Neisser Museum in Hildesheim
Allgemeine Informationen
Neisser Heimatmuseum in Hildesheim
Über das Museum
Das Neisser Museum in Hildesheim, Gelber Stern 21, gehört zu den wenigen Zeugen früherer Schönheit, die in Hildesheim von den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges verschont geblieben sind. Die Jahreszahl 1548 über dem Türsturz weist das Haus als eines der ältesten noch vorhandenen Bürgerhäuser der Neisser Patenstadt Hildesheim aus.
Die Ornamentik des Schnitzwerks ist ein Musterbeispiel der Frührenaissance. Die Schnitzereien deuten auf den Beruf des
früheren Besitzers hin: hier wohnte und wirkte ein Hildesheimer Waffenschmied. Seine Werkstatt befand sich im Kellergewölbe.
Das Waffenschmiede-Haus beherbergt heute das Neisser Heimatmuseum mit Archiv. Gesammelt wird alles, was sich auf die Neisser Heimat bezieht; das Sammelgebiet umfasst das ehemalige Fürstentum Neisse mit dem südlichen, früher österreichischen Teil. Der Besucher findet in dem mittelalterlichen Haus im
Flur im Erdgeschoss
Ansichten der Stadt aus alter und neuer Zeit, darunter die älteste Gesamtansicht aus der Schedelschen Weltchronik von 1493 und die größte Ansicht, einen 1 Meter langen Kupferstich, gefertigt um 1750 von Friedrich Bernhard Werner, ferner alte und neue Schlesien- und Europakarten.
Neisse-Zimmer
Ein Modell des Glockenturms der St Jakobus-Kirche, Fotos der vielen sehenswerten Kirchen und Profanbauten, Erinnerungen an das Stadttheater, Notgeld aus der Inflationszeit 1922/23, die Patenschaftsurkunde der Stadt Hildesheim u.v.m..
Landkreis-Zimmer
Ein großes Modell der Stadt Ziegenhals, Fotos der Dörfer und Ansichten aus dem Kreisgebiet, Kreiskarten, Zeitungen, Exponate aus der Stadt Ottmachau, Modelle ehemaliger Bauernhöfe, Werbeschilder von Betrieben aus dem Neisser Land.
Eichendorff Zimmer
Fotos und Erinnerungen an den Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff, an Max Herrmann-Neisse und andere Dichter, Schriftsteller, Künstler wie Dr. Heinrich Jarczyk und weitere Persönlichkeiten, die aus dem Neisser Land stammen, Kunstgegenstände der ehemaligen Ostdeutschen Werkstätten zu Neisse.
Bauernzimmer
Trachten, Haubenbänder und Trachtenbilder aus dem Neisser Land, schlesische Keramik und Hinterglasmalerei, bäuerliche Gebrauchsgegenstände.
Schul-Zimmer
Erinnerungen an die Neisser Schulen, Fotos von Klassen und Lehrern, Zeugnisse, Jubiläumsschriften.
In der kleinen Präsenzbibliothek stößt man auf Schrifttum zur Geschichte der Stadt und des Kreises.
Geschichte
Um 1215 gründete der Breslauer Bischof Lorenz am Schnittpunkt zweier Handelswege und am Zusammenfluss von Glatzer Neiße und Freiwaldauer Biele die Stadt Neisse. In der Nähe hatte eine slawische Siedlung namens „Nissa“ bestanden.
Neisse, in einer Urkunde vom 25. Mai 1223 zum ersten Mal erwähnt, wurde die Hauptstadt des kirchlichen Fürstentums Neisse-Ottmachau-Grottkau. Den Fürstbischöfen verdankt die Stadt sehenswerte Kunstdenkmäler, zahlreiche kirchliche und Profanbauten. Wegen der vielen Kirchen und Klöster spricht man bis heute vom „Schlesischen Rom“. Mehrere Bischöfe fanden in der St. Jakobus-Kirche ihre letzte Ruhestätte.
Das Neisser Land gehörte als Teil Schlesiens seit 1335 zu Böhmen und seit 1526 zu Österreich. Nach dem 1. Schlesischen Krieg, im Jahr 1741, wurde das Fürstentum - mit ca. 2.400 km² etwa ebenso groß wie das heutige Großherzogtum Luxemburg - in einen südlichen österreichischen und in einen größeren nördlichen, preußischen Teil zerrissen. König Friedrich der Große baute die Stadt zu einer der stärksten preußischen Festungen aus und gründete als neuen Stadtteil mit Kasernen und Festungsbauten die Friedrichstadt.
Schwere Schäden erlitten Neisse und das Neisser Land durch die Hussiten (1428), im Dreißigjährigen Krieg, durch die Truppen Napoleons (1807) und am Ende des 2. Weltkriegs durch die sowjetische Armee und die deutsche Wehrmacht.
In der Stadt hatte sich über die Jahrhunderte ein reges kulturelles und wirtschaftliches Leben entwickelt. Dank des wohlhabenden Neisser Landes nannte man die Breslauer Diözese im Mittelalter das „Goldene Bistum“.
In Neisse befand sich seit 1438 eine der ältesten Stadtapotheken Deutschlands, 1555 wurde eine erste Buchdruckerei eingerichtet, von 1575 bis 1656 befand sich hier das Breslauer Priesterseminar, in der Barockzeit blühte das Kunsthandwerk, vor allem die Goldschmiedekunst. Seit 1852 bestand ein Stadttheater. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in den Außenbezirken zahlreiche Industriebetriebe. Weit über Schlesien hinaus bekannt war das „Neisser Konfekt“, eine Pfefferkuchen-Spezialität.
Neisse war eine Stadt der Schulen. Bereits im 14. Jahrhundert bestand ein Pfarrgymnasium. 1832 wurde die erste Realschule Schlesiens gegründet, aus der das Realgymnasium Eichendorffschule hervorging. In der Innenstadt und in den Vororten gab es insgesamt acht Volksschulen, eine Berufsschule, eine bäuerliche Werkschule, die Oberschlesische Feuerwehrschule und das Volksbildungshaus „Heimgarten“, in dem von 1923 an die Ostdeutschen Hochschulwochen abgehalten wurden. Es gab ein Oberlyzeum für Mädchen, eine höhere Handelsschule sowie Gymnasien der Steyler Missionare und der Franziskaner. Der General der amerikanischen Unabhängigkeitskriege Friedrich Wilhelm von Steuben, der Afrikaforscher Emin Pascha (Dr. Eduard Schnitzer), der Dichter Max Herrmann-Neisse, der Zoologe Dr. Bernhard Grzimek und viele andere Persönlichkeiten waren Schüler des Gymnasiums Carolinum. 1624 wurde es vom Breslauer Bischof Erzherzog Karl gestiftet, erster Rekto war der Astronom Christoph Scheiner (1573-1650).
Neisse ist der Geburtsort des Dichters Friedrich v. Sallet (1812-1843), des Chirurgen Dr. Rudolf Nissen (1896-1981), des Nobelpreisträgers Dr. Konrad Bloch (1912-2000). Der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857) verbrachte in Neisse seine letzten Lebensjahre; er ist auf dem „Jerusalemer Friedhof“ begraben.
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg zählte Neisse etwa 40.000 Einwohner/innen, Stadt und Landkreis umfassten 712 km² mit etwa 110.000 Bewohner/innen.
Zum Landkreis gehörten die Städte Patschkau und Ziegenhals und 103 Dörfer, von denen die meisten im 13. Jahrhundert zeitgleich mit den Städten angelegt wurden. Patschkau hat bis in unsere Tage sein mittelalterliches Stadtbild bewahrt. Bad Ziegenhals, am Rand des Altvatergebirges, war ein vielbesuchter Bade- und Ausflugsort.
Die Bewohner des Neisser Landes, die nach dem zweiten Weltkrieg in der Heimat geblieben oder wieder zurückgekehrt waren, wurden während der Jahre 1945/46 fast ausnahmslos vertrieben, da die polnische Staatsgrenze nach Westen verschoben worden war. Dadurch verloren sie nicht nur ihr Hab und Gut, sondern sie erlebten unzählige Leidensgeschichten und Gräuel.
Die Stadt Hildesheim und der damalige Landkreis Hildesheim-Marienburg übernahmen im Juni 1952 die Patenschaften über die Stadt und den Landkreis Neisse, die bis heute lebendig gepflegt werden. Zur jetzigen Bevölkerung und zu Kommunalpolitikern des heute polnischen Nysa bestehen vielfältige und freundschaftliche Beziehungen.