Geschichte
Geschichtliches
Das Wappen zeigt zwei silberne Fische auf blauem Grund, was auf Teiche und Fischfang schließen lässt. Wasser war und ist auch heute noch von besonderer Bedeutung für Barienrode. So gab es zum einen schon im Jahre 1925 eine Badeanstalt in einem Feuchtgebiet und zum anderen immer wieder Überschwemmungen vom herabfließenden Wasser des nahegelegenen Mühlenbergs.
Das heute rund 1800 Einwohner zählende Dorf liegt ungefähr vier Kilometer von Hildesheim entfernt, inmitten von Hügeln zwischen Innerstetal und Mühlenberg im Norden der Gemeinde Diekholzen. Es ist im Laufe der letzten Jahrzehnte stetig gewachsen, weil die stadtnahe Lage und die Erschließung von Bauland viele Eigenheime entstehen ließen.
Das mittelalterliche Barienrode bestand nur aus wenigen Höfen und war der Stammsitz der „Herren von Berniggerode“, wie aus einer Urkunde von 1140 des Hochstifts Hildesheim hervorgeht. Im späten Mittelalter waren die Lebensverhältnisse in Barienrode sehr einfach. Es gab nur zwei Bauernhöfe und ein halbes Dutzend Kothöfe (abgeleitet von „Kate“, ein kleines Bauernhaus, das von einer Familie bewohnt wird), die Einwohnerzahl lag vermutlich noch unter 50. Die medizinische Versorgung auf dem Land war mangelhaft, Krankheiten, Verletzungen und Seuchen wurden nur mit Hausmitteln behandelt.
Die Umbrüche der Reformation und der Dreißigjährige Krieg und hatten kaum Einfluss auf das kleine Dorf, obwohl es auch Plünderungen und Einquartierungen während des Krieges gab. Die Anzahl der Hofstellen veränderte sich in den folgenden einhundert Jahren kaum. Im 18. Jahrhundert gab es dann 13 Häuser, acht Hofstellen und die Zahl der Einwohner lag nun zwischen 60 und 70. Das Dorfleben wurde durch kirchliche Feste und familiäre Feiern geprägt. Es gab keine Handwerker im Ort und auch eine Gastwirtschaft fehlte. Wer ein Bier trinken wollte, konnte sich einen Krug oder eine Kanne in einer Hausverkaufsstelle ausschenken lassen. Mancher machte sich aber lieber zu Fuß auf den Weg zum Heidekrug, wo es leckeres Bier aus der Marienroder Klosterbrauerei gab.
Noch im 19. Jahrhundert blieb das Leben in Barienrode bäuerlich geprägt und die Einwohnerzahl stieg auf 85 an. Es gab schon eine kleine Schule im Ort, die von ungefähr 20 Kindern besucht wurde. Von 1815 bis 1866 gehörte das Dorf zum Königreich Hannover. Die Einwohner waren immer noch vorwiegend Selbstversorger und die damals einsetzende Industrialisierung hatte hier kaum Auswirkungen. Neben Bauernhöfen gab es nun aber einen Schmied im Dorf.
Nach Kriegsende verdreifachte sich die Bevölkerungszahl durch Flüchtlinge, Vertriebene und Einwohner aus Hildesheim, deren Häuser zerstört worden waren. Der wirtschaftliche Aufschwung erlaubte es vielen Zugezogenen, hier ein Eigenheim zu bauen und die Nähe zu Hildesheim zog im Laufe der Jahre immer mehr Familien an. Die Einwohnerzahl stieg stark an und lag um 1970 bereits auf über 1000. Ein wichtiges Ereignis war die Gemeindereform im Jahr 1974, bei der Barienrode mit Diekholzen, Söhre und Egenstedt zur Einheitsgemeinde zusammengelegt wurde. Durch die landwirtschaftlich reizvolle Lage und die Nähe zur Stadt Hildesheim ist Barienrode ein ruhiger und attraktiver Wohnort. Die vielen Vereine und Verbände bieten ein abwechslungsreiches Angebot und Rad- und Wanderwege laden zum Ausflug in die Natur ein.
2022 feierte das Dorf sein 1000-jähriges Bestehen und bezog sich dabei auf eine Stiftungsurkunde Bischof Bernward vom 1. November 1022. Diese Urkunde ist aber vermutlich eine Fälschung, denn der Name Barienrode wurde erst später eingefügt. Dies gilt auch für eine weitere Urkunde Heinrichs II. von 1022, in der Barienrode erwähnt wird. Allerdings ist die Kapelle im Ort dem heiligen Nikolaus geweiht und das weist darauf hin, dass Barienrode eventuell doch schon im frühen 11. Jahrhundert bestanden hat. Es ist aber sicher belegt, dass das Dorf seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts besteht und daher hatten die Barienroder einen guten Grund zu feiern.
Historische Baulichkeiten
Evangelisch-lutherische Titusgemeinde Barienrode
Zu finden: Nikolausstraße 1
Um 1960 gehörten die evangelischen Christen zur Kirchengemeinde Marienrode und liefen oder fuhren von Barienrode über den Klosterweg zum Mühlenberg bis nach Marienrode, um den Gottesdienst zu besuchen. Zeitweise konnten die evangelischen Kindergottesdienste in der katholischen Kirche St. Nikolaus stattfinden, aber es war für die wachsende evangelische Gemeinde eine unzumutbare Situation. Man wünschte sich eine eigene Kirche im Ort. 1975 wurde deshalb ein Gemeindehaus mit Flachdach gebaut, und 1979 erfolgte die Aufnahme der Barienroder Kirchengemeinde in den Kirchenkreisverband. Mit einem Festgottesdienst nahm die kleinste Gemeinde des Kirchenkreises Hildesheim am 14. Januar 1979 ihre Arbeit auf. Benannt wurde die Kirche nach Titus, einem Schüler des Apostels Paulus und späteren Bischof von Kreta. 1980 wurde der freistehende, glockenförmige Glockenturm eingeweiht, dessen Glocke aus der Gemeinde Störy/Hary stammt.
Die Kirche ist ein rechteckiger Mehrzweckbau mit einem Satteldach und sie wurde 1992 um einen Anbau erweitert. Im Kirchenraum steht ein schlichter Tischaltar mit Lesepult. 2001 wurde der Kirchenraum durch Fensterelemente – entworfen von dem Hildesheimer Professor Paul König– neu gestaltet.
Vor der Kirche steht ein robuster Bücherschrank für gebrauchte Bücher, der extra für Barienrode entworfen und gebaut wurde. Dieser offene Bücherschrank wird oft und gerne genutzt und ist auch ein Treffpunkt zum “Klönschnack” jeden Samstag um 17.00 Uhr.
Die Titusgemeinde gibt regelmäßig einen Gemeindebrief heraus und organisiert viele Aktivitäten für die Gemeinde, z.B. den Neujahrsempfang, Spielenachmittage, Frauenfrühstück, Gitarrenkurse, ökumenische Schulgottesdienste, das Krippenspiel und die Betreuung und Abschlussfeier der “Konfi-Kids” in Zusammenarbeit mit der Grundschule. Nähere Informationen https: kg-diekholzen.wir-e.de/aktuelles
Seit dem Sommer 2024 verfügt die Gemeinde über eine Photovoltaikanlage, die zwischen 8.000 und 9.000 kWh Solarstrom im Jahr erzeugt, und so einen großen Teil des eigenen Strombedarfs produziert. So viel braucht die Gemeinde gar nicht, so dass der Rest ins Netz eingespeist werden kann. Daraus ergibt sich eine Kohlendioxid-Einsparung, die der jährlichen Speicherfähigkeit eines halben Hektar Wald entspricht.
Die Gemeinde möchte damit im Zuge der Energiewende ein Zeichen setzen, denn das Thema Nachhaltigkeit ist für die Kirche sehr wichtig. Die Titusgemeinde gehört nun zu den Vorreitern unter den Kirchengemeinden, worauf sie besonders stolz ist.
Katholische Kirche St. Nikolaus
Zu finden: Eichendorffstraße 2
Im Jahr 1308 wurde das Kirchendorf Barienrode erstmals als Teil des Klosters St. Mauritius in Hildesheim erwähnt. Auch die katholische Kirche in Barienrode fand zu dieser Zeit ihre erste Erwähnung in historischen Schriften. Die Ritter von Barienrode wurden wohl schon im 12. Jahrhundert in der Kirche beigesetzt
Sicher ist, dass es seit dem 15. Jahrhundert in Barienrode eine Kapelle gab. Damals floss ein Bach direkt an der kleinen Kirche vorbei und deshalb wurde sie nach dem Schutzpatron des Wassers auf den Namen St. Nikolaus geweiht. Die Kapelle wurde im Laufe der Jahre baufällig und so baute man 1734 eine neue Kirche mit einem Dachreiter im Stil des Barock und weihte sie 1742 ein. Allerdings wurde 1812 die selbstständige Pfarrei aufgelöst und die Barienroder gehörten nun zur Kirchengemeinde Marienrode und ab 1907 zum damals noch eigenständigen und nahe gelegenen Ort Ochtersum. Erst seit 1950 fanden in Barienrode wieder Gottesdienste statt und 1988 wurde das St. Nikolaus Pfarrheim eingeweiht. 2006 renovierte man die Kirche und seit 2014 gehört St. Nikolaus zur Gemeinde St. Mauritius in Hildesheim. Heute steht die Nikolauskirche zwar noch immer im Herzen des alten Ortskerns, doch zwischen den vielen neuen Gebäuden wirkt sie fast ein wenig versteckt.
Die denkmalgeschützte Kirche mit einem ummauerten Friedhof hat ein Satteldach mit einem Dachreiter, in dem sich die Kirchenglocke befindet, die 1963 von der Wilhelmshütte, einer Gießerei in Bornum am Harz, gegossen wurde. Die aus Bruchsteinen erbaute Saalkirche hat an den Seitenwänden Bogenfenster.
Über der Tür im Westen der Kirche steht in einer Nische die Steinfigur des Schutzpatrons. Im Innern befindet sich ein wertvolles Holzgemälde aus dem 16. Jahrhundert, das die Kreuzigung Christi darstellt. Mit leuchtenden Farben wurde auf Goldgrund gemalt. Es ist das Mittelteil eines dreiteiligen Flügelaltars und ein Geschenk des Hildesheimer Doms. Um 1734, als diese Kapelle gebaut wurde, bekam der Hildesheimer Dom eine barocke Innenausstattung. Das spätgotische Holzgemälde passte nun nicht mehr dazu. Deshalb hat es der damalige Bischof der neu erbauten Kapelle in Barienrode geschenkt.
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© Gudrun Kmoch
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© Gudrun Kmoch
Der Barockaltar ist um 1690 entstanden und die Kanzel befand sich im 17. Jahrhundert im Hildesheimer Dom. Eine Pieta aus dem 18. Jahrhundert steht rechts neben dem Eingang. Sie ist aus Holz geschnitzt und eine der schönsten Darstellungen im niedersächsischen Raum.
Zu beiden Seiten des Altars sind zwei holzgeschnitzte Figuren, die ungefähr 250 Jahre alt sind: St. Agatha und St. Nepomuk, die Schutzheiligen bei Feuer-und Wassergefahr.
Die sehenswerte Orgel wurde 1885 in St. Nikolaus aufgestellt. Sie hat jedoch im Laufe der Zeit zahlreiche Veränderungen erfahren: Klang, Disposition, Pfeifenwerk und Windanlage weichen heute deutlich vom historischen Original ab, so dass die Orgel keinen Denkmalwert mehr besitzt. Eine Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands gilt als ausgeschlossen, der Fokus liegt nun auf der Bewahrung des jetzigen Zustandes. Bei Gottesdiensten erfüllt sie den Raum nichtsdestotrotz mit ihrem Klang.
Auf dem Friedhof steht ein sehenswerter historischer Grabstein unter Denkmalschutz: Man sieht Jesus am Kreuz und darunter wird eine ganze Familie sichtbar. Die Mutter mit vier Töchtern und daneben der Vater mit sechs Söhnen. Vier Kinder sind bereits zu Lebzeiten der Eltern gestorben, was man an den eingemeißelten Kreuzen über den Kinderbildern erkennen kann. Die Inschrift ist leider kaum noch lesbar: „Anno 1654 ist der Ehr- und Achtbare Curt Klöpper geboren. Anno 1697 den 20. November gestorben, dessen Seele Gott gnädig sei.“
An der Mauer rund um die Kirche wächst Mauerfarn, der unter Naturschutz steht.
Die Kirche ist sonntags von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. An jedem 1. und 3. Freitag des Monats findet um 18.00 Uhr eine Heilige Messe statt.
Ehemaliges Naturbad – Barienroder Badeanstalt
Zu finden: Hopfengarten
Ein öffentliches Naturbad gab es um 1925 nur in Barienrode, heute ist es leider verschwunden. Unterhalb der Straße Hopfengarten befand sich bis ungefähr 1960 diese Badeanstalt, die in einem Feuchtgebiet mit Teich schon 1925 gebaut wurde. Das war etwas ganz Besonderes zur damaligen Zeit und so kam es, dass viele Mädchen und Jungen aus Barienrode in dieser Zeit schwimmen lernten.
In Eigenarbeit hatten die Einwohner ein Badebecken gebaut, das 25 Meter mal acht Meter groß war. Erst wurde es mit Weidengeflecht befestigt, doch bald darauf schon betoniert. Durch ein Rohr wurde ständig Wasser aus dem Teich zugeleitet, was auf der anderen Seite wieder ablief. Der Teich bekam frisches Wasser vom sogenannten „Alten Wasser“, welches unterirdisch von einer Quelle mitten im Dorf zufloss; so blieb das Wasser in der Badeanstalt sauber und naturbelassen.
Es gab sogar eine Badeordnung: Männer und Frauen konnten die Badeanstalt nur zu verschiedenen Zeiten nutzen. Im Krieg wurde die Badeanstalt 1942 geschlossen, aber 1954 wurde sie mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr wieder hergerichtet. Die Wiese drumherum wurde eingezäunt, mit Bänken ausgestattet und sogar um ein kleines Umkleidehäuschen ergänzt. Nun konnten alle gemeinsam baden und die Kinder lernten wieder schwimmen.
Als nach dem Krieg in den 1950/60er Jahren die Badeanstalt Johanniswiese wieder besucht werden konnte, fuhr man zum Baden nach Hildesheim. In die Barienroder Badeanstalt zogen Enten und Gänse und auf der Wiese waren nun Pferde, Ziegen und Pfauen zu sehen. In den 1970er Jahren wurde die Anlage stillgelegt. Teile des Geländes wurden in Kleingärten umgewandelt und eine Abwasserleitung nach Hildesheim verlegt.
Das Feuchtgebiet unterhalb des Hopferngartens mit dem kleinen Teich ist noch da – ein verstecktes, idyllisches Plätzchen, das besonders von den Kindern des Ortes aufgesucht wird. Sie nennen dieses Feuchtgebiet mit Teich heute „Plunschi“.
Die Barienroder Kinderfeuerwehr hat hier im Frühjahr 2024 einige Spielgeräte (Schaukeln, Leitern, Seile) installiert, die sich gut in die Landschaft einfügen. So ist ein richtiger Abenteuerspielplatz entstanden, der von den Kindern gerne genutzt wird. Die Betonmauern der alten Badeanstalt sind noch vorhanden, das Gebiet ist aber zugewachsen und nicht mehr zugänglich.