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Kultur in der Region Hildesheim

Allgemeine Informationen

Vor dem Rathaus auf dem Hildesheimer Marktplatz steht, umgeben von einer Sitzbank aus Tropenholz, ein Lindenbaum. Es ist die Friedenslinde, gepflanzt von der Initiative Bürger helfen ihrer Stadt e. V. 1985, wie es auf einer kleinen Metalltafel vermerkt ist.

„Die Linde galt von jeher als heiliger Baum. Zahlreiche Völker haben sie verehrt . Aus ihrem Holz wurden berühmte Kunstwerke geschnitzt. Viele Kathedralen ziert lindenförmiger Blattschmuck. Die Linde ist der Baum der Versöhnung, der Liebe, des Friedens. Vielleicht kann die ‚Hildesheimer Friedenslinde’ in die Tradition solcher Baum-Denkmäler hineinwachsen.“, formulierte die Initiative Bürger helfen ihrer Stadt, auf deren Initiative die Linde gepflanzt wurde.

Die Friedenslinde auf einem Marktplatz symbolisiert Rechtsfrieden und Schutz. Die Linde spendete Schatten auf dem germanischen Thingplatz, galt als blitzabwehrend und als Kennzeichen der lokalen Gerichtsbarkeit. Im Kontext des im Krieg zerstörten Marktplatzes bekommt der Begriff Frieden aber auch eine konkrete Bedeutung. Frieden ist der Zustand nach dem Krieg, in dem die Bürger Hildesheims wieder zu Wohlstand kamen und die Häuser am Markt wieder errichten konnten.

Die runde Bank lädt zum Verweilen auf dem Marktplatz ein, zum Schauen auf das gelungene Werk des Wiederaufbaus. Der Marktplatz ist als Werk einer Bürgerinitiative ein lebendiges Zeugnis einer selbstbewussten tatkräftigen Bürgerschaft. Die Initiative stellt sich mit dem Schild, das ihren Namen und das Jahr der Baumpflanzung enthält, selbst ein Testat aus.

Ursprünglich war die Bank aus Eichenholz, bis sie im Jahr 2003 von der Verwaltung der Stadt Hildesheim durch eine Bank aus Tropenholz ersetzt wurde. Das Eichenholz ergänzte symbolisch das Lindenholz des Baumes. Es ist hart und dauerhaft, steht als Metapher für die Widerstandsfähigkeit und Hartnäckigkeit der Bürgerinitiative, deren Ziel anfangs stark angefochten wurde und die sich zusammen mit anderen energisch und phantasievoll durchzusetzen verstand. Das Eichenholz und die Kupferbeschläge – ursprünglich war der Hinweis auf die Initiatoren auf der Rückenlehne der Bank angebracht - schlugen einen Spannungsbogen zur kupferverkleideten Rathaustür, deren Kern auch aus Eiche besteht und zum Knochenhauer-Amtshaus, in dem das Material ebenfalls verwendet wurde. Schließlich stand bis 1945 eine Eiche an der Südecke des Rathauses.

Zur Zeit der Pflanzung blickte man noch auf das Hotel Rose und den großen Marktplatz, auf dem allerdings schon die beabsichtigte Rekonstruktion zu ahnen war. Ende 1984 hatte sich der Rat der Stadt Hildesheim entschieden, nach Investoren für die Wiederherstellung der historischen Gebäude zu suchen. Im März 1983 war die Grundsatzentscheidung für die Rückkehr zu den Abmessungen des kleinen Marktplatzes gefallen.

Baum und Bank knüpfen an die Tradition an. Sie wurden, wie der Marktplatz selbst, nach dem Vorkriegsbeispiel wieder hergestellt: Auf alten Fotos rahmen zwei Bäume das Rathaus ein: Auf der nördlichen Seite stand bis zur Zerstörung 1945 eine Linde, auf der südlichen eine Eiche. Nach der Wiederherstellung des Rathauses pflanzte man die Linde wieder an, verzichtete aber auf die „deutsche“ Eiche.

1984 stellte die Stadtverwaltung jedoch fest, dass die Linde auf dem Marktplatz die geplanten Umbaumaßnahmen nicht überstehen würde. Sie musste gefällt und sollte ersetzt werden. Der Vorsitzende der Anfang 1983 gegründeten Initiative Bürger helfen ihrer Stadt, Hans-Günther Oppermann, hatte angeboten, einen bedeutenden Spendenbetrag für die Anpflanzung von zwei Bäumen zur Verfügung zu stellen. Oppermann sagte der Stadt 10.000 DM zu. Die Stadt kaufte die Kaiserlinde (tilia pallida) schließlich bei der Hamburger Baumschule von Ehren. Am 26. November 1985 wurde der Baum gepflanzt. Die Bank, entworfen vom Tischler Jürgen Machens und dem Metallgestalter Reinhard Kubina, folgte im April 1990.

Quelle: Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim. Geschichte, Funktionen und Formen. Mit einem Katalog der Denkmäler für Kriegstote des 19. und 20. Jahrhunderts. Hildesheim 2006

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