Inhalt

Interessant + Wissenswert 



Sagen und Geschichten

Spielmannstal

Das Spielmannstal liegt im Wald zwischen Adenstedt und Alfeld. In der nachfolgenden und am Ende schließlich traurigen Geschichte erfährt man, woher das Tal im Wald seinen Namen hat (zum besseren Lesen bitte die Textseiten anklicken).

Quelle: Hödeken, Sagen und Erzählungen aus dem Leinebergland, S.135-137

Die Geschichte der Calorine von Linsingen

Marianne Caroline Dorothee von Linsingen, genannt Caroline, war die Tochter von Johann Wilhelm und Luise Antonie von Linsingen, den Besitzern des Hetlingschen Gutes in Adenstedt.

Caroline wurde am  27. November 1768 in Hannover geboren. Ihr Vater war schon Page am Hof von Hannover und kannte die Ehefrau König Georgs III. von Großbritannien und Hannover, die geborene Prinzessin Charlotte Sophie von Mecklenburg-Strelitz, schon aus seiner Jugendzeit. Zur Hochzeit mit Georg III. begleitete er sie 1761 als Hofkavalier nach London, wurde zu einem Vertrauten des Königspaares und hielt sich oft am Londoner Hof auf.

Caroline lernte im Alter von 22 Jahren den damals 25-jährigen englischen Herzog von Clarence und Thronfolger Prinz William in Hannover-Herrenhausen kennen. Beide verliebten sich ineinander und ließen sich ohne Kenntnis und Zustimmung ihrer Elternhäuser am 21. August 1791 in einer Kapelle bei Pyrmont von einem schottischen Geistlichen rechtmäßig trauen. Da Caroline jedoch als nicht standesgemäße Ehefrau für den englischen Thronfolger galt, wurde die Ehe unter dem Druck des Königshauses bald geschieden. Zu diesem Zeitpunkt war Caroline bereits schwanger. Entgegen der Aussage, das Kind sei tot geboren worden, kam Carolines Sohn Hans Georg zur Welt, nach seiner Geburt vermutlich unter dem Namen Meyer zu Pflegeeltern nach Hannover und wurde von diesen großgezogen.

Infolge der Trennung von Ehemann und Kind wurde Caroline von Linsingen bald nach der Scheidung ernstlich krank, konnte aber von dem aus Hildesheim stammenden Chemiker und Arzt Dr. Adolf Meineke gerettet werden.

Nach dem Tod ihres Vaters heiratete Caroline Adolf von Meineke und zog mit ihm zunächst nach Berlin und später nach Böhmen, wo sie das Schloss Blansko bewohnten und Dr. Meineke eine Stellung in einem Eisenhüttenbetrieb von Hugo Franz Altgraf von Salm inne hatte. Das Ehepaar bekam eine Tochter, Henriette, die später den Verwalter der Eisenhüttenwerke heiratete.

Caroline und ihr Mann lebten danach noch einige Jahre in Moravska Trebová, wo Adolf Meineke einen Textilbetrieb eröffnete.

Caroline verstarb am 31. Januar 1815 im Alter von 46 Jahren im Hause ihrer Tochter und wurde in Blansko bestattet. Eine Gedenktafel an der dortigen Martinskirche erinnert bis heute an sie.


Berühmte Persönlichkeiten

Karl Henniger

Lehrer, Volkskundler, Schriftsteller und Hrsg. niederscächsischer Sagen und Erzählungen

Karl Henniger wurde am 30. September 1874 in Adenstedt geboren. Gefördert durch seine Eltern, besuchte er bereits im Alter von fünfeinhalb Jahren die Schule. Weitere Unterstützung und Prägung erfuhr er nach eigenen Aussagen durch den zweiten Lehrer der Dorfschule seines Heimatortes und den damaligen Seelsorger der Kirchengemeinde von Adenstedt.

Nach dem Schulabschluss entschied er sich, Lehrer zu werden. Seine erste Anstellung führte ihn nach Listringen. Von dort wechselte er 1899 an die einklassige Landschule in Marienrode bei Hildesheim, die im alten Krughaus/Wirtshaus untergebracht war, einem aus Feldsteinen errichteten Gebäude unter einer großen Kastanie und der Kirche direkt gegenüber liegend. Zu Hennigers Aufgaben gehörten dort, wie damals üblich, auch die Aufgaben des Kantors, Küsters, Organisten und Lektors der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde.

Wie auch schon zuvor in Listringen gründete er in seinem ersten Lehrerjahr in Marienrode eine Schul- und Volksbibliothek, deren Nutzung in erster Linie für die Schulkinder, aber auch für deren Eltern und Bewohner der Umgebung bestimmt war und von deren erfolgreicher Entwicklung Jürgen Plötze in einem Heft der Marienroder Schriftenreihe berichtet. „Schon in den ersten Tagen wurden fast sämtliche Bücher ausgeliehen, so dass „der Bibliothekar nach 10 Tagen 10 weitere Bücher anschaffte. Bis Weihnachten hatte er 271 Ausleihen verzeichnet und nach nicht einmal einem Jahr umfasste die Bibliothek bereits 100 Bücher.“ Henniger führte ein Abonnementsystem für die Leser/innen ein, das über eine niedrige Leihgebühr weitere und regelmäßige Anschaffungen mitfinanzierte, und warb finanzielle Unterstützung bei der Gewerkschaft Hildesia, der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg und bei privaten Geldgebern in der Umgebung für die Marienroder Bibliothek ein.

Nach der Heirat im Mai 1900 mit Hedwig von Harten lebte er mit seiner Familie bis 1907 in Marienrode, wo auch seine drei Kinder geboren wurden, und trat nach der erfolgreichen Ausbildung zum Mittelschullehrer im selben Jahr eine Stelle im städtischen Schuldienst in Hannover an.

Neben seiner Lehrertätigkeit dort verfasste und veröffentlichte Henniger in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Texte, Schriften und Bücher und veröffentlichte Sammlungen niedersächsischer Sagen, Geschichten und Lieder. Bis zu seinem Lebensende arbeitet er intensiv an der Schriftenreihe des Schaffstein-Verlages „Schaffsteins blaue Bändchen“ mit. Als Karl Henniger 1962 in Hannover starb, waren 290 Hefte veröffentlicht worden, auf die bis 1970 nur noch sieben Bände folgten.

Jürgen Plötze würdigt Henniger als einen Menschen, in dem sich verschiedene Begabungen vereinigten. „Er scheint ein engagierter und erfolgreicher Pädagoge gewesen zu sein, war selber in seiner Kindheit und Jugend gefördert worden und suchte nach Mitteln, auch anderen einen Zugang zur Kultur zu eröffnen (...), aber er trug „Kultur“ nicht nur zu den Menschen hin, sondern verstand zugleich, die vorhandenen Traditionen wahr zu nehmen und wert zu schätzen.“


Das gibt's so nur bei uns 

Adenstedter Fernsehgesellschaft

Über viele Jahre war es in Adenstedt Tradition, dass jeder ortsansässige Verein sein eigenes Jahresvergnügen mit Gesang, Tanz oder sogar Kostüm veranstaltete. Als jedoch die Besucherzahlen der unterschiedlichen Veranstaltungen Ende der 1980er Jahre abnahmen, entwickelten vier Adenstedter eine ganz neue Idee: sie fanden sich zusammen, um als Adenstedter Fernsehgesellschaft einmal im Jahr aufzutreten und mit lustigen Beiträgen das Dorfgeschehen zu kommentieren. 

Von nun an gab es analog zu den Nachrichtensendungen bekannter Fernsehsender auch eine „Tagesschau“ zu Adenstedter Dorfthemen, dazu eine Wetterkarte zur Vorschau auf die Adenstedter Wetterlage und musikalische Live-Beiträge der vier Akteure, oft ergänzt durch Fotos.

Seitdem hat die Adenstedter Fernsehgesellschaft weitere Mitstreiter dazugewonnen und der Ort blickt heute auf über 30 vergnügliche Veranstaltungen zurück. Sie finden in der Regel an einem Wochenende Ende Februar oder Anfang März im ehemaligen Gasthaus Schaper statt. Ein Kessel Buntes und Kurioses ist immer dabei und die „Live-Sendung“ wird in jedem Jahr mit Spannung erwartet.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Ehemalige Raiffeisen-Niederlassung

Zu finden: Am Steinhof 2

Milchbockplatz: im Dreieck Helle Straße/Im Loche/Im Hagen

In der Mitte des 20. Jh. entstand die Raiffeisen-Niederlassung in Adenstedt direkt am Adenstedter Milchbockplatz. Bis zur Schließung der Niederlassung in den 1990er Jahren wurde dort überwiegend mit Getreide, Dünger und Futtermitteln gehandelt.

Der Milchbockplatz war eine von mehreren Stellen in Adenstedt, an denen täglich zwischen 150 und 200 Milchkannen zunächst mit Pferdefuhrwerken, später mit Treckergespannen abgeholt und zur Molkerei nach Harbarnsen transportiert wurden.

Ab etwa 1970 ging diese Zeit auch in Adenstedt zu Ende und moderne Kessellastwagen saugten automatisch direkt auf den Höfen die Milch ab. Seit 2013 gibt es im Ort keine Betriebe mit Milchwirtschaft mehr, doch viele Adenstedter können sich bis heute an die Zeit der Milchkannen erinnern.

2014 reifte im Adenstedter Förderverein die Idee, wenigstens einen der Milchbockplätze im Ort wiederzubeleben. Denn dieser mit großen hölzernen Tischen gefüllte Platz war früher außerdem ein beliebter Treffpunkt für jung und alt. „Man brauchte kein Smartphone, um mit Freunden kommunizieren zu können, man ging einfach raus und traf sich. Irgendwer war immer da“, erinnert sich auch Oswald Jakobi, der Vorsitzende des Fördervereins. Man habe sich hier oft nach Schulschluss oder Feierabend getroffen.

So hat Adenstedt also wieder einen Milchbockplatz, an dem die Dorfgemeinschaft sich treffen kann und die Geschichte der Milchwirtschaft in Adenstedt gerät dank der alten Milchflaschen nicht in Vergessenheit. Ebenfalls an diesem Platz findet man auch eine Tafel mit allen wichtigen und ortsrelevanten Informationen.


Wirtschaftsbetriebe