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Kultur in der Region Hildesheim
Schloss und Schlosspark Wrisbergholzen
Karte Wrisbergholzen
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Schloss Wrisbergholzen
Schloss Wrisbergholzen
Schloss Wrisbergholzen
Schloss Wrisbergholzen
Schloss Wrisbergholzen
Schloss Wrisbergholzen
Schloss Wrisbergholzen
Schloss Wrisbergholzen
Seit dem frühen Mittelalter verfügte die Adelsfamilie von Wrisberg über Besitz und Eigentum im ehemals bischöflichen, 1146 erstmals bezeugten ,,curtis Holthusen". Hier, in landschaftlich reizvoller Lage, ließ sich der Freiherr Rudolph Johann durch die Brüder Bütemeister aus Moringen eines der schönsten Barockschlösser Niedersachsens erbauen. Mit dem großen, zweigeschossigen Mittelteil und den rechtwinklig vorgerückten Seitenflügeln bildete es den Abschluß der von stattlichen Wirtschaftsgebäuden flankierten Gutsanlage.

Die heutige Schlossanlage entstand aber erst in den Jahren 1740 - 1745 unter Johann Rudolph von Wrisberg, erbaut durch die Gebrüder Bütemeister aus Moringen. Bauherr und Baumeister hatten wenige Jahre zuvor schon die Fayencemanufaktur errichtet (1736). Ob beim Neubau Teile des Vorgängerbaus mit verwandt wurden oder der Vorgängerbau vollständig abgebrochen wurde, ist nicht bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass bei der klaren und konsequenten Konzeption der neuen Anlage in barocker Manier nicht auf Elemente des alten Schlosses zurückgegriffen wurde. Übernommen wurde lediglich der bereits vorhandene Wassergraben, der jedoch in einer dem Neubau entsprechenden Anlage in streng symmetrischen Formen neu konzipiert wurde.

Die gesamte Gutsanlage besteht aus dem im Osten gelegenen Herrenhaus und den davor um eine freie Hoffläche symmetrisch angeordneten Wirtschaftsgebäuden. Zwischen diesen langen Gebäudeflügeln und dem Herrenhaus schließen sich jeweils beidseitig zwei Stall- und Scheunengebäude an. Sämtliche Bauten sind in massiver Bauweise errichtet und verputzt. Den östlichen Abschluß des Gutes bildet das dreiflügelige Schloßgebäude, bestehend aus dem zweigeschossigen Mitteltrakt mit fünfachsigem übergiebelten Mittelrisalit und doppelläufiger Freitreppe sowie den rechtwinklig vorspringenden zweigeschossigen Seitenflügeln.

Im Erdgeschoß des nördlichen Seitenflügels befindet sich ein seltenes "Raumkunstwerk", das sogenannte Fliesenzimmer, welches wohl einer beeindruckensten Teile des Schlosses ist. Die Wandflächen sind hier nach Art holländischer Innenräume vollständig mit großformatigen Wandfliesen aus der ehemaligen gräflichen Fayencemanufaktur belegt. Die Fliesen zeigen Darstellungen emblematischer Vorlagen aus dem 16./17. Jahrhundert von Joachim Camerarius, Otto van Vaen und Diego Saavedra. Sie dürften in der Zeit um 1750 hergestellt und angebracht worden sein und geben mit bildlichen Darstellungen, Sinnsprüchen und -gedichten Lebensweisheiten und Vorstellungen der Renaissancezeit wieder.

Ebenfalls Teil der Gesamtanlage ist der vom Schlossbereich bis zur unteren Mühle reichende Landschaftspark, eine Erweiterung der ursprünglich erheblich kleineren barocken Anlage. Die Umgestaltung erfolgte über mehrere Jahrzehnte hinweg, beginnend etwa im Ausgang des 18. Jh. bis in die 60er Jahre des 19. Jh. Dem Zeitgeschmack entsprechend wurde die Anlage üppig mit Blumenbeeten, exotischen Gehölzen, seltenen Ziersträuchern und Rankgerüsten für Rosen ausgestattet. Es gab zwei künstliche Bachläufe, zwei Wasserfälle, mehrere Brücken und verschiedene Staffagen, kleine Gebäude und Figuren aus Holz und Stein. In Verbindung zu Park und Schloss steht auch die um 1860 errichtete Orangerie, nördlich des Wassergrabens gegenüber der Fayencemanufaktur gelegen. Es handelt sich um einen kleinen, über quadratischem Grundriß errichteten Bau mit einer nach Süden ausgerichteten Schaufassade in neogotischen Formen. Da im 20. Jahrhundert der Park jedoch lange Zeit vernachlässigt und die Pflege zwischen den Weltkriegen und seit den 70er Jahren ganz eingestellt wurde, ist die Ausstattung bis auf einige Reste durch Zerstörung und natürlichen Verfall verschwunden. Erhalten blieben einige Figuren, die sich heute im Schloss befinden, und die beiden wichtigsten Parkstaffagen, die Grabstätte der Familie mit einem großen Gedenkstein von 1865 und ein hölzerner Rundtempel, der vermutlich um 1800 entstanden ist. Trotz der hohen Verluste sind Umfang und Qualität der verbliebenen Ausstattung nach Auskunft des Landesamtes für Denkmalpflege einmalig in Niedersachsen.

Der Tempel, ein Monopteros mit achteckigen Säulen, bildet einen der gestalterischen Höhepunkte des Parks. Er steht auf einem künstlichen Hügel, von dem aus die Umgebung der Anlage überschaubar ist. So ist er Ziel und Ausgangspunkt zahlreicher Sichtachsen, die teilweise über die Grenzen der Anlage hinaus bis in die freie Landschaft reichen, teilweise lange Durchsichten innerhalb des Parks sind. Die Bepflanzung mit Bäumen und Ziersträuchern in der Umgebung des Tempels ist noch weitestgehend vorhanden, auch die Wege sind bis auf wenige Abschnitte erhalten. Der Wrisbergholzer Tempel ist eines der letzten Beispiele eines reinen Holzgebäudes.

Der gesamte Schlosspark befand sich Anfang der 90er Jahre in einem völlig vernachlässigten Zustand, so dass weite Teile sich bereits zu einem waldähnlichen Bestand gewandelt hatten. Daher beschlossen einige Mitglieder des Vereins zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen, sich des Parks anzunehmen. Die Instandsetzung des Tempels ist quasi der Schlussstein in der Wiederherstellung der westlichen Hälfte des Schlossparks.


Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen e.V.
Jens Beck
Unterdorf 9
31079 Westfeld - Wrisbergholzen

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31134 Hildesheim
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