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Interessant + Wissenswert


Sagen und Geschichten

Der falsche Eid

Als vor Zeiten der Sackwald an die angrenzenden Dorfschaften verteilt wurde, kam es zwischen den Gemeinden Grafelde und Sack wegen der Waldteile nahe der Schulenberger Kirche zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Säcker machten geltend, dass ihnen, als den Nachfahren der Schulenberger, dieser Distrikt zustehe. Die Grafelder Bauern dagegen pochten auf die alten Huderechte. Ein bejahrter Kuhhirte machte bei einer Ortsbegehung dem Streit schließlich ein Ende. In Anwesenheit des Drosten von Winzenburg und der Forstgeschworenen schritt er die Schnede (Grenze) ab und beeidigte: »Eck stahe hier up Grafelschen Bodden!« Daraufhin wurde der Wald bis zur Schulenberger Senke dem Dorfe Grafelde zugesprochen.

Die Überlieferung will aber wissen, dass der Hirte in seine großen Schuhe, aus denen er die dicken Strohsohlen entfernte, Erde vom Grafelder Kirchhof füllte. Der falsche Eid ließ den Alten in angstvollen Qualen sterben, und nun geht er im Holze nahe der Schulenberger Kirchenruine zur Geisterstunde, insbesondere aber in Vollmondnächten, um. Spät Heimkehrende haben den Ruhelosen durch die hohen Buchen hinstreichen sehen und sein gequältes Ächzen und Stöhnen gehört.

Lied der Grafelder Feuerwehr

Ohne die Freiwillige Feuerwehr läuft in Grafelde – fast – nichts. So verwundert es nicht, dass 1985 diese denkwürdigen Zeilen gedichtet wurden.

Du sitzt schön zu Hause und eh man’s gedacht
Ist’s Mittwochabend, ganz kurz vor halb acht.
Schnell rein in die Jacke, verdammt noch einmal
Und ab geht es runter zum Übungslokal.

Hier sind alle schon da, die Onkel und Tanten
Die meisten davon sind meine Bekannten.
Anke will mich mit den Karten gleich locken,
Die anderen still vor der Theke rumhocken.

Nur Reinhold, der Chef, der steht in der Mitten,
Er probt mit den „Neuen“, ist niemals zerstritten.
Doch dann ist es soweit, jetzt geht es gleich los,
Die Noten verteilt, da ist der Notenwart groß.

Auch Sauberkeit herrscht hier, ein alter Zopf,
Vor jedem Bläser ein Spucketopf.

Der Dirigent taktvoll den Taktstock erhebt,
Alles ist ruhig, nur der Schlagzeuger bebt.
Dann ein Ton, furchtbar und voller Qual,
In einem Horn steckte noch ein Schal.

Nachdem dieses Übel ist behoben,
Müssen wir den Dirigenten loben:
Verliert nie die Ruhe, kann sich immer beherrschen,
Ob er mit uns übt Walzer, Polka und Märsche.

Er weiß ja, das macht uns auch Mut,
Die Grafelder Bläser, die sind schon ganz gut.
Rechts von Ihm, da sitzen die allen bekannten,
Unsere Schönsten, die Klarinettentanten.

Ob Claudia, Kerstin, Iris, Heike und Anke,
Die geben sich Mühe, sind niemals im Zanke.

Die Flügelhörner, recht schwach an der Zahl,
Sie anzuhören, ist niemals ne Qual.
Den Erwin, Rolf, Karl, und Volker, das müsst ihr euch merken,
Wird in Zukunft der Heiner noch verstärken.

Daneben die Trompeten, die tun gern einen verlöten.
Lutz und Günter, diese beiden, die mögen sich schon gerne leiden.
Nur manchmal es dahinten kracht, wenn draußen hell der Vollmond lacht
Der Günter kriegt dann leicht nen Riß
Weil gar zu wacklig sein Gebiß.

Nun kommen die Hörner, hoch drei an der Zahl,
Sie blasen den Nachschlag, keine andere Wahl,
Helmut und Erich tun sich gern was erzählen,
Doch Martin möchte lieber ne Marlboro quälen.

Die kleine Trommel erklingt aus der Ecke,
Dort sitzt Friedrich in seinem Verstecke.

Neben ihm, was ist denn das?
Ach Heinrich-Ernst mit dem Brummelbass.
Er raucht nicht, verbrennt sich drum niemals die Pfoten,
Doch oftmals da sucht er verzweifelt die Noten.

Auch sein Verweilen ist niemals recht lange.
Man spricht schon: Er darf nicht, er ist etwas bange.

Sein Junior Erik gleich neben ihm sitzt
Und hinter dem Baritone schwitzt
Nett, freundlich und immer hellwach,
Nur auf der Lunge noch etwas schwach.

Heiko und Dieter sind immer bei Laune.
Sie sorgen für Stimmung, sie blasen Posaune.
Es ist schon recht lustig, es quietschen die Seelen,
Wenn sie ihre Hundehärken quälen.

Sabine und Wiwi, wer glaubt das schon,
Sind Spitze auf dem Saxophon.
Sie lassen es heulen, jaulen, wimmern,
Und manchmal kommt es noch zu Schlimmeren.

Auf seinen Wunsch bald in ihrer Mitte
Karl Abschlag in ihrem Bund der Dritte.

Und nun die Krone der Kapelle.
Die Tenorhörner sind immer zur Stelle.
Frank, Helmut und Heini, diese drei Recken,
Die brauchen sich wirklich nicht zu verstecken.
Sie blasen die Töne, ob hoch oder tief,
Und niemals klingt einer quer oder schief.

Bum-Bum-Bum, Bum-Bum-Bum!!!!
Bei mir geht’s im Kopf schon herum.
Denn Hermann haut mit seiner Bommel
Immer auf die dicke Trommel.
In allen Tempis, ohne Pause, ist er auf diesem Ding zu Hause.

Stolz hinter seinem Schlagzeug thront
Der Jens, der auf der Halbe wohnt.
Bei Rumba, Samba ist er Spitze, erzählt auch manchmal faule Witze.
Nur leider er uns zu oft fehlt,
Sonst hätt’ ich von ihm mehr erzählt.

Dies war hier die aktive Schar.
Fünf kommen noch, das ist doch klar.

Bettina, Jürgen, Holger, Karl und Heiner,
Die müssen noch üben, von selbst kann das keiner.

Ja, bei uns gibt es Feine, Große und Kleine,
Alte und Junge, Dünne und Fette
Und auch manche Knörenpötte.

Die hält hier zusammen, wir freuen uns sehr,
Musikzugführer Rolf, er hat es schon schwer.

Nachdem ich mich hier durchgequält,
Von allen euch hab was erzählt,
Will ich noch sagen, weil mich keiner jagt,
Unser Musikzug ist schon hoch betagt.

Ich will nicht lügen, es ist wirklich wahr,
Er besteht heuer achtundachtzig Jahr.

Höhen und Tiefen haben wir durchschritten,
Und manchen Kummer schon erlitten.

In der Kasse stets „dalles“, das ist oft sehr bitter,
Drum warben wir an zwanzig Ritter,
Die uns unterstützen mit fördernder Hand,
Ihnen gilt unser besonderer Dank.

Will heut nicht noch mehr rumknören,
Will euch beileibe nicht belehren,
Drum hebet fröhlich eure Gläser,
Es grüßen die Grafelder Bläser!

Helmut Wöbbecke, Grafelde, den 9.3.1985


Schriftgut und Überliefertes

-Hartmann, Sabine, 1025 Jahre Sibbesse - Chronik der Samtgemeinde Sibbesse, Druckhaus Köhler, Harsum 2014.

Die Chronik ist im Rathaus von Sibbesse käuflich zu erwerben.

-Kraus, Monika und Gerhard, Hödeken – Sagen und Erzählungen aus dem Leinebergland, Verlag Ellen Harenberg-Labs, Hannover 1988

-Dahms, Thomas, Der Königsweg,  Corvey – Werla, Ostfalia Verlag 2016


Spuren von historischen Produktionsstätten

Grafelde war einst ein Dorf mit bis zu fünf Schlachtern, einer Tischlerei, einem Bäcker und einem Lebensmittelladen. Von früher 27 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet nur noch ein Landwirt seinen Hof.

Aus Inschriften in Holz und Stein kann man aber bis heute noch die Jahreszahlen der Erbauung einiger Höfe entnehmen.

Alte Schmiede

Zu finden: Halbe 25


Ehemaliger Getränkehandel

Zu finden: Grafelder Str./Brinkstr. und Halbe 21

Letzte Zeugen von Handwerk und Handel sind das kleine Gebäude eines Schmiedemeisters in der Halbe direkt am Ortseingang sowie das des Bierverlegers Hartwig. Heinrich Hartwig und seine Frau Johanne gründeten diesen Betrieb am 1.April 1887 an der Grafelder Straße/L489 Ecke Brinkstraße. Sowohl deren Sohn als auch der Enkelsohn, beide ebenfalls auf den Namen Heinrich getauft, führten den Betrieb in den folgenden Jahrzehnten weiter. Man transportierte mit einem Kutschwagen nicht nur das Bier, sondern holte in den Jahren zwischen 1901 und 1977 mit dem Pferdewagen und später mit Trecker und Anhänger die Milch der Bauern aus Grafelde und den Dörfern der Umgebung ab und brachte sie zur Molkerei nach Harbarnsen. So war insbesondere der Enkel Heinrich nicht nur als Getränkehändler, der im Raum von Sibbesse und der ganzen Börde lieferte, sondern auch als Milchkutscher in der Gegend bekannt.

In den Räumen des Bierverlages verfügte Hartwig ab 1927 sogar über einen Eiskeller, für den er das Eis aus der Ziegelei des benachbarten Wrisbergholzen bezog. Hier wurden die Getränke der Gastwirte Westfelds und der Umgebung gekühlt.

Hartwigs Tochter und ihr Ehemann führten den Getränkehandel nicht nur weiter, das Ehepaar Schaper-Hoppe baute das Unternehmen in vierter Generation noch aus und verlegte es in die Halbe 21. Erst 2020 wurde der Betrieb in Grafelde geschlossen und nach Lamspringe verlegt (https://www.schaperhoppe.de/). Das Geschäft in Grafelde ist jedoch bis heute fester Anlaufpunkt des Umzuges am 1.Mai. Dann spielt der Musikzug der FFW Grafelde traditionell das vor vielen Jahren gedichtete Lied „Das beste Lagerbier hat Heinrich Hartwig hier“.

Altes Transformatorenhaus

Zu finden: Schmiedebrink, gegenüber dem Friedhof

Seit dem ersten Viertel des 20. Jh wurde die Stromversorgung Grafeldes über ein Transformatorenhaus am Schmiedebrink gesichert. Wie überall in Deutschland stehen diese turmartigen Bauwerke auch im Landkreis Hildesheim und auch hier in Grafelde schon seit vielen Jahren in Erinnerung an alte Zeiten und zunehmenden technischen Fortschritt leer und scheinbar nutzlos da.

In einigen Orten rund um Hildesheim hat man sich nun Neues für diese markanten Trafotürme überlegt. So auch im nahe gelegenen Möllensen und Eberholzen, beide ebenfalls Ortsteile der Gemeinde Sibbesse. Dort sind die ungenutzten Trafotürme an den Nabu-Kreisverband verkauft worden und sollen in Zukunft dem Artenschutz dienen. Die Trafostationen sollen mit Singvogel-Nistkästen ausgestattet werden und durch neu geschaffenen Fluglöcher Turmfalken zum Nisten im Turm animieren. Vielleicht auch eine Idee für Grafelde?

Eine andere Initiative im Landkreis hat aus einem Trafohaus die höchste Kneipe der Gegend gemacht, zu sehen in Rott und hier!