Interessant + Wissenswert
Sagen und Geschichten
In fast allen Dörfern des Landkreises wurde früher vom Gluhswanz (ein Fabelwesen im deutschsprachigen Raum) mit rot glühendem Kopf mit fünf Meter langem, feurig glühendem Schwanz, erzählt. Er scheint allerlei Unwesen getrieben haben. In Heinde ist folgende Gluhswanz-Geschichte überliefert:
In Heinde fuhr einst der Gluhswanz am Sonntagmorgen, als alle Hausbewohner in die Kirche gegangen waren und die Bauersfrau allein in der Küche hantierte, in den Schornstein eines Bauernhauses. Der Enke (Hütejunge) hatte sich unter einem großen Büketubben (Badezuber, Badefass) versteckt und durch das Abflussloch geguckt. Da hat er erlebt, wie der Gluhswanz mit großem Gepolter im Schornstein herunterkam und plötzlich in der Küche stand. Er schnupperte und sagte: „Hier sind zwei Augen zu viel, soll ich sie stechen?“ – „Ach watt“, erwiderte die Frau, „et ist de Katte“. Doch Gluhswanz ließ sich nicht beruhigen und wiederholte dreimal dieselben Worte. Die Frau gab dreimal dieselbe Antwort. „Was gibt es heut?“ fragte Gluhswanz. Darauf stellte die Frau die Schüssel auf den Tisch, die von Gluhswanz gefüllt wurde. Dann verschwand er wieder durch den Schornstein.
Als der Junge nachher erzählte, was er gehört und gesehen hatte, wollte niemand von den Leuten zu Mittag essen.
(Nach einer Sage aus „Von Tückeboten, Lüchtenkeerls und weißen Frauen, S. 28)
Berühmte Persönlichkeiten
Carl Huter
Carl Huter wurde am 9. Oktober 1861 in Heinde geboren. Er war Maler und entwickelte außerdem eine Lehre, in der er Erkenntnisse der Physiognomik (die Versuche, aus dem physiologischen Äußeren des Körpers, besonders des Gesichts, auf die seelischen Eigenschaften eines Menschen und insbesondere dessen Charakterzüge und/oder Temperament zu schließen), der Phrenologie (in dieser wurde ein Zusammenhang zwischen Schädel- und Gehirnform einerseits und Charakter und Geistesgaben andererseits unterstellt) und der Mimiker (als Mimik bezeichnet man einen Teil des Ausdrucksverhaltens des Menschen, der neben der Gestik wichtiger Bestandteil der nonverbalen Kommunikation ist) zusammenführte. Nach Huters Überzeugung lassen sich demzufolge aus Körperbau, Gesicht und restlichem Kopf Rückschlüsse auf die Charaktereigenschaften und die Gesundheit des Menschen ziehen.
Huter, dessen Vater sieben Jahre nach Carls Geburt verstarb, wuchs nach dem Tod des Vaters von seinen beiden Schwestern getrennt bei kinderlosen Verwandten auf einem kleinen Bauernhof in Oedelum auf. Entgegen den Plänen der Pflegeeltern, die sich gewünscht hatten, dass Carl den bäuerlichen Betrieb weiterführt und ihm den Besuch eines Gymnasiums daher verwehrten, machte er eine Lehre als Dekorations-, Porzellan- und Porträtmaler in Hildesheim und zog danach nach Dresden, Leipzig und Berlin, wo er sich seinen Lebensunterhalt mit der Dekorations- und Porträtmalerei verdiente. Dort bildete er sich in kunstgeschichtlicher, philosophischer, naturwissenschaftlicher und physiognomischer Richtung fort.
Ab 1893 hielt Carl Huter im kleinen Rahmen in Hannover private Lehrkurse in den von ihm entwickelten Disziplinen ab und erhielt in Hannover die Möglichkeit, seine Forschungen in einem größeren Kurhaus, dessen Leitung ihm übertragen worden war, zu intensivieren. Nach seiner Heirat mit Henny Pieper eröffnete Huter 1897 in eine eigene Kuranstalt in Detmold.
In den Jahren 1909/1910 eröffnete Carl Huter mehrere private Institute in Leipzig, die aber nach kurzer Zeit wegen unzureichender finanzieller Mittel wieder geschlossen werden mussten. Zwischen 1898 und 1909 erschienen mehrere von Huter verfassten Publikationen zu seiner Lehre, ein Teil wurde allerdings erst nach seinem Tod veröffentlicht.
Huter verstarb am 4. Dezember 1912 in Dresden ohne Angehörige. Sein Nachlass wurde daher nicht sachgemäß verwaltet, sein Werk jedoch von den Eheleute Käthe und Amandus Kupfer über ihren Verlag veröffentlicht und später in der Schweiz weitergeführt.
Carl Huters Lehre gilt heute zwar als bedeutungslos und nicht wissenschaftlich belegt. Dennoch haben die Bürger von Heinde zu seinen Ehren einem Gedenkstein in der Nähe des Pfarrhauses aufgestellt.
Das gibt's so nur bei uns
Spuren von historischen Produktionsstätten
Heinder Wassermühle (Innerste-Mühle)
Zu finden: Mühlenweg 8
Die Heinder Mühle liegt am südlichen Ortsrand von Heinde an der Innerste unterhalb des Kirchberges. Mühle und Kirchberg sind über einen Fußweg miteinander verbunden.
Die Heinder Mühle wird erstmals im Zusammenhang mit einem Streit am 15.10.1465 zwischen Graf Tedel von Wallmoden und dem Mühlenbesitzer erwähnt. Der Streit, in dem es um die Zugehörigkeit der Mühle zum angrenzenden Amt Marienburg oder zum Amt Heinde und in diesem Zusammenhang natürlich um Abgaben und Zahlungen ging, wurde nach Heinder Chronik „vor dem offenen Gericht am Thingplatz in Heinde ausgetragen. ... Wie der Streit ausging, ist nicht überliefert. Die Wallmoden werden wohl gewonnen haben, denn fortan verpachteten die Wallmoden die Mühle in eigener Regie.“
Die Mühle verfügte in der Vergangenheit über vier Schaufelräder, über die die Kraft der Mühle erzeugt wurde. Die Energieeffizienz ging mit der Stärke des Wasserzulaufes einher.
Da sich die Innerste einige hundert Meter vor der Mühle in zwei Arme teilte und sich erst hinter der Mühle zu einem Arm zusammenschloss, ging naturgemäß wertvolle Wasserkraft verloren. Diese Tatsachen führte über 200 Jahre später zu einem weiteren Streit, der in die Geschichte Heindes einging. Denn Ludwig Achaz von Wallmoden (1669-1713) ließ den einen der beiden Zuläufe mittels eines Damms zuschütten, ohne die Genehmigung des Domkapitels in Hildesheim als zuständigem Inhaber des benachbarten Amtes Marienburg einzuholen. Gegen den Dammbau setzten sich die Bauern des Nachbarortes Klein Düngen auf der anderen Seite der Innerste mit Recht zur Wehr, da sie Überschwemmungen befürchteten, die ihre Wiesen und Viehweiden schädigen würden. „Für die Viehhaltung auf den Dörfern, ja selbst in der Stadt, waren die Wiesen damals ängstlich gehütete Kostbarkeiten.“
Die Beschwerde der Klein Dünger Bauern beim Domkapitel war erfolgreich und am 20. August 1695 wurde dem Grafen von Wallmoden über den Amtmann von Marienburg mitgeteilt, dass der Damm wieder abgetragen und das Ufer der Innerste in den vorherigen Zustand versetzt werden müsse. Zudem warnte man den Grafen bei Nichtbeachtung der Forderungen davor, „dass man sonst gezwungen sein würde, sein Recht durch Selbsthilfe zu suchen“. Tatsächlich weigerte sich von Wallmoden, den für seine Mühle nützlichen Damm wieder einzureißen und so rückte der Amtmann von Marienburg gemeinsam „mit einem Haufen Bauern aus den umliegenden Dörfern, so u.a. aus Söhre und Wesseln, die z.T. mit geladenem Gewehr und sonst mit Schaufeln und Sippen bewaffnet waren“, an der Innerste an, „hat durch den Müller von Kleindüngen den Heinder Müller zu sich rufen lassen und ihn in Arrest genommen. Sodann wurde der Befehl des Domkapitels verlesen und darauf begann die Arbeit der Durchstechung des Damms. Die Mühle wurde besetzt, der Müllerbursch vertrieben; ja man habe sogar gedroht, ihn ins Wasser zu werfen. In Heinde und Listringen hat man daraufhin die Sturmglocken geläutet.“ Achaz von Wallmoden ließ den Damm durch Reisiggeflecht, Erdaufschüttung und neue Pfähle ausbessern, was zur Folge hatte, dass der Amtmann mit seiner Gefolgschaft eine Woche später wieder zu Werke ging.
Es folgte ein fünf Jahre andauernder Rechtsstreit zwischen dem Grafen von Wallmoden und dem Domkapitel vor dem fürstlichen Hofgericht in Hildesheim. „Ein ständiges Hin und Her der gegnerischen Anwälte ... mit gegenseitige(n) Beleidigungen waren an der Tagesordnung“. Der Fall wurde wegen Überforderung des fürstlichen Gerichts schließlich an die Juristenfakultät in Marburg weitergeleitet. Diese verurteilte beide Anwälte „zu Geldstrafen wegen Beleidigung und das Domkapitel musste an Wallmoden 12 Schock Strauchholz und sechs Fuder Pfahlholz liefern“.
Wer heute einen der schönen Spazier- und Wanderwege bei Heinde durch das Innerstetal nutzt, wird keinen Damm, aber noch immer die Mühle mit ihren Gebäuden vorfinden. Eine Inschrift an der Nordseite des heutigen Mühlengebäudes bezeugt sein Entstehungsjahr: „Erbauet von Graf Karl Wallmoden-Gimborn, 1881“.
Ebenfalls beteiligt am Bau der Mühle war offensichtlich Müller Heinrich Gottlieb Wedemeyer, Pächter ab 1797, denn auf der Südseite ist zu lesen: „In Hoffnung und Geduld hab ich gebaut auf gutem Grund. Heinrich Gottlieb Wedemeyer. 1824“. In den nachfolgenden Jahrzehnten nahm die Mühle bei einem Brand schweren Schaden, wurde aber wieder aufgebaut.
Der eigentliche Mühlenbetrieb wurde 1954 eingestellt, die Wasserkraftanlage produziert aber weiterhin und nun mittels zweier Turbinen erfolgreich Strom, der in das Netz der e.on Avacon AG eingespeist wird.
Teile des Mühlengebäude sind heute bewohnt und werden außerdem gewerblich genutzt.
Alte Molkerei (Volksbank, Tierarztpraxis)
Zu finden: Hauptstr. 36
Das Gebäude der Molkerei von Heinde wurde 1889 gebaut. Der Molkereibetrieb lag im Erdgeschoss, im Obergeschoss eine Wohnung.
Nach der Schließung des Molkereibetriebes kaufte die 1924 in Heinde gegründete Spar- und Darlehnskasse das Gebäude und baute die Räumlichkeiten als Warenlager für landwirtschaftliche Produkte um. Der Geschäftsraum der Bank befand sich zunächst im Wohnhaus des damaligen Rechnungsführers Gustav Harenberg, heute Am Thie 1.
Nach der Fusion der Spar-und Darlehnskasse Heinde mit den Geschäftsbetrieben in Heersum, Wesseln und Söhre bezog die Bank die Räume im Erdgeschoss des ehemaligen Molkereigebäudes und nutzte sie, zwischenzeitlich (1970) zur Volksbank umbenannt, bis 2023.
Im September 2025 zog schließlich eine Tierarztpraxis in das Gebäude an der Hauptstraße ein.