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Kultur in der Region Hildesheim

Allgemeine Informationen

Der Derneburger Landschaftspark ist das herausragende Beispiel für das historische Inventar und das Entwicklungspotenzial der heute noch in wesentlichen Teilen erlebbaren Hildesheimer Kulturlandschaft. Seine Entstehung beginnt mit der Gründung eines Augustiner-Klosters im Jahre 1143, welchem bis heute ein ständiges Auf und Ab von Blüte- und Notzeiten widerfuhr. Im Jahre 1443 wurden Kloster und Liegenschaften vom Orden der Zisterzienser übernommen. Es folgten noch mehrere Wechsel der Orden und Sektionen und im Jahre 1519 war das Anwesen schließlich verlassen und zerfallen. Um 1529 wurde die Anlage als welfisches Damenstift in seiner alten Lage neu begründet. Ab 1643 bis zur Säkularisierung (1803) waren hier wieder Zisterzienser-Mönche ansässig. In geradezu idealtypischer Weise spiegeln noch heute die Teichanlagen in der Aue von Innerste und Nette sowie die landschaftliche Gliederung von Wäldern und Fluren das hochmittelalterliche Landschaftsgefüge.

Ernst Friedrich Herbert Graf zu Münster erhielt den Anlagenkomplex von Georg IV. für Verdienste um das Königreich Hannover, dessen Anliegen Münster auf dem Wiener Kongress erfolgreich vertrat. In der Folge gestalteten die Grafen Münster dann das Anwesen Zug um Zug nach dem zeitgenössischen ästhetischen Landschaftsideal des englischen Landschaftsgartens. Inspiration und Ausdruck der Derneburger Ensembles stehen unter dem Einfluss der Wörlitzer Anlagen sowie der Pücklerschen und Lenné'schen Gestaltungsprinzipien. Die Entwurfsplanungen für die Parkgestaltung wurden sehr wahrscheinlich maßgeblich von den Grafen zu Münster selbst entwickelt.

Das ehemalige Zisterzienserkloster und heutige Schloss Derneburg blieb bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem Aussehen erhalten und bekam erst unter G.L.F. Laves das heutige Erscheinungsbild. Laves war es auch, der ein Großteil der im Park befindlichen Bauwerke schuf. In exponierten Lagen des sich über eine Talaue und benachbarte Hänge erstreckenden Parks wurden ein klassizistischer Gartenpavillon symbolträchtig in den Formen dorischer Teetempelbauten, ein Mausoleum als Pyramide sowie Fischer- und Bootshäuser errichtet, die in einem spannungsgeladenen Beziehungsgeflecht zwischen Park, Schloss, Staffagebauten und Umgebung besondere Erlebnisorte bildeten. An die Wasserbaukunst der Zisterzienser anknüpfend, wurde zwischen 1831 - 1839 mit der Errichtung des "Schlangenblekteichs", später "Mariensee", begonnen. Da der Talbereich durch die Nette und deren Seitenarm vom übrigen Park getrennt ist, bedurfte es einiger Brücken, um die Gartenteile miteinander zu verbinden. Auch hier kam es zu einer Zusammenarbeit mit Laves, der aus den Baustoffen Holz und Metall Brücken mit dem von ihm entwickelten Konstruktionsprinzip des Linsenträgers errichtete. Es wurde bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, wie es auf einem Plan von 1850 dargestellt ist, ein gestalteter Landsitz errichtet, der wohl als einziges Objekt in Niedersachsen im Sinne der von P.J. Lenné propagierten "Landesverschönerung" als "ornamented farm" bearbeitet wurde.

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Münster'schen Besitzungen u.a. im Vorgriff auf befürchtete Enteignungen schließlich zerschlagen und veräußert. Heute befinden sich Teile des Gartenreiches im Besitz verschiedener Eigentümer. Während die denkmalgeschützte Architektur in ihrer wesentlichen Substanz weitgehend erhalten geblieben ist und die aus historischen Zeiten gepflegte Teichwirtschaft nach wie vor betrieben wird, präsentiert sich der Park größtenteils verwunschen und in großen Partien degeneriert oder gar zerstört. In den 1980er Jahren ist es der Gemeinde Holle gelungen, zentrale Bereiche des Derneburger Landschaftsparks mit dem Laves-Kulturpfad für die interessierte Öffentlichkeit erlebbar zu machen. Der Laves-Kulturpfad erschließt die wichtigsten Bereiche und Bauwerke dieses Parks und bezieht das Glashaus als Café und Veranstaltungszentrum in der bereits restaurierten ehemaligen Orangerie mit ein.

Dennoch ist nicht zuletzt wegen der Zersplitterung des Eigentums bislang eine umfängliche und durchgehende Restitution der Derneburger Ensembles nicht gelungen. Der große Zusammenhang von Schloss, Park und gestalteter Landschaft ist derzeit nicht nachvollziehbar.

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