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Interessant + Wissenswert


Sagen und Geschichten

Brunnengeschichten

In Lechstedt sind vier Brunnen bekannt, von denen heute nur noch zwei zu finden sind.

Mitten im Ort an der Straßenkreuzung „Am Brunnen“ befindet sich der Kinderbrunnen. Aus welchem Grund der Brunnen diesen Namen trägt, ist nicht bekannt. Die Bezeichnung „Kinderbrunnen“ könnte auf verschiedene kulturelle (Brunnen als Element und gemeinschaftlicher Rituale und Bräuche), religiöse (Brunnen als Quelle der Fürsorge und Zeichen des Schutzes und der Heilung) oder volkstümliche (Brunnen als mystischer Ort und Zeichen der Fruchtbarkeit und Quelle des Lebens) Traditionen zurückgehen. Ein solcher Brunnen war demnach ein Ort, durch dessen Wasser kinderlos gebliebene Frauen und Eltern Fruchtbarkeit, Gesundheit und Segen für ihre Kinder erhofften.

Der Hellebrunnen hätte ebenfalls den Namen Kinderbrunnen tragen können, denn vor der Zeit der kommunalen Wasserversorgung wurde aus diesem Brunnen tatsächlich von den Lechstedter Kindern mittels Handkarren das Trinkwasser für das Oberdorf geholt.

Er liegt in den Feldern etwas außerhalb Lechstedts. Man erreicht ihn, wenn man der Straße „Am Helleweg“ aus dem Ort hinaus in den Feldweg folgt. Linkerhand kann man ihn bald entdecken, denn der Brunnen wurde erst vor kurzer Zeit hergerichtet und wieder mit einer funktionierenden Pumpe ausgestattet.

Vom Pfingstangerbrunnen mussten Ochsen mit Karren und Wasserfass das ausschließlich für die Versorgung des Viehs verwendet Wasser ins Dorf ziehen. Eines Tages – so erzählt man sich in Lechstedt – war einer der Ochsen so durstig, dass er bei dem Versuch, aus dem Brunnen zu trinken, in diesen hineingefallen ist. Die zur Hilfe gerufene Berufsfeuerwehr Hildesheim konnte den Ochsen nur noch tot bergen. Dieser Brunnen ist heute kaum mehr zu finden und liegt, wie sein Name andeutet im Gelände abseits der Straße zwischen Lechstedter Mühle und westlichem Ortsrand.

Auch vom Klingesbrunnen im Wald ist heute nichts mehr zu sehen, denn er ist vollständig zugewachsen. Von diesem Brunnen holte Günther Krug, der Wirt einer Lechstedter Gaststätte in der heute nicht mehr existierenden Ziegelei das hierfür benötigte Trinkwasser.

Zu den Brunnen erzählt man sich in Lechstedt diese Geschichte:

Der Hakelmann

Der Volksmund sagt: „De Leine fritt  jedes Jahr teine.“

Das soll heißen, dass die Leine alljährlich zehn Menschen als Opfer fordert. Aber auch die Innerste ist gefährlich, ja auch die Kolke der Bäche, die Teiche und die offenen, ungeschützten Brunnen; denn im Wasser sitzt der „Hakelmann“, auch „Hakelmann“ genannt. Das ist ein böses Gespenst, das lauert mit einem Haken auf spielende und neugierige Kinder, um sie ins Wasser zu ziehen, dass sie ertrinken.

Bei Lechstedts Ziegelei ist der Klinkerbrunnen, der war früher sehr tief; jetzt ist er nur noch eine Quelle. Wenn damals Leute an ihm vorbeigingen und hineinsahen, warnte sie der Hakelmann mit „Klink, klink!“; denn er hatte es auf die kleinen Kinder abgesehen, die wollte er haben. Ein Hakelmann saß auch im „Kinderbrunnen“ in Lechstedt. Wenn kleine Kinder dahin kamen, hakte er sie hinein. Einmal sah der Nachtwächter im Kinderbrunnen eine Eule; da ist er bange geworden und schnell fortgelaufen.

Sage von der weißen Frau in der Querburg

Bei Lechstedt liegt ein Waldstück, das heißt die Querburg. Es sind wohl schon 100 Jahre her, da ist des Nachts aus der Querburg eine weiße Gestalt gekommen, die ging quer durch die Felder auf Walshausen zu. Das sah der Nachtwächter, lief zum Dorfkrug, in dem noch einige Leute beim Kartenspiel saßen, und erzählte, was er gesehen hatte. Da gingen sie mit ihm hinaus zur Querburg. Sie brauchten nicht lange zu warten, bis die weiße Gestalt von Walshausen zurückkam. Der alte Wellner, der ein Gewehr mitgenommen hatte, gab einen Schrotschuss auf sie ab. Es passierte aber nichts. Da ist der Hund der alten Frau Schlüter, der sehr scharf war, hingelaufen und bis auf 25 Schritt an die weiße Frau herangekommen, dann aber ist er heulend zurückgelaufen. Wohl ein Dutzend Menschen haben dies gesehen. Die Gestalt war plötzlich verschwunden.

Quelle beider Geschichten: Blume, Hermann (Hrsg), Von Tückeboten, Lüchtenkeerls und weißen Frauen – Sagen und Erzählungen aus dem Hildesheimer Land, bearbeitet von August Böttcher, Gerstenberg Verlag Hildesheim, 2.Aufl. 1986, S. 50 und 66


Schriftgut und Überliefertes

200 Jahre Lechstedt in Dokumenten – gesammelt und zusammengestellt von Horst Schroeder, 1992


Berühmte Persönlichkeiten

Walter Kober (1908-1991), Luftpionier

Walter Kober wurde 1908 zwar nicht in Lechstedt, sondern in Sulingen geboren, lebte jedoch seit seiner Pensionierung in Lechstedt.

Ursprünglich als Marineoffizier ausgebildet, war er ab 1933 als Funker bei der Lufthansa fest angestellt und von nun an nicht mehr auf See, sondern in der Luft rund um den Globus unterwegs.

1938 war er einer von vier Crewmitgliedern, die Luftfahrtgeschichte schrieben:

„Am 10.August dieses Jahres startete die Focke-Wulf Fw 200 „Condor“ mit dem Kennzeichen D-ACON zum Direktflug von Berlin nach New York. An Bord waren die Flugkapitäne Alfred Henke und Rudolf von Moreau sowie Bordingenieur Paul Dierberg und Oberfunker Kober. Die Maschine erreichte ohne Zwischenstopp nach 24 Stunden, 56 Minuten und 12 Sekunden an Kobers 30. Geburtstag den New Yorker Floyd-Bennett-Flughafen.

Von diesem ersten Non-Stopp-Flug der Geschichte erzählte Walter Kober später selbst:

„Alles, was wir an Komfort für uns für den Weltflug eingebaut hatten, wurde herausgeworfen; die Schlafsessel, die Wascheinrichtungen, selbst die Heizungsanlage usw., – alles nicht Benötigte wurde herausgerissen und erbrachte zusammen auf der Waage eine beträchtliche Gewichtsmenge. Auf Schwimmwesten und Schlauchboote verzichteten wir ebenso im Interesse der Zuladung von Benzin. Ich habe zufällig noch in meinen Akten den Zettel gefunden, auf dem ich, wie jedes andere Besatzungsmitglied auch, die Gewichtsangaben für den Flug gemacht habe: Kober Gewicht bekleidet 78 kg; persönliches Gepäck, Koffer, Oberhemd, Rasierzeug 3,5 kg; Sonderbekleidung Pelzstiefel 2,0 kg; Isländer 0,75 kg; graue Kombination 0,75 kg und Mantel 1,0 kg; insgesamt 86 kg. Als ich vor dem Start noch schnell einmal zu Hause war, fand ich dort ein Paket meiner Eltern mit Salzwedeler Baumkuchen für meinen Geburtstag am folgenden Tag vor. Den habe ich dann mitgenommen, ohne dass dieser bei meiner Gewichtsangabe erschien. Auf dem Fluge dann, wir hatten Europa schon hinter uns gelassen, habe ich nach Mitternacht allen Besatzungsmitgliedern davon angeboten, wobei es nicht ausblieb, dass man mich beschimpfen wollte, weil ich dieses Kilo nicht angegeben hatte. Der Hinweis darauf, dass es ein Geburtstagsgeschenk zu meinem dreißigsten Geburtstag am heutigen Tage sei, hat die Gemüter dann bald beruhigt und den Baumkuchen haben sie alle genossen! Was sind bei 18 Tonnen schon 1 Kilo, werden Sie fragen. Aber wir haben alles bei diesem Fluge sehr ernst genommen und vielleicht dadurch den Erfolg erreicht ...

Viel schlimmer, jedoch auch amüsanter war jedoch, dass wir die Kabinentür nicht öffnen konnten, nachdem das Flugzeug zwischen den Hallen auf seinen Abstellplatz gelangt war. Die Menschenmenge wartete dort draußen zur Begrüßung; Henke, der gefolgt von von Moreau die Maschine als erster verlassen wollte, war durch die Glasscheiben von draußen zu erkennen und ebenso seine vergeblichen Bemühungen, die Kabinentür zu öffnen. Da erscholl doch aus der Menge heraus der Ruf: «You have to go back to Berlin to get your key!

Na, Paul Dierberg hat dann mit Hilfe eines kräftigen Schraubenziehers die Türöffnung erzwungen, und so standen wir dann alle auf New Yorker Boden vor vielen Kameras und Mikrophonen.“

Quelle: https://www.condor.cl/2023/08/20/funker-walter-kober-erinnert-sich-an-rekordflug-1938/


Das gibt's so nur bei uns

Sternwarte Lechstedt

Zu finden: Alter Kampweg, am Ortsausgang

Schon 1999 hat Hildesheim den ehemaligen Aussichtsturm auf dem Spitzhut (Gelber Turm) im Waldgebiet am Galgenberg zur Sternwarte umgebaut. Seitdem können Interessierte im Rahmen „volkstümlicher Astronomie“ die Sternwarte an Freitagabenden mit oder auch ohne vorherige Anmeldung besuchen (näheres dazu unter https://www.astronomie-hildesheim.de/newpage) und per Teleskop einen Blick in den Sternenhimmel werfen. Auch Führungen sind möglich. Zu diesem Zweck ist diese Anlage „bestens geeignet und soll auf Dauer als eigentliche Volkssternwarte – besser: Bürgersternwarte – auch nach allen Möglichkeiten für die Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger erhalten und weiter betrieben werden.“

Im Laufe der Jahre stellte sich jedoch heraus, „dass die Nutzung durch Schulen und Universität seit Eröffnung der Sternwarte 1999 deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist (und) für darüber hinausgehende und professionelle Nutzungen und Forschungen nicht ausreichend ist.“ Denn die Sternwarte auf dem Spitzhut bietet weder Aufenthaltsräume noch sanitäre Anlagen, ist mit ihrer Lage mitten im Wald und weitab von Verkehrsmitteln für Kinder und Jugendliche schwer erreichbar und „die Statik des Turmes zwar für eine Volkssternwarte ausreichend, jedoch für ernsthafte wissenschaftliche Arbeit zu schwach: Das Teleskop auf dem Gelben Turm "wackelt", die Aufnahme von Daten ist praktisch nicht möglich.“

So ist es nachvollziehbar, dass der Hauptnutzer der Sternwarte, die Ende des Jahres 2011 gegründete Hildesheimer Gesellschaft für Astronomie e. V. (HiGA), auf der Suche nach einem weiteren und zweiten Standort war. Man wurde 2016 fündig – in Lechstedt!

Ausgerechnet das ehemalige Gelände der Lechstedter Kläranlage stellte sich als ideal heraus, denn „dieser Standort hat den Vorteil, dass er bereits einen recht dunklen Himmel aufweist und damit die astronomische Arbeit nicht zu sehr von der Aufhellung des Himmels durch künstliche Beleuchtung beeinträchtigt wird.“ Positiv mag sich außerdem auswirken, dass die Lechstedter Straßenbeleuchtung aus energetischen Gründen im Laufe der Nacht ausgeschaltet wird.

Das Gelände „bietet außerdem freie Sicht in alle Himmelsrichtungen, vor allem in Richtung Süden, der Haupthimmelsrichtung bei astromischen Beobachtungen.“

Und die Lechstedter Sternwarte ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch per PKW erreichbar.

Über den ersten Spatenstich ist die HiGA mittlerweile hinaus. Von den geplanten Gebäuden und astronomischen Anlagen, von denen nicht nur deren Mitglieder, sondern auch interessierte Sternegucker jeden Alters z.B. durch Kurse und Workshops profitieren sollen, steht seit 2021 ein Observatorium mit fest verankertem Celestron-Teleskop. Wer mehr wissen will, kann sich bestens über die Website der HiGA, aus der auch hier im Text zitiert wird, informieren und schaut am besten hier nach.Außerdem ist auch hier auf der Lechstedter Orts-Website eine Menge zu erfahren.


Lokale Spezialitäten

Obstwein in Lechstedt

Der Name „Lechstedt“ ist seit über einhundert Jahren für seine Obstweine und die gutbürgerliche Küche der Obstweinschänke bekannt. Insbesondere an den Wochenenden zieht es zahlreiche Ausflügler aus Hildesheim und dem Hildesheimer Umland hierher.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Alte Mühle

Zu finden: Pfaffenstieg

Wer Lechstedt mit dem Fahrrad oder PKW vom Hildesheimer Ortsteil Itzum aus ansteuert, passiert kurz vor dem westlichen Dorfeingang die Lechstedter Turmmühle am Pfaffenstieg. Das weiß gekalkte Mühlengebäude, an dem sich heute keine Flügel mehr drehen, gilt als eines der Wahrzeichen des Ortes. Das genaue Alter dieser Mühle ist nicht bekannt, in Urkunden wird jedoch bereits 1827 der Mühlenbesitzer Heinrich Burgdorf erwähnt. Zu dieser Zeit war die Lechstedter Mühle, anders als heute, noch eine Bockwindmühle. Die Mühle war bis 1929 in Betrieb und wird seit 1948 als Wohnhaus genutzt.


Wirtschaftsbetriebe

Warum in die Ferne streifen?

Einige Handwerksbetriebe, Händler und freie Berufe haben ihren Sitz in Lechstedt und sind hier zu finden.