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Interessant + Wissenswert


Sagen und Geschichten

Wie viele Orte im Innerstetal blickt auch Hoheneggelsen nicht nur auf eine lange Geschichte, sondern auch auf einen reichen Schatz an Erzählungen, Sagen und überlieferten Geschichten zurück. Rund um den Messeberg, die alten Kirchen und den Fluss Innerste ranken sich Berichte von heidnischen Versammlungsplätzen, göttlichem Schutz, Dorfrivalitäten und besonderen Begebenheiten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Auch Till Eulenspiegel, der sagenhafte Schelm des norddeutschen Raumes, soll auf seinen Wanderungen durch das Land nicht fern von Hoheneggelsen unterwegs gewesen sein.

Die Thingstätte auf dem Messeberg

Der Messeberg, auf dessen Spitze heute die Wehrkirche St. Martin steht, soll schon in vorchristlicher Zeit eine heidnische Thingstätte gewesen sein. Hier versammelten sich die Menschen der Umgebung, um Recht zu sprechen und wichtige Entscheidungen zu treffen. Einer Sage nach blieb der Ort auch nach dem Bau der Kirche „besonders geschützt“ – weshalb die Kirche trotz Kriegen und Zerstörungen immer wieder aufgebaut wurde.

Die Wehrkirche als Zuflucht

In unruhigen Zeiten, besonders während des Dreißigjährigen Krieges, suchten die Bewohner Schutz in der Kirche St. Martin. Überliefert ist die Geschichte, dass die dicken Mauern und der Turm nicht nur Schutz boten, sondern dass Feinde den Berg mieden, weil sie glaubten, der Ort stehe unter göttlichem Schutz.

Zwei Kirchen – ein stiller Wettstreit

Dass Hoheneggelsen zwei Kirchen besitzt, ist ungewöhnlich. Daraus entstand eine bis heute erzählte Dorfgeschichte: Die Bewohner des Unterdorfes errichteten die Matthiaskirche aus Stolz und Eigenständigkeit, um der „großen Kirche“ im Oberdorf etwas entgegenzusetzen. Bis heute wird augenzwinkernd gestritten, welche Kirche die schönere sei – eine lebendige Sage ohne Verlierer.

Die Glocke der Matthiaskirche

Als die Glocke der Matthiaskirche im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden musste, erzählten ältere Dorfbewohner später, der Ort sei danach „stiller und schwerer“ geworden. Erst mit der neuen Glocke 1951 habe Hoheneggelsen seinen vertrauten Klang und damit ein Stück Heimatgefühl zurückerhalten.

Die Innerste – Grenzfluss und Lebensader

Der Fluss Innerste galt früher als Grenze zwischen Bekanntem und Ungewissem. Alte Erzählungen berichten, dass man den Fluss bei Hochwasser nicht leichtfertig überquerte, da er als launisch und gefährlich galt. Gleichzeitig war die Innerste Lebensader für Landwirtschaft, Handel und Wege – ein Fluss, den man respektierte und dem man Dankbarkeit entgegenbrachte. Mehr über die Innerste in Hoheneggelsen findet sich hier

Eulenspiegel in Hoheneggelsen – Die Geschichte von der gestohlenen Wurst

In einer traditionellen Eulenspiegel-Sage macht Till Eulenspiegel Station in Hoheneggelsen. Auf dem Weg dorthin bringt er eine rote Wurst mit, die er sich von der Köchin des Pfarrhauses braten lassen will. Während Eulenspiegel in der Kirche ist, entdeckt der Pfarrer jedoch die duftende Wurst, isst sie vollständig auf und setzt Eulenspiegel stattdessen Speck und Kohl vor. Er fordert ihn sogar auf, beim nächsten Besuch zwei Würste mitzubringen – eine für jeden.

Eulenspiegel kommt dieser Bitte nach, allerdings mit einer List: Er lässt aus dem Fleisch einer verendeten Sau zwei Würste herstellen. Als der Pfarrer und seine Köchin diese gierig essen, beginnen ihnen die Münder vor Fett zu schäumen, was Eulenspiegel augenzwinkernd kommentiert. Als er schließlich verrät, aus welchem Fleisch die Würste gemacht wurden, geraten Pfarrer und Magd in Wut. Eulenspiegel erinnert sie jedoch daran, dass sie selbst die guten wie die schlechten Würste ohne seine Erlaubnis gegessen hätten – und verabschiedet sich mit einem spöttischen Gruß.

Sage vom Schatz auf dem Messeberg

Zwischen Hoheneggelsen und Feldbergen zieht sich eine langgestreckte Bodenwelle hin, die der Messeberg genannt wird. Hier steht die Hoheneggelser Wehrkirche, von der der Messeberg vielleicht seinen Namen hat, denn dort wurde auch schon in alter Zeit die Messe gefeiert.

In alten Kriegszeiten vergruben die Bauern aus Mölme ihre Wertsachen – Gold, Silber und Schmuck – auf dem nahen Messeberg, um sie vor Plünderern zu schützen. Als feindliche Truppen das Dorf überfielen und den Schatz nicht fanden, erschlugen sie alle, die nicht in die Wehrkirche flüchten konnten. Mit den Toten verschwand auch das Wissen um das Versteck, und der Schatz geriet in Vergessenheit.

Erst hundert Jahre später sahen zwei Männer aus Feldbergen eine blau leuchtende Flamme über dem Messeberg. Ein Hoheneggelsener Schäfer bestätigte ihren Verdacht: „Wo eine Flamme brennt, liegt ein Schatz, und eine blaue verrät Gold und Silber.“ In der nächsten Vollmondnacht machten sie sich gemeinsam ans Graben.

Auf dem Weg begegnete der Schäfer merkwürdigen Gestalten: Einem feinen Herrn, der dem Amtmann von Steinbrück glich und plötzlich verschwand, und einem Reiter auf schwarzem Pferd, der seinen Kopf unter dem Arm trug. Das Pferd verlor ein Hufeisen, das der Schäfer heimlich aufhob.

Oben auf dem Messeberg stießen die Schatzgräber bald auf eine schwere eiserne Kiste. Doch als sie sie anhoben, sprang der Deckel auf – und ein zerlumpter, unheimlicher Kerl mit langer Nase kroch heraus und lachte höhnisch. Vor Schreck ließen die Männer die Kiste fallen, und sie versank in einer sich öffnenden Erdspalte. Die beiden Feldberger schlugen in Wut mit dem Spaten auf die Gestalt ein, doch der packte sie bei den Hälsen und riss sie mit sich in die Tiefe. Der Boden schloss sich wieder.

Der erschrockene Schäfer sprach ein Vaterunser, schleppte sich nach Hause und fiel ins Bett. Am nächsten Tag erzählte er dem Pfarrer alles und schenkte ihm das Hufeisen, das sich als silbern geschmiedet erwies. Dafür sollte jedes Jahr am Unglückstag eine Messe für die Seelen der Feldberger gelesen werden und tatsächlich wurde diese Tradition in der Wehrkirche fortgeführt, bis Hoheneggelsen lutherisch wurde.


Schriftgut und Überliefertes 

  • Unser Hildesheimer Land, Beiträger zur Geschichte und Gegenwart,Band IV, Herausgeber: Hans Meyer-Roscher, Hildesheim 1982
  • Leben in der Gemeinde Söhlde, Offizielle Bürgerinformationsbroschüre, Hannover, Oktober 2022
  • Heimatsichten, Geschichte und Ortsheimatpflege in der Gemeinde Söhlde, Marcel Giffey und Dr. Kriustin Caesemir, Söhlde 2020
  • 50 Jahre Gemeinde Söhlde, Jubiläumsbroschüre, Hannover März 2024
  • Die Geschichte der Gemeinde Söhlde, 1151-1920, Ernst Bertheau, Oedelum 1994
  • Wehrkirche Hoheneggelsen, Geschichte der Kirche und Gemeinde zu Hoheneggelsen, Fritz Garbe, Hildesheim 1964
  • Im alten Hochstift, Wege und Stätten im Hildesheimer Land, Erich Heinemann, Hildesheim 1987
  • Sagen aus dem Hildesheimer Land, Gerhard Kraus, Husum 1996
  • Denkmalatlas Niedersachsen, www.denkmalatlas.niedersachsen.de
  • Kirchenlexikon, www.kirchengemeindelexikon.de
  • 50 Jahre Gemeinde Söhlde, Jubiläumsbroschüre, Hannover März 2024


Berühmte Persönlichkeiten

Hermann Löns und Hoheneggelsen

Der Heidedichter Hermann Löns (1866-1914) besuchte Hoheneggelsen mehrfach und zeigte sich besonders beeindruckt vom Messeberg und dem dort gelegenen kleinen Schloss. Die markante Lage und die ungewöhnliche Architektur regten ihn zu eindrucksvollen Beschreibungen an, die zur überregionalen Bekanntheit des Ortes beitrugen.

Durch Löns’ literarische Schilderungen fand Hoheneggelsen Eingang in die norddeutsche Kultur- und Literaturlandschaft. Bis heute erinnern sie an die besondere landschaftliche und atmosphärische Wirkung des Ortes und stärken seine kulturelle Bedeutung über die Region hinaus.

Gerhard Hoyermann (1835-1911)

Gerhard Hoyermann war ein Unternehmer und später Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

Er studierte Pharmazie in Göttingen, übernahm 1859 die Apotheke seines Vaters in Hoheneggelsen und gründete die Spar-und Vorschusskasse (heute: Volksbank Hildesheimer Börde). Aus phosphorhaltiger Schlacke eines Hochofens entwickelte er das Düngemittel „Thomasmehl” und gründete die Peiner Phosphorfabrik. 1897 zog er nach Lohne, wo er auch begraben wurde. Vor dem Heimatmuseum in Hoheneggelsen wurde ein Gedenkstein für ihn errichtet und man hat eine Straße im Ort nach ihm benannt.

Hermann Brandes (1855-1940)

Der Geologe erforschte die Geschichte von Hoheneggelsen und hielt sie in den „Losen Blättern zur Geschichte des Hildesheimer Bauernstandes” fest. Man ernannte ihn zum Ehrenbürger, benannte eine Straße im Dorf nach ihm und setzte ihm einen Gedenkstein vor dem Heimatmuseum.

Wilhelm Ohse (1891-1963)

Wilhelm Ohse war Apotheker in Hoheneggelsen und zog 1957 nach Hildesheim. Mit einer außergewöhnlich großzügigen Spende ermöglichte er den Bau der Turnhalle in Hoheneggelsen maßgeblich. Als Zeichen des Dankes war dort bis zum Abriss der Halle eine Steintafel angebracht, die heute im Museum zu sehen ist. Zu seiner Erinnerung wurde in Hoheneggelsen eine Straße nach Wilhelm Ohse benannt und im Heimatmuseum hängt sein Porträt und eine Gedenktafel.


Das gibt's so nur bei uns

Kolumbarium in der Kirche St. Martin

Das Kolumbarium in der evangelischen Wehrkirche St. Martin auf dem Messeberg ist ein besonderes Beispiel dafür, wie historische Kirchenräume behutsam an heutige Bedürfnisse angepasst werden können. Es wurde 2018 eröffnet, um den Wunsch nach alternativen Bestattungsformen aufzugreifen und zugleich die enge Bindung vieler Menschen an ihre Kirche und ihren Heimatort zu bewahren.

Die Urnenstätten sind würdevoll in den Kirchenraum integriert und respektieren die jahrhundertealte Architektur der Kirche mit romanischem Westturm. Damit bleibt St. Martin nicht nur ein Ort des Gottesdienstes, sondern auch ein Raum des stillen Gedenkens und der persönlichen Erinnerung.

Aus kultureller und touristischer Sicht zeigt das Kolumbarium, wie lebendige Dorfgeschichte, Denkmalpflege und zeitgemäße Nutzung miteinander verbunden werden können. Für Besucherinnen und Besucher eröffnet sich hier ein eindrucksvoller Ort, an dem sich Geschichte, Glauben und moderne Bestattungskultur begegnen – eingebettet in die markante Silhouette der Kirche auf dem Messeberg.


Wirtschaftsbetriebe

Sonderabfalldeponie Hoheneggelsen

Südlich von Hoheneggelsen, nahe der Bahnstrecke Hildesheim–Braunschweig, liegt die ehemalige Sonderabfalldeponie Hoheneggelsen. Das Gelände war ursprünglich Standort einer Ziegelei; die dabei entstandenen Tongruben wurden ab 1971 zur Ablagerung besonders gefährlicher Abfälle genutzt. Insgesamt wurden dort bis 2005 rund 1,4 Millionen Tonnen Sonderabfälle eingelagert.

Nach öffentlichen Protesten gegen eine geplante Erweiterung endete der Betrieb 2005. Bis 2008 wurde die Deponie umfassend gesichert: Eine mehrlagige Tonschicht dichtet die Oberfläche ab, darüber wurde das Gelände begrünt und rekultiviert. Alle Betriebsanlagen wurden zurückgebaut.

Heute ist die Deponie stillgelegt und befindet sich in einer langfristigen Nachsorgephase. Über mindestens 30 Jahre wird das Gelände überwacht, um Mensch und Umwelt dauerhaft zu schützen. Die Fläche selbst ist nicht öffentlich zugänglich, steht aber beispielhaft für den Wandel von industrieller Nutzung hin zu gesicherter Nachsorge und Verantwortung gegenüber Umwelt und Landschaft.