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Kultur in der Region Hildesheim

Allgemeine Informationen

Schutzlos liegt in einem bunten Container ein nackter Säugling auf einem Tisch und streckt Beine und Arme von sich. Der massive Tisch - sei er ein Wickeltisch, ein Arbeitstisch oder auch eine Krippe - steht durch seine grob gearbeitete Oberflächenstruktur in deutlichem Kontrast zur Figur des Mädchens, welches zart und klein, zugleich auch vollkommen erscheint. Bedrohlich liegt in der Nähe des Kinderkopfes ein Beil, auf dessen Klinge ein Vers aus Bertolt Brechts Gedicht An meine Landsleute graviert ist:

Ihr Kinder, daß sie euch mit Krieg verschonen
Müßt ihr um Einsicht eure Eltern bitten
Sagt laut, ihr wollt nicht in Ruinen wohnen
Und nicht das Leid, was sie selber erlitten:
Ihr Kinder, daß sie euch mit Krieg verschonen.


Gebeten werden in Brechts Gedicht alle "Landsleute", sich dem Krieg zu verwehren. Ihr Männer, greift zur Kelle, nicht zum Messer! oder Ihr Mütter, lasset eure Kinder leben! ist dort zu lesen. Doch speziell die Kinder sollen an die Einsicht der Elterngeneration appellieren, keinen weiteren Krieg zu unterstützen, sondern ein zukünftiges Leben in Frieden zu führen. Diese Brechtsche Gedichtstrophe als eine Sinnstifterin der Skulptur Anna lässt diese zu einem Mahnmal gegen den Krieg werden. Dass diese Inschrift auf eine Beilklinge graviert ist, lässt sich damit erklären, dass diese Art von Beil im Allgemeinen ein Werkzeug der Bildhauer ist, und gerade das Werkzeug und die Inspiration des Brechtschen Gedichts führen die Künstler Moritz Bormann, Otto Almstadt und Hannes Meinhard zur gemeinsamen Schaffung der 75 x 80 x 60 cm großen Skulptur Anna. Die Sandsteinskulptur wird von Moritz Bormann und Otto Almstadt im Juli/ August 1977 im Rahmen einer sogenannten Kontakt-Kunst-Aktion im Harz gefertigt, das Beil aus Stahl und Holz bringt Hannes Meinhard hervor.

Neben der Inschrift auf der Beilklinge sind aber auch auf der Außenwand des Containers einzelne Satzfetzen zu lesen, die den Mahnmal-Charakter der Arbeit hervorrufen. Sie stellen zum Beispiel einen Bezug zum zweiten Weltkrieg her, am deutlichsten wird dies bei der Angabe Hildesheim 22. März 45 - dem Tag der Zerstörung der Stadt Hildesheims durch Bombenangriffe. Auch das Wort Friede ist dort zu entziffern. Der Frachtcontainer selbst wird im Jahr 1980 von den beiden Künstlern Moritz Bormann und Otto Almstadt zum Containermuseum umgestaltet, indem sie die Außenwände farbig gestalten und Fenster und Holzboden in den Container einfügen. Die offenen Flügeltüren des Containermuseums laden die Besucher zum Eintritt ein, so dass die geschmeidig gearbeitete Anna nicht nur durch die Fensterscheiben zu betrachten ist, sondern auch berührt werden kann. Die grundsätzliche Mobilität dieses Containermuseums lässt das Mahnmal auch an anderen Orten wirken, wie dies bereits vor dem Kölner Dom, im Rathaus von Paderborn oder an der Universität Hamburg geschah. Der ein oder andere Besucher erinnert sich dann vielleicht auch noch einmal an die Zeilen des Gedichts Bitten der Kinder von Bertolt Brecht, in welchem ausschließlich sie zu Wort kommen:

Bitten der Kinder

Die Häuser sollen nicht brennen
Bomber sollt man nicht kennen
Die Nacht soll für den Schlaf sein
Leben soll keine Straf sein
Die Mütter sollen nicht weinen
Keiner sollt töten einen
Alle sollen was bauen
Da kann man allen trauen
Die Jungen sollen' s erreichen
Die Alten desgleichen



Text: Myriam Naumann / © Kulturbüro Landkreis Hildesheim

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