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Geschichte


Geschichtliches

Grafelde ist einer von zwölf Ortsteilen der Einheitsgemeinde Sibbesse und liegt zwischen den Sieben Bergen im Nordwesten, dem Heber im Südosten, dem Hildesheimer Wald im Norden und dem Sackwald im Südwesten. Über die L 469 durch den Sackwald erreicht man das 12 km entfernt liegende Alfeld, den 4,5 km entfernt gelegenen Gemeindemittelpunkt Sibbesse sowie die Stadt Hildesheim in einer Entfernung von 20 km.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen findet der kleine Ort unter dem Namen Grafla bzw. Graflon, die vermutlich von den Begriffen „Grab-Totenfeld“ oder „graues Feld“ abgeleitet wurden. Der Volksmund erzählt, dass zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als Tillys Truppen von Alfeld aus durch das Hildesheimer Land zogen, die auf den Schlachtfeldern Gefallenen im Grafelder Forst begraben wurden. Auf diese Erzählung geht daher auch der Name des Waldgebietes „Dobusch“ zurück, was gleichbedeutend mit Toten-Busch zu übersetzen ist.

In zwei im 12. Jh. wohl gefälschten und auf das Jahr 1022 rückdatierten Urkunden taucht Grafla/Graflon im Zusammenhang mit Besitztümern des Hildesheimer Michaelisklosters auf, deren inhaltliche Verlässlichkeit jedoch durch Güterverzeichnisse aus dem Jahre 1321 bestätigt werden. Neben dem Michaeliskloster verfügten auch das Hildesheimer Stift St. Moritz, das Kloster Lamspringe und die Herren von Steinberg über Güter in Grafelde. Bis zum Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) zählte Grafelde zum Amt Winzenburg, fiel danach an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel und kam 1643 wieder an den Hildesheimer Bischof zurück.

In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Grafelder Amtszugehörigkeit infolge von politischen Auseinandersetzungen mehrfach. Im 19. Jh. war der Ort unter preußischer Hoheit und kam 1885 zum damals neu gegründeten Amt Alfeld.

Seit 1977 gehört Grafelde zum Landkreis Hildesheim, wurde 1974 nach Adenstedt eingemeindet und ist seit 2016 Teil der Gemeinde Sibbesse.

Da die Gemarkung des Bauerndorfes Grafelde je zur Hälfte aus Wald und Ackerflächen besteht, die lange die Grundlagen des Wohlstandes des Ortes bildeten, ist es nicht verwunderlich, dass sowohl eine Roggenähre als Sinnbild für die Ernährung durch die die Landwirtschaft als auch ein Buchenzweig mit Blatt und Buchecker für die Gestaltung des Ortswappens verwendet wurden.

Grafelde, bis Mitte des 18. Jh. ein Bauerndorf mit etwa 26 Hofstellen, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch stark verändert. Heute existiert nur noch ein Haupterwerbs-Landwirt. 

Die Berufstätigen der gut 200 Dorfbewohner müssen den Ort täglich verlassen, um ihre Arbeitsstellen zu erreichen. Hierfür und auch für die täglichen Einkäufe und Erledigungen sind sie auf PKW angewiesen. Die wichtigsten Einkaufsmöglichkeiten bieten sich in Sibbesse und Alfeld und darüber hinaus aber auch über Hofläden im nahe gelegenen Westfeld.

Trotz der Veränderungen und den sich daraus ergebenen Einschränkungen lieben die Grafelder ihr ruhiges Dorf. Dreh- und Angelpunkt sind die Freiwillige Feuerwehr und deren Musikzug, die im Jahresverlauf mit der Organisation vieler Feste und Aktionen für den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft einsetzen.


Historische Baulichkeiten

Marienkapelle

Zu finden: Kirchbrink

Die Marienkapelle von Grafelde war schon vor der Reformation vorhanden. Das genaue Entstehungsdatum ist nicht bekannt, aber wie eine Bauinschrift an der Südostecke belegt, wurde der Chor nachträglich „anno xvc xii“ (1512) und im Verhältnis zum vermutlich romanischen Kirchenschiff leicht eingezogen angebaut. Unter der Inschrift ist noch heute das Steinmetzzeichen zu erkennen.

Urkundlich belegt ist die Kapelle für das Jahr 1516, als sich der Knappe Ernst Wrisbergs von den „Olderluden der Kapelle (gemeint sind hiermit die Ältesten/die Kirchenvorsteher, Anm. d. Red.) zu Grafelde Marien der modder goddes vunde sunte Katerinen“ Geld aus der Kapellenkasse lieh.

Schon immer war die Kapellengemeinde von Grafelde Filial-/Tochtergemeinde von Adenstedt, deren Pfarrer daher auch für Grafelde zuständig war. Gemeinsam mit der Muttergemeinde wechselte Grafelde 1542/68 zur lutherischen Lehre. Erst 2008 löste sich die Grafelder Kapellengemeinde auf und gehört heute zur ev. luth. Martin-Luther KG Adenstedt-Wrisbergholzen.

Die Marienkapelle trägt anstatt eines Turmes einen beschieferten Dachreiter mit achtseitig ausgezogener Spitze, die mit Kugel und Wetterfahne bekrönt ist. Nach Süden liegt ein Auslegestuhl für die Läuteglocke aus dem Jahre 1650, Uhrzifferblätter sind auf der Nord- und der Südseite angebracht. Wie viele Turmuhren des Hildesheimer Landes stammt auch die Grafelder Uhr aus dem Jahre 1902 von der Firma Weule aus Bockenem.

Die Grafelder Kapelle steht auf einem Sockel aus Sandstein und wurde aus Bruchsteinen mit Eckquadern erbaut. Der östliche und etwas erhöht liegende Chor wurde 1512 im Stil der Gotik angesetzt. Die außerordentlich massiven Mauern der Kapelle sowie die an Schießscharten erinnernden kleinen Fenster im Giebel lassen vermuten, dass sie auch als Wehrkirche diente. In der Außenwand des gotischen Teiles fällt eine Nische unter einem Fenster mit gotischem Maßwerk auf, in der möglicherweise ursprünglich eine Heiligenfigur stand. Über dem Ostgiebel befindet sich ein Steinkreuz.

Man betritt die Kapelle über ein flachbogiges Portal auf der Südseite, über dem ein Christuskopf aus romanischer Zeit erhalten ist und der dem Christuskopf am Turm der Kirche von Wrisbergholzen ähnelt.

Im Innern hat die Kapelle eine flache Balkendecke, die 1753 eingebaut wurde. Kirchenschiff und Chor trennen ein runder Triumphbogen, an dem die Jahreszahl der Erweiterung zu lesen ist. In der Ostwand des Chores wurden 1994 im Rahmen von Sanierungsarbeiten eine zugemauerte Sakramentsnische und außerdem zwei Weihekreuze an den Wänden freigelegt.

Von besonderer Schönheit und sehr sehenswert ist der spätgotische Flügelaltar aus Eichenholz vom Ende des 15.Jh auf der Altarmensa aus Naturstein. Der Flügelaltar entstammt einer Hildesheimer Werkstatt und wurde einem Schüler Tilmann Riemenschneiders gefertigt. Im Schrein des von einem Kruzifix bekrönten Triptychons ist unter vergoldetem Schleierwerk Maria mit dem Kind zu sehen, figürlich dargestellt als Himmelskönigin auf der Mondsichel. An ihrer linken Seite erkennt man die Hl. Katharina, an ihrer rechten Seite die Hl. Elisabeth. Die Flügel dagegen sind bemalt und zeigen links Anna selbdritt (in ihren Armen Maria und Jesus), rechts die Hl. Barbara, zu erkennen am Turm, in dessen Fenster eine Monstranz sichtbar ist.

Bei geschlossenen Altarflügeln erscheint die in Öl gemalte Verkündigungsszene: links Maria in einem Buch lesend, rechts der Verkündigungsengel Gabriel. Über beiden Köpfen winden sich Schriftbänder mit den bekannten, jedoch nicht mehr ganz vollständig lesbaren lateinischen Inschriften der Verkündigung (in dt. Übersetzung „Siehe, ich bin die Magd des Herren, mir geschehe nach deinem Wort“ und „Gegrüßt seist du, voll der Gnade, der Herr ist mit dir“). Diese Tafelmalereien werden kunsthistorisch dem Meister der Braunschweiger Sippentafeln zugeschrieben und auf etwa 1490 datiert. (Hans Georg Gmelin, Spätgotische Tafelmalerei in Niedersachsen und Bremen, München/Berlin 1974, S.408)

Stilistisch anders gemalt wurden die zwölf Apostel in der Predella unter dem Flügelaltar. Diese Darstellung ist möglicherweise ein Werk des Meisters der Reinhausener Apostel. (Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bremen - Niedersachsen, S.552)

Der Altar wurde 1896 vom Kunstmaler Harald Friedrich aus Hannover restauriert. Weitere Restaurierungen fanden 1926 und 1954/56 statt.

Ebenfalls beachtenswert ist ein auf das Jahr 1511 datierter Taufstein, der zwischenzeitlich vor der Kirche stand. Er hat nun wieder einen Platz im Ostchor. Dieser Stein wurde ersetzt durch eine Sandsteintaufe von 1662 und wird bis heute für Taufen genutzt. Er ist im achteckigen Aufsatz mit einer Inschrift versehen, aus der das Fertigungsjahr und die Namen der verantwortlichen Geistlichen und Kirchenvorsteher hervorgehen. Die zylindrisch geformte Tauf-Schale aus Zinn wurde etwa Ende des 18. Jh. angefertigt. Verschlossen wird der Taufstein mit einem farbig gefasstem Holzdeckel.

Der im Mittelschiff hängende sechsarmige Kronleuchter entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jh.

Auf der L-förmigen Empore steht eine Orgel aus dem Jahre 1894 aus der Werkstatt des Orgelbauers P. Furtwängler & Hammer aus Hannover.

Die Marienkapelle ist nur zu Gottesdienstzeiten geöffnet. Interessenten können sich darüber hinaus auch bei Frau Schaper-Hoppe über die Tel.-Nummern 0 50 65 / 87 10, 0 51 83 / 655 oder die Mailadresse info@schaperhoppe.de melden.

Ehemalige Schule

Zu finden: Breiter Anger 20

Das erste Schulhaus Grafeldes am Schmiedebrink existiert nicht mehr. In direkter Nachbarschaft zur Kapelle steht aber noch das zweite Schulhaus, das heute als privates Wohnhaus genutzt wird. In dieser Zwergenschule wurden Kinder von der ersten bis zur achten Klasse unterrichtet.

Das Gebäude hat noch immer zwei über Treppen erreichbare Eingänge, von denen der eine früher in die Lehrerwohnung und der andere ins Klassenzimmer führte.

Diese Schule ist jedoch schon seit Jahrzehnten geschlossen. Die Grafelder Schulkinder besuchen heute die Grundschule in Sibbesse.

Altes Feuerwehrhaus

Zu finden: Hohl

In einer kleinen Gasse zwischen Breiter Anger und Brinkstraße befindet sich noch immer das erste Feuerwehrhaus Grafeldes. Wie heute nicht mehr zu erkennen ist, stand es ursprünglich direkt an einem offenen Graben, nach dem die kleine Straße noch immer den Namen „Hohl“ genannt wird. Heute haben die Feuerwehrleute des Ortes ein neues und modernes Feuerwehrgerätehaus am Breiten Anger. Dort befinden sich auch die Räume und das Außengelände der Dorfgemeinschaft, die vielfältig über das gesamte Jahr genutzt werden.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Grafelde war einst ein Dorf mit bis zu fünf Schlachtern, einer Tischlerei, einem Bäcker und einem Lebensmittelladen. Von früher 27 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet nur noch ein Landwirt seinen Hof.

Aus Inschriften in Holz und Stein kann man aber bis heute noch die Jahreszahlen der Erbauung einiger Höfe entnehmen.

Alte Schmiede

Zu finden: Halbe 25


Ehemaliger Getränkehandel

Zu finden: Grafelder Str./Brinkstr. und Halbe 21

Letzte Zeugen von Handwerk und Handel sind das kleine Gebäude eines Schmiedemeisters in der Halbe direkt am Ortseingang sowie das des Bierverlegers Hartwig. Heinrich Hartwig und seine Frau Johanne gründeten diesen Betrieb am 1.April 1887 an der Grafelder Straße/L489 Ecke Brinkstraße. Sowohl deren Sohn als auch der Enkelsohn, beide ebenfalls auf den Namen Heinrich getauft, führten den Betrieb in den folgenden Jahrzehnten weiter. Man transportierte mit einem Kutschwagen nicht nur das Bier, sondern holte in den Jahren zwischen 1901 und 1977 mit dem Pferdewagen und später mit Trecker und Anhänger die Milch der Bauern aus Grafelde und den Dörfern der Umgebung ab und brachte sie zur Molkerei nach Harbarnsen. So war insbesondere der Enkel Heinrich nicht nur als Getränkehändler, der im Raum von Sibbesse und der ganzen Börde lieferte, sondern auch als Milchkutscher in der Gegend bekannt.

In den Räumen des Bierverlages verfügte Hartwig ab 1927 sogar über einen Eiskeller, für den er das Eis aus der Ziegelei des benachbarten Wrisbergholzen bezog. Hier wurden die Getränke der Gastwirte Westfelds und der Umgebung gekühlt.

Hartwigs Tochter und ihr Ehemann führten den Getränkehandel nicht nur weiter, das Ehepaar Schaper-Hoppe baute das Unternehmen in vierter Generation noch aus und verlegte es in die Halbe 21. Erst 2020 wurde der Betrieb in Grafelde geschlossen und nach Lamspringe verlegt (https://www.schaperhoppe.de/). Das Geschäft in Grafelde ist jedoch bis heute fester Anlaufpunkt des Umzuges am 1.Mai. Dann spielt der Musikzug der FFW Grafelde traditionell das vor vielen Jahren gedichtete Lied „Das beste Lagerbier hat Heinrich Hartwig hier“.

Altes Transformatorenhaus

Zu finden: Schmiedebrink, gegenüber dem Friedhof

Seit dem ersten Viertel des 20. Jh wurde die Stromversorgung Grafeldes über ein Transformatorenhaus am Schmiedebrink gesichert. Wie überall in Deutschland stehen diese turmartigen Bauwerke auch im Landkreis Hildesheim und auch hier in Grafelde schon seit vielen Jahren in Erinnerung an alte Zeiten und zunehmenden technischen Fortschritt leer und scheinbar nutzlos da.

In einigen Orten rund um Hildesheim hat man sich nun Neues für diese markanten Trafotürme überlegt. So auch im nahe gelegenen Möllensen und Eberholzen, beide ebenfalls Ortsteile der Gemeinde Sibbesse. Dort sind die ungenutzten Trafotürme an den Nabu-Kreisverband verkauft worden und sollen in Zukunft dem Artenschutz dienen. Die Trafostationen sollen mit Singvogel-Nistkästen ausgestattet werden und durch neu geschaffenen Fluglöcher Turmfalken zum Nisten im Turm animieren. Vielleicht auch eine Idee für Grafelde?

Eine andere Initiative im Landkreis hat aus einem Trafohaus die höchste Kneipe der Gegend gemacht, zu sehen in Rott und hier!