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Geschichte


Geschichtliches

Die Geschichte Rautenbergs geht zurück auf eine Bauernsiedlung in germanischer Zeit. Der Ort war der namensgebende Sitz der Herren von Rautenberg, die seit 1227 unter dem Namen Rutenberg/Ruthenberge urkundlich erwähnt wurden und im späten Mittelalter zu den führenden Familien des Hildesheimer Stiftsadels gehörten.

Sie ließen in Rautenberg eine Burg errichten und sicherten das Dorf mit einer Befestigungsanlage aus Graben, Wall und Dornenhecke. 1350 wurde die Burg durch ein Feuer vernichtet, aber noch heute erinnern ein bewaldeter Hügel und Straßennamen wie Rutenbergstraße, Am Burgwall und Wallweg an diese Zeit in der Geschichte des Ortes.

Von der Reichsabtei Gandersheim erhielten die von Rautenberg sechs Hufen Land in der Feldmark als Lehen sowie die Gerichtshoheit und das Patronatsrecht des Dorfes.

Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) wurde das Rittergut dem Kleinen Stift zugeordnet, 1540 wurde die Reformation in Rautenberg eingeführt.

Ihren Hauptsitz hatte das Adelsgeschlecht jedoch nicht in Rautenberg, sondern in Rethmar, das damals zum Fürstentum Lüneburg gehörte. Über weitere Besitztümer verfügten die von Rautenberg außerdem in Peine, wo sie einen Burgmannshof mit Ländereien vor der Stadt besaßen, in Ahrbergen und Bledeln und weiteren Grundbesitz von zehn Lehnsherren in 115 Orten. In Hildesheim verfügten sie über ein 1509 errichtetes dreigeschossiges Fachwerkhaus mit hohem Satteldach am Langen Hagen, den Rautenbergischen Hof, der im Verlaufe des 2. Weltkrieges vollkommen zerstört wurde.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf im August 1626 niedergebrannt. Pastor Reverey beschreibt diese Katastrophe in seiner Schrift zur Geschichte Rautenbergs wie folgt:

„Am 27. August 1626 verlor Christian von Dänemark die Schlacht bei Lutter am Barenberge. Tilly nahm die Verfolgung am 30. auf. Hier in Rautenberg müssen die nördlich Abziehenden durchgekommen sein. (...) Aber da Barthold von Rutenberg, damals Stadthalter von Braunschweig, Tilly besonders ein Dorn im Auge war, weil er Wolfenbüttel an die Dänen gegeben hatte, wurde wohl aus Rache sein Dorf besonders heimgesucht, (...) am 29.August (wurde) das ganze Dorf niedergebrannt. Kirche, Pfarre und Küsterei und einige Häuser in der Nachbarschaft blieben verschont. (...) Es muss furchtbar zugegangen sein. Als am 30. August die Sonne aufging, war das Dorf, die Stätte fleißigen Schaffens, mitsamt der frischen Ernte in cinerem redactus, in Asche verwandelt, ausgeraubt und geschändet. Die Gebäude waren unversichertes Eigentum der Bauern.“

Nach dem Tod des ohne Erben gebliebenen Barthold von Rautenberg im Jahre 1647 fiel die Gerichtshoheit bis 1803 wieder an das Reichsstift Gandersheim.

Über die Folgezeit schreibt Reverey weiter: „1803 schliefen die Gandersheimer Gerichtsverhältnisse ein, und es begannen die preußischen, 1807 die westphälischen, 1815 die hannoverschen, 1866 wieder die preußischen.“

Ab 1885 gehörte Rautenberg zum neu gebildeten Landkreis Hildesheim und zählt seit 1974 mit acht weiteren Ortschaften zur Gemeinde Harsum.

In Erinnerung an die Rautenberger Ritter wählte man bei der Gestaltung des Ortswappens zwei Reihen von schwarzen Rauten, die quer den goldenen Schild durchziehen, fünf Rauten oben, drei Rauten unten.

Das Bauerndorf Rautenberg hat sich ab der zweiten Hälfte des 20. Jh. zu einem Wohn- und Pendlerort mit gut 500 Einwohnern gewandelt. Mehrere Vereine und Gruppen sorgen für einen gut gefüllten Veranstaltungskalender und eine gute Dorfgemeinschaft. Da Rautenbergs Kolonialwarenladen, Schlachterei und Bäckerei seit Jahren ihre Betriebe geschlossen haben, gibt es im Ort keine Lebensmittelgeschäfte mehr. Heute erledigen die Rautenberger ihre täglichen Besorgungen in den Nachbarorten Harsum und Borsum. Dort besuchen die Kinder des Ortes auch die Grundschule. Hildesheim mit seiner Infrastruktur und weiterführenden Schulen ist mit dem PKW innerhalb von 15 Minuten zu erreichen.


Historische Baulichkeiten 

Bei einem Spaziergang durch den Ort stößt man immer wieder auf beschriftete und bebilderte Hinweistafeln, mit deren Hilfe die Rautenberger die Geschichte ihres Dorfes erläutern und von teilweise nicht mehr existierenden Gebäuden erzählen. Hier der Ortsplan mit den Standorten.

Zu den Standorten gehören auch die Kirchenanlage von Rautenberg und weitere nachfolgend beschriebenen Gebäude.

Die Kirchenanlage in Rautenberg, zu der Kirche, Pfarrhaus, Ehrenmal und mit Linden bepflanzten Kirchhof gehören, steht unter Denkmalschutz. Der eingefriedete Kirchhof, der die Kirche umgibt, liegt leicht erhöht an der Hauptstraße des Ortes. Er wird noch heute als Friedhof genutzt.

Ev. Kirche St. Cosmas und Damian

Zu finden: Rutenbergstr. 24

Die Kirche von Rautenberg entstand möglicherweise zunächst als Gutskapelle der Herren von Rautenberg, die bereits 1128 urkundlich erwähnt wurden. 1319 wird erstmals mit dominus Thidericus plebanus in Ruthenberghe ein Geistlicher erwähnt.

Über die genaue Entstehungszeit der heutigen Rautenberger Kirche gibt es allerdings keine urkundlichen Belege. Der Rautenberger Pastor Heinrich Reverey, dort im Amt von 1892 bis 1928, vermutet aber, dass ihr „Gründer und Patron St. Bernward“, der Bischof von Hildesheim 993–1022, war. „Das sonderbare Zeichen am Fuße des Weihekreuzes, an der Westseite des Turmes, das oben vier Kugeln und an den Querbalken je drei trägt, ist als ein altlateinisches M zu entziffern, das hier nach uralter Weise mit dem Spitzeisen roh eingehauen ist. An einen Weihestein durfte in alter Zeit keine Meißelschneide heran. Somit wäre die Kirche gegründet anno millesimo 1000.“

An der Stelle der Gutskapelle wurde später das Schiff der heute noch bestehenden Kirche errichtet. Turm, Gesims und Unterbau des Gebäudes sind nach Einschätzung von Conrad Wilhelm Hase (königlich-hannoverscher Baurat, ab 1863 Konsistorialbaumeister der Hannoverschen Landeskirche) romanisch.

An der Kirche wurden im 15. Jh. einige grundlegenden Erneuerungen vorgenommen. So wurde der Turm 1431 möglicherweise ganz neu aufgebaut und der Ostchor 1456 an das Kirchenschiff angesetzt. 1489 wurden Kirchenschiff und Chor schließlich in gleicher Höhe miteinander verbunden und das Gewölbe der Kirche abgetragen. Für all diese Baumaßnahmen finden sich datierte Steine im Mauerwerk der Kirche.

Die einschiffige Saalkirche wurde aus Bruchsteinen gemauert. Im Bereich des Kirchenschiffs sind Rechteck-, im später errichteten Ostchor flachbogige Fenster eingesetzt. Der im 16. Jh. entstandene niedrigere Anbau auf der Südseite war ursprünglich als Leichenhalle genutzt, heute betritt man über diesen das Innere der Kirche. Kirchenschiff und Chorraum von St. Cosmas und Damian sind nach oben mit einer Holzbalkendecke verschlossen.

Über dem Eingangsbereich im Westen befindet sich eine Empore mit Sitzmöglichkeiten, auf der gegenüberliegenden Ostempore hinter dem Altar hat die Orgel ihren Platz. Sie ist über eine kleine Wendeltreppe erreichbar. Die Orgel aus dem Jahre 1765 aus der Hildesheimer Orgelbauwerkstatt Conrad Müller ist noch in Teilen erhalten, wurde aber Ende des 19. Jh. erneuert, im 20. Jh. weiter ausgebaut und 2001 restauriert. Der barocke Orgelprospekt von 1765 wurde rekonstruiert.

Unter der Orgelempore in der Wand des Chores und für Gottesdienstbesucher von der geschlossenen Emporen-Wand verdeckt, befindet sich noch immer eine heute zugemauerte Piscina-Nische, die ursprünglich eine Öffnung nach außen hatte und in der sich ein kleines Wasserbecken befand. In diesem Piscina-Becken reinigte ehemals der Priester seine Hände und die am Altar benutzten Geräte. Das überschüssige Wasser und die geweihten Reste von Öl und Wein wurden durch den Ablauf nicht in die Kanalisation, sondern in der Erde des um die Kirche liegenden Friedhofs geleitet und konnte dort versickern. Die Abflussrinne des Piscina-Beckens, über die die Flüssigkeiten nach außen geleitet wurden, sind noch heute in der Außenmauer des Ostchores zu sehen.

Aus derselben Zeit wie die Orgel stammt das aus Tannen- und Lindenholz gefertigte Altarretabel mit einer Kreuzigungsdarstellung in der Mitte zwischen zwei gedrehten Säulen, darüber die Figur des auferstandenen Christus, die noch von einem älteren Altar stammen und wiederverwendet wurden. Über dem Altartisch befindet in der Pradella eine Abendmahlsdarstellung.

Die hölzerne Kanzel an der Südwand wurde ursprünglich 1654 in Braunschweig gefertigt, wurde aber später in Einzelteilen ersetzt. Trägerfigur des Kanzelkorbes ist Moses, der Tafeln mit den zehn Geboten in den Händen hält. In den Wandungen des Kanzelkorb erkennt man die Figuren der Apostel Petrus, Paulus, Jakobus d. Ä. und Johannes (?), auf dem Schalldeckel den auferstandenen Christus.

Ältestes Teil der Kirchenausstattung ist der Taufstein mit Fischblasenmuster, einer Ornamentform, die in der Zeit der Gotik viel verwendet wurde. Jede seiner acht Seitenflächen trägt ein anderes Muster. Der Stein wurde um 1500 gefertigt, Schaft und Fuß mussten später aber erneuert werden, denn der Taufstein wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach versetzt und zweckentfremdet, ehe er seinen heutigen Platz im Chorraum erhielt. Sein ursprünglicher Standort war laut P. Reverey im kreuzgradgewölbten Turmraum, der dem Priester als Sakristei diente. In der Reformationszeit wurde der Taufstein vor den Altarstein versetzt, wo er Opfer der Zerstörung durch „Tillys Banden“ wurde. Sie „entweihten den Stein, brachen ihn vom Sockel, mit zerbrochener Ecke lag er lange in der Kirche. (...) Dann nahm der Pastor Rüdiger 1683 den Stein, schlug den Boden heraus und setzte ihn umgestülpt als Kuppe auf den Waschküchenherd und hängte den Kessel hinein.“

Auch die nachfolgenden Pastorenfamilien nutzen ihn als Wäschestein, Viehtränke oder Blumenkübel, solange, bis der zwischenzeitlich im Altarraum aufgehängte Taufengel „wegen Altersschwäche in den Wohlverdienten Ruhestand versetzt“ wurde. Man ließ den alten Taufstein wieder instand setzen und trug „den eben fertigen eigenhändig in der Himmelfahrtsmitternacht in die Taufkapelle unter den Turm an seinen alten Platz. Und Himmelfahrtsmorgen 1903 sah die Gemeinde diese kleine Herrlichkeit unter einem alten doppeladlergekrönten Kronleuchter. Ein Bronzering trägt die Taufschale.“ 2018 hat der Kronleuchter nach erfolgreicher Restaurierung wieder einen Platz über dem Taufstein bekommen. Ein zweiter und größerer Leuchter aus dem Jahre 1831 wurde ebenfalls restauriert und hängt wieder über dem Mittelgang des Kirchenschiffes. Seine Kerzen werden an hohen Kirchenfesten wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten, aber auch zu Konfirmationen und Jubiläen entzündet.

Der Turmraum, der noch immer durch eine spitzbogige Tür erreichbar ist, wird heute nicht mehr als Sakristei genutzt. Ist die Tür geöffnet, kann man dort zwei Gemälde betrachten, die Ludwig (Vater) und Ernst Anton (Sohn) Cammann zeigen, von 1722-1766 bzw. 1766-1816 Pastoren in Rautenberg.

Pfarrhaus

Zu finden: Rutenbergstr. 26

Das Pfarrhaus in seiner heutigen Form entstand im Jahre 1754. Es ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau, dessen Gefache mit Ziegeln ausgefüllt sind. Das Gebäude steht auf einem Bruchsteinsockel und hat ein Krüppelwalmdach. Der Eingang zum Pfarrhaus liegt in der Mitte einer sechsachsigen Fensterfront auf der Nordseite zum Kirchhof hin.

Mit einer Tafel neben der Eingangstür erinnern die Rautenberger an den Dichter Albert Chamisso (1781-1838), der im Herbst/Winter 1805 als Lieutnant des preußischen Regiments Götze im Hause der Pastorenfamilie Cammann einquartiert war. Dort hat es ihm offenbar sehr gut gefallen, denn später hält Pastor Reverey schriflich fest, Chamisso habe „sehr liebe Worte für das Pfarrhaus und die freundlichen Pfarrtöchter gefunden.“

Das Pfarrhaus wird heute nicht mehr von einer Pastorenfamilie bewohnt, aber im Erdgeschoß für Veranstaltungen der Kirchengemeinde genutzt. Das um 1900 entstandene und zum Pfarrhaus gehörende ehemalige kleine Stallgebäude ist derzeit an den Kultur- und Heimatverein vermietet.

Ehemalige Schule

Zu finden: Rutenbergstr. 28

Nicht weit vom Pfarrhaus entfernt liegt das alte Fachwerk-Schulhaus von Rautenberg aus dem Jahre 1826. In der unteren Etage befand sich der Unterrichtsraum, in der oberen Etage wohnte der Dorflehrer. 1890 wurde diese Schule um einen Backsteinanbau erweitert. Unterrichtet wurde in dieser Schule die Rautenberger Kinder von der ersten bis zur achten Klasse. Die hinter dem Schulhaus liegende kleine Scheune machte man nach dem zweiten Weltkrieg zu einem weiteren Klassenraum. An der Stelle der Schulscheune entstand Anfang des 21. Jh. ein neues Gebäude für die Feuerwache.

Der Unterricht für die Rautenberger Schulkinder endete im Jahre 1971. Seitdem besuchen sie die Schulen der Nachbarorte.

In den Räumen der ehemaligen Schule befindet sich heute der Kindergarten von Rautenberg, dazu gehört ein kindgerecht gestaltetes Außengelände.

Aktuell wird das alte Fachwerkgebäude grundlegend saniert und umgebaut. Zukünftig sollen Erd- und Obergeschoß mit Gruppenräumen, Küchen und Sanitäranlagen sowie Mitarbeiterräumen vom Kindergarten genutzt werden. Der Kindergarten ist für diesen Zeitraum im Mehrzweckgebäude von Rautenberg an der Wiesingerstr. 6 umgezogen. Sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind, werden die Kinder zur Rutenbergstraße zurückkehren.

Mehrere Hofanlagen

Zu finden: Burgwall 8, 11 und 15

Bei einem Gang durch Rautenberg fallen zahlreiche historische und zum Teil zu Hofanlagen gehörende und straßenprägende Wohngebäude auf, von denen einige ebenfalls denkmalgeschützt sind.

Dazu zählt das Fachwerkhaus Am Burgwall 11. Es entstand im Jahre 1770 und ist nach niedersächsischer Denkmalschutzbehörde ein Beispiel für kleinbürgerliche Wohnhäuser „im ländlichen Raum aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts". Laut Denkmalatlas ist es nicht nur von „beispielhafter Qualität“, sondern auch „geschichtlich bedeutsam im Rahmen von Ortsgeschichte und offenbart in seiner Lage am sog. Burgwall die älteste Siedlungsstrukturen Rautenbergs.“

Um zweihundert Jahre jünger ist das zu einer Hofanlage gehörende Wohnhaus Am Burgwall 8. Dieses Haus wurde um 1900 in massiver Ziegelbauweise auf einem Bruchsteinsockel errichtet. Insbesondere die Verwendung des roten Ziegels und die Ziegelverzierungen und Friese, aber auch das Fachwerk im Giebeldreieck und am Portalvorbau sind typisch für die Bauweise von Wohnhäusern im Raum Hildesheim. Sie gehen auf relativen Wohlstand der damaligen Besitzer durch den Anbau der Zuckerrübe zurück und sind deshalb auch unter dem Begriff „Rübenburgen“ bekannt. Ähnliche Wohnhäuser in dieser Bauweise sind auch in anderen Straßen des Ortes zu beobachten.

Das ebenfalls zu einer Hofanlagen gehörende Wohn- und Wirtschaftsgebäude Am Burgwall 15 ist laut Inschrift im Dielentorbalken 1837 errichtet worden. Es liegt giebelständig leicht von der Straße zurückversetzt und hat ein Krüppelwalmdach. Das Fachwerk des Hauses wurde mit Ziegeln ausgefüllt. Mittig unter dem Giebel liegt eine Längsdurchfahrt in das ehemals auch landwirtschaftlich genutzte Gebäude.

Reste der historischen Burganlage

Zu finden: Gelände südl. der Hagenstraße

Von den Gebäudeteilen der alten Burganlage der Herren von Rautenberg ist nichts mehr erhalten, sie wurde im 13. Jh. zerstört. Mehr zur ehemaligen Burg erfährt man hier.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Prüßmühle

Zu finden: an der Verlängerung der Schmiedestraße ortsauswärts zwischen Rautenberg und Adlum

Die Prüßmühle ist die älteste Mühle im heutigen Harsumer Gemeindegebiet. Als Wassermühle lag sie direkt am historischen Bruchgraben und gehörte im Mittelalter zu einem Königshof in Hohenhameln. Als sie später in den Besitz der Herzöge von Lüneburg kam, ging sie als Lehen an das Rittergeschlecht von Rutenberg. Mit dem Aussterben der Rutenberger Ritter im Jahre 1647 fiel die Prüßmühle an den Herzog von Braunschweig, der den Mühlenbetrieb an die Amtmänner von Steuerwald übertrug.

Nach 1800 und dem Ende des Lehnswesens wurde die Wassermühle durch freie Betreiber bewirtschaftet. Diese besaßen auch ein Schankrecht in der Mühle.

Mit der Begradigung des Bruchgrabens zwischen 1901 und 1904 war die Prüßmühle von der Wasserzufuhr angeschnitten und musste ihren Betrieb einstellen. Nur der Schankbetrieb blieb noch bis 1911 bestehen. Der letzte Müller war Otto Mieke aus Clauen.

Land und Mühlengebäude kaufte danach ein Maurermeister aus Adlum, der das Mühlengebäude abtrug und das Fachwerk zum Bau eines Hauses in Adlum verwendete.

So ist von der historischen Prüßmühle heute nichts mehr zu sehen. Lediglich der alte Mühlstein blieb erhalten und hat seit 2010 seinen Platz am ehemaligen Mühlenstandort.

Motormühle

Zu finden: Rutenbergstr. 41, am Ortseingang von Hüddessum kommend

Noch im zurückliegenden Jahrhundert lag hinter dem Ortsausgang Rutenbergs Richtung Hüddessum eine Windmühle. Der Mühlenbesitzer Wilhelm Oelkers verkaufte sie ins Wendland, wo sie wieder aufgebaut wurde.

Stattdessen baute Oelkers 1934 am Ortsrand eine neue Getreidemühle, die mittels eines Petroleummotors angetrieben wurde. 1940 wurde dieser durch einen Elektromotor ersetzt.

1962 stellte die Mühle ihren Betrieb ein. Erhalten geblieben ist jedoch das mehrstöckige Gebäude, das heute nur noch zu Wohnzwecken genutzt wird und der in Rautenberg gebräuchliche Name Motormühle.

Ziegelei

Zu finden: Rutenbergstr. 2, am Ortsausgang nach Clauen

In den Jahren 1845 bis 1904 fertigte die Rautenberger Familie Remnitz in ihrer Ziegelei Steine aus Ton. Diese Steine wurden u.a. für den Bau der Zuckerfabrik im benachbarten Clauen und für Höfe im Ort verwendet. Der unweit gelegene Dorf-/ Löschteich wurde vermutlich zur Wasserversorgung der Ziegelei genutzt.

Bereits zwei Jahre nach der Schließung des Ziegeleibetriebes wurde der Schornstein abgerissen und die zum Betrieb gehörenden Gebäude zunächst noch überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Bis 1992 wurden auch diese nach und nach abgerissen, sodass von der Ziegelei heute nur noch das äußerlich etwas veränderte Haupthaus erhalten ist.

Auf dem Gelände der Ziegelei entstanden später Einfamilienhäuser. Nur der Name einer nahe gelegene Straße erinnert heute an die Ziegelei Remnitz.