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Geschichte


Geschichtliches

Westfeld ist einer von zwölf Orten der Gemeinde Sibbesse, liegt 1,5 km südöstlich des Gemeindemittelpunktes in einer breite Talmulde zwischen den Höhenzügen Hildesheimer Wald im Norden und Vorberge im Südwesten und ist über die L485 von Sibbesse aus zu erreichen.

Westfeld wird umschlossen von den beiden Wasserläufen Kassenstanne und Teufelsquelle, die sich unterhalb des Ortes zur Alme zusammenschließen.

Nach Urkundenbelegen blickt Westfeld auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück. Schon aus Schriftstücken und Besitzverzeichnissen des Klosters Corvey aus dem Jahre 826 geht hervor, dass dieses über Grundbesitz in Westfeld verfügte. Damit gehört Westfeld zu den ältesten Gründungen in der Umgebung, damals noch unter dem Namen Uuetvelde, später Wetfelde oder Wesefelde. Insignien in Urkunden des Klosters Marienrode bei Hildesheim aus dem 13. und 14. Jahrhundert bezeugen das Auftreten der Herren von Westfeld in Rechtsakten. Namentlich werden 1342 die Brüder Aschwin und Bertold von Westfeld als Bürgen genannt. Diese verwendeten in Wappen und Siegel einen aufrecht schreitenden, rotbewehrten und bezungten Wolf, der daher ebenfalls für die Gestaltung des Westfelder Dorfwappens ausgewählt wurde.

Weitere Grundherren waren verschiedene Klöster und Stifte in Hildesheim, ferner die Klöster Lamspringe, Brunshausen und Gandersheim. Im 16. und 17. Jahrhundert wird das Dorf in Schriftstücken des Michaelisklosters zu Hildesheim erwähnt, das hier über Ländereien verfügt.

Nach dem Winzenburger Erbregister aus dem Jahr 1578 zählte Westfeld nun zum Amt Winzenburg. Die Bewohner von Westfeld waren diesem zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet, die Zehntabgaben standen jedoch u.a. den Herren von Rheden, von Steinberg, von Bock und von Rauschenplat zu.

Zu leiden hatte die dörfliche Bevölkerung wie überall im Hildesheimer Land insbesondere unter den kriegerischen Auseinandersetzungen und damit einhergehenden Zerstörungen und Plünderungen während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) und des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Waren die Westfelder auch bis 1523 Untertanen des Hildesheimer Bischofs, so gehörten sie seit der Hildesheimer Stiftsfehde zum Herrschaftsbereich des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel. 1643 wurde jedoch das Hochstift Hildesheim in seinem alten Umfang wiederhergestellt, und die Westfelder kehrten zum Hochstift Hildesheim zurück.

Zur Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) konnten die Westfelder Kleinbauern die ihnen auferlegten Abgaben kaum leisten, was dazu führte, dass sich viele der im Ort Lebenden zusätzlich zu ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit als Tagelöhner, Hausierer, Kleinhandwerker und Kesselflicker ein Zubrot verdienen mussten, andere fanden in der Fayence-Manufaktur im nahen gelegenen Wrisbergholzen Arbeit.

Zur Zeit des Königreichs Westfalen (1807-1813) wurde die Leibeigenschaft der bäuerlichen Bevölkerung abgeschafft. Die Ablösung von grund- und gutsherrlichen Lasten begann in Westfeld im Jahre 1818. Die Landwirte kamen zu Wohlstand und waren in der Lage, technische Fortschritte und zunehmende Motorisierung in ihren Betrieben zu nutzen.

Darüber hinaus verbesserten sich die Einkommensverhältnisse im 19. Jh. durch Arbeitsstellen im Schacht Hildesia in Diekholzen und im Kalischacht in Bad Salzdetfurth.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm Westfeld viele Flüchtlinge und Vertriebene auf, sodass sich die Einwohnerzahlen hier wie auch in den Nachbardörfern zeitweise verdoppelten. Manche verließen Westfeld in den Folgejahren wieder, andere blieben, was zur Erschließung von neuem Bauland im Ort führte. Es entstanden, auch durch Fördermittel begünstigt, neue Baugrundstücke westlich des alten Dorfkerns, für die die kath. Kirche Erbpachtgrundstücke zur Verfügung stellte. Wohl aus diesem Grund erinnern nicht nur die Marienstraße sondern auch die Namen Godehard-, Bernward- und Altfriedstraße an bedeutende Hildesheimer Bischöfe.

Anders als die Nachbardörfer und bis heute ist Westfeld ein Ort mit sowohl einer katholischen als auch einer evangelischen Kirchengemeinde und bis zwei Kirchen prägen das Dorfbild. Über diese Besonderheit in der Ortsgeschichte Westfelds erfährt man hier mehr.

Anfang des 21. Jh. vergrößerte sich Westfeld außerdem um ein weiteres Baugebiet „An der Alme“ im Nordwesten. So ist es nicht verwunderlich, dass der Ort, wenn auch heute keine Schule mehr angesiedelt ist, dennoch über einen Kindergarten verfügt.

Nach der Auflösung des Amtes Winzenburg im Jahre 1828 gehörte Westfeld unterschiedlichen Amtsbezirken und Landkreisen an. Nach dem 2. Weltkrieg zählte der Ort zum Kreis Alfeld, in dem sich bis in die 80er Jahre sieben Samtgemeinden bildeten, zu denen auch die Samtgemeinde Sibbesse mit sechs Ortsteilen und u.a Westfeld gehörte. Am 1. November 2016 wurde die Samtgemeinde Sibbesse in die Einheitsgemeinde Sibbesse umgewandelt.

Dass Westfeld ehemals ein Bauerndorf war, ist an der Dorfstruktur des Alt-/Unterdorfes noch heute zu erkennen. Von ehemals 18 Bauernhöfen werden aktuell aber nur noch vier Vollerwerbsbetriebe bewirtschaftet. Ebenso wie in den Nachbardörfern, jedoch nicht in der dort vorkommenden Bandbreite, waren auch hier Geschäfte und Handwerks- und Gewerbebetriebe wie Schlachter, Bäcker, Schmiedemeister und Stellmacher, Schuhmacher, Schneider sowie eine Molkerei und eine Käserei ansässig. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten ihre Türen geschlossen, so dass die Westfelder für die meisten Besorgungen in den Gemeindemittelpunkt Sibbesse oder nach Alfeld und Bad Salzdetfurth fahren müssen. Erfreulicherweise bieten jedoch zwei landwirtschaftliche Betriebe ihre Produkte in eigenen Hofläden an – ein Angebot, das nicht nur in Westfeld, sondern auch von Bewohnern der benachbarten Dörfer gerne angenommen wird.

Die Dorfgemeinschaft Westfelds mit etwa 650 Einwohnern wird auch heute noch durch ein aktives Vereinsleben geprägt und Jung und Alt engagieren sich gleichermaßen für regelmäßige Feste und Feiern und nehmen teil an gewachsenem Brauchtum.


Historische Baulichkeiten

Westfeld gehört zu den wenigen kleinen Orten Deutschlands, die mit nur 650 Einwohnern bis heute zwei Dorfkirchen haben.

Evangelische St.-Katharinenkapelle

Zu finden: Mitteldorf

Das ältere der beiden Gotteshäuser ist die evangelische Katharinenkapelle, deren Gründungsdatum jedoch unbekannt ist. Das Fundament des Turmes entstand in mittelalterlicher Zeit. Die älteste Glocke der Kapelle aus der Zeit um 1488 könnte ein Hinweis auf das Alter dieser Kapelle sein. Der Inschrift der älteren Glocke ist auch der Name der Patronin, der Hl. Katharina zu entnehmen.

Die Westfelder Kapelle ist ein kleiner, einschiffiger Bau mit dreiseitigem Chorschluss. Ihr Schiff wurde aus Bruchsteinen der Sibbesser Brüche gemauert und ist einschließlich des Turmes nur 16 m lang und 6,75 m breit. Die Kapelle drohte Mitte des 18. Jh. einzustürzen, musste abgerissen werden und wurde auf den Fundamenten der Vorgängerkapelle wieder neu aufgebaut. Sowohl einer Tafel an der Südseite des Gotteshauses als auch einer Steinplatte über deren rundbogigem Eingang an der Südseite ist das Fertigstellungsjahr 1753 zu entnehmen.

Das Mauerwerk der Kapelle blieb unverputzt, Tür- und Fenstergewände bestehen aus Werksteinen. Das Mauerwerk des massiven Turms ist älter als das des Kirchenschiffs und verjüngt sich auf dessen Firsthöhe. Auf der mit Pfannen gedeckten Verjüngung ist ein Glockenturm mit rechteckigen Schallfenstern und Uhrziffernblättern aufgesetzt. Auf der Ostseite befindet sich ein Auslegestuhl für die Uhrschlagglocke aus dem Jahre 1650. Die mit Schieferplatten verkleidete Turmspitze trägt Kugel und Wetterfahne mit der Jahreszahl 1802. Vermutlich wurden in diesem Jahr bauliche Veränderungen am ursprünglichen Turm vorgenommen.

Der Schlag der Glocken im Turm wird durch ein Uhrwerk der zwischen 1836 und 1966 bestehenden Turmuhrenfabrik und Glockengießerei Weule in Bockenem geregelt.

Im Rahmen einer Umgestaltung der Kapelle im Jahre 1884 wurde die Orgel von der Westempore auf die Ostempore versetzt. Das heutige Instrument ist ein Neubau aus dem Jahre 1887 aus der Werkstatt P. Furtwängler & Hammer (Hannover).

Das neugotisches Altarretabel mit giebelartiger Bekrönung (Wimperg) und schlanken, spitz zulaufenden flankierenden Türmchen (Fialen) aus Eichenholz stammt aus dem Jahr 1890. Die ehemalige Ausstattung, ein durch Wurm beschädigter gotischer Altar sowie ein Taufengel, wurden nicht wiederverwendet.

Die beiden von einer hölzernen Bogendecke herabhängenden Kronleuchter im Kirchenschiff stammen aus dem 18. und 19. Jh. Die mit Sitzbänken ausgestattete Westempore ist über eine Treppe erreichbar.

Die letzte Renovierung wurde 1963/65 durchgeführt. Im Rahmen dieser Renovierung wurde die Kanzel von der Ostempore entfernt und eine neue Kanzel links im Altarraum aufgestellt.

Seit der Reformation ist die Westfelder Kapelle Filialkirche der ev. Hauptkirche Martini in Wrisbergholzen und gehört heute zur Martin-Luther-Kirchengemeinde Wrisbergholzen-Adenstedt.

Katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt

Zu finden: Westfelder Hauptstraße

Die Geschichte der katholischen Kirche reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Da zur damaligen Zeit nur ein Kirchengebäude pro Dorf erlaubt war, entwickelte die kleine und damals nur aus zwölf Mitgliedern bestehende katholische Gemeinde jedoch nach heftigen Auseinandersetzungen mit dem evangelischen Pastor den Wunsch nach eigenen Räumlichkeiten, um Gottesdienst zu feiern.

1693 kaufte der Domherr und Oberjägermeister Franz Diedrich Beißel Freiherr von Gymnich den Kothof des Forstschreibers des Amts Winzenburg Ernst Buch in Westfeld. Zunächst trafen sich die Gläubigen in der Wohnstube des Kothofes, doch als die kleine Glaubensgemeinschaft innerhalb der folgenden zwei Jahre auf 50 Personen anwuchs, denn die katholischen Gottesdienste besuchten in Ermangelung eigener Kirchen – und das ist bis heute so – auch die Katholiken der benachbarten Dörfer. Man dachte über den Bau einer eigenen Kapelle nach. Die Katholiken richteten im Jahre 1695 ein Bittgesuch an den Hildesheimer Bischof und Landesherren, der ihr Anliegen tatsächlich schon eine Woche später positiv beantwortete. Er unterstützte sowohl den Bau einer Kapelle als auch die Verwendung von Kollektengeldern für die Baufinanzierung. Es dauerte allerdings noch weitere drei Jahre, bis geklärt wurde, ob der katholische Landesherr den Bau einer katholischen Kirche entgegen den Vereinbarungen des westfälischen Friedens in einem evangelischen Dorf genehmigen durfte. Ein Kirchenstreit zwischen Lutheranern und Katholiken schien die Pläne zunichte zu machen und als die Katholiken mit dem Bau einer eigenen Kirche begannen, sollten die Bauarbeiten nach einer Entscheidung des kaiserlichen Kammergerichts eingestellt werden. Aber man vollendete die Kirche und drei Jahre später weihte Jobst Edmund von Brabeck persönlich die Kapelle der Hl. Mutter Maria. Erst durch den Rezess (rechtlicher Begriff für Auseinandersetzung oder Vergleich über strittige Verhältnisse, Anm. d. Red.) von 1711 war der Fortbestand der katholischen Kirche in Westfeld schließlich rechtskräftig.

Dieses Kirchlein wurde auf dem ehemaligen Gemeindeanger errichtet, den Beissel von Gymnich erwarb und wiederum der kath. Kirchengemeinde stiftete. Da für den kleinen Kirchenbau nur bescheidende Mittel zur Verfügung standen, traten schon zehn Jahre später Baumängel auf und in den folgenden einhundert Jahren wurde das Gebäude nur mit Mühe instandgehalten. Für den Erhalt der Westfelder Kirche war das St.-Michaelis-Kloster in Hildesheim zuständig. Der damals verantwortliche und letzte Abt Gabriel Feischen sandte darüber hinaus einen Mitbruder als Seelsorger nach Westfeld und das Kloster kam auch für den Lebensunterhalt des Pfarrers auf. Da das Kloster aber bereits das 1779 abgebrannte Pfarrhaus neu aufbauen musste, fehlte das Geld für einen Kirchenneubau und dieser wurde immer wieder vergeblich beantragt.

Ein Blitzschlag im Sommer 1847 zerstörte das mittlerweile baufällig gewordenen Fachwerkgebäude völlig. Nun endlich konnte der Neubau einer katholischen Kirche für die jetzt auf 400 Mitglieder angewachsene Gemeinde nicht mehr hinausgezögert werden.

Ein Jahr später wurde mit dem Neubau an ihrem heutigen Standort begonnen.

Die neue, deutlich größere und bis heute bestehende Kirche konnte am 21. November 1849 eingeweiht werden. Sie ist ein massiver neuromanischer Saalbau mit halbrunder Apsis, ebener und mit Holzbalken versehener Decke und rundbogig geschlossenen Fenstern. Am Westende der Pfarrkirche befindet sich ein achtseitiger Dachreiter aus Holz mit stumpfer beschieferter Pyramide.

Seit der Fertigstellung der Marienkirche wurde der Innenraum nach der Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils und nochmals Ende der 1980er Jahre tiefgreifend umgestaltet. Bemerkenswert sind aus dieser Zeit die 14 farbigen und modernen Fenster des Malers und Graphikers Prof. Paul König, der in diesem Werk in Blumenornamenten das Mariensymbol der Rose variiert.

Paul König (1932-2015) wuchs in Ravensburg auf und lebte seit 1960 in Hildesheim. Er war Professor für illustrative Grafik an der heutigen HAWK und langjähriger Dekan und Vorsitzender des BBK sowie Vorsitzender des Fördervereins für Künstlerinnen und Künstler in der Region Hildesheim. Er war nicht nur an der Ausgestaltung der Westfelder Kirche, sondern auch anderer sakraler Bauten im Raum Hildesheim beteiligt.

In der Apsis steht der Tabernakel mit einer historischen Kreuzigungsgruppe mit Jesus, Maria und Johannes, davor im Altarraum ein Altartisch, dessen hölzernes Mittelstück aus der Kommunionbank der ehemaligen Klosterkirche Haus Escherde stammt. Von dort war die Bank nach Aufgabe der Klosterkirche nach Westfeld gekommen. Links und rechts der Apsis stehen je ein Ende der 1980er Jahre gefertigte Dekorationsaltäre, in die weitere Teile dieser geschnitzten Kommunionbank eingearbeitet wurden.

Von der barocken Ausstattung der alten Westfelder Kirche sind neben der Kreuzigungsgruppe eine Pietà aus dem Jahre 1750 an der Nordwand des Kirchenschiffs und die Heiligenfiguren des Josef und des Antonius über dem linken Dekorationsaltar erhalten geblieben. Beide tragen den kindlichen Jesus auf dem Arm.

Erst 1990 erworben wurde die Madonna, die um das Jahr 1740 entstanden ist. Sie hat ihren Platz über dem Dekorationsaltar auf der Südseite.

Am Eingang zur Sakristei hängt das Wappen des Gabriel Feischen, der dieses ursprünglich 1779 über der Tür des damals neu errichteten Pfarrhauses neben der Kirche anbringen ließ. In diesem Wappen ließ der Abt sein persönlichen Wappenmotiv, die Lilie, mit den Farben des Bistums Rot und Gold kombinieren.

Die Orgel der Marienkirche wurde 1850 vom Orgelbauer Conrad Euler gebaut und 1976 von Grund auf restauriert.

An den Kosten für die Anschaffung einer neuen Glocke beteiligte sich die ev. Kirchengemeinde Westfelds 1986 mit einer großzügigen Spende – eine in Anbetracht des 200 Jahre zurückliegenden Kirchenstreits, in dem schon damals eine Glocke eine besondere Rolle spielte – schöne und in echtem Sinne ökumenische Geste.

Katholisches Pfarrhaus

Zu finden: Westfelder Hauptstr. 8

Ältestes Wohngebäude Westfelds ist das Pfarrhaus der katholischen Gemeinde. Es steht in direkter Nachbarschaft zur Kirche St. Mariä Himmelfahrt an der Westfelder Hauptstraße und ist ein auf massivem Bruchsteinsockel errichteter und zweigeschossiger Fachwerkbau mit Halbwalmdach, dessen Außenmauern heute allerdings mit rotem Ziegelpfannen- bzw. Biberschwanzbehang verkleidet ist.

1693 kaufte der Domherr und Oberjägermeister Franz Diedrich Beißel den an dieser Stelle stehenden Hof des Forstschreibers Ernst Buch und machte es zum katholischen Pfarrhaus, in dem die Katholiken Westfelds fortan ihre Gottesdienste feiern konnten. Seitdem und bis heute sind alle hier befindlichen Gebäude im Besitz der katholischen Kirche.

Als das Pfarrhaus 1779 abbrannte, wurde es im Auftrag des Abts des Benediktinerklosters St. Michael zu Hildesheim zum Ende des 17. Jh. neu errichtet.

Zum Pfarrhaus gehörten nicht nur Wirtschaftsgebäude, sondern auch ein Pfarrgarten, denn der vom Abt entsandte Ordensbruder und Pfarrer musste als Selbstversorger für einen Teil seines Lebensunterhalts sorgen. Das Fertigstellungsjahr des neuen Hauses wurde mit dem Wappen des Abtes damals über der Eingangstür eindeutig dokumentiert. Heute hat das Wappen seinen Platz in der Kirche.

Zwei Jahrhunderte nach dem Bau des mittlerweile als Baudenkmal eingestuften Gebäudes mussten 1985/86 umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen werden, die die Gemeinde unter Aufsicht des Bischöflichen Generalvikariats zum Teil durch Freiwillige und fachkundige Handwerker aus Westfeld innerhalb eines Jahres bewerkstelligte. Dabei wurden ausschließlich durch den Denkmalschutz vorgegebene Techniken und Baustoffe verwendet. Seitdem ist das Fachwerk des Pfarrhauses nicht mehr sichtbar.

Bei dem angrenzenden Wirtschaftsgebäude, einem ehemaligen Stall, ist jedoch noch immer die schöne Fachwerkfassade sichtbar. Während die zum Pfarrhaus gehörende Scheune abgerissen wurde und dort Parkflächen für PKW entstanden, konnte der Stall 1992 in ein Gemeindehaus umgewandelt werden. Auch hier leisteten Gemeindemitglieder maßgebliche Arbeit und erbrachten auf diese Weise den Eigenanteil der für die Kirchgemeinde verbleibenden Kosten. Seitdem verfügt die Kirchengemeinde über einen großen Raum, der von allen Gruppen der Gemeinde genutzt wird.

Ehemalige Schulen

Zu finden: Mitteldorf 3 und Westfelder Hauptstr. 4

Dass Westfeld bis heute über zwei Kirchen, eine evangelische und eine katholische, verfügt, die auch von Gemeinden genutzt werden, ist etwas Besonderes. Nachvollziehbar, aber nicht selbstverständlich ist die Tatsache, dass beide Konfessionen auch über viele Jahre über jeweils eigene Schulen in Westfeld verfügten.

Noch bis etwa zum Jahr 1700 besuchten die hiesigen Schüler die Schule in Wrisbergholzen, doch ab 1696 ist der Küster von Westfeld als Schulmeister für die jüngeren Kinder bekannt, wobei dieser für den Unterricht zunächst von Haus zu Haus ziehen oder im eigenen Wohnraum unterrichten musste. Ein eigenes Schulhaus mit einem Schulzimmer und einer Wohnstube für den Lehrer bekam das Dorf erst 1828 in der Nähe der Katharinenkapelle. 1852 wurde diese kleine Schule um ein Schulzimmer erweitert, gut 35 Jahre später musste das Gebäude renoviert und erweitert werden. In der Schulchronik dieser Schule sind im Verlaufe der folgenden Jahrzehnte zahlreiche Reparatur- und technische Modernisierungsmaßnahmen sowie Anschaffungen genau festgehalten worden.

Seit 1742 gab es in Westfeld auch eine katholische Schule, in der die katholischen Schüler aus Westfeld und Umgebung unterrichtet wurden. Zunächst richtete die Kirchengemeinde in einem Haus in der Nähe der Marienkirche einen Schulraum und eine Wohnung für den Lehrer ein. Dieses Gebäude wurde 1868 durch ein neues Schulhaus ersetzt. „Für Westfeld ist die Schule mehr als eine Bildungseinrichtung. Sie hat eine wichtige soziale Funktion: Die Eltern vieler Schüler, so berichtet der Seelsorger, sind in den Sommermonaten als Händler unterwegs. Die Kinder werden in dieser Zeit mehr schlecht als recht von Nachbarn mitversorgt. Der Lehrer wird für sie damit zu einer wichtigen Bezugsperson; häufig wählen Eltern den Dorflehrer auch als Paten für ihre Kinder! Der beschwerlichste Teil der Schulpflicht ist für die Kinder ohnehin nicht der Unterricht, sondern der Weg dorthin.“ (Zitat aus: St. Mariä Himmelfahrt Westfeld, S. 46, ) 1897 besuchen von 38 Schüler*innen nur fünf Kinder aus Westfeld diese Schule, die anderen aus den benachbarten Dörfern haben zum Teil lange Strecken zu Fuß zurückzulegen.

Der Unterricht an der katholischen Schule wird auf Befehl der Nationalsozialisten 1936 unwiderruflich eingestellt, aus den beiden Konfessionsschulen wird nun eine einklassige Gemeinschaftsschule. Gegen den Wunsch der katholischen Kirchengemeinde wird deren Schulgebäude von nun an von der politischen Gemeinde genutzt, später dort ein Kindergarten und danach eine Polizeidienststelle eingerichtet. Als das noch verbliebenen Schulhaus im Mitteldorf renovierungsbedürftig wird und die Schülerzahlen zudem steigen, wird der Unterricht der Gemeinschaftsschule 1963 in die Räume der ehemaligen kath. Schule verlegt. Diese Dorfschule wird im Jahre 1975 endgültig geschlossen.

Seitdem gibt es in Westfeld keine Schule mehr. Das evangelische Schulhaus wurde 1966 verkauft und ist nun ein privates Wohnhaus. Die katholische Schule dient heute jedoch als Dorfgemeinschaftshaus und steht auch den Westfelder Vereinen zur Verfügung.

Die Westfelder Schulkinder besuchen heute unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit die Friedrich-Busse-Schule in Sibbesse.

Hof Piel

Zu finden: Schmiedestr. 2

In unmittelbarer Nähe zur Katharinenkapelle liegt ein landwirtschaftlicher Betrieb, dessen gut erhaltene und gepflegte Hofanlage bis in die heutige Zeit als typisch für die Bauweise niedersächsische Höfe des 18. und 19. Jahrhunderts gilt. Der gesamte Gebäudekomplex steht heute als einziges Privateigentum in Westfeld unter Denkmalschutz und wird in der Liste der Baudenkmale Niedersachsens unter der Kenn-Nr. ID 34459000 geführt.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Ehemaliges Molkereigebäude

Zu finden: Westfelder Hauptstr. 26

Bis zur Gründung der Dorfmolkerei in Westfeld verarbeiteten die Bauern ihre Milch auf ihren Höfen selbst. Als die Molkerei-Genossenschaft GmbH zu Westfeld 1997 ihren Betrieb aufnahm, waren 31 Bauern des Ortes je nach Anzahl der Kühe mit unterschiedlichen Anteilen eingetragen. Mit der Gründung großer Genossenschaftsmolkereien war das Ende der Dorfmolkerei in Westfeld jedoch schon bald besiegelt, denn die hiesigen Milchbauern lieferten ihre Milch nach und nach in den Genossenschaftsbetrieb nach Gronau und ab 1920 zeichneten sie ihre Anteile in Harbarnsen. Die Milch wurde bis 1976 mit Milchwagen und durch Milchkutscher transportiert, danach per Milchtankwagen abgeholt. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte stellten die meisten Westfelder Höfe ihren Betrieb ein. Nur noch ein landwirtschaftlicher Betrieb in Westfeld hält Milchvieh. In diesem gründeten Vater und Sohn vor einigen Jahren einen Milchautomaten, an dem man täglich rund und um die Uhr frische Milchprodukte und mehr erstehen kann.

An die Molkereigeschichte des Dorfes erinnert ansonsten nur das kleine und unscheinbare Gebäude an der Westfelder Hauptstraße.

Ehemalige Schmiede

Zu finden: Heise Water 11, an der Kreuzung des Weges nach Wrisbergholzen

Am Heise Water direkt an der Wegkreuzung nach Wrisbergholzen erinnert ein kleines Gebäude quasi stellvertretend an viele einst in Westfeld ansässig gewesene Handwerksbetriebe. Hier errichtete der Schmiedemeister Carl Koch im Jahre 1911 seine Schmiede. Er bewohnte das rechts neben der Schmiede noch immer existierende Wohnhaus, das aber ursprünglich auf der anderen Seite des nach Wrisbergholzen führenden Weges stand. Es war Teil eines zum Besitz des Wrisberg´schen Gutes gehörenden alten Ackerhofes und war von den Vorfahren Kochs im Jahre 1864 für 170 Taler gekauft, abgebaut und an der Heise Water wieder aufgebaut worden.

Bis ins 20. Jh gab es in Westfeld nicht nur mehrere Schmiedemeister, sondern u.a. Sattler, Schneider und sogar einen Damenschneider(!), Schuhmacher, Schlachter, Bäcker, Maurer, Tischler und Kolonialwaren- und Lebensmittelgeschäfte sowie eine Volksbank-Filiale.

Noch immer in Westfeld in vierter Generation ansässig ist ein Baugeschäft, das 1911 von August Albrecht gegründet wurde. Die Albrecht Bau GmbH hat ihren Standort heute in der ehemaligen Volksbank in Westfeld.