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Geschichte


Geschichtliches

Lechstedt ist einer von zwölf und der am nördlichsten gelegene Ortsteil der Gemeinde Bad Salzdetfurth im Landkreis Hildesheim. Mit der Lage von 145m über dem Meeresspiegel bezeichnen die Lechstedter ihren Ort gerne als Bergdorf. Im Norden und unweit von Lechstedt liegt der Knebelberg, die mit 243 Metern höchste Erhebung des Vorholz, einem Höhenzug des Innersteberglandes. Den 9 km entfernt liegenden Verwaltungsmittelpunkt Bad Salzdetfurth erreicht man von Lechstedt aus über die B243 bis Wesseln und von dort über die Soltmannstraße. Wesentlich näher gelegen ist Hildesheim. Den Hildesheimer Ortsteil Itzum und die dort ansässigen Geschäfte, Arztpraxen sowie eine Bankfiliale erreichen die Lechstedter innerhalb weniger Minuten.

Lechstedt wurde erstmals um 1175 in einer undatierten Urkunde des Bischof Adelogs von Hildesheim unter dem Namen Lecstide erwähnt. Dabei weist die Endsilbe „stide“ sprachlich auf eine Randlage an Höhenzügen hin. Weitere Schreibweisen sind im Laufe der Jahrhunderte u.a. Locstide (1240), Lechstide (1242) und im 14. Jh. werden die „Herren von Leixstide“, Berwich, Reinhard, Johann sowie Heinrich und Eckehard, erwähnt.

Das Hildesheimer Domstift zählte zu den wesentlichen Grundbesitzern der Siedlung. Der Hildesheimer Bischof belehnte in der erwähnten Urkunde die Gräfin Adelheid, die Witwe des Hildesheimer Vizedominus Konrad II. von Wassel mit Gütern und Land in Lecstide und einigen anderen Dörfern der Umgebung.

Die oberhalb Lechstedts existierende und im Wald liegende Palisadenfestung Queneburg, heute Querburg genannt, war Teil der Befestigungsanlage Hildesheims, der Landwehr. Sie wurde während der „Großen Fehde“ (1484-1486), einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Bischof Berthold II. und den Hildesheimer Bürgern, ebenso zerstört wie die städtischen Wachtürme auf dem Galgenberg und dem Knebel und nicht wieder aufgebaut.

Seit Ende des 14. Jh. kam das ganze Dorf nach und nach in den Besitz der Herren von Linde.

Am Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) zwischen dem Hildesheimer Hochstift und den Welfischen Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel und Calenberg fiel Lechstedt an den Herzog von Braunschweig.

Mit dem Tod des Jobst von der Linde, der letzte seines Geschlechts in Lechstedt und Vasall des Herzogs, gab dieser den Besitz der von Linde´schen Güter in Lechstedt sowie in Binder und Wehrstedt als Dank für dessen Verdienste an seinen Kanzler Dr. Johann Stopler. Auch nach der Stiftsfehde und der Rückkehr unter die Hildesheimische Landesherrschaft im Jahre 1643 blieben Dorf und Gerichtsbarkeit im Gegensatz zu anderen Dörfern im Lehnsbesitz der Familie Stopler, die ihr gesamtes Gutsland in Lechstedt an die dort ansässigen Bauern verpachtete und ihren Wohnsitz in Binder (heute kleinster Ortsteil der Samtgemeinde Baddeckenstedt/LK Wolfenbüttel) hatte. Ihre Nachkommen wurden später in den Adelsstand erhoben.

Mit dem Tod des kinderlos gebliebenen Friedrich Wilhelm Leopold im Jahre 1816 erlosch das Geschlecht der von Stopler in Lechstedt. Aus dem Kirchenbuch ist zu erfahren, dass er am 5. Juni zwischen 5 und 6 Uhr verstarb und in der Kirche zu Binder beerdigt wurde. Von der Adelsfamilie sind in Lechstedt vor allem die von ihr gestiftete Kirche mit Pfarrhaus und das ehemalige Herrenhaus erhalten geblieben.

An sie erinnert außerdem ihr Familienwappen, das man über dem Kirchenportal und heute auch im Ortswappen findet. Es zeigt eine nach unten geöffnete goldene Mondsichel über einer silbernen Rose auf rotem Grund. In Schiefer gefertigt kann man es auch oben an der ehemaligen Brinkmann'schen Scheune (Ringstr. 21a) gegenüber der Kirche entdecken.

In der Folgezeit und nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses kam Lechstedt daher als ehemaliger Teil des Hochstifts Hildesheim an das Kgr. Preußen, in den Jahren des französischen Satellitenkönigreichs Westphalen zum Landkanton Hildesheim im Distrikt Hildesheim des Departements Oker und anschließend zum im Kgr. Hannover.

Bis 1885 gehörte Lechstedt zum Amt Marienburg, danach zum neu gebildeten Landkreis Marienburg und kam schließlich 1974 zum Landkreis Hildesheim. Im selben Jahr wurde Lechstedt in die Stadt Bad Salzdetfurth eingemeindet und ist seitdem nördlichster Ortsteil.

Als beliebter Wohnort hat er sich im 20. Jh. durch die Erschließung neuer Baugebiete erweitert, aus dem einstigen Bauerndorf Lechstedt hat sich eher ein Wohn- und Pendlerort entwickelt, in dem heute knapp 700 Menschen leben. Der Ort verfügt über keine Geschäfte und Supermärkte, die Bewohner können ihre Einkäufe und wichtigsten Besorgungen aber im benachbarten Heinde und im nahegelegenen Itzum erledigen.

Dennoch gibt es hier noch immer Bauern, die die weiten Felder im Umkreis bewirtschaften. Außerdem sind einige Handwerker und andere Selbständige in Lechstedt ansässig.

Die Lechstedter sind in einem lebhaften Vereinswesen aktiv und das Ortsbild mit vielen gepflegten öffentlichen Grün- und Blühflächen führt vor Augen, dass ihnen ihr Dorf am Herzen liegt. Eine eigene Ortswebsite, die regelmäßig durch den Ortsheimatpfleger aktualisiert wird, hält die Ortsbewohner unter www.lechstedt.de zu allen ortsrelevanten Themen auf dem neuesten Stand.


Historische Baulichkeiten

Evangelische Kirche

Zu finden: Ringstraße

Die heutige Lechstedter Kirche wurde auf den Grundmauern des 1711 durch einen Brand zerstörten Vorgängerbaus errichtet. Ein eigenes Kapellen- oder Kirchengebäude ist in der ersten Hälfte des 15. Jh. nachgewiesen. Von diesem ist wohl nur der im Kern mittelalterliche und massive Unterbau des Turms erhalten geblieben. Ein Jahrzehnt nach dem Brand ließen der Patron Johann Friedrich Leopold Stopler und seine Ehefrau Anna Ilsa von Guldenfeld die Kirche wieder aufbauen. Sie wurde 1723 eingeweiht und trägt seitdem den Beinamen „von-Stopler-Kirche“.

Die bis heute bestehende Kirche ist eine einfache Saalkirche mit dreiseitigem Chorschluss und rundbogigen Fenstern. Das Bruchsteinmauerwerk wurde verputzt und trägt ein im Osten abgewalmtes Satteldach. Das Turmfundament erhielt einen zweistöckigen verschieferten Aufbau mit rechteckigen Schallfenstern und einem nach Westen ausgerichteten Uhrziffernblatt. Der Turmhelm mit rechteckigem Ansatz und achteckiger Spitze ist bekrönt mit Kugel und Hahn. 1966 erhielt die Kirche eine neue Turmuhr.

Man betritt die Kirche über ein rundbogiges barockes Südportal, über dem sich die Wappen des Kirchenpatrons von Stopler und seiner Ehefrau Anna Ilsa von Guldenfeld befinden, außerdem die Ziffern des Baujahres und die Inschrift „Herr dies Haus ist dier gebaut, das es deine Wohnung sey. Wer stets Gottes Gyte trauet, solchem steh selbst gnaedig bey“.

Im Inneren hat der Kirchenbau eine flachbogige Holzdecke mit Lattenrippen. Zur eigens für diese Kirche angefertigten Ausstattung gehören ein Kanzelaltar mit goldenen Verzierungen und ein Kanzelkorb zwischen zwei gewundenen Säulen. Links und rechts davon befinden sich zwei Engel und seitliches Knorpelwerk. Im Bildfeld über dem Schalldeckel erkennt man die Darstellung der Grablegung Christi, daneben stehen zwei weitere Figuren. Ein schlichtes Kreuz dient als Bekrönung der Altarwand. Seitliche Türen mit reichem Schnitzwerk führen zur Sakristei. Bis zu einer Renovierung im Jahre 1971 war der heute weiß gestaltete Kanzelaltar bunt vermalt.

Im nördlichen Bereich des Altarraumes hängt ein absenkbarer Taufengel, der um 1721 in der Werkstatt des Hildesheimer Bildschnitzers Ernst Dietrich Bartels entstand. Vermutlich wurde er, ebenso wie der Kanzelaltar, von der Patronatsfamilie von Stopler gestiftet. Der Engel, der eher zu laufen als zu schweben scheint, hält eine muschelförmige Taufschale in seiner ausgestreckten linken Hand. Ursprünglich hatte er seinen Platz im Westteil der Kirche über dem Mittelgang und wurde auch dort für Taufen von der Decke herabgelassen.

Die festen Kirchbänke im Kirchenschiff wurden 1971 durch Stühle ersetzt.

Auf der Westempore befindet sich die Orgel, ein Neubau von August Schaper aus Hildesheim von 1893. Sie wurde mehrfach überarbeitet und ist heute eine Denkmalorgel.

Pfarrhaus

Zu finden: Ringstr./Mittelstr. 6

Das alte Pfarrhaus von Lechstedt neben der Kirche brannte ebenfalls 1711 ab. Das heutige Fachwerkgebäude entstand im Jahre 1837, wurde 2008 verkauft und ist heute in Privatbesitz. Nur ein kleiner Teil des Gebäudes wird heute noch von der Kirchengemeinde genutzt und der dort eingerichtete Gemeindesaal 1993-1995 modernisiert.

Gutshof

Zu finden: Am Brunnen 2

Der ursprüngliche Gutshof stand, anders als die heute noch existierenden Gebäude im Ort, vermutlich außerhalb des Dorfes und östlich der nach Heinde führenden Straße. Das Gelände ist noch immer unter dem Namen „Uppen olen Howe“ und der Bereich des Gutsgartens als „Ole Gaaren“ bekannt. Beim Pflügen und Bearbeiten dieser Flächen fand man Reste alter Fundamente. Ein in der Mitte des Grundstücks gelegener Teich bestand noch lange wurde erst viel später zugeschüttet.

Der Gutshof in Fachwerkbauweise entstand erst zu Beginn des 18. Jh. Dieser wurde jedoch nie von der Gutsfamilie bewohnt, denn diese hatte ihren Wohnsitz bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg nach Binder verlegt. Sie blieben mit Lechstedt jedoch immer verbunden, hielten dort regelmäßig Gericht und stifteten zehn Jahre nach einem Brand im Jahre 1721 eine neue Kirche. Vermutlich stammt aus dieser Zeit auch der nördlich der Kirche gelegene Gutshof.

Das nicht unterkellerte Herrenhaus, ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit Pferdestall und Wagenremise, diente als Wohnhaus für den Gutsverwalter, hat den Status des Rittersitzes jedoch Anfang des 19. Jh. verloren.

Mit dem Tod von Friedrich Wilhelm Leopold von Stopler, der keine männlichen Erben hinterließ, wird die Hannoversche Klosterkammer Rechtsnachfolgerin für das Lehen bis 1853.

In diesem Jahr wird das einstige Herrenhaus der von Stopler an das Königreich Hannover verkauft, das darin bis 1963 eine Oberförsterei einrichtet. Aus dieser Zeit ist auch die Bezeichnung „altes Forsthaus“ zurückzuführen.

Heute sind Haus und umliegendes Gelände in Privatbesitz.

Mehrere alte Fachwerkhäuser

Zu finden: Ringstraße, Am Brunnen und Mittelstraße

Das Ortsbild Lechstedts ist im alten Ortskern geprägt durch weitere schöne, gut erhaltene und renovierte Fachwerkhäuser. So auch die Gebäude eines ehemaligen Bauernhofes in der Ringstraße mit der Hausnummer 21 sowie die Häuser Nr. 16 – früher eine Schmiede – und Nr. 14., in dem sich das Standesamt von Lechstedt befand.

Dem ehemaligen Gutshaus Am Brunnen 2 gegenüber liegen die beiden ersten Höfe Lechstedts, in alten Hofverzeichnissen und gesichert in einem Verzeichnis aus den Jahren 1847/48, trugen diese die Hofnummern 1 und 2. Überliefert sind die Namen der Hofbesitzer Müller und Harnischmacher um ca. 1690. Als die Gutsfamilie Stopler 1556 die Reformation in Lechstedt einführte, tauchten diese beiden Namen auch bereits in den reformatorischen Taufliste auf.

Die Gebäude des Hofes Nr. 1, heute mit der Adresse Mittelstr. 2a, gehören noch immer zu den älteren Fachwerkhöfen Lechstedts. Die Gebäude des Landwirtes Müller werden nicht mehr landwirtschaftlich genutzt, sondern sind in ein Wohnhaus für zwei Familien umgewandelt worden.

Das älteste heute noch erhaltene Haus Lechstedts ist jedoch das Fachwerkhaus der Hofstelle 2, heute mit der Adresse Am Brunnen 1.

Im weiteren Verlauf dieser kleinen Straße liegt außerdem das Fachwerkhaus mit der Nr. 6, in dem früher die Lechstedter Post ihren Sitz hatte.

Alte Schule (heute Kindergarten)

Zu finden: Mittelstr. 7

Das erste Lechstedter Schulhaus brannte, wie Kirche, Pfarrhaus und zwei weitere Wohnhäuser, im Jahre 1711 völlig nieder. Das Fachwerkhaus in der Mittelstraße 7 ist daher ein Nachfolgebau und das zweite Schulhaus in Lechstedt, das erst im Jahre 1835 entstand. Das Klassenzimmer sowie das Wohnzimmer, die Küche und ein weiteres Zimmer für die in diesem Gebäude ebenfalls untergebrachten Lehrerwohnung befanden sich im Erd-, die Schlafräume der Lehrerfamilie im Obergeschoss. Da die Lehrkräfte zu dieser Zeit zusätzlich zum Gehalt auch durch Naturalien entlohnt wurden, gehörte zum Schulhaus außerdem eine Tenne, in der Getreide gelagert werden konnte. Ende des 19. Jh. wurde an diese noch ein Anbau mit Stall und Kellerraum angebaut.

Wegen steigender Schülerzahlen wurde das Schulgebäude 1905 durch einen Anbau mit eigenem Eingangsflur erweitert. Weitere Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen fanden im 20. Jh. statt.

1970 wurde die Schule schließlich geschlossen. Seitdem gehen die Lechstedter Grundschüler in Heinde oder Groß Düngen zur Schule.

1991 wurde das Gebäude, bis dahin noch im Besitz der Kirchengemeinde, an die Stadt Salzdetfurth verkauft und im ehemaligen Schulhaus noch im selben Jahr ein Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft eingeweiht. Darüber hinaus werden einige Räumlichkeiten von der Dorfgemeinschaft genutzt.

Rübenburgen

Zu finden: Ringstr. 19 und 20 sowie Goldener Winkel 10

Neben den zahlreichen Fachwerkhöfen kann man in Lechstedt auch zwei Hofanlagen finden, die im Hildesheimer Raum den volkstümlichen Namen „Rübenburg“ tragen. Dabei handelt es sich um villenartige Neubauten eines Bauernhauses aus dem 19. Jh.

Die Landwirte und Bauherren waren Mitte des 19. Jh. durch den Anbau der Zuckerrübe zu einigem Wohlstand gelangt und konnten sich teure Baustoffe leisten. Die Bezeichnung dieser Hofanlagen hat sich daher in der sogenannten Börderegion zwischen Braunschweig/Hildesheim mit besten und nährstoffreichen Lößböden für die Zuckerrübe etabliert.

Bei den Rübenburgen handelt es sich – und so auch hier in Lechstedt – verbreitet um große Häuser und Stallungen aus roten, gebrannten und gemauerten Ziegelsteinen, einem damals kostenintensiv hergestellten Baustoff. Typisch für den Baustil der Rübenburgen sind außerdem Zierelemente wie Zwerchgiebel, Säulen, Balkone, Freisitze, repräsentative Treppenaufgänge, prächtige Eingangsbereiche, gedrechselte Giebelzierden, Fenstereinrahmungen aus Zementstuck oder Friese aus Terrakotta, wie sie zum Teil auch an den beiden Lechstedter Hofgebäuden verwendet wurden.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Alte Mühle

Zu finden: Pfaffenstieg

Wer Lechstedt mit dem Fahrrad oder PKW vom Hildesheimer Ortsteil Itzum aus ansteuert, passiert kurz vor dem westlichen Dorfeingang die Lechstedter Turmmühle am Pfaffenstieg. Das weiß gekalkte Mühlengebäude, an dem sich heute keine Flügel mehr drehen, gilt als eines der Wahrzeichen des Ortes. Das genaue Alter dieser Mühle ist nicht bekannt, in Urkunden wird jedoch bereits 1827 der Mühlenbesitzer Heinrich Burgdorf erwähnt. Zu dieser Zeit war die Lechstedter Mühle, anders als heute, noch eine Bockwindmühle. Die Mühle war bis 1929 in Betrieb und wird seit 1948 als Wohnhaus genutzt.