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Interessant + Wissenswert


Sagen und Geschichten 

Sagen aus Söhlde

Sagen und Erzählungen haben in Söhlde über Jahrhunderte das Leben im Dorf geprägt. Sie spiegeln Ängste, Hoffnungen und die enge Verbindung der Menschen zu Landschaft, Natur und Geschichte wider. Besonders mit den Mühlen, der Kreide und geheimnisvollen Gestalten sind viele Überlieferungen verbunden. Viele Sagen und Geschichten ranken sich auch ums Bereler Ries, ein kleines idyllisches Wäldchen zwischen Söhlde und Berel.

Die Sage vom Räuber Hellemann

Der Räuber Hellemann war eine berüchtigte Gestalt des 17. Jahrhunderts, die im Raum Söhlde und insbesondere im Gebiet des Bereler Ries ihr Unwesen trieb. Er nutzte eine abgelegene, schwer zugängliche Grube als Versteck – heute bekannt als „Hellemanns Kuhle“.

Um seine Spuren zu verwischen, führte Hellemann sein Pferd stets rückwärts in die Kuhle, so dass seine Verfolger glaubten, er sei in eine andere Richtung geflohen. Diese Taktik trug zu seinem Ruf als gerissener Gesetzloser bei und machte ihn lange Zeit unauffindbar.

Im Jahr 1687 gelang es schließlich einer Gruppe von 33 Bauern, den Räuber zu fassen. Er wurde nach Wolfenbüttel gebracht und im Lechlumer Holz, einem alten Hinrichtungsplatz, öffentlich gehenkt. Ein Gedenkstein erinnert dort bis heute an seine Hinrichtung.

Die Geschichte vom Räuber Hellemann ist halb historische Überlieferung, halb Volkssage, und wurde über Generationen mündlich weitergegeben. Die „Hellemanns Kuhle“ gilt bis heute als sagenumwobener Ort, an dem angeblich der Geist des Räubers in stürmischen Nächten noch immer spuken soll.

Eine Hexe gebannt

Starb in Söhlde eine Frau, die man für eine Hexe hielt, folgte ein alter Brauch: Die Leiche wurde zum Bereler Ries gebracht, eine junge Buche gespalten und ein Kleidungsstück der Toten hineingeklemmt. Verschnürte man den Stamm, damit er wieder zusammenwachsen konnte, galt die Hexe als gebannt und konnte nicht zurückkehren. Erst dann durfte die Verstorbene beerdigt werden.

Mühlen- und Kreidesagen

Söhlde war einst das Dorf mit den meisten Mühlen in Europa. Schon früh ranken sich Sagen um die Kraft des Windes, der hier besonders zuverlässig weht. Es heißt, der Wind sei ein „gütiger Helfer“ gewesen, der die Kreide zu feinem Pulver mahlte und damit Wohlstand ins Dorf brachte. Auch von geisterhaften Gestalten, die nachts um die Kreidemühlen schlichen, wurde berichtet.


Schriftgut und Überliefertes 

  • 850 Jahre Söhlde, 1151-2001, Cord Alphei, Hildesheim 2001

  • Heimatsichten, Geschichte und Ortsheimatpflege in der Gemeinde Söhlde, Marcel Giffey und Dr. Kriustin Caesemir, Söhlde 2020

  • Die Geschichte der Gemeinde Söhlde, 1151-1920, Ernst Bertheau, Oedelum 1994

  • 50 Jahre Gemeinde Söhlde, Jubiläumsbroschüre, Hannover März 2024

  • Leben in der Gemeinde Söhlde, Offizielle Bürgerinformationsbroschüre, Hannover Oktober 2022

  • Sagen aus dem Hildesheimer Land, Gerhard Kraus, Husum 1996

  • Denkmalatlas Niedersachsen, www.denkmalatlas.niedersachsen.de

  • Kirchenlexikon, www.kirchengemeindelexikon.de


Berühmte Persönlichkeiten

Christoph Behrens (1784-1850) – Begründer der Söhlder Kreideindustrie

Südlich von Söhlde erhebt sich der Barbecker Berg (148 m) aus den Kalksteinen des Cenomans und Turons. Hier entdeckte der aus Groß Lafferde stammende Glaser Christoph Behrens, der 1815 durch Heirat nach Söhlde kam, die wirtschaftliche Bedeutung des Gesteins. Während er neben seiner Tätigkeit als Gast- und Landwirt sein Handwerk weiter ausübte, fand er heraus, dass die Kreidesteine sich besonders gut zur Herstellung von Kitt eigneten.

Um 1820 errichtete Behrens die erste von Windkraft betriebene Kreidemühle in Söhlde und wurde damit zum Begründer der Kreideindustrie des Ortes. Bald entstanden über ein Dutzend weiterer Mühlen, in denen die Steine zu Schlämmkreide verarbeitet wurden. Mit dem Aufkommen der Elektrizität ersetzte man die Windkraft, doch eine Kreidebockmühle blieb als Erinnerung erhalten.

Die Bedeutung dieser Epoche spiegelt sich bis heute im Söhlder Wappen, das drei Kreidemühlen zeigt. Christoph Behrens und seine Frau fanden ihre letzte Ruhe auf dem Friedhof an der Martin-Luther-Kirche; ihre Grabmale sind noch heute am ehemaligen Wohnhaus des Paares, direkt am Friedhof, zu sehen.

Heinrich Dammann (1924-2013) und die Heinrich-Dammann-Stiftung

Heinrich Dammann gründete 1955 in Söhlde die Vereinigten Kreidewerke Dammann KG, die später drei Kreideregionen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern umfasste.

Bereits 1946 trat er in die CDU ein und übernahm bald darauf die Leitung der Söhlder Kommunalverwaltung. Für sein Engagement erhielt er 1980 das Bundesverdienstkreuz.

Gemeinsam mit seiner Frau Ortrud, mit der er keine Kinder hatte, setzte er sich besonders für Kinder und Jugendliche ein. 1991 gründeten beide die Heinrich-Dammann-Stiftung, um ihr soziales Engagement über das eigene Leben hinaus fortzuführen.

Heute gehört die Stiftung zu den größten kirchlichen Stiftungen in Deutschland, die Jugendarbeit fördern. Die Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich, und bis heute unterstützt die Stiftung vielfältige Projekte im Bereich Bildung, Sport, Kunst, Kultur sowie die evangelische Jugendarbeit, insbesondere auf dem Land.

Friedrich Deike (1931-2010)

Friedrich Deike, gelernter Dachdeckermeister und selbstständiger Handwerker, engagierte sich zeitlebens für seine Heimatgemeinde Söhlde. 1965 trat er in die SPD ein, wurde Ratsherr und anschließend Bürgermeister von Söhlde.

Sein politisches Wirken führte ihn weiter: Von 1974 bis 1994 war er Landrat des Landkreises Hildesheim, außerdem ab 1989 Mitglied des Niedersächsischen Landtages. Mit großem Einsatz prägte er die kommunale und regionale Politik über Jahrzehnte hinweg.


Das gibt's so nur bei uns

Rosenbeete in Söhlde

Ein besonderer Blickfang im Ortsbild von Söhlde sind die zahlreichen Rosenbeete, die auf öffentlichen Flächen zu finden sind. Sie gehen auf die Initiative von Wilhelm Weimann zurück, der vor rund 25 Jahren als ehrenamtlicher Umweltbeauftragter die Idee hatte, das Dorf mit Rosen zu verschönern. Viele Beete hat er eigenhändig angelegt und bepflanzt.

Die Pflege der Anlagen übernehmen heute Paten aus dem Ort, so dass die Rosenbeete nicht nur ein ästhetisches Element darstellen, sondern auch ein Beispiel für gemeinsames Engagement der Dorfgemeinschaft sind.

Darüber hinaus hat Wilhelm Weimann auch den Baumlehrpfadim Ort initiiert, der das Bewusstsein für Natur und Umwelt stärkt und Einwohnern wie Besuchern Einblicke in die heimische Flora gibt.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Mühlen in Söhlde

Söhlde war einst ein echtes Mühlendorf: Schon 1778 wurde die erste Windmühle auf dem Söhlder Berg errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts standen hier insgesamt 14 Windmühlen, womit der Ort als das Dorf mit den meisten Mühlen in Deutschland galt. Ihr Aufschwung hing eng mit der Kreideindustrie zusammen.

Kurz nach 1810 entdeckte der Glaser Christoph Behrens, dass sich aus den örtlichen, kreidehaltigen Steinen Kitt herstellen ließ – ein Material, das sehr gefragt war. Damit begann der Aufstieg Söhldes zur Kreidehochburg: Immer mehr Mühlen entstanden, um die Rohkreide zu mahlen. Söhlde entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kreideabbaugebiete weltweit.

Mit der Einführung der Elektrizität verloren die Windmühlen im 20. Jahrhundert jedoch ihre Bedeutung, viele verschwanden. Zwei besondere Zeugen dieser Zeit sind noch bis heute erhalten.

Kreidemühle

Zu finden: Im Westerbach

Die Kreidemühle im Westerbach wurde 1862 errichtet und gilt als Ausgangspunkt der Söhlder Kreideindustrie. Christoph Behrens, Glaser und Gastwirt in Söhlde, hatte bereits zuvor entdeckt, dass sich die im Süden des Dorfes vorkommenden kreidehaltigen Steine zur Herstellung von Kitt eigneten. Damit begann eine rasche Entwicklung: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts standen in Söhlde insgesamt 14 Windmühlen. Mit der Einführung der Elektrizität verloren die Windmühlen jedoch an Bedeutung, viele verschwanden.

Die Kreidemühle von 1862 ist heute die letzte Kreidemühle Deutschlands mit vollständig erhaltener technischer Inneneinrichtung. Ursprünglich mit Windkraft betrieben, erfolgte 1906 die Umstellung auf Elektrobetrieb, Söhlde erhielt sogar ein eigenes kleines Kraftwerk für seine Mühlen. 1957 wurde der Betrieb eingestellt und die Verarbeitung industriell fortgeführt.

Von den typischen Windmühlenmerkmalen wie Kappe und Flügel ist zwar nichts mehr vorhanden, doch im Inneren blieben bedeutende Maschinen erhalten, darunter zwei Kollergänge (Mahlwerke), eine Wasserpumpe, ein Kettenförderer, ein Steinbrecher, ein restauriertes Kammrad sowie ein Elektromotor. Durch den Einsatz des örtlichen Mühlenvereins wurde das Gebäude 2009 umfassend renoviert und ist heute ein einzigartiges technisches Denkmal.

Patentmühle Söhlde

Zu finden: Bürgermeister-Burgdorf-Straße 8

Infos über das Rathaus Söhlde: 0 51 29 / 972-0

Verein zur Erhaltung historischer Mühlen in Söhlde e.V.

Die Söhlder Patentmühle entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Bockwind- und Getreidemühle am Dorfrand. 1882 wurde sie zu einer modernen Holländerwindmühle mit Kettenzug umgebaut: Nun drehte sich nicht mehr das ganze Gebäude, sondern nur die Kappe mit den Flügeln. Gleichzeitig erhielt sie ein festes Ziegelmauerwerk. Anfang des 20. Jahrhunderts kam zusätzlich ein teilweiser elektrischer Betrieb hinzu, ehe der Mahlbetrieb 1956 eingestellt wurde.

In den 1980er Jahren erfolgte eine umfassende Restaurierung, und heute beherbergt die Mühle das Standesamt der Gemeinde. Umgeben von Rosenbeeten bietet sie ein besonders romantisches Ambiente. Jährlich am Deutschen Mühlentag erwacht die Patentmühle zu neuem Leben: Dann drehen sich die Flügel, es gibt Führungen, eine Bilderausstellung, Bewirtung für Gäste und spezielle Angebote für Kinder.

Wer sich in der Patentmühle trauen lassen mlchte, wendet sich an Herrn Schridde vom Standesamt Söhlde. Kontakt: 0 51 29 / 972-31, standesamt@soehlde.de

Deutscher Mühlentag in Söhlde

Am bundesweiten Deutschen Mühlentag – jedes Jahr am Pfingstmontag – öffnen auch die Mühlen in Söhlde ihre Türen. Besucher können die Mühlenkultur hautnah erleben.

Zu den Aktivitäten am Deutschen Mühlentag zählen die Inbetriebnahme der Flügel, eine Oldtimer-Ausstellung an der Kreidemühle, Mühlenführungen mit spannenden Einblicken in die Technik, eine Bilderausstellung zur Geschichte der Söhlder Kreide, Bewirtung mit regionalen Speisen und Kinderaktionen rund um die Patentmühle. So bleibt die Mühlentradition Söhldes lebendig und für alle Generationen erlebbar.


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