Inhalt

Geschichte


Geschichtliches

Söhre war wohl schon in der Steinzeit (4500 v. Chr. bis 1800 v.Chr.) besiedelt, denn am Mühlberg wurden vor einigen Jahren Steinkeile aus dieser Zeit gefunden. Ein Beweis dafür, dass schon damals in dieser Gegend Häuser gebaut wurden.

Die Geschichte des Dorfes Söhre ist eng mit dem Kloster Marienrode verknüpft, das 1125 gegründet wurde. Zum Stift gehörten damals Diekholzen und „Sutherem“, was wohl mit Söhre identisch ist. Eine Erwähnung des Ortes in einer Urkunde von Bischof Bernward aus dem Jahr 1022 erwies sich als Fälschung. Der Bischof von Hildesheim beanspruchte als Landesherr Dienste und Abgaben aus Söhre und dafür wurden die Dorfbewohner vom Kloster beschützt und versorgt. Doch nicht immer war der Bischof in der Lage, den Ort vor Übergriffen zu schützen, so dass es zu Überfällen kam, bei denen Ackerland verbrannte und Pferde gestohlen wurden.

Um 1200 gab es in Söhre vier Ackerhöfe, eine Wassermühle und fünf weitere Hofstellen, in denen ungefähr 20-40 Einwohner lebten und das Dorf war über Jahrhunderte bäuerlich geprägt, was man auch heute noch sehen kann. 

Als die Zisterzienser das Kloster 1259 von den Augustiner-Mönchen übernahmen, wollten sie ihren Besitz in Söhre vermehren und kauften Land in der nahen Umgebung sowie eine Mühle. Im Jahr 1265 bestätigte Bischof Otto, dass diese Mühle in Söhre dem Kloster Marienrode übertragen wurde. Noch 1754 wurde in den Akten des Amtes Marienburg die „Schillersche Erbmühle“ zu Söhre erwähnt.

Im 14. Jahrhundert erhielt Söhre eine Kirche, deren Turm heute noch steht und im Wappen des Ortes zu sehen ist. Die seelsorgerische Betreuung erfolgte durch das Zisterzienserkloster Marienrode. Auch die Patronatsrechte wurden dem Kloster übertragen.

1537 stellte sich Marienrode unter den Schutz des Herzogs von Braunschweig. Die Marienburg, die 1349 fertiggestellt worden war, wurde Sitz des Amtes Marienburg, dem nun die Dörfer Söhre, Diekholzen und Barienrode verwaltungstechnisch unterstellt waren. Söhre hieß damals „Sodere“ oder später „Soedere“. 50 Jahre später wurden die Güter und Rechte Söhres an den Hildesheimer Stadtrat verpfändet.

Über Jahrhunderte wurde in Söhre Flachs angebaut und zu Leinenstoffen verarbeitet. Dieser wurde im Frühjahr ausgesät, im Sommer geerntet und getrocknet, der Samen wurde ausgedroschen und in der Söhrer Wassermühle zu Öl verarbeitet. Die Halme des Flachs wurden verrottet, wofür fast jeder Haushalt eine Parzelle außerhalb des Ortes hatte, weil dabei ein sehr unangenehmer Geruch entstand. In diesen Flachsrotten wurde der Flachs gelagert, bis sich die Rinde von den Halmen löste. Nach mehreren Arbeitsgängen wurde der Hanf so sauber und weich, dass er am Spinnrad zu Leinenfäden gesponnen werden konnte. Da jeder Haushalt ein Spinnrad hatte, wurde im Winter gesponnen, um ein zusätzliches Einkommen zu erzielen. Das Leinengarn wurde anschließend von den Leinewebern zu Stoffen verarbeitet. Diese Stoffe waren sehr begehrt und zeichneten sich durch gute Qualität aus. Sie wurden weit über die Region Hildesheim hinaus verkauft. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es sehr viele Leineweber in Söhre. Erst als auf großen Webstühlen in Fabriken Stoffe produziert wurden, stellte man dieses alte Gewerbe ein. Noch heute kann man in Söhre in der Straße „Am Berg“ die kleinen Häuser sehen, die von den Leinewebern bewohnt waren.

Schon im 17. Jahrhundert gab es im Ort eine Schankwirtschaft, die nur Hildesheimer Bier verkaufen durfte. Bis zum 2. Weltkrieg wurde im Söhrer Wald Holzkohle gebrannt und erst danach gab es Handwerksbetriebe wie Schneider, Schuster, Drechsler, Stellmacher, Steinmetze und Tischler, die heute nicht mehr ansässig sind. Und es gab eine Schule im Küsterhaus in Söhre, zu der sogar die Kinder aus Diekholzen kamen. Die Lehrer waren überwiegend Handwerker aus dem Ort, die den Kindern die Grundlagen des Katechismus beibringen sollten. Lesen, Schreiben und Rechnen standen dabei nicht im Mittelpunkt des Unterrichts. Erst ab 1788 wurde die Schulpflicht eingeführt und 1828 wurde eine neue große Schule gebaut.

Von der Säkularisierung der Klöster im Hochstift Hildesheim 1803 war Marienrode zunächst nicht betroffen, denn es stand zu dieser Zeit noch unter der Landeshoheit des Fürstentums Calenberg. Doch 1806 wurde das Kloster Marienrode aufgehoben und Söhre Eigentum des preußischen Staates und kam kurz danach bis 1833 unter die Verwaltung der Klosterkammer. Nun war Söhre der Amtssitz des Seelsorgers und nicht mehr Marienrode.

1912 wurde die Bahnstrecke vom Kalischacht Diekholzen nach Marienburg für den Personenverkehr freigegeben und Söhre bekam einen Bahnhof. Es wurde eine Wartehalle eingerichtet und nun konnte man bis nach Hildesheim fahren, und Ausflügler aus Hildesheim und Hannover gelangten so nach Söhre. Erst 1931 wurde der Bahnverkehr eingestellt, aber ab 1973 für die Munitionsfabrik in Diekholzen wieder aufgenommen. 1979 wurde der Personenverkehr wegen zu geringer Auslastung eingestellt.

Bis ins 19. Jahrhundert war Söhre mit 28 Höfen das größte Dorf im Vergleich zu Diekholzen (20 Höfe), Barienrode (8 Höfe) oder Egenstedt (15 Höfe). Erst nach der Jahrhundertwende wuchs die Bevölkerung von Diekholzen stärker an und der Ort hatte bald doppelt so viele Einwohner wie Söhre. Doch durch Erschließung von Neubaugebieten in Söhre wuchs auch hier die Einwohnerzahl, die heute bei etwa 1.400 liegt. Am 1. März 1974 wurden die Dörfer Barienrode, Diekholzen, Egenstedt und Söhre durch die Gebiets- und Verwaltungsreform zur Einheitsgemeinde Diekholzen zusammengelegt.

Die Grundschule, die Kirche, die Vereine, die Freiwillige Feuerwehr und eine Dorfmoderatorin halten den Ort durch viel Engagement und diverse Veranstaltungen zusammen. Die Besucher wie die Einwohner schätzen die Ruhe und die hübsche Umgebung als Naherholungsgebiet mit der Traditionsgaststätte „Söhrer Forsthaus“ am Tosmarberg. Die alte Wassermühle im Beustertal ist ein Ort der Begegnung für die Einwohner und lädt immer wieder zu Veranstaltungen ein.


Historische Baulichkeiten

Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Zu finden: Kirchweg 4

Die Grundlagen der Söhrer Kirche entstanden im 14. Jahrhundert, aber von der mittelalterlichen Kirche, die sicherlich kleiner war, ist nur noch der große Turm erhalten, der auch jetzt noch das Ortsbild prägt. Sein Mauerwerk und die Fenster sind ganz der Romantik verpflichtet. Über dem Glockenstuhl befand sich eine Wachstube, von der aus man sehr gut den Hildesheimer Wald beobachten konnte. Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) diente der Turm unter Reitergeneral Pappenheim als Wehr-und Beobachtungsturm. Vor drohender Gefahr konnte so schnell gewarnt werden.

Die mittelalterliche Kirche wurde baufällig und war auch für die wachsende Söhrer Gemeinde zu klein geworden. 1877 wurde daher ein neues Kirchenschiff gebaut und mit kunstvoller Malerei im romanischen Stil versehen – sowohl an der Decke als auch im Chorraum. Ein fast sechs Meter hoher Hochaltar mit reichen Verzierungen rundete das Bild ab.Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte ein Abbau dieser wertvollen Kunstwerke, so dass von dieser historischen Ausstattung nur noch Fragmente erhalten sind.

Vier Reliefs des neuromanischen Hochaltars mit Szenen aus dem Alten Testament wurden an der Südwand der Kirche angebracht. Die Figuren der Muttergottes und des Hl. Josef von den Seitenaltären sind ebenfalls noch erhalten.

Das ehemalige Taufbecken wird heute als Weihwasserbecken benutzt und auch die Orgel der Firma Schaper aus Hildesheim kommt bei den Gottesdiensten zum Einsatz. An der Westwand der Kirche, bei der Orgelempore, stehen zwei große Figuren – Maria und Apostel Johannes – aus dem 19. Jahrhundert. Vermutlich gehörten sie zu einer großen Kreuzigungsgruppe, deren Herkunft nicht geklärt ist.

Besonders hervorzuheben ist eine Pietà aus dem 18. Jahrhundert, die in den 1930er Jahren in die Kapelle auf dem Mühlenberg gebracht wurde, wo sie bis in die 1980er Jahre stand. Heute befindet sich in der kleinen Wegekapelle zwischen Söhre und Barienrode die Kopie einer Skulpturengruppe, die Maria und Johannes unter dem Kreuz darstellt.

In den 1970er Jahren wurde die Kirche umfassend renoviert und bekam eine einfache und schlichte Innenausstattung: einen neuen Altar, Ambo, Tabernakel und Taufstein. Auch die Verglasung einschließlich des Fensters im neuen Vorraum des Beichtzimmers wurde erneuert und stellt die Heimsuchung dar. Während dieser Umbauarbeiten fanden die Gottesdienste zwischenzeitlich in der Schule statt.

Im Chor der Kirche gibt es zwei neugotische Holzreliefs des Bildhauers Anton Mormann aus Wiedenbrück, die die Anbetung des Kindes durch die Hirten und Könige zeigen. Sie waren ursprünglich Teile eines Altarretabels der Kirche in Geblingerode, wie auch die Figuren des Hl. Petrus und des Hl. Paulus, die ebenfalls im Chor zu finden sind.

Friedhofskapelle

Zu finden:

Hauptstraße, Eingang gegenüber der Hausnummer 34

In der modernen Friedhofskapelle finden wir farbige Bleifenster, die der Hildesheimer Künstler Paul König im Jahr 1963 gestaltet hat. Der neue Friedhof hat durch seine Bäume und Lage fast ein toskanisches Flair.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Alte Wassermühle

Zu finden: Hauptstraße 13

Die alte Wassermühle im Beustertal am Mühlenberg hat fast 800 Jahre lang viele Menschen in Söhre ernährt, die in diesem Handwerksbetrieb für ihr tägliches Brot gearbeitet haben.

Schon im 13. Jahrhundert wird die alte Getreide- und Ölmühle erstmals erwähnt und Besucher finden an der Hauptstraße ein kleines Hinweisschild „Wassermühle anno 1224“. Eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1265 ist belegt, dass Bischof Otto I. die Söhrer Mühle dem Kloster Marienrode schenkte und unter seinen Schutz stellte. Ab 1583 war die Mühle lange im Besitz einer Familie Schiller, weshalb auch oft der Name „Schillersche Mühle“ auftauchte, bis Otto Schiller 1819 in Konkurs ging. Die Mühle ging nun an einen Tischler aus Dinklar, der hier mit Wasserkraft ein Sägewerk und eine Furnieranstalt betrieb und so das Holz vom damals bewaldeten Mühlenberg verarbeitete. Zeitweise befanden sich hier auch eine Dreschanstalt, ein Kolonialwarenladen und eine Backstube. 1953 ging auch der Tischler in Konkurs, und die Mühle wurde von Heinrich Ohlendorf übernommen. Dessen Tochter heiratete später den Müller August Rennebohm und damit begann die Verbindung der Familie Rennebohm mit der Mühle.

1928 begann Heinrich Rennebohm mit Sanierungsarbeiten und ersetzte die beiden Wasserräder durch ein neues. 1943 wurde das Inventar der Mühle ausgebaut, um eine im Krieg wichtigere Mühle in Sottrum damit zu betreiben. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm sie Alfred Rennebohm, 1956 stellte er den Betrieb in Söhre jedoch ein. Seine Enkeltochter Claudia Timpe übernahm später mit ihrem Mann Hermann Timpe die Mühle. Sie haben das Gebäude umfangreich restauriert, schaffen hier einen Ort der Begegnung und informieren rund um das Thema Wasser und Biodiversität. Viele Fotos und Schriften im Innenraum zeigen die Besitzer und das Leben und Arbeiten in der Mühle.

Die Mühle liegt erstaunlicherweise nicht direkt an der Beuster, sondern an der Hauptstraße des Ortes. Auf einem Lageplan aus dem Jahre 1922 kann man allerdings sehen, dass es früher in diesem Gebiet Sumpfland und einen Mühlengraben gegeben hatte. Über ein Wehr wurde das Wasser der Beuster bis zur Mühle umgeleitet und so wurde das große Wasserrad angetrieben.

Heute finden hier Schleiereulen einen idealen Unterschlupf und die Besitzer werden dabei vom NABU Hildesheim unterstützt. Die Mühle beherbergt einen großen Nistkasten auf dem Dachboden und trägt so zum Fortbestand der Schleiereulen im Landkreis bei.

Im Beustertal zwischen Mühle und Mühlenberg haben die Besitzer eine große Streuobstwiese angelegt, auf der man alte und seltene Obstsorten finden kann. In diesem Landschaftsschutzgebiet gedeihen zudem verschiedene Pflanzen und leben zahlreiche Amphibien. Hecken und Nistkästen bieten Schutz für die Vogelwelt. Der NABU unterstützt die Familie nicht nur bei ökologischen Maßnahmen, sondern auch bei Informationsveranstaltungen in der Mühle. Die Termine sind im örtlichen Veranstaltungskalender und unter www.diekholzen.de zu finden. Weitere Informationen findet man hier.

Besucher sind willkommen, sollten sich aber vorher bei Familie Timpe anmelden, die dort wohnt. 0157 / 88 29 05 63