Interessant + Wissenswert
Sagen und Geschichten
Folgende Sagen erzählt man sich noch heute in Rautenberg.
Der Wallbrunnen von Rautenberg
In Rautenberg hatte das Rittergeschlecht von Rutenberg seinen Stammsitz. Keine Mauer, kein Stein ist von dem Ritterhofe übriggeblieben, man kennt kaum die Stelle, wo er gestanden hat. Aber der Wallbrunnen soll noch daran erinnern.
Einst wurde in einer bösen Fehde der von Wall und Graben umgebene Stammhof der Ritter von Rutenberg belagert und hart bedrängt. Da keine Hoffnung auf Hilfe und Rettung mehr bestand, warfen die Ritter in stockfinsterer Nacht alle ihre Schätze, ihr Silber und Gold, in den tiefen Brunnen, damit die nicht Beute der Feinde wurden. Am folgenden Tage stürmten die Feinde und eroberten den Ritterhof. Nur dem jüngsten Knappen von Rutenberg gelang es, sich zu retten und in Sicherheit zu bringen; alle seine Verwandten wurden erschlagen. Nach langer Zeit, als wieder Friede war, wollte der Knappe den Schatz im Brunnen, den die Feinde nicht gefunden hatten, wieder heben. Allein je mehr Wasser man aus dem Brunnen schöpfte, desto mehr quoll aus der Tiefe empor; alle Arbeit war vergebens.
So ruht noch heute der Reichtum des Geschlechtes von Rutenberg im Wallbrunnen. Einmal im Jahr, in der Johannisnacht, leuchtet es aus der Tiefe von Gold- und Silberglanz. Wer den Schatz heben will, muss es in der Mitternachtsstunde der Johannisnacht versuchen. Doch es ist eine schwere Aufgabe. Viele haben sich schon vergeblich bemüht, aber niemandem ist es bisher gelungen.
Wie die Rautenberger Jungen zu ihrem Freibier kamen
In Rautenberg ist es Sitte und Brauch, den Dorfjungen von 15 bis 18 Jahren am Margaretentag, dem 3. Juli (vermutl. ist der 13. Juli gemeint, Anm. d. Red.) und zu Fastnacht Freibier zu spendieren; ja, die Jungen haben das Recht, das Freibier zu fordern, und das ist so gekommen:
Als die Rautenberger Feldmark noch nicht verkoppelt war, trieben die Rautenberger ihr Vieh auf die Anger, die sich am Bruchgraben entlangziehen. Hier gibt es noch heute den „Schweineanger“, auf dem einst der „Swen“ seine Herde hütete. Da hat es nun einmal, es soll im Jahre 1491 gewesen sein, einen gewaltigen Wolkenbruch gegeben. Als das Unwetter schwarz und drohend über Harsum aufstieg, hat der Schweinehirt schnell nach Hause getrieben, auch die Pferde hat man in Sicherheit gebracht. Der Kuhhirt aber, der an der Borsumer Grenze in der Nähe des Borsumer Passes seine Kühe weiden ließ, hatte keine Eile. Er glaubte, es würde nicht schlimm werden. Da brach ein furchtbares Blitzen und Donnern los. Der Regen strömte herab, es goss wie mit Mollen. Das Wasser stieg, als wollte eine neue Sintflut hereinbrechen. Voll Angst und Schrecken standen die Einwohner von Rautenberg vor dem Dorfe und harrten der Rückkehr ihrer Kühe. Da machten sich beherzte Jungen durch das Wetter hin zu der Kuhherde. Sie halfen dem Hirten, sein Vieh ins Dorf zurückzutreiben. Als die Kühe soeben die Ställe erreichten, war die ganze Bruchgrabenniederung ein großer See.
Diese mutige Tat der Dorfjungen sollte nicht unbelohnt bleiben. Die Bauern gelobten, ihnen für ewige Zeiten einen Freitrunk, der am Margaretentag, an dem damals das Unwetter ausgebrochen war, gereicht werden sollte. Auch zu Fastnacht sollte ihnen ein Freibier werden. Und so wird es gehalten bis auf den heutigen Tag.
aus: Von Tückeboten, Lüchtenkeerls und weißen Frauen, S. 164 u. 168f
Schriftgut und Überliefertes
Literatur
- Dorpschaft und Kerke tom Rutenberge, Über die Bildung der bäuerlichen Verhältnisse der Gemeinde Rautenberg – Nachdruck des heimatkundlichen Buches über die Ortschaft und Kirche zu Rautenberg von Pastor Reverey aus dem Jahre 1926, Hrsg. Rautenberger Kultur- und Heimatverein 2013
- von Reden-Dohna, Armgard, Wrisbergholzen, in: Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim, Barton‘sche Verlagsbuchhandlung, Wallstein Verlag Göttingen 1995
- Kunstdenkmälerinventare Niedersachsens, Bd.30, Die Kunstdenkmale des Kreises Hildesheim, Verlag H. Th. Wenner, Osnabrück 1980
- Denkmalatlas Niedersachsen, online hier einzusehen.
- Von Tückeboten und Lüchtenkeerls und weißen Frauen, Sagen und Erzählungen aus dem Hildesheimer Land, ges. u. zusammengestellt von Hermann Blume, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 1986
Öffentlicher Bücherschrank am Kindergarten, Rutenbergstr. 28
Literatur unterschiedlichster Art findet man in Rautenberg kostenlos in einem Bücherschrank. Hier darf man einfach stöbern und zugreifen, gleichfalls aber auch mit gut erhaltenem Lesestoff füttern. Der Bücherschrank ist rund um die Uhr geöffnet!
Berühmte Persönlichkeiten
Heinrich Gustav Ludwig Reverey
Heinrich Gustav Ludwig Reverey war in der Vergangenheit einer der Pastoren an der Kirche St. Cosmas und Damian in Rautenberg. Er hatte dieses Amt von 1892 bis 1928 inne. Ihm verdanken die Rautenberger die Schrift „Dorpschaft und Kerke tom Rautenberge – Über Bildung der bäuerlichen und kirchlichen Verhältnisse der Gemeinde Rautenberg“, die er 1926 veröffentlichte und durch die er seine besondere Beziehung zu Dorf und Kirche zum Ausdruck brachte. Nicht umsonst widmeten die Rautenberger diesem Pastor eine ihrer Dorfstraßen.
Sein Grabstein und der seiner Frau Anna haben heute einen besonderen Platz an der südlichen Außenwand des Kirchengebäudes.
Spuren von historischen Produktionsstätten
Prüßmühle
Zu finden: an der Verlängerung der Schmiedestraße ortsauswärts zwischen Rautenberg und Adlum
Die Prüßmühle ist die älteste Mühle im heutigen Harsumer Gemeindegebiet. Als Wassermühle lag sie direkt am historischen Bruchgraben und gehörte im Mittelalter zu einem Königshof in Hohenhameln. Als sie später in den Besitz der Herzöge von Lüneburg kam, ging sie als Lehen an das Rittergeschlecht von Rutenberg. Mit dem Aussterben der Rutenberger Ritter im Jahre 1647 fiel die Prüßmühle an den Herzog von Braunschweig, der den Mühlenbetrieb an die Amtmänner von Steuerwald übertrug.
Nach 1800 und dem Ende des Lehnswesens wurde die Wassermühle durch freie Betreiber bewirtschaftet. Diese besaßen auch ein Schankrecht in der Mühle.
Mit der Begradigung des Bruchgrabens zwischen 1901 und 1904 war die Prüßmühle von der Wasserzufuhr angeschnitten und musste ihren Betrieb einstellen. Nur der Schankbetrieb blieb noch bis 1911 bestehen. Der letzte Müller war Otto Mieke aus Clauen.
Land und Mühlengebäude kaufte danach ein Maurermeister aus Adlum, der das Mühlengebäude abtrug und das Fachwerk zum Bau eines Hauses in Adlum verwendete.
So ist von der historischen Prüßmühle heute nichts mehr zu sehen. Lediglich der alte Mühlstein blieb erhalten und hat seit 2010 seinen Platz am ehemaligen Mühlenstandort.
Motormühle
Zu finden: Rutenbergstr. 41, am Ortseingang von Hüddessum kommend
Noch im zurückliegenden Jahrhundert lag hinter dem Ortsausgang Rutenbergs Richtung Hüddessum eine Windmühle. Der Mühlenbesitzer Wilhelm Oelkers verkaufte sie ins Wendland, wo sie wieder aufgebaut wurde.
Stattdessen baute Oelkers 1934 am Ortsrand eine neue Getreidemühle, die mittels eines Petroleummotors angetrieben wurde. 1940 wurde dieser durch einen Elektromotor ersetzt.
1962 stellte die Mühle ihren Betrieb ein. Erhalten geblieben ist jedoch das mehrstöckige Gebäude, das heute nur noch zu Wohnzwecken genutzt wird und der in Rautenberg gebräuchliche Name Motormühle.
Ziegelei
Zu finden: Rutenbergstr. 2, am Ortsausgang nach Clauen
In den Jahren 1845 bis 1904 fertigte die Rautenberger Familie Remnitz in ihrer Ziegelei Steine aus Ton. Diese Steine wurden u.a. für den Bau der Zuckerfabrik im benachbarten Clauen und für Höfe im Ort verwendet. Der unweit gelegene Dorf-/ Löschteich wurde vermutlich zur Wasserversorgung der Ziegelei genutzt.
Bereits zwei Jahre nach der Schließung des Ziegeleibetriebes wurde der Schornstein abgerissen und die zum Betrieb gehörenden Gebäude zunächst noch überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Bis 1992 wurden auch diese nach und nach abgerissen, sodass von der Ziegelei heute nur noch das äußerlich etwas veränderte Haupthaus erhalten ist.
Auf dem Gelände der Ziegelei entstanden später Einfamilienhäuser. Nur der Name einer nahe gelegene Straße erinnert heute an die Ziegelei Remnitz.
Magische Orte
Ehemalige Burganlage und Brunnen der Herren von Rautenberg
Von der Burganlage der Rautenberger Ritter ist bis heute kein Gebäude erhalten geblieben. Die Burg wurde um das Jahr 1000 errichtet, im Jahre 1268 allerdings zerstört. Die Ritter verlegten ihren Sitz daraufhin nach Rethmar (Sehnde).
Im Rautenberger Messbuch aus dem Jahre 1492 wird diese Burg wie folgt erwähnt: „It(em) im Jare m°cccc°lxxx° do warth maket de hinderste grave vm(m)e dat dorp to rutenberge den leth hinrick vam rutenberghe Bartholdes Sone maken und dat nye dore na borzem und den graven schult holden de mehne und dat bruken to orem behoyne etc.“
Die Rautenberger Burg entstand, wie um diese Zeit üblich, auf einem künstlich angelegten Burghügel, der von einem quadratisch um die Burg angelegten Wassergraben umgeben war. Die Burganlage hatte vermutlich drei Tore in Richtung Adlum, Borsum und Clauen. Der Burgwall war mit zwei Reihen Dornenhecke bepflanzt, zwischen denen ein Wallweg lag.
Während der Burggraben 1853 zugeschüttet wurde, ist der Hügel der Burganlage noch heute zu erkennen. Dieses alte, von Gebüsch zugewachsene Areal wird als abenteuerliches Spielgelände seit Generationen von Rautenberger Kindern geliebt.
Bei Baumaßnahmen im Untergrund des ehemaligen Burggeländes wurde in den 1970er Jahren ein sehr alter hölzerner Brunnenaufbau freigelegt. Dieser könnte der Wasserversorgung innerhalb der Burg gedient haben. Auf dem Grund des Brunnens wurden mittelalterliche Waffen, Metflaschen und Gebrauchsgegenstände gefunden.
An der Stelle dieses Fundortes haben die Rautenberger ein steinernes Brunnenbecken gemauert und dieses mit einer Wasserpumpe ausgestattet.
Der noch heute mit Buchen und Eichen bestandene Hügel wird in Rautenberg auch Hahnewall genannt. Aufgrund seiner Höhe von etwa drei Metern ist er in schneereichen Wintermonaten als Rodelberg mit einer „Teufelsbahn“, einer „Huckelbahn“ und einer „Babybahn“ sehr beliebt.