Geschichte
Geschichtliches
Adenstedt ist ein Ortsteil der Gemeinde Sibbesse und liegt zwischen den Sieben Bergen im Nordwesten, dem Hildesheimer Wald im Norden, dem Heber im Süd-Südosten und dem Sackwald im Südwesten. Über die L469 erreicht man über den „Adenstedter Berg“ das gut 11 km entfernt und westlich gelegene Alfeld. Die Stadt Hildesheim liegt 22 km entfernt und ist über die L485 am schnellsten zu erreichen.
Die heute etwa 570 in Adenstedt lebenden Bewohner konnten 2022 das 1000-jährige Dorfjubiläum feiern. Sie bezogen sich damit auf die erste schriftliche Erwähnung ihres Ortes aus den Jahren 1019-1022. In einer Urkunde des Domprobstes Bodo übereignet dieser mit Zustimmung des Hildesheimer Bischofs Bernward dem Michaeliskloster in Hildesheim „die Hälfte des Patronats in Wrisbergholzen nebst 16 Hufen“. Namentlich wird dort neben Alevellon (Alfeld), Segaste (Segeste) und Gravelon (Grafelde) auch Asenstide (Adenstedt) mit zwei Hufen Land genannt.
Der Ortsname weist jedoch auf eine deutlich frühere Gründung des Dorfes hin, denn die Endung „stide/stedt“ ist gleichzusetzen mit dem Begriff Statt oder Stadt, also einer Wohnstätte oder Siedlung. Auch Paul Graff, Pastor in Klein Freden von 1908 bis 1928 und Verfasser zahlreicher publizistischer, wissenschaftlicher und heimatkundlicher Schriften, vertritt in diesem Zusammenhang die Meinung, „dass wir es hier mit einer sehr alten Siedlung zu tun haben, die sich allmählich ... zu einem alle Nachbarorte überragenden Mittelpunkt entwickelte.“ Aus uralter Zeit ist in der Ortsmitte noch ein Thiestein erhalten, an dem schon Recht gesprochen wurde und der heute zusammen mit der alten Dorflinde das Wappen Adenstedts ziert.
Vom 15. Jahrhundert an war Adenstedt als Sitz des Gogerichts der Gehlenberger Börde, eines von vier Gogerichten, die dem „Amtsgericht“ in Winzenburg unterstanden. Zu diesen zählten außerdem Alfeld (Sitz des Gerichts des Aringo), Gronau bzw. Rheden/Nienstedt (Sitz für die Niedere Börde) und Hasekenhusen, heute Winzenburg (Sitz des Go Hasekenhusen).
Jedes Gericht verhandelte viermal im Jahr an selbst festgelegten Tagen, bis 1656 die bischöfliche Regierung festsetzte, dass die Landgerichte der vier Goen zeitgleich an einem bestimmten Tag im Sommer auf dem Amt Winzenburg abgehalten werden mussten.
„Von dem Gehlenbergschen Go waren geladen die Herren von Stöckheim zu Irmenseul, der Hofmeister zu Harbarnsen, (von Steinberg), der Verwalter zu Sellenstedt (von Rauschenplat), die Herren von Wrisberg zu Wrisbergholzen, der Vogt zu Almstedt, der Befehlshaber zu Wehrstedt, und die von Steinberg auf Bodenburg.“ – „Wenn die Leute zu der Gerichtsstatt zusammenkommen und die Fürstlichen Beamten sich niedergesetzt, darunter ein düchtiger Ambtsschreiber, so das Protokoll haltet, werden die vier Gogrefen auch in das Gericht gefordert, sich niederzusetzten. ... Der Gogrefe zu Adenstedt, als aus der vornembsten Gohe, eröffnet dann das Gericht und ruft den oder die Angeklagten auf.“ Im 17. Jh. verloren die Gogerichte nach und nach an Bedeutung. Bis Anfang des 19. Jh. blieb Adenstedt jedoch Sitz eines Freidings (ein Gericht, das von einer Gemeinschaft freier Personen abgehalten wurde), dem mehrere Adenstedter Ackerhöfe, hier freie Lehnshöfe, die nur den sogen. Freienzins zahlten, unterstanden.
Die erste Kirche erhielt Adenstedt bereits vor der Amtszeit von Godehard (960-1038), der 1022 zum Bischof geweiht wurde und sich gerne in Adenstedt aufhielt. Er begann noch zu Lebzeiten mit dem Bau einer neuen, hölzernen Kirche, die jedoch erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde. Sie erhielt aber als eine der ersten der Region bald besondere Bedeutung als Tauf- und Archediakonatskirche und war Mutterkirche für weitere Kirchen der Umgebung.
Grundherr in Adenstedt zur Zeit Godehards war u.a. das Michaeliskloster zu Hildesheim, weshalb es bis heute den Flurnamen „Im Kloste“ gibt. 1210 herrschten die Grafen von Wohldenberg, außerdem die Klöster Clus, Gandersheim, Lamspringe und später auch das Godehardikloster in Hildesheim. Darüber hinaus waren in der Folgezeit Domdechant und Dompropstei von Hildesheim, die Herren von Schwicheldt, von Wrisberg, von Elvede, von Rauschenplat und Burchtorf begütert. 1487 verfügten die Herren von Steinberg als Lehen des Bischofs von Hildesheim über Grundbesitz und zwei Höfe.
Sehr gelitten hat Adenstedt während des 30-jährigen Krieges. Zwischen 1616 und 1648 verursachten durchziehende Truppen durch Plünderungen und Kampfhandlungen hier und in den umliegenden Dörfern schwere Schäden. Viele Einwohner kamen durch Feuer, Hunger und Seuchen ums Leben und nach 1648 wurden von 56 Feuerstellen noch 40 und die zu Adenstedt zählenden Ackerflächen nur noch zur Hälfte genutzt.
In der Folgezeit erholte sich das Bauerndorf allmählich und bis zum Beginn des 19. Jh. stieg die Bevölkerungszahl stetig. Nun siedelten sich Gewerbetreibende und Handwerker an. Auch zwei Zigarrenmacher hatten in Adenstedt ihr Auskommen und in nahegelegenen Ziegeleien und Kalkwerken fanden auch Adenstedter Beschäftigung.
Vor Zerstörungen im Verlaufe der Weltkriege des 20. Jh. blieb das Dorf zwar verschont, doch an die während dieser Kriege gefallenen Mitbewohner erinnern die Adenstedter noch heute durch Ehrenmale auf dem Kirchhof. Viele Flüchtlinge fanden im Dorf für einige Jahre Unterkunft und Auskommen, die Einwohnerzahl stieg von 622 (1925) auf 950-1000 in den Jahren 1945 bis 47.
Mit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 wurden die Nachbarorte Sellenstedt und Grafelde nach Adenstedt eingemeindet. Adenstedt war der namensgebende Kernort der Gemeinde. Seit dem 1. November 2016 gehören diese drei Orte zusammen mit den Ortsteilen Almstedt, Eberholzen, Hönze, Möllensen, Petze, Segeste, Sibbesse, Westfeld und Wrisbergholzen zur Gemeinde Sibbesse im Landkreis Hildesheim
Obwohl die meisten Handwerks- und Gewerbebetriebe und die Schule heute geschlossen sind, leben die Adenstedter nach wie vor gerne in ihrem Ort. Das lebendige Vereinsleben prägen die Dorfgemeinschaft, deren Veranstaltungskalender jährlich gut gefüllt ist.
Historische Baulichkeiten
Kirche St. Peter und Paul
Zu finden: Heerstraße/Am Thie
Die Adenstedter Kirche findet bereits im Jahre 1022 Erwähnung. Der Hildesheimer Bischof Godehard, im Amt von 1022 bis 1038, der sich zu Lebzeiten insbesondere in den Sommermonaten gerne in Adenstedt aufhielt, hatte den Bau der Kirche offenbar schon zu Beginn seiner Amtszeit in Auftrag gegeben. Die Holzkirche konnte erst nach seinem Tod fertiggestellt werden und wurde unmittelbar nach ihrer Gründung zur Tauf- und Archidiakonatskirche erhoben.
Der mittelalterliche Kirchturm wurde 1617 erneuert und 1649 mit einem achtseitigen Turmhelm versehen. Die Kirchturmuhr wird über ein Uhrwerk der Fa. Weule aus Bockenem betrieben.
Dieses Kirchengebäude musste zwischen 1736 und 1738 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Unter der Bauleitung des Maurermeisters Wendt aus Brüggen entstand in Anbindung an den Westturm eine Bruchsteinkirche mit gequaderten Ecken und dreiseitigem Chor. Für das Mauerwerk verwendete man weißen Bruchstein aus der Adenstedter Feldmark, das Dach wurde damals mit Schiefer aus Goslar gedeckt. An den Längsseiten erhielt die Kirche je vier und im Chor drei korbbogenförmige, von Sandsteingewänden eingefasste Sprossenfenster mit Bleiverglasung.
Über der Eingangsportale mit profilierten Gewänden auf der Nord- und der Südseite betritt man das Innere der Kirche. Das Kirchenschiff hat ein hölzernes Tonnengewölbe, das Anfang des 18. Jh. von einem unbekannten Künstler mit drei Bildfenstern bemalt wurde. In diesen sind die Berufung des Paulus, die Trinität (Gott Vater, Sohn (Jesus Christus) und Hl. Geist) und die Auferstehung Christi dargestellt.
Die Bildnisse in den Holzemporen sind auf Leinwand gemalt und zeigen bis auf zwei Bilder Szenen aus dem Leben Christi und Abrahams Opfer. Auch hier ist der Name des Künstlers nicht bekannt. Es wird vermutet, dass es sich hier um denselben Künstler handelte, der auch Ölgemälde in Wohnräumen des Hetlingschen Gutes in Adenstedt anfertigte.
Der große barocke, mit viel Rankenwerk geschmückte Kanzelaltar wird dem Bockenemer Künstler Fahrenholz zugeschrieben. Zu beiden Seiten der Kanzel befinden sich zwei Heiligenfiguren, am Kanzelkorb eine geschnitzte Kreuzigung. Oberhalb des Schalldeckels erkennt man in einem Ölgemälde die Grablegung Christi. Eine Figur des auferstandenen Christus mit Siegesfahne bekrönt den Kanzelaltar. An seiner Seite stehen zwei Engel mit Marterwerkzeugen.
Auch der Altartisch ist mit einem Ölgemälde geschmückt, in dem die Geburt Christi dargestellt ist. Auf der Predella erkennt man das Abendmahl Christi mit seinen Jüngern.
Die farbliche Gestaltung des Kanzelaltars in Blau, Gold und Grau setzt sich an der Wand des Chores dahinter fort und verstärkt damit optisch die stattlichen Ausmaße des Kanzelaltars.
Links und rechts vom Kanzelaltar hängen in den Nischen der Ostfenster unter der Empore zwei kleine Glasbilder aus dem Jahre 1736 mit den Wappen der Familien Hetling und von Stopler, die die ersten Besitzer des großen Gutshofes von Adenstedt waren. Namentlich erwähnt werden hier Christoph Joachim Hetling und seine Ehefrau Elisabeth Philippine geb. von Stopler. Sie gelten als maßgebliche Förderer des Kirchenbaus.
Am Fuße der Treppe zum Kanzelkorb stehen aufgerichtet zwei Grabplatten aus Sandstein: Links das lebensgroße Bildnis des Geistlichen Bartholomäus Bergmann, der 1659 verstarb, rechts das Epitaph des Amtmanns Johannes Freudenhammer. Freudenhammer war von 1597 bis 1605 Amtmann von Winzenburg und von 1607 bis 1626 Amtmann von Calenberg. Zum Freudenhammers Besitz gehörten auch Güter in Adenstedt.
Der zweigeteilte Grabstein mit Sockel und Aufbau zeigt im oberen Teil das Relief des gekreuzigten Christus. Unter dem Kreuz erkennt man links den Verstorbenen mit seinen drei Söhnen. Der Amtmann sowie einer der Söhne sind durch ein Kreuz als Verstorbene gekennzeichnet. Auf der rechten Seite ist seine Ehefrau Catharina mit fünf Töchtern dargestellt, von denen drei ebenfalls mit einem Kreuz gekennzeichnet sind. Das Feld darunter ist mit Inschriften und Familienwappen versehen.
Die in Blaugrau, Weiß und Gold gehaltene Eichenholztaufe im Altarraum wurde vermutlich aus einem Baumstamm gefertigt. Über einem sechsseitigen Fuß wurden acht halbseitige Säulen herausgearbeitet, darüber folgen acht senkrecht stehende Akanthusblätter. Die Taufschale ist oben und unten mit Ornamenten verziert. Ein sechsseitiger Deckel mit Blattknospe verschließt die Schale. Bei geöffnetem Deckel wird ein umlaufendes Schriftband „Marci 10. v. 14. Lasset die Kindlein zu mir kommen“ sichtbar.
Im Kirchenschiff hängen außerdem mehrere Kronleuchter aus den Jahren 1718, 1795 und 1821, die laut Inschriften von Adenstedter Bürger*innen gestiftet wurden.
Im Jahre 1759 erhielt die Kirche von Adenstedt einen Orgelneubau vom Orgelbaumeister J. D. Hagen aus Elze. 1894 wurde diese Orgel durch eine neue Orgel von P. Furtwängler & Hammer aus Hannover ersetzt, der denkmalgeschützte Orgelprospekt des Vorgängerinstruments jedoch weiter verwendet.
Zusammen mit dem südlich gelegenen Pfarrhaus und dem nordöstlich gelegenen Schulhaus gehören die Kirche St. Peter und Paul und der über dem Straßenniveau gelegene und von einer Bruchsteinmauer umgebene Kirchhof zu einer Baudenkmalgruppe Adenstedts.
Pfarrhaus
Zu finden: Heerstr. 8
-
© U. v. Hoeren
-
© K. Schünemann
-
© K. Schünemann
-
© Verena Bloch
-
© Verena Bloch
-
© Verena Bloch
-
© Verena Bloch
-
© Verena Bloch
-
© Verena Bloch
Das Pfarrhaus ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Halbwalmdach aus dem Jahr 1745. Das Eichenfachwerk wurde auf einem Steinsockel errichtet. Das Obergeschoss kragt etwas vor und ist mit profilierten Füllhölzern und Balkenköpfen verziert. Über der in Gold-, Grün- und Blautönen gestrichenen Eingangstür auf der Ostseite ist die lateinischen Inschrift „aeDe saCra strVCta lento rVetroqVe reDVCta ennoVVs ipse LoCus stat raioC siqVe foCUS alhr“ (in dt. Übersetzung: Das heilige Gebäude wird langsam wieder aufgebaut, der Ort selbst ist der Strahl und der Brennpunkt der Sonne, Anm. d. Red.) in den Türsturz eingearbeitet. Die Fensteröffnungen des Gebäudes sind in Schiefer gerahmt, der Südgiebel ist bis zum Erdgeschoss mit roten Ziegeln verkleidet. Am östlichen Fenster in diesem Giebel ist die Jahreszahl 1906 eingearbeitet, offenbar fanden in diesem Jahr Renovierungsarbeiten statt
Im Rahmen weiterer Erneuerungsarbeiten wurde 1909 ein kleiner auf der Westseite angesetzter Gemeinderaum entfernt und auch von der 1963 abgerissenen Pfarrscheune mit angebauten Betsaal existieren nur noch Fotos und Zeichnungen.
Das Pfarrhaus wurde zwischen 2018 und 2019 grundsaniert. Im Untergeschoss befinden sich heute das Pfarrbüro und ein großer Raum für Gemeindeveranstaltungen sowie eine Teeküche und moderne sanitäre Anlagen. Das Obergeschoss steht nach wie vor als Wohnung für eine Pastorenfamilie zur Verfügung.
Hetlingsches Gut
Zu finden: Am Thie 18/Heerstr. 14
Das ehemalige Hetlingsche Gut, die Hofanlage Nr. 1 in Adenstedt, ist ein repräsentativer Gutshof gegenüber der Kirche St. Peter und Paul. Bis zur Verwaltungsreform im Jahr 1974 waren diese (Haus-)Nummerierungen geläufig und wurden in der Regel in der Reihenfolge ihrer Erbauung vergeben.
Das im Jahr 1722 von Christoph Joachim Hetling und Elisabeth Philippina von Stopler gebaute barocke Wohnhaus, deren Wappenreliefs über der mittig gelegenen Eingangstür zu sehen sind, steht inmitten der Dreiseit-Hofanlage in Nord-Süd-Ausrichtung und trennt auf diese Weise den westlich gelegenen Garten von den Wirtschaftsgebäuden auf der Ostseite. Der zweigeschossige Fachwerkbau wurde auf einem Sandsteinsockel errichtet und hat ein mit roten Ziegeln gedecktes Walmdach.
Die Eheleute Hetling bewohnten den Gutshof in Adenstedt, hatten aber zusätzlich noch das adelige Gut in Wehrstedt gepachtet.
Zum Wirtschaftshof des Gutes gehört bis heute ein Stallgebäude aus dem Jahre 1886, dessen Erdgeschoss-Fachwerkwände im Jahre 1949 durch Ziegelmauerwerk ersetzt wurden. In der Fachwerk-Fassade des Obergeschosses befinden sich typische Futterladeluken und im Westen des Gutsgeländes ein Pferde- und Schweinestall mit Satteldach.
Die Fachwerkscheune mit Längsdurchfahrt liegt an der östlichen Grundstücksgrenze. Sie entstand bereits im Jahre 1719 und ist somit der älteste Gebäudeteil des ehemaligen Hetlingschen Gutes. Sie wurde 1832 erweitert.
Christoph Joachim Hetling übernahm auch die Bauaufsicht des Neubaus der Kirche St. Peter und Paul und finanzierte einen großen Teil (1000 Taler) der Baukosten.
Im Laufe der nachfolgenden Zeit ging der Ackerhof 1 in weitere Hände über.
Nach dem Tod von Christoph Joachim Hetling verkaufte seine zweite Frau Johanne Auguste das Gut an Oberst von Storre, ab 1760 wurde Hofrat von Schrader neuer Besitzer. Durch Heirat seiner einzigen Tochter Luise Antonie mit General Johann Wilhelm von Linsingen zu Birkenfeld und Uder ging das Gut bis 1790 in dessen Besitz über.
Zu dessen Lebzeiten entstanden vermutlich für ein Bauernhaus in ländlicher Gegend außergewöhnliche Ölgemälde auf Leinwand in zwei Zimmern des Wohnhauses. Die Darstellungen und Deutungen dieser großformatigen und die gesamte Wandfläche verdeckenden Bilder sind bis heute nicht geklärt. Möglicherweise stehen sie aber im Zusammenhang mit der Lebens- und Liebesgeschichte der Tochter von Johann Wilhelm von Linsingen und seiner Frau Luise Antonie. Im Adenstedt beschreibenden Band der Kunstdenkmälerinventare Niedersachsens/Alfeld I heißt es zu diesen Ölgemälden, dass sie „von demselben Meister rühren ... (der) ... die meisten Bilder in der Kirche“ gemalt hat. „Die dargestellten Szenen scheinen einer Dichtung entlehnt zu sein; offene Landschaften mit dicken Wolken, auf denen Figuren sitzen, die Spiegel tragen, in denen sich Parkanlagen, Springbrunnen u.a. spiegeln.“ Möglicherweise sind diese als bildliche Anlehnung an die barocken Anlagen der Herrenhäuser Gärten zu verstehen. Über die Geschichte von Caroline ist hier mehr zu erfahren.
Von Johann Wilhelm von Linsingen zu Birkenfelde und Uder übernahm der Amtsverwalter Christoph Sommer mit seiner Ehefrau Johanne Marie das Gut. Sie stellten 1807 drei mit ihren Namen versehene Sandsteinpfosten mit Kugelaufsatz am Zugang zur Gutshofanlage an der Dorfstraße „Am Thie“ auf.
Der darauf folgende Gutsbesitzer war Karl Löhr, der 1883 Alwine Ewig heiratete. Ihre Ehe blieb kinderlos und das Gut wurde nach dem Tod von Karl Löhr zunächst verpachtet, ging aber Anfang der 1920er Jahre an den Neffen von Alwine, Rudolf Brunotte aus Eime.
Der damals noch sehr junge Neubesitzer setzte sich für neue Technologien und landwirtschaftliche Anbaumethoden ein – er schaffte u.a. 1930 den ersten eisenbereiften Traktor in der Umgebung an – und übergab den Betrieb 1958 an seinen Sohn Rudolf. Dieser stellte 1960 die Arbeit von Pferd und Pflug auf modernere Landtechnik wie Traktoren und größere Arbeitsbreiten der Geräte um.
1992 übernahm wiederum der Sohn, Dr. Joachim Brunotte, den Hof, der nunmehr als reiner Ackerbaubetrieb geführt wurde und der Bundesforschung für Landwirtschaft in zahlreichen Fragen zum Bodenschutz als Versuchsbetrieb diente. Ab 2026 wird Lukas Brunotte den landwirtschaftlichen Betrieb fortführen.
An der Gebäudefassade des ehemaligen Kornspeichers zur Straße „Am Thie“ befestigte Dr. Joachim Brunotte anlässlich des 1000-jährigen Dorfjubiläums und 300. Geburtstags des Hetlingschen Gutes Fotografien aus der jüngeren Geschichte seines Betriebes.
Alte Schule
Zu finden: Am Thie 5
Das Schulhaus auf der Nordostseite der Kirche mit Toiletten und Wirtschaftsgebäuden wurde wegen Baufälligkeit der ersten Schule aus dem Jahr 1740 in den Jahren 1855/57 errichtet. Das Fachwerk des zweigeschossigen Gebäudes ist mit Ziegelsteinen ausgefacht. Die Westgiebelseite und das Ostgiebeldreieck sind mit roten Ziegeln verkleidet.
Dieses Schulgebäude wurde Mitte des 20. Jh. um ein eingeschossiges Flachdach-Schulgebäude erweitert. Mit dem Bau der Mittelpunktschule in Sibbesse endete der Unterricht für die Kinder aus Adenstedt und der umliegenden Dörfer.
Seitdem werden die Schulgebäude in Adenstedt privat als Wohnhäuser genutzt.
Armenhaus
Zu finden: Alfelder Str. 30
Im Frühjahr 1846 bat der Viertelspänner Hermann Gerves im Auftrag der Adenstedter Bürger im Amt Bilderlahe in Lamspringe um die Baugenehmigung für ein Armenhaus in Adenstedt. In der Chronik der Samtgemeinde Sibbesse wird folgendes zitiert: „Die Gemeinde Adenstedt habe jetzt einen Armen unterzubringen und dafür Hausmiete zu zahlen. Um dieses zu vermeiden, habe sie sich entschlossen, auf Gemeinde-Grund und Boden auf gemeinschaftliche Kosten ein Armenhaus zu errichten und u. U. weitere unterzubringen. Das Haus solle 40 Fuß lang und 30 Fuß tief sein. (11½ x 10 m). Einen bestimmten Platz habe die Gemeinde noch nicht ausgewählt. Sie bäte durch ihn, der den Bau neben dem Vorsteher Kotsaß Christof Klages leiten solle, die Landdrostei, die Erlaubnis zu erteilen.“
Auf der Gemeindeversammlung wenige Wochen später hatte man bereits konkrete Vorstellungen: „Gegenwärtig muß die Gemeinde für 4 Familien Miete zahlen; das Armenhaus solle die Maße 40 x 30 Fuß bekommen, 4 Wohnstuben, 4 Schlafkammern, Küche und Hausflur haben. Die Kosten würden aufgeteilt und von den Gemeindemitgliedern anteilig aufgebracht, aber von der Gemeinde vorgelegt werden.“
Es gingen aber noch einige Monate ins Land, bis die Gemeinde die Baugenehmigung erhielt und Finanzierung und Bauplanung abgeschlossen hatte. Für den Bau des Armenhauses genehmigte der Amtsvogt der Verkauf von Eichen aus dem Adenstedter Forst. 38 Eichenstämme wurden schließlich öffentlich meistbietend zum Verkauf angeboten. Nachdem der Verkauf erfolgreich abgeschlossen war, konnte mit dem Bau des Armenhauses begonnen werden.
„Bis in die jüngste Zeit, so lange die Gemeinde allein auf ihre Kosten für die Mitglieder hat sorgen müssen, soweit die nicht selber dazu imstande gewesen sind – hat die Gemeinde sog. „Arme“ in dieses Haus eingewiesen. Es steht noch heute als schlichter schöner Fachwerkbau, nur nicht mehr als „Armenhaus“ genutzt.“
Denkmalgeschützte und weitere historische Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Zu finden Mittelweg 3, Alfelder Str. 10, Im Loche 1, Helle Str. 13, Hildesheimer Str. 2
Das zweigeschossige Fachwerkwohnhaus im Mittelweg 3 entstand im Jahre 1770 und wurde auf einem massiven Steinsockel errichtet. Das Obergeschoss ragt leicht vor, die Füllhölzer sind mit einer Wellenornamentik verziert. Das Wirtschaftsgebäude wurde an den Ostgiebel angesetzt.
Im selben Jahr entwickelte sich auch die Hofanlage in der Alfelder Str. 10 mit ähnlichen Fachwerkmerkmalen. Auch hier kragt das Obergeschoss mit profilierten Schwellbalken leicht vor und die Füllhölzer sind mit Wellenornamenten gestaltet. Zur Dreiseit-Hofanlage gehören zwei Wirtschaftsgebäude, die im 19. Jh. ebenfalls in Fachwerkbauweise errichtet wurden. Die Gefache wurden später mit Ziegeln ausgemauert.
Deutlich jünger und sehenswert sind die Fachwerk-Gebäude der Hofanlage in der Hellen Str. 13, die laut Inschrift in den Torpfosten im Jahr 1849 fertiggestellt wurde.
Zu den historischen Adenstedter Höfen zählt außerdem die Hofanlage Im Loche 1.
Darüber hinaus sind noch viele weitere historische Häuser in Adenstedt erhalten, die heute private Wohnhäuser sind, zwischenzeitlich aber auch in anderer Funktion genutzt wurden.
So zum Beispiel das Gebäude an der Hildesheimer Str. 2, das früher die Dienststelle der Polizei beherbergte.
Spuren von historischen Produktionsstätten
Ehemalige Raiffeisen-Niederlassung
Zu finden: Am Steinhof 2
Milchbockplatz: im Dreieck Helle Straße/Im Loche/Im Hagen
In der Mitte des 20. Jh. entstand die Raiffeisen-Niederlassung in Adenstedt direkt am Adenstedter Milchbockplatz. Bis zur Schließung der Niederlassung in den 1990er Jahren wurde dort überwiegend mit Getreide, Dünger und Futtermitteln gehandelt.
Der Milchbockplatz war eine von mehreren Stellen in Adenstedt, an denen täglich zwischen 150 und 200 Milchkannen zunächst mit Pferdefuhrwerken, später mit Treckergespannen abgeholt und zur Molkerei nach Harbarnsen transportiert wurden.
Ab etwa 1970 ging diese Zeit auch in Adenstedt zu Ende und moderne Kessellastwagen saugten automatisch direkt auf den Höfen die Milch ab. Seit 2013 gibt es im Ort keine Betriebe mit Milchwirtschaft mehr, doch viele Adenstedter können sich bis heute an die Zeit der Milchkannen erinnern.
2014 reifte im Adenstedter Förderverein die Idee, wenigstens einen der Milchbockplätze im Ort wiederzubeleben. Denn dieser mit großen hölzernen Tischen gefüllte Platz war früher außerdem ein beliebter Treffpunkt für jung und alt. „Man brauchte kein Smartphone, um mit Freunden kommunizieren zu können, man ging einfach raus und traf sich. Irgendwer war immer da“, erinnert sich auch Oswald Jakobi, der Vorsitzende des Fördervereins. Man habe sich hier oft nach Schulschluss oder Feierabend getroffen.
So hat Adenstedt also wieder einen Milchbockplatz, an dem die Dorfgemeinschaft sich treffen kann und die Geschichte der Milchwirtschaft in Adenstedt gerät dank der alten Milchflaschen nicht in Vergessenheit. Ebenfalls an diesem Platz findet man auch eine Tafel mit allen wichtigen und ortsrelevanten Informationen.