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Geschichte


Geschichtliches 

Der kleine Ort Möllensen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er in einer Urkunde aus dem Jahre 1227, in der der Verkauf des Zehnten, (im Mittelalter die Abgabe von einem Zehntel des landwirtschaftlichen Ertrages der Dorfbevölkerung an die Kirche) durch Ulrich von Steinberg an das Johannisstift in Mollem dokumentiert wurde. Wenig später bestätigte Bischof Konrad von Hildesheim diese Übertragung in einer weiteren Urkunde, in der er das Dorf nun unter dem Namen Molinhus erwähnt. Da die Namensendung „hus“, „husen“ oder „hausen“ in der Regel auf die Gründung von Einzelhöfen hinwies, mag der erste Siedler von Möllensen den Namen Molin getragen haben. Die Ansiedlung an der Despe, dem kleinen Fluss, der das nach ihm benannte Despetal durchfließt, versprach ausreichend feuchte und fruchtbare Böden. Sumpfiges Gelände legten die ersten Siedler trocken und begannen mit der Rodung im nahegelegenen Waldgebiet.

Die Gerichtsbarkeit lag in den Händen der wesentlichen Grundbesitzer, den Herren von Steinberg. Diese verkauften 1411 Land und einige Höfe in Möllensen an das Hildesheimer Kreuzstift, blieben aber sowohl nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) unter den neuen Landesherren, den welfischen Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel, als auch 1643 mit der Wiederherstellung des Großen Stiftes Hildesheim Inhaber der Niedergerichtsbarkeit.

Bis 1690 gehörte Möllensen zum Amt Winzenburg und wurde von da an dem Amt Gronau unterstellt. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fiel das das Gebiet des Hochstiftes und somit auch Möllensen an das Königreich Preußen, ab 1815 schließlich zum Königreich Hannover und damit wieder zum Amt Gronau. Nach der Annexion Preußens 1866 blieb die Ämterstruktur zunächst bestehen und Möllensen wechselte erst 1885 mit der Einführung der Kreisverfassung zum neuen Kreis Gronau, der 1932 in den Kreis Alfeld eingegliedert wurde. 1974 wurde Möllensen mit nach Sibbesse eingemeindet und zählt somit seit 1977 zum Landkreis Hildesheim. Seit 2016 gehört Möllensen mit elf weiteren Ortsteilen zur Einheitsgemeinde Sibbesse.

Da aus geschichtlichen Überlieferungen zu Möllensen kein Ortswappen bekannt ist, wählte man 1939 das Sonnenrad als eines von vielen bäuerlichen Symbolen aus, denn im landwirtschaftlich geprägten Dorf wurden die Holmen der Bauernhäuser u.a. auch mit Sonnenrädern verziert. Im Wappen liegt es mit einem blauen Querstreifen auf silbernem Schild.

(Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Wappen_im_Landkreis_Hildesheim)

Möllensen hatte um 1810 knapp 110 Einwohner. An dieser Zahl hat sich mit Ausnahme der Jahre des Baus der ICE-Bahnstrecke (Nord-Süd-Verbindung u.a. über Hannover nach Kassel und Würzburg) durch die zeitweilig in Möllensen gemeldeten Arbeitskräfte wenig geändert.

Von ursprünglich neun landwirtschaftlichen Vollerwerbs- und mehreren Kleinbetrieben sind 2025 nur noch zwei Höfe aktiv. Der kleine ehemals im Ortskern ansässige Lebensmittelhändler hat sein Geschäft seit Jahren geschlossen und die gut 120 Ortsbewohner erledigen ihre täglichen Besorgungen im 2 km entfernt liegenden Sibbesse oder im knapp 9 km entfernt liegenden Gronau.

Als die auch für die Dorfaktivitäten wichtige Freiwillige Feuerwehr von Möllensen mangels Nachwuchskräften 2018 aufgelöst werden musste, gründeten die Dorfbewohner bereits wenige Monate später einen Dorfgemeinschaftsverein, dessen Mitglieder sich regelmäßig einmal pro Woche treffen. So werden weiterhin Ideen für Aktivitäten gesammelt, ortsrelevante Fragen besprochen und Kontakte der Dorfbewohner untereinander gepflegt.


Historische Baulichkeiten

St.-Lucia-Kapelle

Zu finden: Mittelstraße

Die kleine Kapelle von Möllensen wird bereits 1304 in einer Urkunde des Rektors Friedrich von Magdeburg erwähnt. Möllensen mit seiner damals der Jungfrau Maria geweihte Kirche war zu der Zeit Tochtergemeinde von Eberholzen und der Rektor legte fest, dass dem dortigen Pleban das Recht der Auswahl des Geistlichen in Möllensen zusteht. Patron der Gemeinde war Jost von Steinberg, der dem Pfarrer sechs Gulden Lohn auszahlte, die Einkünfte der Pfarre jedoch selbst behielt. Den Namen der Hl. Lucia trägt die Kirche seit 1588.

Die pfarramtliche Verbindung zu Eberholzen/Sibbesse bestand vermutlich bis zum Jahre 1733. Danach übernahm der Pfarrer von Nienstedt, Karl Johann Konrad Groll, den Dienst in Möllensen und betreute die Gemeinde bis zu seinem Tod im Jahre 1762. Während seiner Amtszeit wurde die Kapelle, deren Westteil noch aus mittelalterlicher Zeit stammt, 1744 nach Osten hin erweitert. Sein Name ist daher in der Inschriftentafel über dem Kapellenportal zu lesen. Dort heißt es: Auf Befehl der hohen Herrn Patronen haben diese Kirche verbessern lassen der Pastor Groll und die Altaristen Reisse und Haman MDCCXLIV.“ In der Nachfolgezeit waren unterschiedliche Geistliche u.a. aus Eberholzen und Almstedt für Möllensen zuständig. Seit 1842 ist die Gemeinde wieder und bis heute mit Sibbesse verbunden.

Die St.-Lucia-Kapelle ist eine rechteckige Saalkirche mit geradem Chorschluss, auf die ein von Sandsteinpfeilern flankierter Weg über den Kirchhof zuführt.

Auf der Südseite der Kapelle befindet sich das mit Sandsteingewänden verzierten Portal mit der erwähnten Inschrift. Über dem Westgiebel trägt das kleine Gotteshaus einen Dachreiter mit pyramidalem Helm, rundbogigen Schallöffnungen und Kugel und Wetterfahne mit der Zahl 1927. Die Turmuhr wurde 1769 angeschafft. Die Giebelflächen aus Fachwerk bekamen später ein Ziegelpfannen-Kleid.

Ebenfalls auf der Südseite des Kirchenbaus befinden sich die Ehrenmale für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Möllensen in Form von zwei steinernen Platten. Auf der Nord- und Südseite hat die Kapelle jeweils zwei flachbogige Fenster.

Sowohl das mittelalterliche Mauerwerk als auch der in der Barockzeit angesetzte Bauteil sind hell verputzt.

Auf der Westseite der Kapelle steht heute die 1860 von J. H. Bartels (Hildesheim) gefertigte Bronze-Glocke. Sie wurde wegen einer Beschädigung 1975 durch eine neue Läuteglocke ersetzt.

Nach Restaurierungen im Jahre 1781 und zu Beginn des 19. Jh. sind die Wände des Kapelleninnenraumes hell gestrichen und tragen, bis auf einige Messingblech-Kerzenhalter, keinen Wandschmuck. Nach oben hin ist der Kirchenraum durch eine muldenförmige und lichtblau gestrichene Holzdecke verschlossen.

Der barocke Kanzelaltar zieht sich über anderthalb Geschosse. Im Hauptteil befindet sich ein dreiseitig vorspringender Kanzelkorb. Das hochrechteckige Ölgemälde oberhalb des Schalldeckels zeigt die Abendmahlsszene.

Zu beiden Seiten des Kanzelaltars befinden sich Chorschranken, hinter denen der Aufgang zur Kanzel liegt. Im Ostchor hat die Kapelle beidseitig Chorsitze mit einer umwandeten Sakristei an der nördlichen Chorwand.

Der Taufstein vor den Altarstufen stammt aus dem Jahre 1607. Er ist an der Schafttrommel mit geflügelten Puttenköpfen, der achteckige Kessel mit Masken und Rosetten verziert. Aus der Inschrift des Taufbeckens in ausgesparter Fraktur sind die Namen des damals verantwortlichen Pastors sowie der Altarvorsteher zu entnehmen. Das Steinmetzzeichen mit den Buchstaben M und B verweist auf einen Steinmetzmeister aus dem Leinebergland. Aufgrund dieser Buchstaben und übereinstimmender Schriftcharakteristika lässt sich ein Werkstattzusammenhang zu den Taufsteinen der Nachbardörfer in der Umgebung Adensen, Eberholzen und Sibbesse sowie der Taufe von Klein Himstedt (Gem. Söhlde) herstellen. Der Ende des 17. Jh. aus Eichenholz gefertigte Deckel in geschweifter Haubenform ist farbig bemalt und mit einer Kelchblüte verziert. Über dem Taufstein schwebt ein musizierender barocker Engel.

Auf der Westempore, die durch einen abgetrennten Raum erreichbar ist, steht eine Orgel aus der Werkstatt des Orgelbaumeisters Heinrich Schaper. Sie wurde im 20. Jh. durch Prospektpfeifen erweitert, verändert und 2009/10 restauriert. 

Die Kapelle steht mitsamt der niedrigen, den Kirchhof umfassenden Bruchsteinmauer unter Denkmalschutz.

Ehemaliges Pfarrhaus/Schulhaus

Zu finden: Mittelstraße 6

Ebenfalls denkmalgeschützt ist das der Kapelle gegenüberliegende Schulhaus, das im Denkmalatlas des Landes Niedersachsen auch als Pfarrhaus bezeichnet wird, ein um 1850 errichtetes zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Bruchsteinsockel. Das Obergeschoss mit profilierten Füllhölzern und Balkenköpfen kragt leicht vor. An der Südseite und beiden Giebelflächen ist das Fachwerk heute mit Ziegelpfannen verkleidet.

Über der Eingangstür befindet sich eine grüne Plakette mit dem Profil von Heinrich Sohnrey, der von 1886 bis 1889 als Lehrer tätig war.

Die ursprünglich zum Gebäude gehörenden Nebengebäude (Stall, Schuppen) existieren heute nicht mehr

Backhaus

Zu finden: Steinstraße 1

Ungewöhnlich für ein Backhaus mutet das mit der Traufe zur Steinstraße liegende Bruchsteingebäude eines Hofes an, der seit Generationen im Besitz einer Bauernfamilie ist.

Die Eingangstür zum Gebäude liegt in einem risalitartigen Vorbau, in dessen Giebeldreieck ein Inschriftenstein mit der Zahl 1868, dem Entstehungsjahr, eingemauert ist. Nach Aussage der heutigen Hofbewohner ist es denkbar, dass das kleine Gebäude ursprünglich als hofeigene Kapelle errichtet und erst später zum Backhaus umfunktioniert wurde. Es wurde bis Mitte der 1960er Jahre ausschließlich von der Bauernfamilie als Backhaus genutzt. Die im Inneren dafür notwendige Ausstattung existiert heute nicht mehr.

Ehemaliges Forsthaus

Zu finden: Roter Berg 1a

Auf dem Weg von Möllensen nach Hildesheim über die Serpentinen des Roten Berges passiert man das auf der linken Seite direkt an der L 485 liegende Forsthaus von Möllensen. Dieses Gebäude war bis Anfang der 1970er Jahre Wohnhaus und Amtssitz des Forstbeamten. Ursprünglich teilte sich das Haus in zwei Bereiche: Auf der linken Seite lag die Wohnung des Försters, auf der rechte Seite befanden sich Scheune und Ställe für sein Pferd und anderes Vieh. Nach der Pensionierung des letzten am Ort lebenden Försters wohnten dort Waldarbeiter zur Miete. 1980 wurde das Haus verkauft und von seinem neuen Besitzer zu einem Doppelhaus umgebaut.