im Jahre 2018 der Alfelder Künstler Hans Karl Gröling geschaffen.