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Kultur in der Region Hildesheim
30.09.2020

»Henneckenrode: Dorf- und Schlossleben gestern und heute«

Inspirierende Dorfführungen: Altes und Neues brachten die Führungen durch das Dorf zutage

von Gabriele Heinrich

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Führung Mühle
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Führung Kirche
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Führung

Deutlich über 200 Personen kamen am letzten Wochenende  (29./30.8.2020) zu den Führungen „Henneckenrode – Dorf- und Schlossleben gestern und heute“. Ortvorsteherin Petra Senholdt, die ehemalige Henneckenröderin Gabriele Heinrich und Matthias Voss, im Vorstand der Kirchengemeinde, haben statt der ursprünglich 2 geplanten Führungen schließlich 5 durchgeführt und nicht einmal daran konnten alle Besucher aufgrund der Abstandsregelungen teilnehmen.

Altes und Neues gab es zu berichten über die Veränderungen im Dorf und im Schloss. Die Einwohnerzahl liegt jetzt bei über 40, Leerstand gibt es derzeit in den Häusern nur sehr wenig, die Bewohner leben gerne in Henneckenrode und identifizieren sich stark mit Dorf und Schlossanlage. Defizite: Breitbandkabel für die Nutzung des Internets wurden trotz jahrelanger Bemühungen bisher nicht verlegt, der Internetzugang ist immer noch sehr teuer und sehr langsam. Mit der Schließung des Kinderheims – mit dem das Dorf immer eng verbunden war - fehlt den Dorfbewohnern nun auch ein gewichtiges Argument, um Infrastrukturverbesserungen einzufordern und durchzusetzen. Die Anbindung an die anderen Dörfer ist eine Einbahnstraße von Henneckenrode nach Holle, u.a. weil es in Henneckenrode keinen Veranstaltungs- oder Dorfgemeinschaftsraum gibt, den Vereine oder Gruppen aus den anderen Dörfern mit nutzen könnten.

Ein besonderes Erlebnis war die Besichtigung der Mühle, ein historisches Gebäude aus dem 16. Jahrhundert und Industriedenkmal, durch das die Eigentümerin Silke Feser führte. Hier wurde 1838 auch die erste Zementfabrik Norddeutschlands (vielleicht sogar Deutschlands) errichtet. In mühsamer Kleinarbeit und mit viel Liebe und Engagement haben Fesers die technischen Anlagen der Mühle restauriert und erhalten und auf ein neues Mühlrad gesetzt, um damit Strom zu erzeugen. Leider ist das Projekt derzeit aus Sicht des Landkreises nicht umsetzbar.

Natürlich wurde auch durch die imposante Schlossanlage geführt. Die wichtigsten Bau- und Umbauphasen waren die Renaissancezeit (Ende des 16. Jahrhunderts), die Barockzeit (17.-18.Jahrundert), die Umnutzung des Schlosses zum Kinderheim nach 1832 und die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. 180 Jahre lang lenkte die Blum’sche Waisenhausstiftung mit seinem Kinderheim und der Katholischen Privatschule die Geschicke des Dorfes. Das Kinderheim war damit das einzige Kinderheim des Bistums Hildesheim, das direkt dem Bischof von Hildesheim unterstand und vom Generalvikariat verwaltet wurde.  Das Waisenhaus war vom Stifter Friedrich Blum auch nicht nur als Verwahr- und Versorgungseinrichtung konzipiert worden, sondern als Bildungseinrichtung für Kinder des Heims und des Dorfes gedacht. Sie sollten „Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, nicht nur im Cathechismus ertheilt bekommen“ so Blum in seinem Testament. Eine damals hochmoderne Einrichtung, denn die allgemeine Schulpflicht wurde erst 1919 eingeführt. Die 60er Jahre des 20sten Jahrhunderts waren noch einmal eine Blütezeit für Henneckenrode. Es herrschte Aufbruchstimmung, das Schloss nebst Wirtschaftsgebäuden, Stallungen, Kirche, Schule (mit Montessori-Ausrichtung) und Wohnungen erfuhren eine Rundumerneuerung. Es gab Neubauten im Dorf. Die Einweihung erfolgte durch den Bischof am 16.Oktober 1967, der zur Untermauerung der Bedeutung dieser Modernisierungen - auch für ihn selbst - eine Reliquie des Hl. Wendelins, des Schutzpatrons der Bauern für die Kirche mitbrachte. Ein großes Fest damals.

Das 21. Jahrhundert ist jetzt wieder eine Zeit des Umbruchs. Schule wurde aufgegeben, das Kinderheim verließ Henneckenrode, das Schloss steht leer. Da es bisher nicht verkauft wurde, besteht jetzt die Chance für eine neue Zeit des Aufbruchs. Das Generalvikariat sucht nun nach einer neuen Vision und neuen Ideen, so die Aussage von Norbert Kesseler, dem Diözesan- und Dombaumester des Bistums Hildesheim, der an der Führung teilnahm. Für eine Ideenentwicklung will er die Einwohner mit ins Boot nehmen. Ein Ansinnen, das im Dorf sehr positiv aufgenommen wurde. Denn Dorf und Schloss gehören in Henneckenrode nach wie vor zusammen.

 

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