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Interessant + Wissenswert


Sagen und Geschichten

Das goldene Schwert von Segeste

In der Gemarkung des Dorfes Segeste heißt ein Flurstück „Die Burgstelle“. Nach der Erzählung der Alten hatte dort  Segestus sein festes Haus. Eine seiner Töchter, Thusnelda geheißen, war mit dem Cheruskerfürsten Armin verheiratet. Von ihm weiß jedermann, dass er im Teutoburger Walde im Jahre 9 nach Christi Geburt die römischen Legionen unter Varus vernichtend geschlagen hat.

Auf ihrem Rachefeldzuge gelang es den Römern, Thusnelda und ihren Sohn gefangen zu nehmen. Beide brachte man nach Rom, und in einem Triumphzuge wurden sie durch die Straßen der Stadt geführt.

Der römische Kaiser Augustus bot Armin die Freilassung der beiden Gefangenen unter der Bedingung an, dass er sich bereit fände, sein goldenes Schwert, das ihn und seinen Stamm unüberwindbar machte, nach Rom auszuliefern. Wohl liebte Armin seine Frau und den Sohn über alle Maßen, aber um der Freiheit und des Bestandes seines Cheruskervolkes willen, konnte er nicht auf den Handel eingehen, denn das hätte bedingungslose Unterwerfung bedeutet. Lieber litt er also den tiefen Schmerz um den Verlust der Seinen.

Um niemals in die Versuchung zu kommen, versenkte Armin sein Schwert im grundlos tiefen Hofbrunnen der Burg zu Segeste während eines Besuches dort.

„So könnte sich die Geschichte in und um Segeste abgespielt haben“, heißt es in der Chronik der Samtgemeinde Sibbesse (S.116). „Aber stammte Segestus tatsächlich aus unserem Segeste? (...) Wie dem auch sei, die Gelehrten streiten sich und wir genießen die alte Sage und träumen von Burgen, Fürsten und der großen Liebe.“

Der legendäre „Stardust Shout Club“

Geschichte geschrieben hat der „Stardust Shout Club“ in Segeste, eine der bekanntesten Diskotheken der 1960er Jahre im Landkreis Hildesheim. Klaus Becker, gebürtiger Hamburger, einst Seemann und später Vertreter der Gilde-Brauerei, betrieb in Segeste eine ursprünglich im Jahre 1900 entstandene Gaststätte (Piel/Niehoff) und in dieser seinen weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannten Music-Club. Becker verfügte offenbar über beste Kontakte in die damalige Musikszene und holte zur Begeisterung vieler Musikfans unter anderem die legendäre deutsche Band The Lords zu Auftritten in seinen Gasthof. Zeitzeugen erzählen noch heute, dass an Wochenenden die Segester Dorfstraßen gesäumt und zugeparkt waren von Autos aus dem gesamten Umland. Der Auftritt der Lords in Segeste schaffte es damals ins deutsche Fernsehen. Bis heute gelten The Lords als eine der bekanntesten deutsche Beat- und Rockbands. Mit englischsprachigen Songs waren sie zwischen 1965 und 1969 in den deutschen Charts vertreten. Zu ihren bekanntesten Stücken zählten Have a Drink On Me, Shakin’ All Over, Poor Boy und Gloryland, das heute noch häufig in Fußballstadien gesungen wird. Die Band ist bis heute aktiv, wenn auch nicht mehr in Originalbesetzung, und hält den offiziellen RID-Weltrekord als „dienstälteste Rockband der Welt“.

Mehr zu dieser Band erfährt man auf ihrer Website und hier.


Schriftgut und Überliefertes

  • Hartmann, Sabine, 1025 Jahre Sibbesse - Chronik der Samtgemeinde Sibbesse, Druckhaus Köhler, Harsum 2014. Die Chronik ist im Rathaus von Sibbesse käuflich zu erwerben.
  • Denkmalatlas Niedersachsen, online hier einzusehen
  • Griessmann, Uwe und Klima, Sonja, 111 Orte in und um Hildesheim, die man gesehen haben muss, Emons Verlag GmbH 2020, S. 222/23


Das gibt's so nur bei uns


Spuren von historischen Produktionsstätten

Wassermühle

Zu finden: Bahnhofsallee 26

Östlich von Segeste bzw. am westlichen Ortsrand des benachbarten Almstedt liegen die Gebäude der Wassermühle von Segeste. Südlich der Mühlenanlage fließt die Alme.

Erste Erwähnung findet die Mühle im Jahre 1577, als sie aus dem Besitz des Fürstlich Braunschweigischen Rats- und Kammersekretärs Abel Ruck auf den Herzog von Wrisberg überschrieben wird. Erst Jahrhunderte später erfährt man Weiteres über das Mühlenanwesen in Segeste.

1846 ist die Übergabe des Betriebes von Müllermeister Heinrich Grote auf seinen Sohn Heinrich schriftlich festgehalten. Sicher belegt ist, dass die Mühle seitdem und über Generationen bis heute durch den Erbfall im Besitz der Nachfahren geblieben ist.

1855/56 entstand der Neubau des noch heute existierenden Mühlenwohnhauses.

Das ursprünglich in der freien Feldmark gelegene Areal besteht seitdem aus einem massiven Wohnhaus in Ziegelbauweise mit oberschlächtigem Mühlrad und südlichem Stallanbau und einer Fachwerkscheune.

Das Wohnhaus liegt traufständig zum Mühlhof. Es ist ein zweigeschossiges Gebäude, das auf einem Bruchsteinsockel errichtet wurde. Die symmetrisch gegliederte Fassade hat Rundbogenfenster. Der mittig liegende Eingang war ursprünglich durch eine drei Stufen hohe Freitreppe erreichbar. Das Mauerwerk des Mühlenhauses ist mit für den Baustil typischen Ziegelziersetzungen und Zahnschnittfriesen an Traufe und Giebel verziert.

Ein Fachwerkstall ist rückwärtig an das Mühlenhaus angebaut. Zwischen diesen beiden Gebäuden liegt das Wasserrad. Erst 1942 wurde eine Banki-Turbine zum Antrieb des Mühlenrades eingebaut.

Zum Gebäudekomplex gehört eine Fachwerkscheune aus dem Jahr 1820 mit Halbwalmdach und einer Längsdurchfahrt. Die Gefache der Scheune sind mit Ziegeln ausgemauert.

Die Wassermühle wird seit 1954 nicht mehr bewirtschaftet. Das Mühlenhaus wird noch heute von den Mühlenerben bewohnt.


Magische Orte

Die Burgstelle von Segeste

„Ältere Bewohner von Segeste berichten, dass gegen Ende des 19. Jh. noch Reste von Bauten auf einem Acker zu finden waren, der noch heute „Burgstelle“ heißt. Graf Werner von Götz-Wrisberg veranlasste aufgrund der mündlichen Überlieferungen im Jahr 1905 eine Grabung, bei der er auf Mauerreste, Pferdemist und Münzen stieß. Wilhelm Gellert und der damalige Leiter des Roemer- und Pelizaeus-Museums, Dr. Roemer, gruben 1935 und 1936 noch einmal auf diesem Acker. Aus Geldmangel mussten die Grabungen eingestellt werden, doch war Dr. Roemer sich sicher, Spuren einer frühen Besiedlung gefunden zu haben. So ganz scheint noch immer nicht geklärt zu sein, ob „unser“ Segeste Schauplatz dieser spannenden Geschichte war, oder ob es doch ein anderer Ort, weiter östlich, mit ähnlichem Namen war, in dem sich Thusnelda in Arminius verliebte.“

(Zitat aus: Segeste – idyllisches Dorf mit Burgstelle und spannender Historie, in Hartmann, Sabine, 1025 Jahre Sibbesse – Chronik der Samtgemeinde Sibbesse, S.116)