Interessant + Wissenswert
Sagen und Geschichten
Die Sage vom Huckup
Im Ziegenberg bei Söhre suchte ein Mann eines Tages Heidelbeeren. Gegen Mittag legte er sich zum Schlafen unter einen Baum, aber als er die Augen schloss, hörte er hinter sich jemanden „Hoho, hoho!“ rufen. Erschrocken sprang er auf und schaute sich um, konnte aber nur einen Raben sehen, der ihn grimmig ansah. Um den Raben zu vertreiben, warf der Mann einen Stein nach ihm und der Vogel flog krächzend davon. Als der Mann nun wieder die Augen schloss, hörte er erneut jemanden rufen. Er griff wieder nach einem Stein, aber es war kein Rabe und keine Person zu sehen. Er fürchtete sich und wollte diesen Platz schnell verlassen, als ihm etwas mit Geschrei auf den Rücken sprang. Er schüttelte sich, aber die schwere Last blieb auf seinen Schultern und so schleppte er sich mühsam bis zum Waldrand.
Als er die Kreuze der Stadt- und Dorfkirche erblickte, fiel die Last plötzlich von ihm ab.
Da er es nicht gewagt hatte, sich umzudrehen, wusste er nicht, was er hatte schleppen müssen. Er ging nie wieder in den Ziegenberg.
Die Huckup-Sage ist sehr bekannt und stand früher in vielen Schulbüchern. Sie ist wohl auf Urängste von Menschen zurückzuführen, die allein im Wald oder im Feld sind. Besonders nachts oder wenn sie ein schlechtes Gewissen oder Schuldbewusstsein plagt, sehen oder hören diese Menschen überall Gespenster. Ihre Vorstellungskraft gaukelt ihnen Dämonen vor, von denen sie sich kaum freimachen können.
In Hildesheim war der Huckup als Gespenst bekannt und dieser Aberglaube wurde von Verbrechern gerne genutzt. Sie versteckten sich in dunklen Winkeln der Stadt und sprangen den vorbeikommenden Leuten auf den Rücken (= Huckup), um sie auszurauben. 1905 wurde in Hildesheim das Huckup-Denkmal aufgestellt, aber das Motiv wurde der Söhrer Sage entnommen: Der Berggeist „Hödeken“ kann das Unrecht nicht leiden und springt dem Apfeldieb, der auf dem Weg nach Söhre ist, auf den Rücken und zwingt ihn so, seine Beute fallen zu lassen.
Das versunkene Schloss an den Rönsitten
Die Söhrer Teiche, die jetzt durch Abholzungen am Waldrand liegen, lagen früher mitten im dichten Wald. Im mittleren Teil der Rönsitten stand vor vielen hundert Jahren ein prächtiges Schloss. Der Ritter, der hier wohnte, ging gerne zur Jagd und veranstaltete viele Feste. für seine Untergebenen, die in sehr einfachen Verhältnissen leben mussten, hatte der Schlossherr nichts übrig.
An einem Christabend wurde mit vielen Gästen bei einem Festmahl gefeiert, als völlig unerwartet das Schloss mit allen Personen im Erdboden versank:
Turm und Haus,
Menschen und Maus,
Brücke und Wall,
Ochse im Stall,
Kessel und Brand,
Fliege an der Wand,
Spinne im Fach,
Iltis unterm Dach,
Poggen und Aal,
Alles sank da.
Nur der Schlossherr konnte entkommen, ritt auf seinem Schimmel davon und wurde nie wieder gesehen. In einer anderen überlieferten Version konnten die Bediensteten das Schloss vorher verlassen, aber der Ritter versank mit seinen Gästen.
Die große Senke füllte sich schnell mit Wasser und verbirgt wohl bis heute das Schloss mit seinen großen Schätzen. Aber es liegt ein Bann auf den Teichen und keiner ist bisher zu den Schätzen vorgedrungen. Sehr gute Schwimmer gehen unter und selbst Holzstücke schwimmen hier nicht. Und in der Weihnachtsnacht kann man manchmal noch den Klang der Glocken der Schlosskapelle hören.
Der Streit über die Tiefe der Rönsitten
Viele Jahre nach dem Versinken des Schlosses stritten sich die jungen Burschen in Söhre über die Tiefe der Teiche. Sie beschlossen, alle Stricke im Dorf zu sammeln und knoteten sie aneinander, um so die Wassertiefe zu messen. Die Stricke wurden mit einem Stein ins Wasser gelassen, doch man kam nicht auf den Grund.
Inzwischen wunderte sich der Müller in der Bischofsmühle in Hildesheim, dass sich sein mit Wasser angetriebenes Mühlrad nicht mehr richtig drehte. Er schaute nach und musste feststellen, dass die Stricke der Söhrer sich um das Rad gewickelt hatten und es sich deshalb nicht mehr bewegen ließ.
„Wie Hannes aus Söhre mit seinen Schafen nach’n Kreuzberge zieht“
Der Schäfer Hannes aus Söhre wollte gerne einmal an der Wallfahrt in Ottbergen teilnehmen. Dabei ziehen Gläubige am 14. September (Kreuzerhöhung) singend und betend zur Kapelle auf den Kreuzberg.
Er zog mit seiner Schafherde durch das Beustertal nach Marienrode und dann weiter bis nach Ottbergen. Unterhalb des Kreuzberges ließ er seine Schafe weiden und ging nun hinauf. Der Bischof hielt dort seine Predigt und sagte unter anderem: „Ein guter Hirte verlässt seine Herde nie!“ Hannes fühlte sich angesprochen und ging schnell zu seinen Schafen zurück. Er hatte ein gutes Werk tun wollen, als er an der Wallfahrt teilnahm, doch nach den Worten des Bischofs ging er tief enttäuscht mit seinen Schafen die 16 Kilometer bis nach Söhre zurück.
Die geflüchteten Ferkel
Früher war es in Söhre üblich, dass für die Dorfbewohner Ferkel aus Sellenstedt gekauft wurden. Eines Sonntags machten sich also zwei Burschen mit einem Einspänner auf den Weg dorthin. Sie kauften preisgünstig gesunde Ferkel und traten glücklich den Heimweg nach Söhre an.
Als sie oben auf dem Roten Berg angekommen waren, stellten sie fest, dass sie nach der langen Fahrt sehr durstig waren und legten in der kleinen Gastwirtschaft dort oben eine „zünftige“ Trinkpause ein. Die Strecke vom Berg bis nach Söhre hatte viele Kurven und sie konnten das Pferd nicht mehr richtig führen. So kamen sie von der Straße ab, der Wagen kippte um und die Ferkel liefen davon.
Unterstützt von vorbeikommenden Passanten fingen sie die Ferkel mühsam wieder ein und konnten ihren Weg nach Hause schließlich fortsetzen. Die Söhrer warteten schon auf ihre bestellten Ferkel und nachdem sie von dem Unfall gehört hatten, sagten sie: „Ferkel wollten sie holen und Schweine kommen wieder!“
Der schlaue Küchenmeister
Eine Spukgeschichte nach einer wahren Begebenheit vom 22. November 1671
Eines Tages kam die Frau des Küsters in Söhre weinend zum Kloster in Marienrode und beklagte sich bei den Mönchen. Soldaten des Bischofs hatten auf Befehl des Amtsschreibers der Marienburg ihre Kuh gepfändet. Das Kloster stand aber damals unter dem Schutz des Herzogs zu Calenberg, weshalb das Amt Marienburg kein Recht hatte, in das Kloster Marienrode einzugreifen.
Der Pater Küchenmeister und drei Mönche verkleideten sich als „Hedenträger“ – das waren Männer, die von Dorf zu Dorf zogen und den Flachsabfall (= die Hede) kauften – und wollten den Soldaten, die die Kühe entführt hatten, auflauern. In ihrer Verkleidung und mit Stöcken bewaffnet, verprügelten sie die bischöflichen Soldaten, die daraufhin flohen und die Kuh zurückließen. Die Soldaten hatten aber bemerkt, dass sie von den Mönchen des Klosters überfallen worden waren.
Der Amtsschreiber der Marienburg schickte daraufhin eine ganze Kompanie Soldaten zum Kloster, um die Kuh zurückzuholen. Die Mönche bekamen Angst, als sie die Soldaten heranrücken sahen und flohen in den nahegelegenen Wald. Lediglich der Küchenmeister blieb zurück und überlegte zusammen mit der Küstersfrau, wie man sich noch retten könnte. Diese machte sich daraufhin schnell mit einem leeren Tragekorb auf zur Klosterpforte.
Die Soldaten fingen sie ab und brachten die Küstersfrau zum Amtsschreiber. Sie gestand, dass sie alle Eier in Söhre und Diekholzen aufkaufen solle, denn das ganze Kloster sei voll mit „hannoverschen Rotröcken“ (Soldaten des Herzogs zu Calenberg) und sie müssten versorgt werden.
Der Amtsschreiber der Marienburg erschrak und schickte seine Soldaten zum Auskundschaften des Klosters. Hier entdeckten sie sogleich einen „Rotrock“ auf der Mauer, der die Trommel schlug, um seine Kameraden zu versammeln. Der Amtsschreiber blies nun zum Rückzug und die Soldaten zogen sich zurück. Der Trommelschläger auf der Klostermauer war aber nur der schlaue Pater Küchenmeister im roten Rock eines Chorknaben.
Das Naturdenkmal Bauerstein
Eine alte Sage erzählt, dass mal ein Riese nach Söhre kam, der einen langen Marsch hinter sich hatte. In Söhre drückte ihn sein Schuh so sehr, dass er ihn ausgezog und ein Sandkorn herausfiel. Das ist der Bauerstein.
Schriftgut und Überliefertes
- Chronik von Söhre, Hans-Dieter Petzoldt, Söhre 1998
- Dorfgeschichte Söhre, Hans-Dieter Petzoldt, Söhre 1984
- Sagen von Söhre, Hans-Dieter Petzoldt,Söhre 1997
- Die Gemeinde Diekholzen in ihrer historischen und aktuellen Entwicklung
Cord Alphei im Jahrbuch 1999 des Landkreises Hildesheim
Berühmte Persönlichkeiten
Hans-Dieter Petzoldt
Heimatforscher und Erdbeerbauer
Hans-Dieter Petzoldt wurde 1924 in Dresden geboren und kam 1946 nach Hildesheim, um das Handwerk des Zimmermanns zu lernen. Anschließend baute er sich einen eigenen Gartenbaubetrieb auf und pflanzte im großen Stil Erdbeeren auf gepachtetem Land rund um Söhre an. Innerhalb der nächsten Jahre wurde der Erdbeerhof einer der bekanntesten und größten in Deutschland und er führte als einer der Ersten das Selbstpflücken von Erdbeeren auf dem Feld ein. Ein Erfolgsmodell, das immer wieder viele Menschen nach Söhre lockte. Später kam noch ein 25 Hektar großes Feld bei Hannover dazu. 1974 wurde das 25-jährige Geschäftsbestehen mit einem Tag der offenen Tür gefeiert und man erwartete rund 10.000 Besucher.
Hans-Dieter Petzoldt vermehrte über zehn Erdbeersorten und gewann für seine Früchte viele Goldmedaillen. Er wurde mit dem Ehrenpreis für wirksame Verbraucheraufklärung ausgezeichnet und 1974 fand in Söhre eine internationale Erdbeertagung statt. Außerdem bewirtschaftete er eine Baum- und Rosenschule und bot seine Pflanzen auch im Versandhandel an. Er beschäftigte dafür 30 Personen und während der Erdbeersaison bis zu 200 Saisonkräfte.
Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben widmete er sich seinen Hobbys: Oldtimern und der Söhrer Heimatforschung, wobei er viele Bücher schrieb und auf eigene Kosten herausgab. Der Gartenbaubetrieb und die Erdbeerfelder wurden später aufgegeben.
Das gibt's so nur bei uns
Alte Wassermühle
Zu finden: Hauptstraße 13
Im Landschaftsschutzgebiet um die alte Söhrer Mühle kann man auf der Streuobstwiese die Vielfalt der Pflanzenarten erkunden und die alte Wassermühle besichtigen. Die Besitzer haben die Mühle und die Umgebung liebevoll zu einem Begegnungs- und Lernort umgebaut.
Magische Orte
Rönsitten
Zu finden: Im Söhrer Bauernholz (Feldmark) am Fuße des Tosmarberges, zwischen Söhre und Diekholzen
Wenn man vom Tosmarberg ins Tal schaut, sieht man am Waldrand und zwischen den Feldern mehrere Teiche, die von großen Bäumen umgeben sind: die Rönsitten. Der Name hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, früher wurden sie Rühensiek oder Rüensiek genannt, was auf die Entstehung der Teiche hindeutet: „Siek“ bedeutet Senke und „Rühe“ könnte von Rehe kommen und auf den guten Reh-und Wildbestand hier zurückgehen.
Diese Söhrer Teiche, die auch Rönsitten genannt werden, sind Erdfälle, deren Ursache in Auswaschungen im Gestein liegt. Der Höhenzug des Tosmarbergs besteht aus Buntsandstein und wird durch ein Muschelkalkband an der Oberfläche durchbrochen. Unter dieser Muschelkalkschicht befanden sich Salzeinlagerungen, die vom unterirdischen Wasser ausgespült wurden und schließlich einstürzten. Heute sind diese tiefen Gruben mit Wasser gefüllt, das so dunkel und unergründlich scheint, dass sich zahlreiche Sagen und Geschichten um diesen magischen Ort ranken.
Die Rönsitten sind auch ein Naturdenkmalfür Flora und Fauna und man findet hier seltene Pflanzen z.B.: Wollgras, Sonnentau, Bitterklee und Heidekraut.