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Geschichtliches

Man erreicht das am Südrand des Hildesheimer Waldes gelegene Almstedt vom Gemeindemittelpunkt Sibbesse aus über die L 482, die im benachbarten Segeste in die K 231 mündet. Diese verläuft immer parallel zur Alme durch Almstedt und führt weiter zum knapp 2 km entfernt liegenden Breinum, einem Ortsteil der Stadt Bad Salzdetfurth.

Zum Gemeindegebiet Almstedts gehört die Gipfelregion des nördlich von Almstedt gelegenen Griesbergs. 1973 wurde auf dem Griesberg und von Almstedt aus nicht zu übersehen der 130 m hohe Fernmeldeturm Sibbesse errichtet. Dieser ist nicht öffentlich zugänglich, dient nichtöffentlichem Richtfunk und versorgt sein Umland mit Rundfunkprogrammen.

Über den Ursprung des Namens Almstedt ist heute nichts bekannt. Möglicherweise entwickelte er sich aus der Gründung der Siedlung in einem von Ulmen bewachsenen Gelände – also einer Stätte unter/an den Ulmen. Auch der kleine Fluss, der das Dorf in seiner Länge durchfließt, heißt wohl daher Alme.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Almstedt in einem Güterverzeichnis des Moritzstiftes in Hildesheim aus dem Jahre 1151, in dem ein Grundbesitz von 26 Lathufen (780 Morgen) in „Almenstide“ erwähnt wird. Die Dorfbewohner – sog. „Laten“ d.h. Leibeigene des Vorwerkes, waren später halbfreie Bauern, die an bestimmte Höfe gebunden waren. Weitere Grundherren waren die von Bortfeld, das Kloster Lamspringe und die Dompropstei in Hildesheim.

Aus dem Vorwerk des Moritzstiftes, der Keimzelle des Ortes und südlich der Alme gelegen, ging später das Gut der Herren von Steinberg hervor.

Zum Vorwerk gehörten auch ein Kuhhirten- und ein Schweinehirtenhaus. Die weitere Besiedlung Almstedts entwickelte sich zunächst entlang des Flüsschens und um die Kirche. Zunächst standen zur Überquerung der Alme nur zwei Brücken am Gut und der zugehörigen Mühle zur Verfügung, weitere Durchquerungen waren bei normalem Wasserstand jedoch an mehreren Stellen über Furten möglich. An diese erinnern heute noch mehrere kleine Fußgängerbrücken.

1152 verlegte Bischof Bernhard I. von Hildesheim seinen Wohnsitz in die Burg Winzenburg. Sie wurde Verwaltungsmittelpunkt des sich nun entwickelnden Amtes Winzenburg, zu dem Almstedt auch über die Jahrhunderte der wechselvollen Geschichte des Amtes gehörte.

Das Vorwerk in Almstedt wurde im Mittelalter Rittersitz der Herren von Steinberg (der Linie Wehrstedt-Bodenburg). Nach anfänglichem Besitztumsstreitigkeiten mit den Chorherren des Moritzstiftes blieb es auch nach dem Tod Christoph von Steinbergs durch Erbfolge im Besitz der Familie von Steinberg und kam auch nach zwischenzeitlichem Besitzerwechsel an diese zurück. Mehr zur Geschichte des Gutes erfährt man hier.

An die Herren von Steinberg erinnert bis heute das Wappen von Almstedt. Es ist in Anlehnung an das Siegel des gräflichen Gerichts gestaltet und verbindet eine stehende Korngarbe als Zeichen der Fruchtbarkeit mit einem grünen Kleeblatt, dem bäuerlichen Glückszeichen.

Im Rahmen der kriegerischen Auseinandersetzungen der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) die auch zu einer schweren Spaltung innerhalb der Familie von Steinberg führte, wurden ganze Dörfer in der Umgebung dem Erdboden gleichgemacht und auch Almstedt erlebte schwere Verwüstungen und Plünderungen. Wenig später folgten dann mit der Einführung der neuen lutherischen Lehre erneut kriegerischen Streitigkeiten, sodass Almstedt auch zur Zeit der Reformation unter verheerenden Plünderungen und Zerstörungen zu leiden hatte. Die Herren von Steinberg, schon früh treue Anhänger der lutherischen Lehre, setzten evangelische Geistliche in ihren Dörfern Almstedt und Wehrstedt ein. 1542 wurde Almstedt der Superintendentur in Alfeld unterstellt.

Während des Dreißigjährigen Krieges erlebten die Bewohner Almstedts und der umliegenden Orte Durchzüge und Zerstörungen der Truppen beider Kriegsparteien und hatten darüber hinaus zwangsweise für die Einquartierung und Versorgung der Soldaten bei jährlich zurückgehenden Ernteerträgen zu sorgen. Hinzu kam in Almstedt die Rebellion der ortsansässigen Bauern gegen den Gutsherren Oberst von Lützow, der 1640 durch Heirat Besitzer des Gutes und Dorfes geworden war und mit besonders harter Hand gegen die Almstedter Bauern vorging.

Die ausgedehnte Besiedlung des Dorfes nördlich der Alme entwickelte sich erst im Laufe des 18. Jh. Entscheidender Auslöser dafür war vermutlich ein extremes Hochwasser, das als die große Wasserflut“ in die Dorfgeschichte einging und zu Pfingsten im Mai des Jahres 1738 große Teile der am Fluss liegenden Häuser Almstedts verwüstete. Damals kamen hier und im benachbarten Wrisbergholzen 72 Menschen ums Leben und ganze Viehherden ertranken.

Die Menschen in Almstedt waren über Jahrhunderte in der Landwirtschaft und Viehzucht tätig. Nach und nach entwickelten sich aber auch Handwerksbetriebe und im 19. Jh. waren sowohl Schreiner, Stellmacher, Tischler als auch mehrere Schuster ansässig. Eher ungewöhnlich, aber in Almstedt zu finden, war das Handwerk des Peitschenmachers, das hier in der Hand einer Familie lag und mit der zunehmenden Motorisierung ein Ende hatte. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges stellten darüber hinaus drei Familien Zigarren her.

Nicht selbständige Handwerker wie Mauerer und Dachdecker gingen ihrer Arbeit in Hildesheim nach, wohin sie sich am Sonntagabend zu Fuß über das Söhrer Forsthaus aufmachten und von wo sie erst und nur für wenige Stunden am Samstagabend nach Almstedt zurückkehrten. Manche legten zumindest einen Teil der Strecke per Eisenbahn ab Groß Düngen zurück.

Lebensmittel konnten die Almstedter bei zwei Bäckern und einem Schlachter und später außerdem ein Kolonialwarenhandlungen kaufen.

Die Gründung des Almstedter Kalkwerkes ging auf die Initiative zweier Almstedter Brüder zurück, die Ende des 19. Jh. den Steinbruch am Waldrand des Dorfes pachteten. Der hier gebrochene Kalkstein wurde zunächst als Fundament für den Häuser und Straßenbau verwendet. Mit der in den Jahren 1900 bis 1901 entstandenen und auch durch Almstedt verlaufenden Bahnstrecke von Elze nach Bodenburg entschied man sich für den Bau des Kalkwerkes mit einem 60 Meter hohen Schornstein, einer GmbH, an der sich viele Almstedter beteiligten. Nun wurden Maurerkalk und Düngekalk produziert, die über die Bahnstrecke in Säcken abgefahren werden konnte. Nach dem Verkauf des Kalkwerkes im Jahre 1956 an die Fels-Werke in Salzgitter mussten diese die Anlage nach einem Bergrutsch am Nordhang des Steinbruchs, der Gleisanlagen und Loren unter sich begrub, stilllegen. Die Öfen des Werkes und der Schornstein wurden bis 1959 endgültig abgerissen.

Auch die Handwerksbetriebe Almstedts existieren heute nicht mehr. Bis auf wenige Lebensmittel, die die Almstedter in kleinen Hofläden bekommen, müssen die Dorfbewohner für ihre Erledigungen ihren Ort verlassen. Die nächstgelegenen Geschäfte sowie Bildungsangebote liegen in Sibbesse, dem Verwaltungsmittelpunkt der Gemeinde Sibbesse, zu dem Almstedt mit elf weiteren Orten seit dem 1. November 2016 gehört.

Dennoch leben die gut 800 Almstedter nach wie vor gerne hier. Ein sehr gut funktionierendes Vereinswesen mit einem großen Sportverein und einer engagierten Ortsfeuerwehr tragen entscheidend zum Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft bei.