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Interessant + Wissenswert


Sagen und Geschichten

Heise Water – Eine Straße mit einem rätselhaften Namen

Bei einem Spaziergang durch Westfeld stößt man im alten Ortskern auf eine Straße mit einem merkwürdigen Namen. Schon lange fragen sich die Dorfbewohner, was es mit der Straßenbezeichnung „Heise Water“ auf sich hat. Da es in der Nähe aber einige kleinere Quellen gibt, kann man wohl davon ausgehen, dass „Water“ hier die alte Sprachform von Wasser ist. Um heiße Quellen und somit temperiertes Wasser handelt es sich aber sicher nicht. Eher deutet der Name „Heise“ auf das „heisere“, sprich leise fließende Wasser dieser Quellen hin.

Werwölfe in Westfeld im Bollars

Einmal sandte die Stadt Hildesheim einen Boten nach Göttingen. Er benutzte beim Heimweg den Rennstieg über die Vorberge und den Sackwald und war gerade zur Geisterstunde im Bollars angekommen. Ahnungslos und müde pilgerte er fürbaß. Da traf er auf eine Rotte streunender Kerle, die wild wie die Bären ausschauten und mächtige Riemen trugen. Es waren Werwölfe. Als sie seiner ansichtig wurden, riefen sie: „Niuen is et abers Toid!“ Links und rechts durch die Buchen hinstrolchend hetzten sie ihn vor sich her, bis er in die Nähe der Landstraße kam. Erst da ließen sie von ihm ab. Verängstigt und schweißgebadet kehrte der Bote im Wirtshaus zu Westfeld ein und berichtete von dem schrecklichen Spuk.

Stelzenlichter

Auf dem Wege zwischen Sibbesse und Westfeld soll es in früheren Jahren auch zur Nachtzeit nicht geheuer und grauenhaft gewesen sein. Oberhalb Westfelds hätten feurige, aus der Erde kommende Gespenster die Gegend unsicher gemacht und die des Weges Kommenden in Schrecken versetzt. Das Gute dabei sei gewesen, dass die Gespenster die Menschen nicht direkt belästigt hätten.

Viele weitere Westfelder Geschichten findet man im gleichnamigen kleinen Heft, in dem Karl Oelze wahre und (mit-)erlebte Begebenheiten aus dem dörflichen Leben festgehalten hat. Das Büchlein erschien 1994 im Selbstverlag und ist bei Familie Oelze einzusehen.


Schriftgut und Überliefertes

Oelze, Rainer, Westfelder Geschichte, Einblicke in die Geschichte eines Dorfes und der Umgebung, Selbstverlag. R. Oelze , Westfeld 2006

Hagenhoff, Thomas u. Willers, Hildegard, St. Mariä Himmelfahrt Westfeld, Hildesheimer Chronik, Beiträge zur Geschichte das Bistums Hildesheim Bd. 2.,  Bistumsarchiv und Dombibliothek, Hildesheim 1998.

Kunstdenkmälerinventare Niedersachsens Bd. 27, Die Kunstdenkmale des Kreises Alfeld I., Verlag H. Th. Wenner, Osnabrück 1979

Hartmann, Sabine, 1025 Jahre Sibbesse – Chronik der Samtgemeinde Sibbesse, Druckhaus Köhler, Harsum 2014.


Das gibt's so nur bei uns

Zwei Kirchen in einem kleinen Ort ...

Westfeld gehörte bis zur Hildesheimer Stiftsfehde, einer 1519 ausgebrochenen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem Hochstift Hildesheim und den welfischen Fürstentümern Braunschweig-Wolfenbüttel und Calenberg, zum Hochstift Hildesheim. Große Teile des Dorfes waren Besitztümer des Klosters Corvey und weiteren Klöstern und Stiften in Hildesheim und Umgebung. Im benachbarten Wrisbergholzen hielt sich der Hl. Godehard, der von 1022-1038 Bischof von Hildesheim war, besonders gern auf und plante dort sogar die Gründung eines Benediktinerklosters.

Nach dem Ende der Stiftsfehde fiel auch Westfeld an die Welfen, doch im Gegensatz zu den meisten Orten des Hildesheimer Landes blieb das Dorf zunächst katholisch. Nach der Einführung der Reformation wechselten sich katholisches und lutherisches Bekenntnis noch ab.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1648 sahen die Vereinbarungen des Westfälischen Friedens schließlich vor, dass die Bevölkerung, unabhängig vom Bekenntnis des Landesherren, der Konfession angehören sollte, zu der sie 1624 gezählt hatte. Beiden Konfessionen sollte es aber gestattet sein, ihre jeweiligen Gottesdienste und Feste zu feiern und das Gotteshaus im Ort gemeinschaftlich zu nutzen.

Westfeld wurde damit evangelisch, doch die Katharinenkapelle sollte den Katholiken Westfelds per Gesetz weiterhin für Gottesdienste zur Verfügung stehen.

Mit diesen Entscheidungen ist der Ärger in Westfeld vorprogrammiert. Dem Wrisbergholzener und auch für Westfeld verantwortlichen Pastor gefallen die  Zugeständnisse nicht, die man den Katholiken machen muss. Er verweigert den Katholiken eigenmächtig die Herausgabe des Kirchenschlüssels und damit die Nutzung der Kirche. Die Katholiken wiederum verschaffen sich gewaltsam Zutritt und läuten vor Beginn ihrer Gottesdienste und Begräbnisfeiern weiterhin die Glocke der Kapelle. Daraufhin lässt der Pastor den Klöppel der Glocke entfernen und die Fenster der Kapelle vergittern. Die Katholiken dringen wieder mit Gewalt in die Kirche ein und schlagen nun mit „Axt und Barte“ an die Glocke.

„Längst scheint es beiden Gruppen nicht mehr vorrangig um die Religion zu gehen. Die hehre Absicht, den eigenen Glauben zu schützen, schlägt um in eine sehr weltliche Kraftmeierei. Doch Machtstreben, Eitelkeit und auf beiden Seiten das gute Gewissen, richtig zu handeln, sind eine gefährliche Mischung“ (Rainer Oelze, Westfelder Geschichte, S.117), die nun den Landesherrn und Fürstbischof Jobst Edmund von Brabeck auf den Plan ruft. Pastor und Helfershelfer werden die Zahlung von Geldbeträgen angedroht, Vieh gepfändet und die Glocke muss wieder instandgesetzt werden. Man einigt sich durch einen Vergleich, doch der Pastor verweigert den Katholiken weiterhin die Nutzung der Westfelder Kapelle nach ihren Wünschen. Im Juli 1695 kommt es anlässlich der Beerdigung eines neunjährigen Mädchens gar zu einer Massenschlägerei.

Als dem Pastor schließlich zu Ohren kommt, dass die kleine katholische Gemeinde mit Unterstützung des Freiherrn Beissel von Gymnich in Westfeld eine eigene Kirche bauen möchte, versucht er im Namen aller Westfelder Bürger und mit Hilfe des Notars Johann Heinrich Rose rechtliche Schritte gegen dieses Vorhaben einzulegen. Der Freiherr „organisiert eine regelrechte Volksabstimmung: Unter Aufsicht des Notars Ernst Buch (...) und zwei Westfeldern namens Riek (...) und Lindenberg, die dem Notar als Zeugen assistieren, werden alle Bewohner persönlich um ihre Meinung gebeten. Man zieht von Haus zu Haus, und immer deutlicher zeichnet sich ab, dass der von Pastor Gösecke behauptete Widerstand gegen eine katholische Kirche gar nicht existiert. Damit ist der Weg nun endgültig frei, die Arbeiten können beginnen.“ (Zitat s.o. S. 118)

Am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, wird die Kapelle vom Fürstbischof geweiht und trägt von nun an auch den Namen St. Mariä Himmelfahrt.

Wie sich die Geschichte der katholischen Gemeinde in Westfeld weiterentwickelte, erfährt man hier

Nicht unerwähnt aber darf bleiben, dass die Einwohner Westfelds, vollkommen unabhängig von ihren religiösen Zugehörigkeiten, nach Beilegung dieses legendären Kirchenstreits weiterhin und bis heute friedlich Tür an Tür leben. Und in den vergangenen Jahrzehnten hat sich in diesem Dorf eine lebendige Ökumene entwickelt, die im beiderseitigen Interesse gepflegt wird!


Spuren von historischen Produktionsstätten

Ehemaliges Molkereigebäude

Zu finden: Westfelder Hauptstr. 26

Bis zur Gründung der Dorfmolkerei in Westfeld verarbeiteten die Bauern ihre Milch auf ihren Höfen selbst. Als die Molkerei-Genossenschaft GmbH zu Westfeld 1997 ihren Betrieb aufnahm, waren 31 Bauern des Ortes je nach Anzahl der Kühe mit unterschiedlichen Anteilen eingetragen. Mit der Gründung großer Genossenschaftsmolkereien war das Ende der Dorfmolkerei in Westfeld jedoch schon bald besiegelt, denn die hiesigen Milchbauern lieferten ihre Milch nach und nach in den Genossenschaftsbetrieb nach Gronau und ab 1920 zeichneten sie ihre Anteile in Harbarnsen. Die Milch wurde bis 1976 mit Milchwagen und durch Milchkutscher transportiert, danach per Milchtankwagen abgeholt. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte stellten die meisten Westfelder Höfe ihren Betrieb ein. Nur noch ein landwirtschaftlicher Betrieb in Westfeld hält Milchvieh. In diesem gründeten Vater und Sohn vor einigen Jahren einen Milchautomaten, an dem man täglich rund und um die Uhr frische Milchprodukte und mehr erstehen kann.

An die Molkereigeschichte des Dorfes erinnert ansonsten nur das kleine und unscheinbare Gebäude an der Westfelder Hauptstraße.

Ehemalige Schmiede

Zu finden: Heise Water 11, an der Kreuzung des Weges nach Wrisbergholzen

Am Heise Water direkt an der Wegkreuzung nach Wrisbergholzen erinnert ein kleines Gebäude quasi stellvertretend an viele einst in Westfeld ansässig gewesene Handwerksbetriebe. Hier errichtete der Schmiedemeister Carl Koch im Jahre 1911 seine Schmiede. Er bewohnte das rechts neben der Schmiede noch immer existierende Wohnhaus, das aber ursprünglich auf der anderen Seite des nach Wrisbergholzen führenden Weges stand. Es war Teil eines zum Besitz des Wrisberg´schen Gutes gehörenden alten Ackerhofes und war von den Vorfahren Kochs im Jahre 1864 für 170 Taler gekauft, abgebaut und an der Heise Water wieder aufgebaut worden.

Bis ins 20. Jh gab es in Westfeld nicht nur mehrere Schmiedemeister, sondern u.a. Sattler, Schneider und sogar einen Damenschneider(!), Schuhmacher, Schlachter, Bäcker, Maurer, Tischler und Kolonialwaren- und Lebensmittelgeschäfte sowie eine Volksbank-Filiale.

Noch immer in Westfeld in vierter Generation ansässig ist ein Baugeschäft, das 1911 von August Albrecht gegründet wurde. Die Albrecht Bau GmbH hat ihren Standort heute in der ehemaligen Volksbank in Westfeld.


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