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Interessant + Sehenswert


Sagen und Geschichten

Die Sage vom schiefen Sparren

Wie Bettrum zu seinem Namen kam, erzählt eine alte Sage: Beim Bau der Kirche soll ein Zimmermann bemerkt haben, dass ein Sparren schief saß. Sein Zuruf „Bett’n rumme!“ – sinngemäß „rück ihn herum“ – soll schließlich zum Ortsnamen Bettrum geführt haben. Der schiefe Sparren im Wappen des Ortes erinnert bis heute an diese Geschichte.

Obwohl die Sage die Herkunft des Namens nicht historisch belegt, gehört sie zur örtlichen Überlieferung. Historische Ortsnamen wie Bettenem, Bettenum und Bettrem weisen auf eine wesentlich ältere Namensgeschichte hin. Als mögliche Erklärung gilt unter anderem die Verbindung eines Personennamens mit dem Wort Heim – also etwa Bettos Heim.

Anekdote aus der Franzosenzeit

Eine überlieferte Geschichte aus der Franzosenzeit um 1807 erzählt von dem Bettrumer Landwirt Franz Heinrich Busse. Als französische Soldaten nach Wertgegenständen suchten, täuschte er seinen eigenen Tod vor. Er legte sich in ein Bett, während die Wertsachen unter einer Strohschicht und einem weißen Bettlaken verborgen waren.

Als die Soldaten das Haus betraten, erklärte Frau Busse auf deren Fragen lediglich: „Tot – Cholera!“ Die Franzosen erschraken und verließen das Haus eilig wieder. So blieben der vermeintlich Tote und die versteckten Wertsachen unentdeckt.

Die Geschichte ist in der Bettrumer Dorfchronik überliefert und gehört zur örtlichen Erinnerung an die Franzosenzeit.


Schriftgut und Überliefertes

  • Bettrum - Dorfleben im Wandel aus der Sicht einer Landfrau, Luise Borchers, Bettrum 1995
  • Leben in der Gemeinde Söhlde, Offizielle Bürgerinformationsbroschüre, Hannover, Oktober 2022
  • Heimatsichten, Geschichte und Ortsheimatpflege in der Gemeinde Söhlde, Marcel Giffey und Dr. Kriustin Caesemir, Söhlde 2020
  • 50 Jahre Gemeinde Söhlde, Jubiläumsbroschüre, Hannover März 2024
  • Die Geschichte der Gemeinde Söhlde, 1151-1920, Ernst Bertheau, Oedelum 1994
  • Denkmalatlas Niedersachsen, www.denkmalatlas.niedersachsen.de
  • Kirchenlexikon, www.kirchengemeindelexikon.de
  • Festzeitschrift zum Jubiläumsfest 2026, Bettrum, September 2026


Berühmte Persönlichkeiten

Heinrich Dammann (1924-2013) und die Heinrich-Dammann-Stiftung
www.heinrich-dammann-stiftung.de

Heinrich Dammann gründete 1955 in Söhlde die Vereinigten Kreidewerke Dammann KG, die später Kreidewerke in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern umfasste. Bereits 1946 trat er der CDU bei und übernahm wenig später die Leitung der Söhlder Kommunalverwaltung. Für sein Engagement wurde er 1980 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Gemeinsam mit seiner Frau Ortrud, mit der er keine Kinder hatte, engagierte er sich besonders für Kinder und Jugendliche. 1991 gründeten beide die Heinrich-Dammann-Stiftung, um dieses Engagement dauerhaft fortzuführen. Mit einem Anfangsvermögen von 100.000 Mark wuchs das Stiftungsvermögen durch die Erträge und den später eingebrachten Nachlass des Ehepaares auf heute mehr als 30 Millionen Euro.

Die Stiftung gehört inzwischen zu den bedeutenden kirchlichen Stiftungen in Deutschland, die Jugendarbeit fördern. Sie unterstützt Projekte in den Bereichen Bildung, Sport, Kunst und Kultur sowie insbesondere die evangelische Jugendarbeit im ländlichen Raum. Die Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich.

Ein sichtbares Beispiel für die Förderung in der Gemeinde Söhlde ist die Heinrich-Dammann-Jugendscheune in Bettrum. Kinder und Jugendliche finden hier Raum für Gemeinschaft und Freizeit – im großen Pfarrgarten, am Lagerfeuerplatz oder in der Grotte sowie beim Fußball- und Volleyballspielen. Viele kennen die Geschichte des Namensgebers ihrer Unterkunft nicht. Dass junge Menschen sich hier wohlfühlen, Gemeinschaft erleben und zugleich Ruhe und Natur genießen können, hätte dem Stifterehepaar vermutlich genügt.

Dr. Klaus Endruweit (1913-1994)

Dr. med. Klaus Endruweit wurde am 6. Dezember 1913 in Tilsit (Ostpreußen) geboren und starb am 3. September 1994 in Hildesheim. Er wurde 80 Jahre alt. Als Arzt praktizierte er seit 1947 in Bettrum und war über Jahrzehnte als Landarzt im Ort angesehen. Während der NS-Zeit war er als Arzt in der Tötungsanstalt Sonnenstein an den nationalsozialistischen Krankenmorden beteiligt. Seine Vergangenheit wurde ab 1962 durch strafrechtliche Ermittlungen öffentlich bekannt. Als Endruweit 1966/67 vor Gericht stand, stellte sich die Gemeinde Bettrum hinter ihren langjährigen Arzt und verwies auf seine Bedeutung für die örtliche medizinische Versorgung. Nach einem zunächst ergangenen Freispruch praktizierte er weiterhin in Bettrum. Erst 1984 wurde seine Praxis nach erneuter öffentlicher Berichterstattung endgültig geschlossen. Der Fall steht beispielhaft für den schwierigen Umgang mit NS-belasteten Personen in der deutschen Nachkriegsgesellschaft.

Karl Möller – Patenkind des Kaisers

Karl Möller wurde am 6. November 1891 in Bettrum geboren. Als siebter Sohn einer Familie mit sieben Brüdern und einer Schwester erhielt er die besondere Patenschaft des damaligen Deutschen Kaisers Wilhelm II. – eine Tradition, bei der der Kaiser für das siebte Kind einer Familie die Patenschaft übernahm.

1911 meldete sich Möller freiwillig zum Militär und diente bei der Garde-Kavallerie in Berlin. Diese Zeit bezeichnete er später als „seine schönste Zeit“. Nach dem Ende seiner Dienstzeit 1913 wurde er mit Beginn des Ersten Weltkriegs erneut eingezogen und blieb bis 1919 beim Militär.

Nach dem Krieg arbeitete Karl Möller zunächst als Bahnarbeiter und später als Gemeindediener in Bettrum. Ab 1939 war er mit Hermine Wulf aus Luttrum verheiratet. Das Paar hatte sechs Söhne und eine Tochter.

Eine besondere Überraschung erlebte das Ehepaar zur Silberhochzeit 1964: Herzogin Victoria Luise, die letzte Tochter Kaiser Wilhelms II., kam persönlich nach Bettrum, um zu gratulieren.

Zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 1981 war Karl Möller der älteste Bürger Bettrums. Noch immer passte ihm seine alte Garde-Kavallerie-Uniform, die er mehr als 60 Jahre zuvor getragen hatte.

Nach seinem Berufsleben widmete sich Möller mit großer Leidenschaft dem Gartenbau. Besonders der fachgerechte Baumschnitt war seine Stärke, sein Können war im ganzen Dorf gefragt.

Heinz Ohlendorf (1937-2013)

Heinz Ohlendorf gründete 2003 die Arbeitsgruppe Bettrumer Dorfchronik. Gemeinsam mit weiteren engagierten Dorfbewohnern sammelte und sicherte er historische Fotos, Briefe, Dokumente und Erinnerungen zur Ortsgeschichte. Die Arbeit wurde unter anderem von Luise Borchers angeregt und von weiteren Mitgliedern des Dorfes unterstützt. Ziel war es, wichtige Daten und Entwicklungen Bettrums für kommende Generationen zu bewahren.

Außerdem war Ohlendorf Gemeindebrandmeister der Gemeinde Söhlde und trat in dieser Funktion beispielsweise bei Feuerwehrwettbewerben in den 1990er-Jahren auf.


Das gibt's so nur bei uns

Bettrumer Seifenkistenrennen

Das Bettrumer Seifenkistenrennen zählt zu den jüngeren Veranstaltungen des Dorfes und hat sich schnell als beliebter Treffpunkt etabliert. Organisiert wird es gemeinsam vom SV Bettrum und dem Hildesheimer Automobil-Club (HAC) im ADAC. Auf der rund 300 Meter langen, abgesperrten Strecke in der Kirchstraße gehen selbst gebaute und gestellte Seifenkisten an den Start. Im Mittelpunkt stehen Fahrspaß, Kreativität und das gemeinschaftliche Erlebnis. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Verpflegung macht die Veranstaltung zu einem familienfreundlichen Fest, das zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus der Region anzieht.

Das Rennen findet nicht jährlich statt. Informationen zu den jeweiligen Terminen und zur Anmeldung veröffentlichen die Veranstalter.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Konservenfabrik

Zu finden: Himstedter Straße 5

Zwischen Bettrum und Klein Himstedt befand sich einst die Konservenfabrik Bettrum e.G.m.b.H. Hier wurde Gemüse aus der landwirtschaftlich geprägten Umgebung zu Konserven verarbeitet. Überliefert sind unter anderem farbige Etiketten für Konservendosen mit Gemüse, die im Niedersächsischen Landesarchiv aufbewahrt werden und aus der Zeit vor 1945 stammen.

Wie eng die Fabrik mit der Landwirtschaft der Region verbunden war, zeigt ein Bericht aus Nettlingen: Dort angebaute Bohnen wurden während der Ernte zur Konservenfabrik nach Bettrum gebracht, teilweise mehrere Zentner am Tag.

Noch heute stehen auf dem ehemaligen Fabrikgelände Gebäudereste. Beim Tornado im Jahr 2023 wurde eine dort erhaltene Halle schwer beschädigt; Dach und Dachstuhl wurden vollständig abgedeckt. An den früheren Produktionsstandort erinnert bis heute die Bezeichnung „Konservenfabrik“ im Namen der dortigen Bushaltestelle.

Edelpilze Okeano

Zu finden: Himstedter Straße 5

Auf dem Gelände der ehemaligen Konservenfabrik entstand später eine ganz besondere Nutzung: Andreas Gill züchtet hier unter dem Namen Edelpilze Okeano verschiedene Edel- und Vitalpilze. Damit erhielt der historische Produktionsstandort eine ungewöhnliche neue Nutzung.

Hinter den alten Mauern werden unter anderem Shiitake, Goldkäppchen sowie Limonen- und Rosenseitlinge gezüchtet. Die Pilze wachsen auf Holz- und Strohsubstraten. Nachhaltigkeit spielt dabei eine wichtige Rolle: Verbrauchte Holzsubstrate werden als Brennstoff für eine Hackschnitzelheizung genutzt, Strohsubstrate als Bodenverbesserer. Mehr zu diesem Projekt findet man hier.

Die Bettrumer Windmühle

Zu finden: Am Mühlenberg 15

Am Ortsausgang Richtung Nettlingen stand seit 1883 eine Holländerwindmühle. Sie diente der Verarbeitung von Getreide und wurde zunächst mit Windkraft, ab 1941 mit einem Motor betrieben. Zur technischen Ausstattung gehörten unter anderem ein Doppelwalzenstuhl und ein Schrotgang. Nach einem Brand blieben zunächst Teile des Mühlenturms erhalten, aber 2012 wurde die Brandruine bis auf 4 m Höhe abgerissen.

Die Mühle ist heute privat bewohnt. Vom einstigen Bauwerk ist vor Ort kaum noch etwas zu erkennen. Geblieben ist der Mühlenberg und damit zumindest der Name, der an das verschwundene Wahrzeichen Bettrums erinnert.


Wirtschaftsbetriebe

Landwirtschaftliche Betriebe

In Bettrum gibt es mehrere landwirtschaftliche Betriebe. Die Gemeinde weist ausdrücklich darauf hin, dass das Ortsbild von landwirtschaftlichen Höfen geprägt ist.