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Interessant + Wissenswert



Sagen und Geschichten

Der Gefangene im Burgverlies

Die bekannteste Geschichte ist die des Lübecker Bürgermeisters Jürgen Wullenweber. Er wurde nach politischen Auseinandersetzungen von 1535 bis 1537 auf der Burg Steinbrück gefangen gehalten, gefoltert (Er wurde immer wieder für Stunden an den Daumen aufgehängt.) und verhört. Die düsteren Kellergewölbe und das Verlies haben später die Vorstellung genährt, dass es in der Burg „spuken“ könne. Tatsächlich wird berichtet, dass sich sogar moderne Geisterjäger mit der Burg beschäftigt haben.

Die Sage vom Kehrwiederturm

Der Name „Kehrwieder“ regt seit Jahrhunderten die Fantasie an. In vielen norddeutschen Orten tragen Türme oder Tore diesen Namen. Volkstümlich wurde er oft als Zuruf an Reisende gedeutet: „Kehr wieder!“ – also „Komm zurück!“. Ob dies tatsächlich die Herkunft des Namens in Steinbrück ist, lässt sich nicht belegen, aber die Deutung wurde immer wieder erzählt. Der mächtige Turm, der heute die Kehrwiederkirche beherbergt, bietet dafür einen passenden Stoff.

Die versunkene Fuhse

Im Umfeld der Burg existieren Erzählungen über den alten Verlauf der Fuhse. Weil Flussläufe, Gräben und Dämme im Laufe der Jahrhunderte verändert wurden, entstand die Vorstellung, dass sich unter Wiesen und Feldern noch alte Wasserarme und verborgene Anlagen der Burg befinden. Der Förderverein der Burg dokumentiert verschiedene historische Überlieferungen zum Verlauf der Fuhse und zu verschwundenen Brücken.

Der Schatz der Burg

Wie bei vielen mittelalterlichen Burgen gibt es auch in Steinbrück immer wieder Erzählungen von verborgenen Schätzen. Historische Belege dafür existieren zwar nicht, doch die bewegte Geschichte der Burg – Belagerungen, Besitzerwechsel, Kriege und Plünderungen – bot reichlich Stoff für solche Geschichten. Besonders nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg stellte man sich vor, dass Wertgegenstände im Burggelände verborgen sein könnten.


Schriftgut und Überliefertes

  • Leben in der Gemeinde Söhlde, Offizielle Bürgerinformationsbroschüre, Hannover, Oktober 2022
  • 50 Jahre Gemeinde Söhlde, Jubiläumsbroschüre, Hannover März 2024
  • Denkmalatlas Niedersachsen, www.denkmalatlas.niedersachsen.de
  • Kirchenlexikon, www.kirchengemeindelexikon.de
  • Heimatsichten, Geschichte und Ortsheimatpflege in der Gemeinde Söhlde, Marcel Giffey und Dr. Kristin Caesemir, Söhlde 2020
  • 200 Jahre Pfarrkirche, 337 Jahre Pfarrgemeinde “Mariä Himmelfahrt” Steinbrück
  • Die Geschichte der Gemeinde Söhlde, 1151-1920, Ernst Bertheau, Oedelum 1994
  • Schloß Steinbrück und Jürgen Wullenweber, Hildesheim 1850
  • Steinbrück in Geschichte und Gegenwart, Hans Meyer-Roscher, Hildesheim 1971
  • Der Braunschweiger Jakobsweg, Pilgern - eine alte Tradition neuer Zeit, Braunschweig
  • Mariä Himmelfahrt, Die katholische Kirche in Steinbrück, Faltblatt zur Chronik
  • „400 Jahre Amt Steinbrück” und „Wo wurde Jürgen Wullenweber hingerichtet”, Hans Meyer-Roscher in: Unser Hildesheimer Land, IV. Band, Hildesheim 1982


Berühmte Persönlichkeiten

Bischof Gerhard vom Berge – Gründer der Burg Steinbrück

Bischof Gerhard vom Berge († 1398) war von 1365 bis zu seinem Tod Bischof von Hildesheim. Nach seinem Sieg über die Braunschweiger Herzöge in der Schlacht von Dinklar im Jahr 1367 ließ er an der Fuhse eine neue Grenzfeste errichten, um die Ostgrenze des Hochstifts Hildesheim zu sichern. Aus dieser Anlage entstand die Burg Steinbrück, die ihren Namen von der steinernen Brücke über die Fuhse erhielt.

Mit der Burg legte Gerhard vom Berge den Grundstein für die Entwicklung Steinbrücks. Aus dem Burgbezirk entstand später das Amt Steinbrück, das über Jahrhunderte ein bedeutendes Verwaltungs- und Gerichtszentrum der Region war. Daher gilt Gerhard vom Berge als die Persönlichkeit, die die Geschichte Steinbrücks entscheidend geprägt hat.

Jürgen Wullenweber – Der berühmteste Gefangene der Burg Steinbrück

Eine der bekanntesten Persönlichkeiten, die mit Steinbrück verbunden sind, ist Jürgen Wullenweber (um 1490–1537). Der Kaufmann aus Hamburg war von 1533 bis 1535 Bürgermeister der Hansestadt Lübeck und spielte eine bedeutende Rolle in den politischen und religiösen Umbrüchen seiner Zeit. Als Verfechter reformatorischer Ideen und einer stärkeren Beteiligung der Bürger geriet er in Konflikt mit Fürsten und politischen Gegnern.

Nach seinem Sturz wurde Wullenweber 1535 gefangen genommen und auf die Burg Steinbrück gebracht. Dort verbrachte er fast zwei Jahre in Haft, bevor er 1537 nach Wolfenbüttel überführt, vor Gericht gestellt und hingerichtet wurde.

Seine Gefangenschaft machte die Burg Steinbrück weit über die Region hinaus bekannt. Bis heute erinnert die Geschichte des Lübecker Bürgermeisters an die bewegte Vergangenheit der Burg als Machtzentrum, Gefängnis und Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse.

Seine Geschichte verbindet die lokale Burggeschichte mit den großen politischen Auseinandersetzungen der Reformationszeit.

Johann T’Serclaes von Tilly – Eroberer der Burg Steinbrück

Johann T’Serclaes von Tilly (1559–1632) war einer der bedeutendsten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges. Als Feldherr der Katholischen Liga führte er zahlreiche Feldzüge und prägte die Kriegsereignisse in weiten Teilen Deutschlands.

Im Sommer 1626 erreichten die Kämpfe auch die Region um Steinbrück. Tilly ließ die Burg Steinbrück belagern, die damals als befestigter Stützpunkt von strategischer Bedeutung war. Nach etwa zwei Wochen fiel die Burg in seine Hände. Die Eroberung verdeutlicht die Bedeutung Steinbrücks in den militärischen Auseinandersetzungen jener Zeit und zeigt, dass selbst kleinere Orte von den großen Ereignissen der europäischen Geschichte betroffen waren.

Die Belagerung durch Tilly gehört zu den markanten Ereignissen in der Geschichte der Burg Steinbrück und verbindet den Ort mit einem der bekanntesten Feldherren des Dreißigjährigen Krieges.


Das gibt's so nur bei uns 

Die Kehrwiederkirche – eine Kirche in einem ehemaligen Festungsturm

Zu finden: Jürgen-Wullenweber-Weg 31

Die evangelische Kehrwiederkirche wurde 1956 in den erhaltenen Rundturm (Kehrwiederturm) der mittelalterlichen Burg Steinbrück eingebaut. Sie gilt als einzige Rundkirche Niedersachsens, die in einem ehemaligen Artillerie- bzw. Festungsturm eingerichtet wurde. Dieses außergewöhnliche Zusammenspiel aus Wehrarchitektur und Kirchenraum ist weit über die Region hinaus einzigartig. Zudem ziert die Kehrwiederkirche das Wappen der Gemeinde Söhlde.

Krippenlandschaft mit Löwe

Zu finden: Katholische Kirche Mariä Himmelfahrt, Marienweg 27

Über die Grenzen der Pfarrgemeinde hinaus bekannt ist die große Krippenlandschaft in der Kirche zur Weihnachtszeit. Sie ist bis zum Fest „Mariä Lichtmess“ (2. Februar) zu besichtigen. Ein besonderer Spaß für Kinder und Erwachsene ist dabei das wiederkehrende Suchen nach einem kleinen versteckten Löwen, der in der Krippenlandschaft zu entdecken ist.


Spuren von historischen Produktionsstätten 

Landwirtschaftlicher Betrieb auf der Burg

Zu finden: Jürgen-Wullenweber-Weg 31

Nach ihrer Zeit als Grenzfeste wurde die Burg Steinbrück über mehrere Jahrhunderte vor allem landwirtschaftlich genutzt. Der Förderverein Burg Steinbrück spricht von rund 300 Jahren landwirtschaftlichem Betrieb auf der Burganlage. Zum Wirtschaftshof gehörten Stallungen, Scheunen, Gärten und Anbauflächen.

Aus zeitgenössischen Beschreibungen ist bekannt, dass sich im Palas zeitweise sogar eine Brauerei befand. In den Amtsgärten wurde Hopfen angebaut, auf den umliegenden Flächen Getreide geerntet sowie Schafe, Schweine und Geflügel gehalten. Die Burg war damit nicht nur Verwaltungs- und Gerichtssitz des Amtes Steinbrück, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsbetrieb.


Magische Orte

Burg Steinbrück

Zu finden: Jürgen-Wullenweber-Weg 31

Burg Steinbrück ist ein Ort, der seine besondere Wirkung vor allem aus seiner stillen Atmosphäre bezieht. Zwischen den Resten der alten Wasserburg, den Gräben und dem Lauf der Fuhse entsteht ein Platz, an dem Geschichte noch spürbar wirkt.

Die Anlage war einst eine bedeutende Grenz- und Wehrburg. Heute sind es vor allem die erhaltenen Strukturen und die Lage in der Niederung, die den Ort prägen. Wasser, alte Mauern und Grünflächen verbinden sich zu einem ruhigen, fast zeitlosen Bild.

Gerade diese Mischung aus Geschichte und Natur lässt die Burg oft „magisch“ erscheinen – besonders in den frühen Morgenstunden oder im Nebel, wenn die Konturen weich werden und der Ort fast in sich selbst zurücktritt.