Essen + Schlafen
Gaststätten
Zum Glück hat Möllensen ein gut eingerichtetes Dorfgemeinschaftsheim, in dem sich die Dorfbewohner treffen können, denn die beiden Gaststätten in der Geschichte des Ortes haben ihre Türen geschlossen.
Das Gasthof von Fritz Sattler ist heute privates Wohnhaus einer Familie, die nun mit dem ehemaligen Festsaal der Kneipe über ein ordentlich großes Wohnzimmer verfügt.
Die zweite Gaststätte lag nie im Dorf selbst, sondern oberhalb von Möllensen im Wald auf der Kuppe des Roten Berges.
In der Dorfchronik der Samtgemeinde Sibbesse, aus der auch die historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen stammen, erfährt man mehr zur Geschichte der Gaststätte Zum Roten Berg.
„Der Kötner August Bothe machte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Stück Land am Roten Berg urbar. Später wurde oben am Berg ein Ausflugslokal errichtet.
Heinrich Wolter, Landwirt in Möllensen, war 1955 derjenige, der aus einer Bretterbude ein aus Steinen gemauertes Lokal am Roten Berg machte. Der am 23.3.1955 gestellte Bauantrag war bereits vier Monate später bewilligt.
Aus dem kleinen Lokal am Berg in 240 Metern Höhe entwickelte sich schnell ein Ausflugslokal, das Wanderer und Familien vor allem an den Wochenenden anlockte und das von Wolter wenig später durch weitere Gebäude ergänzt wurde.
Aber auch wochentags tranken Mitarbeiter des Kaliwerkes in Diekholzen oder der Bosch-Blaupunkt-Werke hier nach der Arbeit und auf dem Heimweg in die Dörfer auf der anderen Seite des Roten Berges ihr Feierabendbier. Im Laufe der Jahre ließ Wolter auf eigene Kosten eine Stromleitung aus dem Tal bis zu seinem Gasthaus legen, von dem auch die Bewohner des Forsthauses von Möllensen profitierten.
Das bis dahin eingeschossige Gebäude erweiterte Wolter um eine weitere Etage für Fremdenzimmer und 1960 um einen großen Wintergarten mit Blick ins Despetal.
Die Gaststätte Roter Berg bot nun mit 120 Sitzplätze die Möglichkeit für Familienfeiern und zwölf Betten für Übernachtungsgäste. „Die Weinkarte war umfangreich und die Speisen vielfältig. (...) Eine besondere Attraktion war der Kinderspielplatz vor der großen Veranda. So konnten die Eltern in Ruhe Kaffee trinken, während die Kinder draußen herumtobten. Neben dem Gemeinderat, der hier beispielsweise den Zusammenschluss der Gemeinde Hönze, Möllensen und Sibbesse beschloss, kamen Besucher von nah und fern. (...) Viele Berliner Gäste nutzten das Übernachtungsangebot am Roten Berg.“
Doch 1963 verunglückte Heinrich Wolter im Alter von 50 Jahren auf dem Außengelände seines Restaurants mit seinem Trecker tödlich. Danach wurde das Lokal verpachtet und schließlich 1970 von Wolters Tochter Monika Sippel erneut eröffnet. Sie betrieb das Gasthaus am Roten Berg noch einige Jahre, bevor sie es verkaufte. Ihre Nachfolger waren nicht erfolgreich, das Lokal kam ab Anfang der 1980er Jahre herunter und stand zeitweise leer. Ab 1985 mietete die Gemeinde Sibbesse das Gebäude und richtete dort über einen Zeitraum von zehn Jahren eine Asylbewerberunterkunft ein. „Heute erinnert nur noch eine Ruine an die einstmals belebte und beliebte Ausflugsgastststätte.“
Gäbe es die Gaststätte am Roten Berg noch heute, wäre sie ganz sicher fester Anlaufpunkt von motorisierten Zweiradfahrern und würde damit zu den 111 Orten in und um Hildesheim gehören, die man - nach Ansicht und Empfehlung von Uwe Griessmann und Sonja Klima - gesehen haben muss. In ihrem gleichnamigen Reiseführer erzählen sie warum.
Für Motorradfahrer sind die Serpentinen des Roten Berges „... ein Eldorado. Manch einer übertreibt es bisweilen und rast ständig hin und her. Für die arbeitende Bevölkerung, die den Berg überquert, aber auch für Anwohner kann das in Stress ausarten, denn dahinter liegen etliche Orte, die man gesehen haben sollte. Eigentlich könnte man ein Buch mit dem Titel „111 Orte hinterm Roten Berg, die man gesehen haben muss“ schreiben.“
Tatsächlich gibt es ja diesen KULTURATLAS, in dem nicht nur Möllensen, sondern schon viele der Orte zu beiden Seiten des Berges genau beschrieben werden!
Aus der von beiden Autoren beschriebenen und mit Sonnenblumen bewachsenen Brachfläche ist mittlerweile eine Streuobstwiese geworden. Griessmann und Klima erinnern aber noch an eine Szene aus dem 1966 entstandenen Film „Der eiserne Vorhang“, für den der „Meisterregisseur Alfred Hitchcock Teile des Hildesheimer Landes kurzerhand in die DDR (verlegte). So wurden Busszenen am Heidekrug (1:18:34) übrigens in die falsche Richtung und am Roten Berg (1:21:33) gedreht. An der Abzweigung nach Gronau (ab 1:22:13) steigt eine alte Dame in den Bus, dann geht es über den ehemaligen Bahnübergang am Ortseingang von Sibbesse. Die Zwischenszenen, zum Beispiel die Buskontrolle durch die Volkspolizei, wurden aber woanders gefilmt. Bevor es also zum nächsten Sonntagsausflug über den Roten Berg geht, ist der alte Film aus dem Jahr 1966 nun Pflichtprogramm!“
(Zitat aus: Griessmann/Klima, 111 in und um Hildesheim die man gesehen haben muss“, Seite 105)