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Kultur in der Region Hildesheim

Allgemeine Informationen

Das Rössinger Wasserschloss entstand in den Jahren 1579 bis 1589 unter Ludolph von Rössing. Diesem Rittersitz war bereits eine Burg vorausgegangen, die jedoch 1431 vom Welfenherzog Wilhelm I.  zerstört worden war. Erst 150 Jahre später ließ Ludolph das heute noch erhaltene Rennaissance-Schloss im niedersächsischen Fachwerkstil errichten. Der zweite, deutlich später und völlig anders gestaltete rechtwinklig zum älteren Gebäudeteil stehende Flügel steht ebenso wie der erste auf einem steinernen Sockel über einem alten Kellergewölbe..

1431 hatte Herzog Wilhelm I. die im Jahre 1342 erbaute Burg der Herren von Rössing geschleift und den Wiederaufbau verboten. Erst 1579-89 errichteten sie die zweiflügelige Schlossanlage mit dem Wassergraben am jetzigen Standort. In zahlreichen mittelalterlichen Fehden (u.a. 1466-67 und 1486) wurde Rössing gebrandschatzt. 1486 brannten Söldner der Stadt Hildesheim das Dorf nieder, in der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-23) und im 30jährigen Krieg (1618-48) wurde die Feste Calenberg mehrmals hart umkämpft, jedesmal mit schlimmen Folgen für das Dorf.

(Text von Helga Fredebold, aus der Festchronik, S.136)

Das Schloss, das unter Denkmalschutz steht und von der hier seit fast 1000 Jahren ansässigen Familie von Rössing bewohnt wird, ist umgeben von einem großen Park mit schönen alten Bäumen. Von der Brücke aus führt durch diesen Park in westlicher Richtung ein Weg zu einer Pforte und von dort aus eine nur von Fußgängern zu nutzende schmale Gasse direkt zur Kirche. Diese ist bei den Dorfbewohnern unter den Namen Gatze bekannt und war schon immer der direkte Weg der Schlossbewohner zur östlichen Eingangstür der Kirche. Die Benutzung dieser Tür war nur ihnen vorbehalten und von hier aus konnten sie direkt über die Treppe hinter dem Altar ihre Plätze auf der Empore der Kirche erreichen.

Die Wirtschaftsgebäude des Schlosses, die erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden, liegen südlich an der Kirchstraße. Das kleine alte Fachwerkhaus mit der Hausnummer 19 trägt einen Wappenstein mit der Inschrift 1788 E.v. Rössing und D.v. Rössing, geb. von Kozen. Dieses war vermutlich das Wohnhaus des Pächters oder Hofmeisters, ehe 1907 auf der gegenüberliegenden Straßenseite (Nr. 28) ein neues und deutlich größeres Pächterhaus im Jugendstil erbaut wurde.

Da das Schloss von der Familie von Rössing bewohnt wird, ist es nicht zu besichtigen. Die Tore zum Schlosspark sind jedoch nicht verschlossen und der Park kann von Außenstehenden betreten und besichtigt werden. Ausgenommen davon sind jedoch der Wohnbereich hinter der Schlossbrücke und der landwirtschaftliche Teil mit den Wirtschaftsgebäuden.

Führungen werden am Tag des offenen Denkmals angeboten.

Die Gebäude

Das östliche Gebäude

Der rechte, östliche Gebäudeflügel ist der älteste, noch ziemlich im Original erhaltene Teil. Die Geschosshöhe ist niedrig und nach so vielen hundert Jahren befindet sich kaum noch eine rechtwinklige Ecke in dem alten Gemäuer. Links neben dem Treppenaufgang ist eine Eingangstür, die mit Sicherheit früher einmal der Haupteingang gewesen ist. Die Stufen sind durch die notwendig gewordenen Erdaufschüttungen auf dem Hofplatz mit der Wagenauffahrt in der Erde versunken. Aber der Eingang hat einen schönen Sandsteinbogen im Giebel und trägt die steinernen Wappen der Erbauer des Schlosses, Ludolph von Rössing und Anna von Stöckheim, sowie die Jahreszahl der Fertigstellung 1589. Rechts und links neben der Tür sind runde Vertiefungen und oben ein Muschelornament im Stein angebracht. Man nimmt an, dass dort einmal Steinfiguren oder Säulen gestanden haben.

Das heutige Hauptwohnhaus

Der linke Gebäudeflügel, der der Brücke gegenüber liegt, ist der heutige Hauptwohnteil und wurde ca. 1830 (abweichende Angaben 1830 - 1844) massiv aufgebaut. Es sind aber noch originale Bauteile vorhanden. Auf der Rückseite der beiden Flügel sieht man noch das Fachwerk und die z.T. geschnitzten Eichenbalken mit den Rosetten und anderen Stilmerkmalen der Weserrenaissance, die allerdings wesentlich einfacher gehalten sind als bei den bekannteren Bauten dieser Epoche.

Der neugotische Anbau

Der linke steinerne Gebäudeteil des Wohnhauses wurde 1909/1910 in historisierendem, neugotischen Stil davorgebaut und das Schloss durch den Saal und einige repräsentative Räume erweitert. So wenig glücklich die Nachfahren über diesen Stilbruch waren, inzwischen ist auch dieser Anbau historisch und man entdeckt wieder seine Reize.

Der Treppenturm

Der Turm, der die beiden Gebäude an der Außenwand miteinander verbindet, trägt eine mit Schiefer gedeckte welsche Haube, einen Zwiebelturm. Die Treppe im Innern ist eine Wendeltreppe aus Eichenbohlen, deren einzelne Stufen eine angearbeitete Spindeltrommel haben, ein Meisterwerk damaliger Baukunst und eine wirkliche Rarität.

Die Gräben und die Brücke

Der Rittersitz ist von einem breiten Wassergraben umgeben, der durch ein noch intaktes Zu- und Ablaufsystem vom Rössingbach (früher Dude) gespeist wird, er wurde erst vor kurzer Zeit entschlammt. Es heißt, dass das Schloss früher zwei Schlossgräben hatte und der Teich im Park noch ein Rest dieses zweiten Grabens ist. Zwar boten die Gräben keinen Schutz gegen die Feuerwaffen der damaligen Zeit, aber durchziehendes Kriegsvolk und andere unerwünschte Gäste wurden doch dadurch abgehalten.

Die Brücke über den Graben ist eine stabile Bruchsteinbrücke und wurde erst 1821 anstelle einer Zugbrücke erbaut. Das Eisentor, das die Schlossinsel gegen den Park absperrt, ist neueren Datums und trägt die Wappen der heutigen Bewohner, links Freifrau Madeleine von Rössings Geburtswappen, den fliegenden Fisch der holsteinischen Grafen von Brockdorff, und rechts das von Rössingsche Wappen, den aufrecht schreitenden Löwen.

(Text von Helga Fredebold, aus der Festchronik)

Der Schlosspark

Der Schlosspark ist über die Straße Unter den Eichen durch das große Eingangstor zu erreichen. Man kann ihn aber auch durch ein kleines Tor betreten, auf das man über die Gatze von der Kirche aus kommend genau zugeht. Das Tor ist immer geöffnet und die Familie von Rössing hat grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Interessierte ihren Park besuchen. Diese sollten sich allerdings, um die Privatsphäre der Schlossbewohner zu schützen, auf einen Gang über die Wege durch den Park beschränken. Das Betreten des Schlosshofes ist nicht erlaubt.

Im Park stehen zahlreiche mächtige Bäume und die das Schloss umgebende Gräfte mündet in einen Teich mit einem neuen kleinem Badehaus, das an die Vorfahrin Levine von Dincklage erinnert. Schon zu ihren Lebzeiten hatte es dort ein Badehaus gegeben, das sie täglich, im Sommer wie im Winter, nutzte.

Vom Schlosspark aus empfiehlt sich außerdem ein Gang rund um das Wasserschloss, auf dessen Weg man immer wieder andere Einblicke auf die sehr unterschiedlich gestalteten Gebäudeteile hat. Er führt außerdem am Dorfteich entlang und an einer alten 1986 restaurierten Brücke vorbei.

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Dorfteich am Wasserschloss Rössing © Verena Bloch
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Schlossgräfte Rössing © Verena Bloch
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Unter den drei Eichen Rössing © Verena Bloch
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Wasser mit Gräfte Rössing © Verena Bloch
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Schlosspark Rössing © Verena Bloch
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Schlosspark Rössing (2) © Verena Bloch
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Schlosspark Rössing (3) © Verena Bloch

Am Rössinger Dorfteich kann man in den Sommermonaten viele Wassertiere beobachten, insbesondere für den Eisvogel hat man dort für Nisthilfen gesorgt. In kalten Wintern lädt der zugefrorene Dorfteich zum Schlittschuhlaufen ein.

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