Geschichte
Geschichtliches
Hönze ist eines der fünf im Despetal liegenden Dörfer. Die von Ost nach West durch den Ort fließende Despe trifft hier auf den von Norden und im Hildesheimer Wald entspringenden Riesbach und den von Eberholzen kommenden Selbach, was in der Geschichte des Ortes häufig zu Hochwassern führte. Am eindrücklichsten blieb bis heute ein Hochwasser im Jahr 1643 in Erinnerung, aber auch 1966 und 1997 wurden Häuser und Keller in Hönze von Hochwassern heimgesucht. Seitdem hat man mit zwei Rückhaltebecken und einem Bypass in der Ortsmitte Maßnahmen gegen die Hochwassergefahr für Hönze ergriffen.
Wann genau die Siedlung an der heutigen Stelle entstand, ist nicht bekannt. Das Wappen von Hönze – ein aus drei ineinandergeschlungenen Spiralen gebildetes Mäanderband auf rotem Schrägrechtsbalken – bezieht sich mit dieser germanischen Ornamentik auf ein zwischen Nienstedt und Hönze verortetes Einzelgrab (Königsgrab) aus der älteren Bronzezeit. Nach Angaben in der Chronik der Samtgemeinde Sibbesse schließt Wilhelm Barner (1893-1973), zu Lebzeiten Heimatpfleger des Landkreises Alfeld und Leiter des Städtischen Heimatmuseums Alfeld, dass es zwischen 1800 und 1200 vor Chr. entstand.
Erwähnung findet das Dorf aber erstmals 1170 unter dem Namen Hönde. Auch die Bezeichnung Hutcinghese bezieht sich 1294 vermutlich auf dieses Dorf, in dem das Hildesheimer St.-Moritz-Stift zwei Hufen Land besaß. Wenig später im Jahre 1305 sind auch die Namen Honesse und 1369 wieder Hotcingessen gebräuchlich. Die Gründe für diese Namensentwicklungen sind bis heute nicht geklärt. Wann die Siedlung genau entstand, ist ebenfalls nicht genauer zu datieren.
Bis zur Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) gehörte Hönze zum Hochstift Hildesheim und damit zum Amt Winzenburg und fiel danach an das welfische Teilfürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Im Winzenburger Erbregister von 1578 wird das Dorf als Besitz der Familie Friese geführt, die auch über die niedere Gerichtsbarkeit verfügt. Im Jahre 1607 gehen diese Rechte sowie bedeutendes Lehns- und Erbgut an Jonas Burchtorff, den Probst und Verwalter des Klosters Lamspringe. Darüber hinaus besaß auch die Familie von Steinberg zu Bodenburg fünf Kothöfe und die Gerichtsbarkeit über deren Bewohner in Hönze.
Nach der Wiederherstellung des Großen Stifts kehrte Hönze zum stiftshildesheimischen Landesherrn zurück und wurde ab 1690 vom Amt Gronau verwaltet.
1803 fiel das Hochstift und somit auch Hönze an das Königreich Preußen, von 1807 bis 1813 an das frz. Satellitenkönigreich Westfalen und ab 1866 wieder zum Königreich Preußen. Im 19. Jh zählte Hönze zum Kreis Gronau und wechselte 1932 zum Kreis Alfeld und 1977 schließlich zum Landkreis Hildesheim.
Mit der Gebietsreform von 1974 wurde Hönze ein Ortsteil der Gemeinde Samtgemeinde Sibbesse, die am 1. November 2016 mit insgesamt zwölf Ortsteilen in die neue Einheitsgemeinde Sibbesse überführt wurde.
In Hönze, ehemals ein reines Bauerndorf, werden heute nur ein landwirtschaftlicher Betrieb im Vollerwerb, einige wenige noch im Nebenerwerb bewirtschaftet. Als zeitweise außergewöhnlich zu betrachten ist jedoch die Bevölkerungsentwicklung des Ortes. Lange lebten fast unverändert etwa 150 Einwohner in Hönze. Mit den Flüchtlingsbewegungen aus dem Osten nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Zahl der Bewohner an. Doch anders als in den meisten Dörfern im Hildesheimer Raum verließen viele Flüchtlinge das Dorf nicht mehr, sondern entschieden sich dafür, in Hönze zu bleiben, was allein im 20. Jh. zur Bewilligung von fünf Baugebieten führte – ein Verdienst des Ortsbürgermeisters Hellmut Schneider, über den hiermehr zu erfahren ist. Noch 2003 lebten über 400 Einwohner in Hönze.
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© Verena Bloch
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Heute ist Hönze ein Pendlerdorf, die Berufstätigen verlassen den Ort tagsüber und gehen Beschäftigungen in der näheren und weiteren Umgebung nach. Handwerks- und Gewerbebetriebe, zu denen bis ins 20. Jh. ein Tischler, eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschäft zählten, sind geschlossen. Für ihre täglichen Besorgungen fahren die Hönzer mit dem Fahrrad oder PKW in das gut 3 km entfernt liegende Sibbesse. Der Dorfgasthof ist den Bewohnern von Hönze jedoch bis heute erhalten geblieben.
Da der kleine Ort dank Initiative des damaligen Ortsbürgermeisters als erster Ortsteil der heutigen Einheitsgemeinde Sibbesse schon seit 1968 über eine Mehrzweckhalle verfügen konnte, die im Laufe der Jahre wegen zunehmender Nutzung sogar erweitert wurde, sind die Dorfgemeinschaft und die Hönzer Vereine seitdem und bis heute sehr aktiv.
Historische Baulichkeiten
St. Paulus-Kapelle
Zu finden: Hönzer Schulstraße
Die St.-Paulus-Kapelle in Hönze entstand vermutlich im 15. Jahrhundert. Der Bau wurde wahrscheinlich durch die damals im Dorf begüterte Familie Friese unterstützt. Das Bruchsteinmauerwerk des kleinen Rechteckbaus wurde später ebenso wie der der westliche Fachwerkgiebel verputzt. An den Ostecken hat die Kapelle Strebepfeiler.
An den Längsseiten hat die Kapelle auf der Südseite drei und an der Nordseite zwei Fensteröffnungen. Eine dritte wurde hier zugemauert. Drei weitere kleine Fenster befinden sich im östlichen Fachwerkgiebel. Die Fenster wurden laut Balkeninschrift über der Eingangstür 1753 im Auftrag des damaligen Pastors Groll und den Altarleuten Brunotte und Duvenkrop repariert, das Portal in diesem Zuge von der Süd- auf die Westseite verlegt. Das Satteldach der Kapelle hat auf der Westseite einen turmartigen, quadratischen und mit grauem Schiefer verkleideten Dachreiter mit rechteckigen Schallfenstern, einer Läuteglocke aus dem Jahre 1947, Uhrzifferblättern nach Süden und Norden und einem Auslegestuhl für die Uhrschlagglocke nach Norden. Das Pyramidendach ist bekrönt mit Kugel und Wetterfahne. Die Turmuhr wurde 1948 von der Firma Weule aus Bockenem gefertigt.
Als die Hönzer Kapelle trotz weiterer Instandsetzungen in den Jahre 1830 und 1953 deutliche bauliche Mängel zeigte, entschied man sich in den 1960er Jahren aus Kostengründen für einen Abriss der Kapelle und den Neubau eines Gemeindehauses in einem der Neubaugebiete, wo es 1973 eingeweiht und ein Jahr später um einen freistehenden Glockenträger ergänzt wurde.
Zu einem Abriss der alten Kapelle war es bis dahin nicht gekommen und auch eine ursprünglich geplante Umnutzung zum Feuerwehrgerätehaus wurde nicht realisiert. Der Architekt Wolfgang Diekow vom landeskirchlichen Amt für Bau- und Kunstpflege überzeugte die Gemeinde schließlich, frühere Entscheidungen zu überdenken: „Dem Kirchenvorstand und sehr vielen anderen Menschen wurde langsam klar, dass das neue Gemeindehaus unsere alte Kapelle nicht ersetzen konnte und dass wir beinahe etwas vernichtet hätten, was seit Jahrhunderten der Mittelpunkt unseres Dorfes gewesen ist und niemals zu ersetzen gewesen wäre.“ (Zitat Joachim Klingebiel, damals Kirchenvorsteher, aus der Chronik der Samtgemeinde Sibbesse). 1978 entschieden sich die Hönzer doch für eine Restaurierung ihrer Pauluskapelle in Eigenleistung. Nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten konnte sie im August 1986 wieder eingeweiht werden und stattdessen wurden Gemeindehaus und Glockenträger wieder abgerissen. Seitdem feiern die Hönzer wieder in der St.-Paulus-Kapelle in der Dorfmitte Gottesdienste.
Man betritt die Kapelle durch den Eingang auf der Westseite. Sie hat eine blaugestrichene flachgewölbte Decke und ist mit Ost- und Westemporen ausgestattet.
Die Stipes der Sandsteinmensa aus dem 15. Jh. wurden 1985 neu gemauert. Das mit Schnitzwerk verzierte hölzerne Altarretabel wurde um 1650 gefertigt. Im Mittelfeld befindet sich eine Abendmahlsdarstellung, die von korinthischen Säulen flankiert wird. Die kleinen Seitenfelder links und rechts sind mit Blumenvasen bemalt. Seit der Restaurierung im Jahre 1985 fehlt das Giebelfeld des Altars, auch der Kanzelkorb oberhalb des Altars wurde damals entfernt. Stattdessen gehört nun eine ursprünglich aus Heisede stammende Kanzel links im Altarraum zur Ausstattung der Kapelle. Der Taufstein auf der rechten Seite wurde 1963 vom damaligen Kirchenvorsteher Heinrich Hartje gestiftet.
Die beiden im Kirchenschiff hängenden großen Leuchter aus massivem Messing wurden von Conrad Kobel im Februar 1867 ursprünglich als Gasleuchter, jedoch nicht für die kleine Kapelle von Hönze gefertigt, sondern stammen angeblich aus dem Hildesheimer Stadttheater. Das würde die im Verhältnis zum kleinen Kirchenraum sehr großen Ausmaße der Leuchter erklären. Warum sie über Karl Klingebiel aus Hildesheim wohl um 1935 nach Hönze kamen, ist heute nicht mehr bekannt. Sie wurden später auf die Beleuchtung mit elektrischem Licht umgestellt.
Ehem. Gemeindehaus
Zu finden: Hönzer Dorfstr. 11
Bis 1974 war Hönze eine eigenständige Gemeinde, deren Belange im Gemeindehaus an der Hönzer Dorfstraße, gut zu erkennen an der Motorsirene auf dem Schornstein des Gebäudes, geregelt wurden. Über einen Durchgang in der Mitte dieses Gebäudes erreichten die Hönzer Schulkinder Schulhof und Eingang ihrer Dorfschule.
Heute ist das Gemeindehaus ein privates Wohnhaus.
Ehem. Dorfschule
Zu finden: Hönzer Schulstr. 8
Nach Einführung der Schulpflicht im Jahre 1717 besuchten die Hönzer Kinder noch lange die Dorfschule in Nienstedt. Erst im Jahre 1958 erhielt Hönze eine eigene Schule mit einem Klassenraum für alle Kinder, an die zehn Jahre später eine Mehrzweckhalle angebaut wurde.
Seit die Grundschulkinder von Hönze die Schule in Sibbesse besuchen, wir das Schulhaus von der Freiwilligen Feuerwehr genutzt.
Ehem. Bahnhof
Zu finden: Hönzer Schulstr./An der Bahn
Ab 1900 baute die Deutsche Bahn für den Güter- und Personenverkehr eine Bahnlinie zwischen Elze, Gronau und Bad Salzdetfurth. Hönze erhielt 1905 einen Bahnhaltepunkt mit einem Bahnhofsgebäude. Dort verkaufte der Bahnbeamte Herr Bartels „Fahrkarten in jeden gewünschten Ort im Land“ an die Bewohner von Hönze und der benachbarten Dörfer Nienstedt und Möllensen. „Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 bis 1946, als die Vertreibung und Umsiedlung der Menschen aus dem Osten begann, kamen viele Neubürger an diesem Bahnhof an.“
Nachdem die deutsche Bahn 1966 den Personenverkehr und ab 1974 auch den Güterverkehr auf der Strecke einstellte, blieb der kleine Bahnhof ab 1963 ungenutzt. Dank einer Entscheidung des damaligen Bürgermeisters Hellmut Schneider übernahm die Gemeinde das Bahnhofsgelände und entwickelte dort nach Ankauf zusätzlicher Ackerflächen ein Neubaugebiet. Das alte Bahnhofsgebäude wurde nicht abgerissen und ist heute privates Wohnhaus.
Wer mehr über die Geschichte der Bahn im Despetal erfahren möchte, findet hier den Bericht eines Almstedter Bürgers.
Ein lohnenswerter Ausflug empfiehlt sich nach Almstedt. Nachdem die Deutsche Bahn den Haltepunkt auch in Almstedt aufgegeben hatte, stand dieses Bahnhofgebäude lange Zeit leer. Seit 1974 werden dieser Bahnhof und die noch heute existierenden Bahnschienen aber für den Betrieb einer Museumseisenbahn der Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahn e.V., der „Almetalbahn“, genutzt. Das kleine, schmucke und seit 2001 unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude und den alten Lokschuppen des Haltepunktes Almstedt-Segeste gibt es noch immer. Hier hat die Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahn e.V. ein Eisenbahnmuseum eingerichtet. Wer mehr über die Almetalbahn erfahren möchte, kann hier schauen.
Ehem. Wohnhaus der Bahnmitarbeiter
Zu finden: An der Bahn 12
Auch das für die Bahnmitarbeiter errichtete Wohnhaus direkt neben dem Bahnhofsgebäude ist erhalten geblieben und weiterhin bewohnt.
Spuren von historischen Produktionsstätten
Ehem. Backhaus und ehem. Schmiede
Zu finden: Hönzer Dorfstr.
Im Bauerndorf Hönze hatten bis ins 20. Jh. hinein einige Handwerksbetriebe ihr Auskommen. Heute sind diese jedoch alle geschlossen. Lediglich zwei in unmittelbarer Nähe zueinander liegende Gebäude in der Hönzer Dorfstraße erinnern noch an diese Betriebe: das alte Backhaus und eine Schmiede.