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Geschichte


Geschichtliches

Verschiedene Bodenfunde aus frühgeschichtlicher Zeit lassen vermuten, dass Machtsum auf eine Siedlungsgeschichte schon zur Frühzeit zurückblicken kann. Erstmals erwähnt wurde der Ort vermutlich erst im Jahre 1149 in einer nicht überlieferten Lamspringer Urkunde unter dem Namen Maghtersheim. Tatsächlich genannt wird Machtsum jedoch in einer Urkunde Bischof Konrads II. vom 15. November 1246. Mit dieser Urkunde übertrug der Bischof u.a. den armen Schülern, die sich bei Tag und bei Nacht in unserer Kirche (gemeint ist hier sicherlich der Hildesheimer Dom) in göttlichem Dienst üben, drei Hufen Land in Machtsum zu ihrem Nutzen und ihrer Erquickung. Hiermit ist eine Verbindung des Dorfes zum Hildesheimer Domkapitel nachweisbar. So gehörte Machtsum neben sechs anderen Dörfern (Algermissen, Asel, Harsum, Hasede, Borsum, Hönnersum und Hüddessum) zu den privilegierten Orten der Dompropstei und blieb auch über die Zeit der Reformation hinaus katholisch.

Im Jahre 1857 wurde Machtsum durch einen Großbrand fast vollständig zerstört. Der Brand brach aus auf dem Gehöft des Kötners Dietrich Abtmeyer und breitete sich, begünstigt durch Trockenheit und starken Wind, schnell auf die eng zusammenstehenden und mit Stroh gedeckten Nachbarhöfe aus und vernichtete Wohnhäuser und die gerade eingebrachte Ernte. Fortan wurde der Kötner von der Machtsumer Dorfbevölkerung angefeindet und für das Unglück verantwortlich gemacht. Der verbitterte Abtmeyer ließ daher folgenden, noch heute lesbaren Spruch in einen Balken seines wieder aufgebauten Fachwerkhauses (Neustadt 10) anbringen: Alle die mich kennen, die meinen Namen nennen. Alle die mir nichts Gönnen und nichts Geben müssen dennoch leiden dass ich lebe. Die von Machtsumer Bürgern gedichtete und vertonte Ballade vom Großen Brand erzählt von diesem einschneidenden Geschehen des Dorfes. Um eine Brandkatastrophe zukünftig zu vermeiden, wurden die ursprünglich gedrängt stehenden Häuser und Gehöfte in größerem Abstand zueinander und großzügig angelegter wieder aufgebaut. So erhielt Machtsum sein heutiges schönes und grünes Dorfbild, in dem blühende Gärten Häuser und Höfe voneinander abtrennen.

Seit dem 1. März 1974 gehört Machtsum zum Gemeindeverbund Harsum und hat heute circa 520 Einwohner.

Das Machtsumer Wappen zeigt zwei rote in einander verschlungene Ringe auf silbernem Grund in der oberen Hälfte, während im Schildfuß zwei schwarz übereinander liegende und oben gewellte Balken auf goldenem Grund gezeichnet sind. Mit den beiden Ringen und Balken erinnert das Wappen an die Vereinigung Machtsums mit dem Dorf Eddessum, das östlich von Machtsum an einem siedlungsmäßig sehr günstigem Westhang gelegen hatte und in einer Urkunde von 1536 nur noch als Wüstung erwähnt wird. Über den genauen Zeitpunkt und den Grund für die Zerstörung Eddessums herrscht völlige Ungewissheit, die Bewohner siedelten sich jedoch in Machtsum an. Die schwarze Färbung der gewellten Balken versinnbildlicht die schwarzen und fruchtbaren Böden der beiden Flure. Der zum Wappen gehörende Wappenspruch fasst die Bedeutung der einzelnen Elemente wie folgt zusammen:

Tiefschwarz ist die Scholle und fruchtbar das Land. Doch sind sie mitnichten des Glückes Pfand. Verschlungene Ringe auf silbernem Grund entbieten der Palme den Freundschaftsbund. Von Freundschaft künden die Ringlein rot. Von Freundschaft, die stärker als Not und Tod.


Historische Baulichkeiten

St.-Nikolaus-Kirche

Zu finden: Lindenallee, am Nord-Ost-Ausgang des Ortes

Die St.-Nikolaus-Kirche in Machtsum ist ein neu-romanischer Bau aus dem Jahre 1896. Beim Bau dieser Kirche wurden die Bruchsteine der alten und deutlich kleineren Kapelle, die Anfang des 14. Jahrhunderts in der Mitte des Dorfes am Thie errichtet worden war, verwendet. Aus der alten Kapelle, die ebenfalls dem Heiligen Nikolaus geweiht war, sind in der heutigen einschiffigen Kirche drei holzgeschnitzte Statuen der Heiligen Petrus, Paulus und Nikolaus erhalten geblieben, sowie ein Kruzifix aus dem Jahre 1677 und ein Kronleuchter, der der Gemeinde anlässlich des Patronatsfestes 1899 durch den Landwirt Theodor Bormann zum Geschenk gemacht wurde.

Im Sommer 2023 entdeckte der Küster von St. Nikolaus durch Zufall zwei Barock-Gemälde, an die sich bis dahin niemand mehr erinnerte. Recherchen konnten klären, dass diese Gemälde aber schon zur Ausstattung der Vorgängerkapelle von Machtsum gehörten. Sie wurden jedoch nicht wieder aufgehängt, sondern offenbar aus ihren Rahmen genommen und zu Rollen geformt unter alten Kirchenbüchern in einer Kiste verwahrt. Über die Jahrzehnte vergessen nahmen die Leinwände jedoch erheblichen Schaden und trugen Risse und Löcher davon.

Schnell kam man in der Gemeinde überein, die beiden Gemälde restaurieren zu lassen, um sie anschließend wieder in St. Nikolaus aufzuhängen.

Mit Unterstützung durch das Bistum Hildesheim, durch finanzielle der VR-Stiftung und der Volksbank eG sowie durch private Spenden konnte die fachkundige Restaurierung in die Hände der Giesener Restauratorin Jutta Knörle gelegt werden.

Nun erstrahlen die etwa 90 x 130 cm großen Gemälde wieder in altem Glanz und haben neu gerahmt seit dem Kirchweihfest im November 2025 wieder einen Platz in der Machtsumer Kirche.

Das eine Gemälde entstand um 1670 und zeigt den gekreuzigten Christus, das Motiv des anderen und wohl 50 Jahre später gemalten Bildes ist „Die heilige Familie auf Wanderschaft“ auf der Rückreise aus Ägypten in ihre Heimat. Der Künstler der barocken Gemälde ist unbekannt.

Die St.-Nikolaus-Kirche ist täglich geöffnet.

Altes Pfarrhaus

Das alte Pfarrhaus ist heute nicht mehr im Besitz der Kirche. Sein neuer Besitzer hat das rote Backsteingebäude nach dem Kauf renoviert und bewohnt es heute mit seiner Familie selbst. Es ist daher nur von außen zu besichtigen, am besten von der hinter dem Dorfgemeinschaftshaus liegenden Wiese aus.

Das alte Pfarrhaus ist nur von außen anzuschauen, abends wird es manchmal angestrahlt.

Höfe (Knieke; Konrad Brönneke; Vollmers; Vollmer; Franz Josef Vollmer)

Das landwirtschaftlich geprägte Machtsum hatte einst 13 Vollerwerbshöfe. Dabei handelte es sich meist um Hofanlagen in der klassischen U-Form. Diese Hofanlagen sind heute noch an den Höfen der Landwirte Konrad Brönneke, auch Nikolausstraße, Lindenallee, Ecke Hogesfeld, Lindenallee, Neustadt zu sehen.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Machtsumer Bockwindmühle

Zu finden: Windmühlenstraße

Die Machtsumer Bockwindmühle wurde ursprünglich im Jahre 1638 in Wirringen als herrschaftliche Mühle errichtet. Diese Jahreszahl ist noch heute im Hausbaum zu lesen. Im Jahre 1643 wird sie auf Befehl des Herzogs Christian Ludwig zu Braunschweig-Lüneburg nach Müllingen versetzt und findet schließlich 1888 nach dem Erwerb durch Josef Vollmer zum Preis von 3.750 Mark seinen jetzigen Standort in Machtsum. In den darauffolgenden Jahren erweitert Vollmer den Mühlenbau. Nach seinem Tod im Jahre 1953 übernimmt zunächst seine Ehefrau Katharina den Mühlenbetrieb. Während eines orkanartigen Sturms in der Nacht vom 12. auf den 13. Januar verliert die Mühle in vollem Betrieb zwei Flügel und das innere Getriebe des Mühlwerks kommt zum Stillstand. Trotz Reparatur und Einbau eines Sauggasmotors wird die Mühle 1959 schließlich stillgelegt. Um die Mühle vor ihrem Verfall zu retten, gründet sich 1976 der Verein zur Erhaltung der Windmühle Machtsum e.V.. In den Folgejahren wird der Mühlenbau schrittweise restauriert, bis heute instand gehalten und ist wieder voll funktionsfähig. Sie ist in das Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen worden und kann nicht nur am Tag des offenen Denkmals und am Mühlentag besichtigt werden.

Bei Interesse an einer Besichtigung melden Sie sich bitte beim Verein zur Erhaltung der Windmühle Machtsum e.V..

  • Mühle Machtsum © Verena Bloch

    Verein zur Erhaltung der Windmühle Machtsum e.V.

    Die letzte noch betriebsbereite Bockwindmühle des Landkreises zu erhalten, diesen Wunsch hatten 51 Machtsumer Bürger und gründeten 1976 kurz entschlossen den Verein zur Erhaltung der Mühle Machtsum.
    Durch die unermüdliche Arbeit der Mitglieder haben Vereine, Schulklassen und alle Interessierten heute wieder ... weiterlesen