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Der letzte Hexenprozeß auf dem Wohldenberg

In den Jahren 1662 bis 1716 lebte in dem kleinen, friedlichen Dorfe Silium ein Mann, der als Farenmacher und Wahrsager nicht allein in Sillium, sondern auch in der weiten Umgebung sehr bekannt war. Auch der Zauberei und Hexerei soll er fähig gewesen sein. Überall, wo etwas los war, war er zu finden und wegen seiner Prahlereien nannte ihn der Volksmund Großmaul. Dieser Mann war der [...] Rademacher Christoph Boges. Es hieß von ihm , daß er mit geheimen Mächten in Verbindung stände. Er soll auch, wie die Chronik erzählt, krankes Vieh durch Freisprechung kuriert haben.

In Sillium selbst war Boges infolge seines Großmauls nicht beliebt. Die Alten gingen ihm aus dem Wege und die Kinder machten einen großen Bogen oder nahmen Reißaus, wenn sie ihn sahen. Somit soll er ein fleißiger Mann gewesen sein, der treu und brav für seine Angehörigen sorgte. Viel Geld soll Boges neben seiner Stellmacherei als Wahrsager verdient haben, denn in der damaligen Zeit war auf dem Lande der Aberglaube noch sehr groß und so wurde er von der Landbevölkerung viel aufgesucht, die sich die Zukunft von ihm prophezeien ließen.

Nun brach im Jahre 1714 in Sillium unter den Viehbeständen der Bauern eine Seuche aus, Boges wurde herbeigeholt, um das Vieh zu besprechen, damit es wieder gesund würde. Da aber die Besprechungen nichts halfen, im Gegenteil, sich die Seuche noch weiter ausbreitete, wurde er der Hexerei beschuldigt. Die Bauern von Sillium beriefen eine Versammlung ein, in welcher Boges öffentlich der Hexerei beschuldigt und beschlossen wurde, ihn, der mit dem Teufel Umgang hätte, der Hexerei anzuklagen.

Hierauf wurde der Rademacher festgenommen und dem Amt Wohldenberg zugeführt. Viele Monate hat er als Untersuchungsgefangener in der Burg geschmachtet. Als das Amt ihn nicht überführen konnte und er fortgesetzt seine Unschuld beteuerte, sollte er wieder freigelassen werden. Die Bauern aber, die hiervon Kenntnis erhielten, wandten sich beschwerdeführend an die Regierung in Hildesheim mit dem Erfolg, daß die Untersuchung gegen Boges in Hildesheim weitergeführt wurde. Da von ihm über seine Hexerei kein Geständnis zu erzielen war, wurden nun scharfe Torturen gegen ihn angewandt, die sich täglich in verschärfter Form wiederholten. Die Qualen und Schmerzen machten Boges so mürbe, daß er endlich das Geständnis ablegte, mit dem Teufel im Bunde gestanden und das Vieh in Sillium behext zu haben.

Hierauf wurde Borges am 3. Juli 1716 zum Feuertode verurteilt. Auf die Bittgesuche seiner Angehörigen und Anhänger wurde auf dem Gnadenwege erzielt, daß Boges durch das Schwert hingerichtet wurde. Die Hinrichtung hat dann einige Wochen nach seiner Verurteilung in Hildesheim öffentlich stattgefunden.

Dieser Hexenprozess soll nach Chronik der letzte im Bezirk Hildesheim gewesen sein.

L. Lohoff, Hackenstedt

erschienen in: L.Lohoff, Hackenstedt; aus Heimat-Beobachter 1937, gefunden in der Dorfchronik von W. Bischoff, Hackenstedt