Literatur
Der langjährige und in Wrisbergholzen sehr geschätzte Lehrer und Kantor Schröder war Dorf und Umgebung sehr verbunden, was in den von ihm verfassten Gedichten zum Ausdruck kommt. Die Dorfgemeinschaft widmete ihm zu Ehren einen Gedenkstein auf der Nordseite der Martinskirche.
Hier zwei Gedichte aus Schröders Nachlass:
Mein Bördetal
Wandernde Wolken am Himmel, dem blaue
Golden die Ränder vom Sonnenstrahl;
Rot aus den Ährenfeldern da schauen
Dächer der Dörfer im lieblichen Tal.
Ringsum der Berge bewaldete Höhen;
Weit in der Ferne der Brocken grüßt;
Leise, ganz leise die Winde gehen,
Wenn in die Täler der Abend fließt.
Sei dir mein Heimattal beschieden
Der Segen das Himmels für alle Zeit
Erhalte dir Gott in Gnaden den Frieden
Und schütze er dich vor des Krieges Leid.
Alte Glocken
Sylvesternacht. Des Jahres letzte Stunde
Verrann ins Meer der Ewigkeit.
Nun rufen Glockentöne in die Runde
Den Segenswunsch der neuen Zeit.
Und wunderbare Bilder steigen
Aus grauer Vorzeit heimlich auf,
Ein schattenhafter, bunter Reigen,
Zieh`n sie vorbei in schnellem Lauf.
Ihr alten Glocken mit dem mächt'gen Klingen
Wer war der Meister, der euch schuf,
Wem galt zum ersten Male euer Singen
Wer höret damals euern Ruf?
Wieviel schon faßten eure Stränge
Mit festem Zug und starker Hand!
Wann jubeln die hehren Klänge
Zuerst hinaus ins weite Land?
Getreu habt ihr am Tag des Herrn geladen
Jahraus, jahrein die Menschen all,
Zu Hilfe riefet ihr bei Feuerschaden
Ins Land hinaus mit wildem Schall.
Froh grüßet ihr die jungen Paare
In ihres Lebens goldner Zeit;
Getrauert habt ihr an der Bahre
Und Trost gebracht in schwerem Leid.
Oft höret ihr der wilden Stürme Sausen,
Mit Blitzesschein und Donnerschlag;
Den alten Turm umtobte Kriegesbrausen,
Ihr grüßet froh den Friedenstag,
Und dankbar dann die Menschheit lauschte
Dem Jubelklang von oben her,
Der durch die Lande mächtig rauschte:
„Allein Gott in der Höh` sei Ehr'!“
Doch einmal brach ein tiefes, schweres Weinen
Aus dem metal`nen Mund hervor,
Als ihr zum letzten Male mit der kleinen,
Der Schwesterglocke sangt im Chor.
Nun seid allein, ihr beiden Alten,
Es fehlt der helle, frohe Ton,
Und doch, ihr mahnt: „Wer Gott läßt walten,
Dem nahet auch die Hilfe schon.“