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Kultur in der Region Hildesheim

Allgemeine Informationen

Der Gedenkstein findet sich im Liebesgrund an der Bundesstraße 1, ca. 50 Meter westlich der Kreuzung Kardinal-Bertram-Straße/ Schützenallee.

Die Stele wurde gemeinsam von den Hildesheimer Vertriebenenverbänden in Auftrag gegeben und 1957 von dem Steinmetzmeister Rudolf Schinzel (Hildesheim/ Sarstedt) entworfen und ausgeführt. Eingeweiht wurde die Stele am "Tag der Heimat" am 22. September 1957. Ursprünglich war als Aufstellungsort das Almstor vorgesehen, wovon man aber aus verkehrstechnischen Gründen abwich. Die Stele trägt zur Straßenseite über der Elchschaufel, dem Wappenzeichen Ostpreußens, die Aufschrift "Bundesstraße 1" und darunter die Inschrift "Königsberg / 878 km". Zum Liebesgrund hin listet sie unter der Inschrift "Deutsche / Heimat / im Osten" die Städte Königsberg / Marienburg / Bromberg / Breslau / Küstrin / Stettin / Danzig / Oppeln / Eger". Zwischen der Widmung und den Städtenamen prangt ein Eichenblatt.

Wie kein anderer Straßenzug symbolisierte die B 1 die deutsche Teilung und die deutsche Einheit gleichermaßen. Die B 1 endete bis 1990 in Helmstedt am Grenzübergang Marienborn und wurde dort zur Fernverkehrsstraße 1 der DDR. Bis Kaliningrad (Königsberg) führte sie über das Territorium Polens und der Sowjetunion. Die Bundesstraße 1 verband die "deutschen Ostgebiete" mit der Bundesrepublik Deutschland und schloss dabei die Deutsche Demokratische Republik, die lange als SBZ ("Sowjetische Besatzungszone") oder "sog. DDR" bezeichnet wurde, gleich mit ein. Die Landsmannschaften reklamierten das Gebiet jenseits der Oder-Neiße-Linie als Teil Deutschlands, der zurückgegeben werden müsse.

Vordergründig weist der Gedenkstein nur auf die Entfernung zur Stadt Königsberg hin. Die Rückseite enthält die vermittelte Botschaft. Der Stein soll die Erinnerung an die "deutsche Heimat im Osten" wach halten, an die durch den Zweiten Weltkrieg verlorenen Gebiete. Dabei repräsentieren die Städte frühere preußische Provinzen:

  • Königsberg: Ostpreußen
  • Marienburg: Westpreußen
  • Bromberg: Westpreußen
  • Breslau: Schlesien
  • Küstrin: Pommern
  • Stettin: Pommern
  • Danzig: Westpreußen
  • Oppeln: (Ober-)Schlesien
  • Eger: Böhmen

Das Eichenblatt verweist auf die "deutsche" Eiche und drückt die Festigkeit des Bekenntnisses aus.

Der Stein fordert nicht zur Trauer über den erlittenen Verlust auf, sondern stellt sich trotzig an den Weg: Er nennt eine Kilometerzahl, die zum damaligen Zeitpunkt nur rückwärts gewandt bedeutsam war. Königsberg gab es nicht mehr und Kaliningrad war unerreichbar. Die Testatfunktion wird durch die Inschrift "Deutsche Heimat im Osten" zum trotzigen Bekenntnis, das der damals weit verbreiteten Formel "Dreigeteilt? Niemals!" entspricht. Der Begriff "Heimat" meint nicht den Herkunftsraum der Vertriebenen, sondern die Zugehörigkeit zum deutschen Kulturraum. Er enthält die Verpflichtung, für die Herstellung seiner Einheit zu sorgen. Die Gründe für die Abspaltung werden tabuisiert.

(Text: Hartmut Häger / Quelle: Kriegstotengedenken in Hildesheim. Geschichte, Funktionen und Formen. Mit einem Katalog der Denkmäler für Kriegstote des 19. und 20. Jahrhunderts. Hildesheim 2006)

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