Geschichte
Geschichtliches
Heinde liegt am Fluss Innerste im landschaftlich reizvollen Innerstetal zwischen den Höhenzügen Vorholz im Norden und Sauberge im Süden. Das Ortsgebiet durchfließen der Lehrbach und der Kammbach.
Seit 1974 gehört Heinde zum Landkreis Hildesheim und wurde mit 11 weiteren Orten in die Stadt Bad Salzdetfurth eingemeindet. Diese liegt 8 km entfernt, die Innenstadt von Hildesheim etwa 12 km.
Erste urkundliche Erwähnung findet Heinde in der Stiftungsurkunde Bischof Bernhards von Hildesheim für das Kloster St. Godehard aus dem Jahr 1146. In dieser wird Landbesitz des Klosters genannt, zu dem auch zwei Hufen in Henede zählen. Das nahe gelegene und mit Heinde seit jeher eng verbundene Listringen erscheint gut drei Jahrzehnte später in einer Urkunde Bischof Adelogs von Hildesheim, der die Gräfin Adelheid, geb. von Hallermund und Witwe des Hildesheimer Vizedominus (Verwalter der bischöflichen Güter) Konrad II. von Wassel mit Gütern und Land in Henethe, in Lecstide, in Hockenem und in Listringe belehnt. Die Gräfin bezog 1179 in Heinde ihren Witwensitz, einen Herrenhof, der vermutlich auf dem Kirchhof lag. Nach ihrem Tod ging das Gut als bischöfliches Lehn an ihren Sohn Ludolf (1204-1255) und dessen Nachkommen.
Bedeutendster Ritter von Wallmoden in Heinde war Aschwin (1267-1309), der 1307 von Papst Clemens V. Heinde als Hildesheimisches Lehen erhielt. Als Ritter Henning von Wallmoden (1335-1393) die Gräfin Agnes von Hallermund heiratete, kam deren Erbe an die Grafen von Wallmoden, die bereits im Besitz eines weiteren Herrenhofes in Heinde waren. Beide Herrensitze wurde zum Rittergut Heinde zusammengeführt. Die Grafen von Wallmoden erwarben nach und nach fast alle Höfe und grundherrlichen Rechte in Heinde und Listringen und prägten in den folgenden Jahrhunderten Leben und Entwicklung des Dorfes Heinde.
Das zweigeteilte Heinder Ortswappen zeigt daher in der unteren Hälfte die drei silbernen Steinböcke der Ritter von Wallmoden auf rotem Grund. Warum in der oberen Wappenhälfte drei grün belaubte Bäume zu finden sind, ist schwerer nachzuvollziehen und wird in der Chronik des Ortes Heinde nur kurz erläutert. Danach soll es im 14 Jh. ein eigenständiges Geschlecht derer von Heinde gegeben haben, deren Abstammung allerdings „im Dunkeln“ liegt. Die von Heinde werden zu dieser Zeit in einer Urkunde mit den Grafen von Wallmoden aufgeführt und von Sander Schönhals von Heinde ist ein Siegel aus dem Jahre 1365 mit drei Laubbäumen überliefert. Seine Mutter war eine geborene van Heinde und Tochter des Bürgers Sander van Heinde. Sander Schönhals Vater Heinrich ist 1372 urkundlich als Ratsherr von Hildesheim bekannt und stand von 1384 bis 1390 als Bürgermeister der Stadt Hildesheim inne.
In Urkunden aus dem 15. Jh. werden nach Heinder Chronik ein Bergfried-Ringzaun und Burghof erwähnt, zu deren Erhalt die Einwohner der beiden Dörfer Heinde und Listringen, Freie und Unfreie verpflichtet waren. „Den Bergfried auf dem Burghof müssen sie im Dach und Baue erhalten und „so oft es nöthig ist, auf ihre Kosten und mit ihrer Arbeit decken und bessern lassen“. Nach Ansicht von Dieter Ross, Ortsheimatpfleger in Heinde, ist mit Sicherheit davon auszugehen, „dass es sich in Heinde um eine Turmhügelburg gehandelt hat. ... Wir haben die Reste der alten Burgmauer. Wir wissen, dass die Grundmauern des Kirchturmes älter sind als Kirche und Turm. ... Wir haben die Lage des Brunnens, des Gefängnisses, des Thieplatzes, der ersten Kirchenanlage und der zwar erst später angelegten Allee (wahrscheinlich gab es auch vorher schon eine Allee)“.
Sowohl Heinde als auch Listringen gehörten nicht zu einem der hildesheimischen Ämter, sondern unterstanden den Grafen von Wallmoden (Patrimonialgericht – die Gerichtsbarkeit war mit dem Besitz eines Gutes verbunden), gelegentlich werden die Bezeichnung Amt Heinde (1395, 1452) oder Amt zu Heinde und Listeringen (um 1549) verwendet.
Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) kamen Heinde und Listringen unter welfische Landesherrschaft, gehörten zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel und fielen mit der Restitution des Großen Stifts 1643 zurück an das Hochstift Hildesheim.
Nach dem Tod von Heinrich von Wallmoden (1617-1678) wurde sein Erbe auf seine Söhne aufgeteilt: Sein Sohn aus erster Ehe erbte den Stammsitz in Alt-Wallmoden, während Heinde an seinen Sohn Ludwig Achaz (1669-1713) aus der zweiten Ehe mit Gertrud, geborene von Alten aus dem Hause Goltern ging. Diese Gütertrennung wurde offenbar von Heinrichs zweiter Ehefrau, durchgesetzt. Armgard von Reden-Dohna schreibt dazu in ihren Ausführungen über den Heinder Rittersitz, dass Gertrud „für ihren Sohn eine standesgemäße Existenz erstrebte. Da sie wohlhabend war, half sie der Entscheidung etwas nach. So verbesserte sie in erheblichem Maße die Ausstattung der Heinder Kirche, wie der Pastor in seiner Leichenpredigt 1691 betonte.“ Ludolf Achaz setzte außerdem durch Zukauf von zwei Ackerhöfen und sieben Köthnerhöfen „die Anstrengungen seines Vaters fort, den Gutsbetrieb auszubauen“ und finanzierte 1716 den Neubau der Heinder Kirche.
„Zur Zeit von Ludolf Achaz‘ Sohn Adam Gottlieb, der als Drost zu Diepenau (Hoya) und später auch zu Koldingen in kurhannoverschen Diensten stand“, war das Gut jedoch verpachtet. Die Pacht endete 1748 in einem Rechtsstreit vor der fürstbischöflichen Regierung und schließlich vor dem Reichskammergericht zwischen Adam Gottlieb und dem Pächter Cleve. Cleve hatte in einer Doppelrolle als Pächter und zugleich Gläubiger seinem Pachtgeber u.a. den jährlichen Pachtzins vorenthalten und ging außerdem „mit den dienstpflichtigen Bauern in Heinde und Listringen rüde um. Sie sind daher im engen Schulterschluss mit ihren adeligen Herrn zu finden, auf dessen Wunsch hin sie – als der Pächter 1748 floh – die Bewirtschaftung des Gutes übernahmen und sogar den Zinsdienst gegenüber den drängenden Gläubigern regelten. Ein so vertrauensvolles Verhältnis zwischen Gutsherr und Bauern konnte sonst kaum festgestellt werden.“
Von Reden-Dohna erläutert weiter, dass der Drost „wohl eine schwierige Persönlichkeit“ gewesen sei, er „verlor seinen Verstand“, bevor er 1752 starb. Dazu hatte der Umstand beigetragen, dass seine Frau Amalia Sophie von Wendt (1704-1765) seit 1735 eine Geliebte König Georgs II. war und nach dem Tod der Königin Caroline 1739 nach London übersiedelte. Gottlieb Adam ließ sich gegen Zahlung einer jährlichen Rente von Amalia Sophie scheiden und erkannte den unehelichen und bereits 1736 geborenen Sohn seiner Frau aus der Beziehung zu König Georg II. als seinen eigenen an.
Amalia Sophie erhielt den Titel Countess of Yarmouth und gelangte dank großzügiger königlicher Zuwendungen zu einem immensen Vermögen, von dem auch das Rittergut noch zu ihren Lebzeiten profitierte.
Ihr Sohn aus zweiter Ehe, Johann Ludwig (Louis) von Wallmoden (1736-1811), wurde mit den Prinzen am königlichen Hof in London erzogen, studierte in Göttingen, gehörte während des Siebenjährigen Krieges zum Stab des Herzogs Ferdinand von Braunschweig und war von 1766-1786 kurhannoverscher Gesandter am Kaiserlichen Hof in Wien. Als alleiniger Erbe des Vermögens seiner Mutter Amalia Sophie kaufte er vom Fürsten von Schwarzenberg die westfälische Reichsgrafschaft Gimborn. 1781 erhob Kaiser Josef II. ihn zum Reichsgrafen und verlieh im zwei Jahre später den Namen Wallmoden-Gimborn.
A. von Reden-Dohna beschreibt Johann Ludwig als „eine vielseitig begabte, kulturvolle Persönlichkeit, die auch in die allgemeine deutsche Geschichte hineinragte. ... Von seiner führenden Rolle in der hannoverschen Gesellschaft überzeugt, setzte er ganz neue Maßstäbe im Bereich der Kultur“ und schuf 1780 „an der Herrenhäuser Allee eine vielbeachtete Gartenanlage. Sie verhalf – neben den Hinüberschen Gärten – dem englischen Landschaftsgarten zum Durchbruch. Im einem von ihm gebauten Schlösschen (dem heutigen Wilhelm-Busch Museum) stellte er seine bedeutende Kunstsammlung mit Gemälden und Kupferstichen sowie seine Antikensammlung, die er mit seiner Frau Charlotte Christiane, geb. von Wangenheim 1765/66 in Rom erworben hatte, öffentlich aus.
In Heinde erbaute Johann Ludwig 1781 das bis heute genutzte und bewohnte zweigeschossige Herrenhaus des Gutes, schuf durch weiteren Zukauf von bäuerlichen Flächen Platz für einen Berggarten, der sich am Hang zur Kirche hinauf erstreckte und legte die noch heute existierende Lindenallee zwischen Heinde und Listringen an. Seine militärische Laufbahn endete, nachdem er 1798 zum Feldmarschall über sämtliche königlich-kurfürstliche Truppen ernannt worden war, mit der Kapitulation vor der französischen Armee 1803. Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses kam das Gebiet des Hochstifts und damit auch Heinde und Listringen 1803 an Preußen.
Zu dieser Zeit war das einst stattliche Vermögen Johann Ludwigs aufgebraucht und das Gut in Heinde mit 50 000 Talern belastet. Alleiniger Gläubiger war der Hildesheimer Bürgermeister Friedrich Christoph Lüntzel, der neben Heinde auch weitere Rittergüter kaufte. Die 50 000 Taler wurden als Hypothek eingetragen. Johann Ludwig musste zudem sämtliche Einkünfte des Gutes an Lüntzel abtreten und „haftete mit dem Allodialbesitz, wozu der Zehnte bei Heinde und die Gutsgebäude gehörten.“
In den Jahren des französischen Satellitenkönigreichs Westphalen (1807-1813) ließ Lüntzel auch noch das Lehen in ein Allod umwandeln.
1815 kamen beide Dörfer zum Königreich Hannover. „Die königlich hannoversche Regierung setze nach 1815 alles daran, den alten Stand, das Lehnsgut in Heinde im Besitz der Grafen von Wallmoden, wiederherzustellen. So transferierte sie die Hypothek von Heinde auf den Wallmodenschen Garten in Hannover, um nur noch die Lüntzelsche Kapitalforderung zu verhandeln. Die Witwe des Bürgermeisters wollte das Gut nicht räumen“. Nach einem langwierigen Rechtsstreit am Oberlandesgericht in Celle griff schließlich König Wilhelm IV. selbst ein. So kam der Sohn Johann Ludwigs aus dessen zweiter Ehe, Graf Karl August Ludwig von Wallmoden, 1835 wieder in den Besitz des Gutes. Als dieser 1883 kinderlos verstarb, ging sein Erbe seine Halbschwester Friederike Eleonore und deren Ehemann Ludwig Friedrich von Kielmansegg. Seitdem ist Gut Heinde im Besitz der Familie von Kielmansegg, die auch Patron der Heinder Kirche ist, und liegt seit dem Tod von Nikolaus von Kielmansegg (1952-2022) in den Händen seiner Tochter Maria von Kielmansegg und ihrem Ehemann Karl Freiherr von Twickel.
Um 1810 lebten gut 400 Menschen in Heinde, zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte der Ort 583 Einwohner und verfügte über eine Molkerei und eine Ziegelei. Nach dem 2. Weltkrieg wurden auch hier zahlreiche Flüchtlingsfamilien – zunächst unter beengten Verhältnissen – aufgenommen, von denen viele blieben, eine neue Heimat fanden und eigene Häuser bezogen. Die Zahl der Schulkinder stieg deutlich an, zeitweise mussten 170 Kinder von zwei Lehrkräften wegen Platzmangel sowohl vormittags als auch nachmittags unterrichtet werden. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten gründeten sich im Ort mehrere Vereine, die zum Teil bis heute aktiv sind und das Dorfleben entscheidend prägen.
1982 wurde die Zentralmülldeponie Heinde in Betrieb genommen, die sich bis heute zu einem hochmodernen und umweltschonenden Betrieb entwickelt hat. In diesem Entsorgungszentrum wird seitdem Müll aus Stadt und Landkreis Hildesheim deponiert, sortiert und in einer Verbrennungsanlage umgeschlagen oder für den Transport zu Recyclinganlagen vorbereitet.
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Im 20./21. Jh. hat sich Heinde zunehmend zu einem Pendlerort entwickelt. Im Jahr 2025 lag die Einwohnerzahl bei gut 1.200 Menschen, die einer Berufstätigkeit in der näheren und weiteren Umgebung nachgehen. Obwohl der Ort an das Netz öffentlicher Verkehrsmittel angeschlossen ist, sind die Heinder auf die Nutzung von PKW angewiesen. Von Vorteil ist eine nicht weit entfernt liegende Zufahrt zur A7 Hannover/Kassel.
Da Geschäfte und Bankfiliale in Heinde mittlerweile geschlossen sind, müssen die Heinder für ihre täglichen Erledigungen zu den Lebensmittelgeschäften im benachbarten Groß-Düngen oder etwa 3 km entfernt liegenden Hildesheimer Ortsteil Itzum fahren. Einige kleine Einzelhandelsgeschäfte mit teils regionalen Produkten sind aber erfreulicherweise nach wie vor im Ort ansässig.
Ein lebendiges Dorf- und Vereinsleben, ein neuer Kindergarten sowie eine Grundschule machen das Leben und Wohnen in Heinde für Familien attraktiv. Die bevorstehende Erschließung eines Neubaugebietes am östlichen Ortsrand mit 90 Bauplätzen für Einfamilienhäuser wird sich für den Ort daher sicherlich positiv auswirken.
Historische Baulichkeiten
Kirche
Zu finden: Am Kirchberg
In einer Urkunde aus dem Jahre 1207 erscheint erstmals in einer Zeugenliste der Name eines Ortsgeistlichen in Heinde, dem Priester Johannes de Henede. Domprobst Berthold, als Archediakon Vertreter des Hildesheimer Bischofs, bewilligt den Bau einer Kirche in Heinde. Nach Aussage der Heinder Ortschronik ist nicht mehr feststellbar, „wann und an welchem Platz (die) Heinder Kirche erbaut wurde“, da archäologische Untersuchungen nie stattfanden.
Seit dem frühen 14. Jh. lag das Patronat über die Heinder Kirche bei den Grafen von Wallmoden, über die Besetzung der Pfarrstelle wurde daher regelmäßig durch sie entschieden. Obwohl die von Wallmoden sich der Einführung der Reformation widersetzten, wurde diese bis 1568 auch in Heinde durchgesetzt.
Gut 100 Jahre nach der urkundlichen Nennung des Heinder Geistlichen wird eine Kirche im Jahre 1309 jedoch wiederum in einer Urkunde im Zusammenhang mit dem Tod des Ritters Aschwin von Wallmoden erwähnt. „Um seinetwillen erhielt die Kirche zu Heynde eine seidene Chorkappe.“
Die gesamte Kirchenanlage auf einem Hügel nördlich der Innerste und südlich des heutigen Ortskerns, zu der neben der Kirche mit Friedhof noch weitere Wohngebäude sowie eine Allee und das Ehrenmal zählen, wird im Denkmalatlas Niedersachsens wegen ihrer geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung hervorgehoben.
Nach Süden und zur Innerste ist der Kirchhof durch eine mittelalterliche Mauer abgegrenzt, über eine noch vorhandene Öffnung, die Wasserpforte, konnte man damals den Kirchhof erreichen oder aber zum Innerstetal und der dort liegenden Mühle verlassen. Über den ursprünglichen und kompletten Verlauf der Mauer ist heute nichts mehr bekannt, laut Heinder Chronik liegt ihre Entstehung im 12. Jh., „als es üblich war, Turmhügelburgen zu bauen.“ Der Chronist geht davon aus, dass die Ringmauer an weiteren Stellen Pforten hatte: „Eine über die noch vorhandene Treppe zum Thie (Gerichtsplatz), eine vom Dorf am Gefängnis vorbei und eine in Richtung Allee zu den Feldern.“
Über das genaue Erscheinungsbild der ersten Kirche ist nichts bekannt. Der älteste Teil der Kirche ist vermutlich gleich alt wie die Ringmauer und der mittelalterliche Turm aus Bruchsteinen mit Eckquadern, kleinen rundbogigen Schallöffnungen und Lichtschlitzen, der heute einen verschieferten Helm mit flacher Haube trägt. Nach Nordwesten hin befindet sich ein Auslegestuhl für die Uhrschlagglocke. In der Heinder Chronik heißt es dazu: „Der wehrhafte Kirchturm, der älter ist als die heutige Kirche, stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert. Seine Schießscharten und der befestigte Kirchhof erinnern daran, dass im Mittelalter der befestigte Kirchhof den Dorfbewohnern als Zufluchtsort diente. Damals hatte der Turm eine pyramidenförmige gotische Spitze und die Glocken hingen tiefer als heute, etwa in der Höhe der gemauerten, romanischen Schallluken. Der Turm bekam seine achteckige Spitze, die sich im Laufe der Zeit ein wenig verschoben hat, so dass die Kanten schräg stehen“. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt der Heinder Kirchturm 1972 nach einer umfangreichen Instandsetzung.
Im Gewölbe des Heinder Kirchturmes wurden später die Särge des Johann Ludwig von Wallmoden (1736-1811), seiner Söhne Ludwig Georg Tedel (verst. 1862) und Karl August Ludwig (1792-1883) sowie Johann Ludwigs Mutter Amalie Sophie Marianne von Wendt/Gräfin von Yarmouth aufgestellt.
An den romanischen Turm schließt das Kirchenschiff an, eine Saalkirche mit dreiseitigem Chorschluss, deren Bau auf den Grundmauern der Vorgängerkirche wohl noch zu Lebzeiten von Ludwig Achaz von Wallmoden beauftragt, aber erst nach seinem Tod 1716 unter seiner Ehefrau Anna Elisabeth von Heimberg errichtet wurde. In der Inschrift der Tafel, die ursprünglich über dem Portal an der Nordseite der Kirche angebracht war, heißt es daher: „Gott zu Ehren 1716 ist diese Kirche nach Willen sel. L. A. Wallmoden ganz neu erbauet“. Diese Tafel befindet sich heute innen an der Südwand der Kirche.
Rechts neben dieser Eingangstür erinnert eine Tafel an die Trauung der Gräfin Wilhelmine von Wallmoden-Gimborn, einer Tochter Johann Ludwigs mit dem Freiherrn Heinrich Friedrich Carl vom und zum Stein (damals preußischer Minister und Kammerdirektor in Hamm) im Jahre 1793.
Eine zweite Eingangstür befindet sich an der Nordostseite der Kirche. „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet“ ist auf dem Stein über diesem Zugang zu lesen.
Die Heinder Kirche ist ein helles und großräumiges Gotteshaus mit jeweils fünf flachbogigen Fenstern auf der Nord- und Südseite. Das Kirchenschiff wird nach oben von einer Holztonne und Lattenrippen verschlossen.
Über die gesamte Breite ist die Kirche im Ostchor mit einem sehr großen Altar ausgestattet, in dem Kanzel, Orgel und seitliche Emporen miteinander vereinigt sind. Der 1717 von Ernst Dietrich Bartels aus Hildesheim geschaffene Altar gilt heute als Musterbeispiel einer barocken Kirchenausstattung.
Im Hauptgeschoss ist der Kanzelaltar mit sechs gewundenen Säulen ausgestattet. Am Kanzelkorb erkennt man die Figuren des Christus und der Evangelisten Johannes und Lukas, über der Kanzel das Doppelwappen der von Wallmoden (drei Steinböcke) und von Heimberg und daneben die Figuren zweier Engel und der Evangelisten Matthäus und Markus.
An der Orgelbrüstung sind nochmals eine Christusfigur sowie die Figuren der Apostel Petrus und Paulus angebracht. Sie ist außerdem mit acht über 200 Jahre alten und 1978 restaurierten Ölgemälden geschmückt, in denen Szenen aus dem Leben Jesu (Mariä Verkündigung, Die Geburt Jesu, Jesus im Garten von Gethsemane, Kreuzigung, Grablegung, Auferstehung) dargestellt sind sowie mit zwei Portraits von Sophie von Cramm und Anna Elisabeth von Heimberg, beide Ehefrauen von Ludwig Achaz.
Die Heinder Orgel aus dem Jahr 1858 ist ein Neubau der Firma Heinrich Schaper aus Hildesheim. Sie wurde mehrfach verändert, erweitert und instandgesetzt. Letzte Restaurierungsarbeiten wurden zwischen 2012 und 2015 von der Orgelbauwerkstatt Elmar und Markus Krawinkel aus Trendelburg vorgenommen.
An der Nord- und Südwand des Altarraumes befinden sich Priechen, deren Nutzung ehemals den Familien des Pastors, des Mühlenbesitzers und des Kirchenvorstandes vorbehalten waren.
Neben den Priechen steht jeweils ein Kindergrabstein. Um sie vor Verwitterung zu schützen, entschied die Gemeinde, diese schönen Grabplatten vom Friedhof ins Innere der Kirche zu holen.
Der ersten Frau von Ludwig Achaz, Sophie Regine von Cramm, ist das Epitaph (Gedenktafel) mit lateinischer Inschrift an der Südwand der Kirche gewidmet. Zwei Figuren rechts und links des Inschriftenfeldes halten Stundenglas und Totenkopf in den Händen. Die Wappen der von Wallmoden (drei Steinböcke) und von Cramm (drei silberne Lilien) bilden die Spitze des Epitaphs.
Die große Prieche des Gutsbesitzers liegt auf der Westempore mit gedrehten Säulen. Sie ist über einen heute kaum wahrnehmbaren Zugang zwischen den hinteren Sitzplätzen unter der Empore zu erreichen. Das Bogenfeld über der Patronatsprieche füllt ein großes Ölgemälde aus. Dargestellt sind hier Adam und Eva im Paradies.
Vor der Westempore schwebt mittig über dem Kirchenschiff ein Taufengel mit einer silbernen Muschel in den ausgestreckten Händen. Für seine farbliche Gestaltung wurden die Farben Weiß, Gold, Silber, Braun und Rot verwendet. Er stammt, wie der Barockaltar, aus der Werkstatt des Bildschnitzers Ernst Dietrich Bartels und ist eine Stiftung der Patronatsfamilie. Dieser Taufengel wird seit 1717 bis heute für Taufen genutzt und kann im Bedarfsfall herabgelassen werden. Die Taufschale wird für die Taufen in die Muschel gelegt. Der ursprüngliche Taufstein der Heinder Kirche aus dem Jahre 1589 mit dem Wappen der von Wallmoden hat heute seinen Platz in der Kapelle von Listringen.
Die letzte Restaurierung der Heinder Kirche, in deren Zusammenhang der Innenraum neu ausgemalt und der Dachstuhl erneuert wurden, fand 2014/15 statt.
Die Heinder Kirche ist von einem grünen und baumbestandenen Kirchhof umgeben, der bis heute als Friedhof genutzt wird. Auch die Verstorbenen der Familien von Wallmoden und von Kielmansegg wurden hier direkt unterhalb des Kirchturmes auf der West- und Südseite bestattet. Ihre Gedenktafeln sind an der Außenwand des Turms angebracht.
Ins Auge fallen auf dem Heinder Kirchhof eine größere Anzahl von alten und für die Barockzeit typischen Grabplatten, die zwar nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten stehen, aber dennoch für die Nachwelt erhalten blieben. Einige lehnen an der Ostseite der Kirche, eine größere Anzahl steht verteilt auf dem westlichen Kirchhof. Leider sind nur bei wenigen Grabplatten nähere Informationen zu den Verstorbenen bekannt.
Der 1747 im Alter von 50 Jahren verstorbene Jasper Bleckwenn wurde auf seinem Grabstein dargestellt mit seiner Frau Anna Eleonore Bollmanns und sieben Söhnen und einer Tochter. Vater und Söhne stehen der Größe nach aufgereiht in einer Reihe, während die Mutter das jüngste Kind auf dem Arm hält. Die Geschichte erzählt, dass Jasper Bleckwenn mit sieben seiner Söhne bei einem Hochwasser ertrunken sei, worauf seine Frau Anna mit der Jüngsten hinterher gesprungen sei. Der Bildhauer hat als Zeichen des Todes kleine Kreuze über den Köpfen der Ertrunkenen eingemeißelt.
Eine weitere Grabplatte gilt Johannes Heinrich Lohmann, Zeit seines Lebens Richter in Heinde, und seiner Ehefrau, die im Jahre 1772 im Abstand von zwei Tagen vermutlich an den Folgen einer Seuche verstarben. Dargestellt sind die Verstorbenen mit zwei Kindern.
Ein anderer Grabstein wurde für die Verstorbenen einer Familie aufgestellt, den Eheleuten Stein mit Sohn und Tochter.
Das Ehrenmal am östlichen Ende des neuen Friedhofes erinnert heute an die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege. Am Ehrenmal beginnt die Lindenallee, die Karl August Ludwig von Wallmoden (1792-1883) anlegen ließ. Sie führt bis zum benachbarten Dorf Listringen.
Pfarrhaus
Zu finden: Am Kirchberg 2
Ältestes Gebäude auf dem Kirchberg ist das zur Kirchenanlage gehörende Pfarrhaus von Heinde. Es wurde zwischen 1650 und 1700 nordwestlich unterhalb der Kirche und damit noch vor dem Bau der heutigen Kirche fertiggestellt. Der zweigeschossige Fachwerkbau unter einem Satteldach hat ein dreiseitig vorkragendes Obergeschoss. Profilierte Balkenköpfe und Füllhölzer, profilierte Knaggen unter den Balkenköpfen im Obergeschoss und Dachgeschoss der Deckenbalken schmücken die Fachwerkfassade. Die Ostgiebelseite ist zweifach vorkragend. Die Nordlängsseite wurde später mit Holz verkleidet. Westlich wurde ein schlichter Fachwerkanbau angesetzt.
Nach Aussage der Heinder Chronik blickten im Laufe der Zeit zahlreiche Pastoren über ihre Gemeinde hinweg. Bis heute werden vermutlich über 30 Geistliche mit ihren Familien in diesem schönen Gebäude gewohnt haben. Die Gräber der Pastoren Harnagel und Sauerwein sind noch heute auf dem Heinder Friedhof zu finden. „Dieses alte und ehrwürdige Haus hat schon so manches erlebt. Missionsfeste, Spielkreisfeste, Müllfeste, Jugendkreis, Spielschar, Männerkreis, Frauenkreis, Gottesdienst und so weiter. Um- und Anbauten fanden statt. Pastoren kamen und gingen“.
Bis 2024 wurde der Anbau vom Heinder Kindergarten genutzt, der an die Freiherr-vom-Stein-Straße umzog. Nach Umbauarbeiten wird dieser Gebäudeteil als barrierefreies Pfarr- und Gemeindehaus genutzt, in dem sich nun auch ein Archivraum befindet. Darüber hinaus wurde an die Pfarrwohnung im Obergeschoss auf der Südseite des Pfarrhauses ein Balkon mit Freisitz und Zugang zum Garten angebaut.
Pfarrwitwenhaus
Zu finden: Am Kirchberg 6
Ein zweigeschossiges Wohnhaus in Fachwerk auf erhöhtem Bruchsteinsockel unter Walmdach liegt direkt unterhalb der Kirche. Es entstand um 1800-1840 als Pfarrwitwenhaus.
Auf der Mitte der Westseite mit Ziegelpfannenbehang liegt der Eingang zum Gebäude. Die symmetrischen Fassaden haben je drei bzw. vier Fensterachsen.
Alte Schule/Küsterhaus
Zu finden: Am Kirchberg 4 (Am Kirchberg 3)
Ein weiteres zweigeschossiges Wohnhaus in Fachwerkbauweise mit annähernd quadratischem Grundriss unter einem Walmdach wurde ursprünglich als Schul- und Küsterhaus zwischen 1850 und 1880 errichtet. Das Obergeschoss verfügte über drei (Schlaf-)Kammern und eine Arbeitsstube für den Küster. Im Erdgeschoss befanden sich Wohnstube und Küche der Küsterfamilie, eine Schulstube für 110(!) Kinder sowie Viehställe und eine Dreschdiele. „Da das Einkommen der Lehrer oder besser der Schulmeister in der Vergangenheit nicht so üppig war, waren sie gezwungen, auf bäuerliche Weise ein „Zubrot“ zu erwirtschaften. Schweine-, Gänse- und Kuhstall waren fast so groß wie das für 110 Kinder gebaute Klassenzimmer, in dem heute gerade mal ein Schlafzimmer Platz findet“. Nord- und Südseite dieses Fachwerkhauses sind heute mit Ziegelpfannen verkleidet.
Wegen steigender Schülerzahlen reichte der Platz für den Unterricht Mitte des 20. Jh. nicht mehr aus und die Gemeinde entschied sich für den Bau eines zweiten Schulgebäudes Am Kirchberg 3, das Anfang der 1960er Jahre fertiggestellt wurde. Dieses wurde noch bis zum Bau der heutigen Schule an der Freiherr-v.-Stein-Straße genutzt.
Gefängnis
Zu finden: Ostertor/Am Thie
An der Stelle, wo die Dorfstraßen Am Thie und Ostertor aufeinandertreffen, steht ein kleines gemauertes Gebäude, das vermutlich in der Vergangenheit des Dorfes als Gefängnis diente. Urkundliche und in Hannover archivierte Nachweise wurden während des 2. Weltkrieges durch Brand leider vernichtet, aber die 90 Zentimeter starken Sandsteinmauern, die einzige in 2,40 Metern Höhe liegende Lichtöffnung und der auf 80 Zentimeter tief abgesenkte Fußboden weisen auf diese Funktion hin. Laut Heinder Chronik wird das Gefängnis um 1700 erbaut worden sein. „Nach der Überlieferung soll an der jetzigen (unmittelbar daneben liegenden, Anm. d. Red.) Trafostation früher der Schandpfahl gestanden haben. Dies wäre auch einsichtig, da er hier im Blickpunkt der Öffentlichkeit, nämlich am Hauptweg zur Kirche (Kirchgasse) gestanden hätte. Wäre man schon früher darauf aufmerksam geworden, hätten sich beim Bau der Trafostation mit ziemlicher Sicherheit Spuren des ehemaligen Prangers finden lassen.“
Nur wenige Schritte von diesem mutmaßlichen Gefängnis entfernt liegt der alte Thie-/Thingplatz von Heinde. Als Thie bezeichnete man im Mittelalter und möglicherweise auch schon deutlich früher mit Mauern eingefriedete, baumbestandene und erhöht liegende grasbewachsene Plätze in Dörfern, auf denen Versammlungen der Bauern, Bekanntmachungen, Gerichtsverhandlungen der niederen Gerichtsbarkeit und in späterer Zeit auch Feste abgehalten wurden. Diese Beschreibung trifft auch für den Thie in Heinde zu, der deutlich höher als das Dorf und in der Nähe der ehemals befestigten Turmhügelburg/Kirchberges liegt.
Laut Dorfchronik „wurde am 15.10.1465 zum erstenmal urkundlich ein offenes Gericht, nämlich das Meierding (Volksgericht) erwähnt. Den Vorsitz führte der Meier (Vogt). Der Streit über die Zugehörigkeit der Heinder Mühle zum Amt Heinde wird sicherlich auf dem Thingplatz nach alt germanischem Recht stattgefunden haben.“ Das in den Händen der Heinder Gutsherren liegende und nur die niedere Gerichtsbarkeit umfassende Patrimonialgericht (diese betraf zivilrechtliche Streitigkeiten, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Erbschaften und kleinere Strafsachen) endete am 11. Januar 1808. Das Meierding wurde aber bereits am 5. Oktober 1805 zum letzten Mal in Heinde abgehalten.
Gut Heinde
Zu finden: Hauptstr. 28
Zur Anlage des Rittergutes in Heinde (Gut Heinde/Gut Kielmansegg) gehören neben dem repräsentativen Herrenhaus eine Reihe von Wirtschaftsgebäuden, die im Wesentlichen im 18. Jahrhundert entstanden.
Sein heutiges Erscheinungsbild konnte der Gutshof erst ab 1693 entwickeln, als es Ludolf Achaz von Wallmoden gelang, angrenzende Flächen von Acker- und Köthnerhöfen zuzukaufen. Der Rittersitz ließ sich dadurch erweitern und nach Ende des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) konnte mit dem Bau der Wirtschaftsgebäude zum Ende des 18. Jahrhunderts begonnen werden.
Unter Ernst Franz von Wallmoden wurde der Baumeister Andreas Albrecht Bonsen mit der Errichtung der Gebäude beauftragt. Zwischen der Meierei (heute Verwalterhaus) und dem Pferdestall auf der Südseite des Hofes ließ man zunächst eine Baulücke für das Herrenhaus frei, in der erst 1781 im Auftrag des nächsten Erben Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn das barocke Wohnhaus errichtet wurde. Planung und Bauausführung werden vermutlich in denselben Händen wie die des Wallmoden-Schlösschens an der Herrenhäuser Allee in Hannover gelegen haben, das Johann Ludwig dort als führende Persönlichkeit des kurhannoverschen Hofes zwischen 1779 und 1782 bauen ließ.
Das Herrenhaus mit seinen identisch gestalteten streng symmetrischen Fassaden auf Nord- und Südseite ist Kernstück der bis heute erhaltenen Gutshofanlage. Es wurde freistehend und von den umgebenden Wirtschaftsgebäuden abgerückt auf einem hohen Sockel/Souterrain-Geschoss mit zwei weiteren Geschossen errichtet. Das Obergeschoss kragt auf diesen beiden Seiten vor. Im Kern ist das Gebäude ein Fachwerkbau, dessen vorgelagerte Ziegelwand verputzt wurde und in neun Fensterachsen gegliedert ist. Die Fenstergewände sind mit Sandstein eingefasst, Souterraingeschoss und Hochparterre mit Mezzaningeschoss (Halb- oder Zwischengeschoss) sind optisch durch ein Sandstein-Gurtgesims voneinander abgesetzt. Zum mittig liegenden Eingang führt eine doppelläufige Treppe. Im Dreiecksgiebel über der zweiflügeligen Eingangstür befindet sich das Wappen mit den Insignien der von Wallmoden und Gimborn.
Im Südosten der Gutsanlage schließt sich an das Herrenhaus ein eingeschossiges Fachwerkgebäude auf Betonsockel mit mittigem Zwerchhaus an. Die Dachfläche der ehemals als Meierei genutzten Gebäudes ist zu beiden Seiten mit deiner durchgängigen Lüftungsgaube für einen doppelten Kornboden versehen. Es wurde in den 1960er Jahren umfangreich erneuert und wird heute als Verwalterhaus genutzt. Vom Vorgängerbau, dessen Querflügel sich nach Süden erstreckte, ist an der Traufseite noch die Bruchsteinmauer erhalten.
An dieses Verwalterhaus schließt sich das langgestreckte Wirtschaftsgebäude als östlicher Flügel der Gutsanlage an, ein eingeschossiger, verputzter Massivbau unter Walmdach mit hofseitigen Zwerchhäusern in Fachwerk und Übereckquaderungen in Sandstein. Das als Werkstatt bzw. Stellmacherei und Remise genutzte Gebäude ist neben dem Kuhstall das älteste noch erhaltene Wirtschaftsgebäude aus der ersten großen Neubauphase im 17. bzw. frühen 18. Jahrhundert, entstand zwischen 1700 und 1750. Die geschweiften Formen über dem Türsturz und Tür- und Fenstereinfassungen in Sandstein sind dabei typische Merkmale der barocken Bauzeit. Das Dachgeschoss und die Dachfläche mit ihren Zwerchhäusern sind möglicherweise zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgestockt und nach Süden hin verkürzt worden.
Der ehemalige Kuh-/Rinderstall, ein eingeschossiger, verputzter Massivbau unter einem Walmdach, entstand ebenfalls in den Jahren zwischen 1700 und 1750. An die barocke Bauzeit erinnern auch hier die Übereck-Quader in Sandstein und die z.T. noch erhaltenen Fensteröffnungen, außerdem das vermauerte, längsovale Ochsenauge an der Südseite des heute als Maschinenhalle und Getreidelager genutzten Gebäudes. Im Rahmen einer Umgestaltung im ausgehenden 19. Jahrhundert durch die erste Gräfin v. Kielmansegg auf Heinde, Reichsgräfin Zoe, 1892 (i) erhielt es segmentbogenförmige Tür-/Tor- und Fensteröffnungen, sowie Maueranker und Baunähte an der Fassade.
Die Scheune wurde um 1765-1780 errichtet. Der eingeschossige Fachwerkbau auf Bruchstein-/Quadersockel unter Walmdach ist mit einer außermittigen Längsdurchfahrt und einer Quereinfahrt ausgestattet. Auch dieses Gebäude wurde im Zuge des Ausbaus des Wirtschaftshofes vermutlich von Baumeister Andreas Albrecht Bonsen ausgeführt.
An diese Scheune schließt sich querrechteckig eine Remise aus den Jahren 1890/1910 an, eine Fachwerkkonstruktion mit Satteldach. Die offenen Traufseiten werden von Ständern auf Prellsteinen in Sandstein gestützt. Auf der südlichen Giebelseite sind die Gefache mit Ziegeln ausgemauert.
Hinter der Remise liegend grenzt der ehemalige Schweinestall den Gutshof spiegelbildlich zum Werkstattgebäude nach Westen hin ab. Dieses Gebäude, ein eingeschossiger Massivbau in Ziegelbauweise, wurde zwischen 1880 und 1900 auf einem Sandsteinquadersockel errichtet. Hofseitig hat der Stall drei Fachwerk-Zwerchhäuser sowie eines an der nördlichen Stirnseite.
Der Pferdestall, ein spiegelbildliches Pendant zum Verwaltergebäude auf der östlichen Seite des Herrenhauses, entstand um 1765. Auch hierbei handelt es sich um einen eingeschossigen Fachwerkbau. Hofseitig erhielt der ehemalige Pferdestall ein außermittiges Zwerchhaus mit Lastenaufzug. Die Gefache wurden im Laufe der Zeit ziegelausgemauert, am Ostgiebel ist das alte Flechtwerk aber teilweise erhalten geblieben. Der östliche Gebäudeteil wurde in der Vergangenheit auch als Pferdeknecht-Unterkunft genutzt. Das Dachgeschoss unter dem steilen Satteldach diente auch als Kornboden. Mit dem direkt westlich vom Herrenhaus liegenden Gebäude schließt sich die nach den Pläne des Baumeisters Andreas Albrecht Bonsen um 1765 geschaffene Neuerrichtung der Wirtschaftsgebäude zu einer symmetrische gegliederten Anlage.
Am Wallmodenweg liegen drei weitere zum Gut gehörende Gebäude.
Das um 1910 errichtete Schweinemeisterhaus des Gutes, benannt nach dem ursprünglichen Bewohner, befindet sich an der nordwestlichen Ecke des Wirtschaftshofes. An den einstöckigen Ziegelmassivbau wurde am Südgiebel ein etwas niedrigerer Wagenschauer angebaut. Das ursprünglich im Fachwerkstil erstellte Haus wurde im 20. Jahrhundert umgebaut, die Fachwerkstrukturen sind aber an der südöstlichen Wand noch erkennbar. Das Haus wird nach wie vor vom Gut als Wohnhaus genutzt.
Direktes Nachbargebäude ist das ehemalige Arbeiterwohnhaus, das um 1850 als Tagelöhnerhaus am Wallmodenweg entstand. Der kleine eingeschossige Fachwerkbau unter Walmdach war ursprünglich um etwa die doppelte Länge in Richtung Südosten ausgedehnt.
Seit Ende der 80er Jahre des 20. Jh. stellt das Gut der Heinder Dorfjugend einen Teil des Gebäudes als Jugendtreffpunkt zur Verfügung. Dieser ist unter dem Namen “Villa Gnadenbrot“ bekannt.
Auf dem Eckgrundstück Wallmodenweg/Hauptstraße steht der ehemalige Schafstall des Heinder Gutes. In diesem hat seit einigen Jahren die Brauerei „Heinder Naturtrüb Gbr.“ ihren Sitz, über die man hier mehr erfahren kann.
Wohnhaus für Gutsmitarbeiter
Zu finden: Ostertor 3a
Unweit des Heinder Gutes baute der Gutsbesitzer ein Wohnhaus, in dem acht seiner Mitarbeiter mit ihren Familien Platz hatten. Das Gebäude ist noch immer im Besitz des Gutes und nicht nur als „Neuer Hof“, sondern auch unter dem Namen „Regierung“ im Ort bekannt. Was hinter diesen Namen steckt, erfährt man hier.
Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Zu finden: Hauptstr. 15
Laut Denkmalatlas des Landes Niedersachsen entstanden die für das 18. Jh. charakteristischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Gebäudekomplexes an der Hauptstr. 15 um 1770, jedoch nicht an seinem heutigen Standort. Es wurde erst um 1840 als Haupthaus einer Hofanlage hierher versetzt und wieder aufgebaut.
Das zweigeschossige Fachwerkhaus ist mit dem Ostgiebel, in dem sich der Wohnteil des Hofgebäudes befindet, zur Straße hin orientiert. Die nach Norden und Süden gehenden Längsseiten sind 13 Gefache lang.
Gut Walshausen
Zu finden: Walshausen 1
Gut Walshausen liegt an der L499 zwischen Heinde und dem Hildesheimer Ortsteil Itzum. Erste urkundliche Erwähnung findet das Gut Walshausen im Jahre 1146. Damals gründete Bischof Bernhard I. das Kloster St. Godehard und schenkte diesem eine Mühle in Walshausen, die vermutlich an der Innerste lag, heute aber nicht mehr existiert. Das Gut ging schon bald als Obödienz-Gut an das Hildesheimer Domkapitel. Obödienz-Güter waren von der allgemeinen Verwaltung des Domkapitels ausgenommen und wurden stattdessen unter der Auflage von Abgaben von einem einzelnen Domherrn verwaltet und bewirtschaftet. Laut den Ausführungen von Josef Stratmann ist davon auszugehen, dass die Hildesheimer Domherren das Gut nicht dauerhaft bewohnten, sondern nur als kurzzeitigen Landsitz nutzten und die Bewirtschaftung ab Anfang des 17. Jh. sicher durch Meier erfolgte.
„Um einen zeitlich begrenzten Landaufenthalt zu gewährleisten, behielten sich die Domherren die private Unterkunft im Wohnhaus und die Nutzung des Küchengartens vor.“
Zu den Inhabern der Obödienz Walshausen gehörten damals neben Johann Adolph von Fürstenberg (1631-1704) u.a. auch Jobst Edmund von Brabeck (1619-1702), Johann Gottfried von Hörde (1611-1686), Johann Wilhelm Freiherr von Twickel (1682-1757) und Levin Stephan Wilhelm von Wenge (gest. 1776). Deren Wappen sind auf zwei Torpfeilern zu erkennen, die vermutlich zur Zeit der Obödienzen die Einfahrt zum Gut markierten und heute am Eingang der ehemaligen Pferdewiese stehen: das Wappen der von Twickel mit einem Schornsteinhaken, der von Brabeck mit drei S-förmig gebogenen Wolfsangeln, der von Wenge mit einem Turm mit spitz zulaufendem und mit Kreuz bekröntem Dach, außerdem das Wappen der von Giesenberg mit drei balkenweise sitzenden Vögeln (Amseln).
Ab 1776 gelangte Gut Walshausen in den Besitz von Franz Cölestin Freiherr von Beroldingen (1740-1798), der keine kirchliche Laufbahn einschlug, sondern sich aufgrund einer Erkrankung dauerhaft auf das Gut zurückzog und bis zu seinem Tod in Walshausen lebte. Unter ihm erlebte das Gut einen enormen wirtschaftliche Aufschwung, „die Wirtschaftsgebäude, der Pferdestall und das Kornhaus im Westen sowie die Scheune im Nordosten des Wirtschaftshofes sind auch heute noch vorhanden. ... Die Scheune und der Pferdestall stammen vermutlich aus der Zeit vor 1776, so dass Beroldingen nur das Kornhaus hinzufügte. Die Wirtschaftsgebäude ließ Beroldingen ebenso wie das in Fachwerk errichtete Gutshaus herrichten, das mit seinen Maßen von ca. 80 x 30 Fuß wie ein Riegel den Hof nach Süden abschloss.“
Dieses Wohnhaus, das etwa an der Stelle der heutigen runden Grünfläche im Gutshof stand, existiert heute nicht mehr. Es wurde unter Sophie Charlotte Gräfin von Schwicheldt, die das Gut von dem ersten Privatbesitzer und Apotheker Conrad David Helmer im Jahre 1829 kaufte, abgerissen und durch das heutige klassizistische Wohnhaus ersetzt.
Nach dem Tod der Gräfin ging Gut Walshausen in den Besitz ihres Enkels und Universalerben Bodo Ernst Leon Friedrich von Steinberg über. 1846 wurde das Gut Eigentum des Grafen Karl von Wallmoden. Als dieser am 28. Februar 1883 kinderlos starb, erlosch mit ihm die Heinder Linie der Adelsfamilie von Wallmoden. Karls Witwe Gräfin Caroline Zoe geb. von Grünne lebte aber noch bis 1894 in Walshausen. 1897 gelangte das Gut durch die Heirat des Friedrich von Kielmansegg mit Karls Schwester Friederike Eleonore Juliane von Wallmoden an die von Kielmansegg, befindet noch immer im Besitz der Familie und wird, nach Jahrzehnten der Vermietung, seit 2023 wieder von den Erben bewohnt.
Eine Karte des Geometers H. F. Deichmann aus dem Jahre 1796, die im Auftrag von Franz Cölestin von Beroldingen im Rahmen einer Vermessung angefertigt wurde, „zeigt ... eine eher unregelmäßige Hofanlage mit einem typischen langgestreckten Herrenhaus als südlichem Abschluss“. Dieses Erscheinungsbild veränderte sich durch die Planungen des hannoverschen Hofbaumeisters Georg Friedrich Laves (1788-1864), der von der Gräfin von Schwicheldt mit einem Neubau des Gutshauses beauftragt worden war. Die gesamte Architektur der Hofanlage wurde „im Stile der Zeit auf eine strenge Geometrie ausgerichtet. ... Aber mit klaren und einfachen Mitteln überspielt der Gesamtentwurf die Schieflage und Asymmetrien der überkommenen Gebäude durch architektonische Ergänzung und Korrekturen, auch wenn dabei erneut unregelmäßige Grundrisse, Blindfenster und – manchmal bis ins Zwanghafte – Scheinsymmetrien in Kauf genommen werden müssen. Durch die gleichgestalteten Fassaden des Palmariums und des Landarbeiterhauses, die dem ebenso neuen Gärtnerhaus und dem bestehenden Pferdestall angefügt werden, wird der Betrachter durch die Komposition und Proportion der Gebäude auf den architektonischen Ziel- und Höhepunkt vorbereitet: die Villa.“
Das Walshauser Wohnhaus erinnert mit der nahezu quadratischen Grundform und seinem Pyramidendach an die ländlichen Villen des Veneto, die Laves während eines Italienaufenthalts kennengelernt hatte. Sie zählt zu den bedeutenden baukulturellen Zeugnissen des Klassizismus im vormaligen Gebiet des Hochstifts Hildesheim.
Für den Betrachter von außen nicht sichtbar, liegt im Inneren der Walshauser Villa ein rundes Vestibül im Kern des quadratischen Grundrisses, zu dem Laves durch die Villa Rotonda von Andrea Palladio bei Vicenza inspiriert wurde.
Der zweigeschossige Kubus mit hell gestrichener Verschalung stellt nach Ansicht von Peter Struck eine Besonderheit im Werk von Laves dar, da er mit der Regel bricht, die beiden Seitenfassaden im Verhältnis zur Eingangs- und zum Park ausgerichteten Südseite schlichter zu gestalten. „In Walshausen werden die vier Fassaden nicht nur in etwa gleichwertig behandelt – lediglich die Ost- und Südfassade werden kaum merklich hervorgehoben –, sondern zudem auch alle unterschiedlich gestaltet.“ Die voneinander abweichenden Fassadengestaltungen spiegeln das Innenleben des Hauses nach außen, wobei „die symmetrischen Entsprechungen und ästhetischen Vorgaben des Klassizismus über den Haufen geworfen werden.“ Wesentlicher Auftrag bei der Planung der neuen Villa bestand für Laves darin, ein Wohnhaus zu schaffen, in dem Wohnlichkeit, Zweckmäßigkeit und der Wunsch der Bauherrin nach Rückzugsmöglichkeit und Intimität miteinander in Einklang standen.
Bei der Nordfassade der Villa ohne aufwändige Risalite und Giebel, dem mittig liegenden Eingang und sieben symmetrisch angeordneten rechteckigen Fenstern wurde auf eine repräsentative Vorfahrtsrampe verzichtet. Zur Eingangstür führt eine schlichte und nur aus wenigen Stufen bestehende U-förmige Treppe.
Das Bild der Ostseite mit neun rechteckigen Fenstern wird geprägt durch einen Erker und eine halbrunde Terrasse im Erdgeschoss. Sie bilden eine optische Einheit mit dem innen liegenden und zur Morgensonne ausgerichteten ovalen privaten Kabinett der Gräfin und schaffen außerdem eine besondere Verbindung zum Garten.
Auf der zum großen Gutspark ausgerichteten Südseite der Villa liegen hinter rundbogigen hohen Fenstern der Gartensaal und das Speisezimmer. Vom Gartensaal aus ist die vorgelagerte große und erhöht liegende Terrasse zu erreichen, die über eine Treppe zum Gutspark mit seinen Teichen und prächtigen alten Bäumen hin geöffnet ist.
Zehn rechteckige Fenster liegen auf der Westseite der Villa, wobei es sich bei einigen von ihnen nach den Plänen von Laves, ebenso wie auch auf der Ostseite, zur Wahrung der Symmetrie um Blindfenster handelt. Im Souterrain befindet sich hier auch ein Zugang zu den auf dieser Hausseite liegenden und zum Nutzgarten ausgerichteten ehemaligen Wirtschaftsräumen.
Das Pyramidendach des Walshauser Gutshauses hat nur auf der Nord- und Südseite jeweils eine halbtonnenförmige Dachgaube. Die ursprüngliche quaderimitierende Holzverschalung wurde 1985/86 nach zwischenzeitlichem Ersatz durch Zementplatten rekonstruiert.
Nach Ansicht von Martin Thumm und Frank Christ, die sich aus Anlass des 850. Geburtstages von Gut Walshausen mit seiner Architekturgeschichte beschäftigten, entfaltet die Villa ihre vielleicht schönste Wirkung „in der Distanz von unterschiedlichen Positionen der Landschaft und des Parkes aus. Als fernes Ziel von den Anhöhen, als flüchtiges Bild im Spiegel der Teiche, als immer wieder auftauchender fester Punkt beim beschaulichen Rundgang durch den Park ...“
Das nicht vom Hof, sondern nur vom Park und der Villa aus sichtbare Glashaus zählt zu den frühen Konstruktionen dieses Bautyps aus Glas und Eisen. Nach Norden hat das Gewächshaus hinter einer massiven und vor Kälte schützenden Mauer Arbeitsgänge und Nebenräume (gut zu sehen vom Parkplatz/Osthof aus), nach Süden sind die Front und das Pultdach komplett verglast. Die mit einfachen und doppelten Rahmen versehenen Glasfenster können über Kippflügel und Schiebefenster geöffnet werden. Das Glashaus wurde nach seiner Errichtung über ein in der damaligen Zeit konventionelles Heizungssystem beheizt, verfügte aber über die technische Besonderheit einer aus zweitausend schuppenförmigen Glasscheiben bestehenden doppelten Schrägverglasung. Das Klima der beiden Haupträume konnte durch unterschiedliche Belüftungssysteme reguliert werden.
Bei den beiden im rechten Winkel an das Wohnhaus anschließenden Gebäuden handelt es sich um das Palmarium/die Orangerie und das ehemalige Gärtnerhaus des Gutes. Diese waren ursprünglich und so wie von Laves geplant über Lanzetten-Gittertore mit der Villa verbunden.
Das Palmarium entstand, wie die Villa, im Jahre 1829. Der eingeschossige Fachwerkbau mit Satteldach wurde auf einem Werksteinsockel errichtet. Der Südgiebel des Palmariums ist durch eine geschosshohe, breite unterteilte Fensterwand geöffnet. Über der mittig liegenden Glastür befindet sich ein rundbogiges Oberlicht. Während der Zeit von Graf Wallmoden und auch in der nachfolgenden Zeit bis 1900, als der Park für die Allgemeinheit geöffnet war und ein beliebtes Ausflugsziel darstellte, betrieb der damalige Gärtner Wöhleke eine Kaffeewirtschaft im Orangeriesaal. Laut Überlieferungen fuhren sonntags bis zu 50 Kutschen den Walshauser Gutspark an. Die Besucher gingen im Park spazieren, nutzten eine im Park angelegte Kegelbahn und ein am unteren Teich liegendes Boot.
Die zur Hofseite liegenden Fassaden dieser beiden kleinen Fachwerkhäuser sind nach den Plänen von Laves identisch gestaltet, d.h. die Anordnung des Fachwerkabbundes, die mittig liegenden Türen und flankierenden Fenster entsprechen sich. Um die Symmetrie zu wahren, sind auch die Giebelseiten gleich gestaltet. Die für die Überwinterung der südländischen Topfpflanzen notwendige umfangreiche Verglasung des Palmariumgiebels konnte im Giebel des Landarbeiterhauses jedoch nicht umgesetzt werden, um die totale Ein- und Aussicht sowohl für die Bewohner der Villa als auch der Bediensteten zu vermeiden. Daher wurde dieser Giebel zunächst ausschließlich mit Blindfenstern versehen. Heute sind diese verglast, das Landarbeiterhaus ist vermietet und wird bewohnt.
An das Palmarium schließt das ehemalige Gärtnerhaus an, in dem sich heute ebenfalls mehrere Mietwohnungen befinden.
Auf der gegenüberliegenden Hofseite liegt im Anschluss an das Landarbeiterhaus ein den Maßen des Gärtnerhauses entsprechendes Gebäude, der ehemaligen Pferdestall aus dem Jahr 1820 sowie die Remise. Untersuchungen an der Bausubstanz haben ergeben, dass diese zu den ältesten Gebäudeteilen des Gutes gehören und bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jh. errichtet wurden. Im Zuge der Umplanung durch Laves wurden aber deutliche bauliche Veränderungen vorgenommen. Heute befindet sich im Pferdestall der Kunstraum Walshausen mit den Ausstellungsräumen der Galeristin Benita Bonitz. Noch heute erinnern aber die Eisenringe, an denen einst die Pferde festgemacht wurden, an die ursprüngliche Nutzung.
An Pferdestall und Remise schließt sich das Kornhaus an. Dieser Gebäudeflügel, an dem seit jeher Wein rankt und wächst, schließt den Gutshof nach Norden hin zur Straße ab. Breite Schlepp-/Lüftungsgauben in zwei Lagen am Dach lassen große Lagerböden im Inneren des Kornspeichers aus der Zeit der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung des Gutes erahnen.
Den Dachreiter für die Stundenglocke der Uhr im Giebel erhielt das Kornhaus erst um die Wende zum 20. Jh. Die bis heute funktionsfähige Uhr muss wöchentlich mechanisch aufgezogen werden.
In der gegenüberliegenden und an das Gärtnerhaus anschließenden Scheune stehen noch heute große auf dem Gut und im Gutspark benötigte Maschinen. Die Scheune ist in das 18. Jh. zu datieren und war ursprünglich nach Osten hin durch einen zweiten Gebäudeteil verlängert. Dieser und später im Zuge der landwirtschaftlichen Mechanisierung im 19. Jh. errichteten Gebäude auf dem Osthof existieren heute nicht mehr.
Nach dem Tod des letzten Grafen von Wallmoden-Gimborn ging Gut Walshausen an den Grafen von Kielmansegg und wurde von diesem zunächst verpachtet. Von 1919 bis 1941 bewohnten Graf Eduard von Kielmansegg und seine Familie Walshausen dauerhaft und auch nach seinem Tod wird Walshausen zum Wohnsitz seines Sohnes Carl Nikolaus (1908-1990) und seiner Familie. Sein Sohn Nikolaus von Kielmansegg verlegte seinen Wohnsitz später auf das Gut in Heinde.
Nach einer Phase des Leerstands und Verfalls zwischen 1941 und 1989 wurde das Gut von einer Gruppe von Professoren, Künstlern und Architekten gepachtet und schrittweise saniert. Dazu gründeten sie 1991 den Förderverein Walshausen e.V. mit dem Ziel, die damals unbewohnte Villa, die Gutsgebäude und den Park vor dem Verfall zu bewahren.
Dieser Aufgabe ist der Verein bis heute in herausragender Weise nachgekommen und hat seit seiner Gründung außerdem viele Mitglieder hinzugewonnen. Diese unterstützen die Gutsbesitzer von Heinde und Walshausen, das Ehepaar Maria Gräfin von Kielmansegg und Karl Freiherr von Twickel, die die Villa seit 2023 bewohnen, die Restaurierung und Instandhaltung der Gebäude weiter vorantreiben und dem Park seine ursprüngliche Ausstrahlung zurückgeben wollen.
Der Osthof des Gutes wird heute als Parkfläche für PKW genutzt. Von hier aus können Besucher vom 1.Mai bis zum 31.Oktober jeweils freitags zwischen 10 und 18 Uhr über einen schmalen Weg den Park von Walshausen erreichen. Um die Privatsphäre der Gutsbewohner zu wahren, werden interessierte Besucher darum gebeten, den Park ausschließlich zu diesen Zeiten zu betreten und die angelegten Wege nicht zu verlassen. Der Park kann während dieser Öffnungszeiten auch über einen Zugang im Süden von der Innerste aus verlassen und betreten werden. Die Begehung des Parks geschieht auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder. Fahrräder, Hunde und Pferde sind im Park nicht zugelassen.
Lavesbrücke
Zu finden: unterhalb von Gut Walshausen an der Innerste
Die Lavesbrücke im Innerstetal unterhalb von Gut Walshausen wird wegen ihrer Konstruktion auch Fischbauchbrücke genannt. Diese Konstruktionsweise verwendete Georg Friedrich Laves (1788-1864) mehrfach und so auch in Derneburg am später nach ihm benannten Laves-Pfad.
Als Laves 1829 das Gut Walshausen im klassizistischen Stil umbaute, wurde er von der Bauherrin auch mit der Anlage eines englischen Landschaftsparks beauftragt. Unterhalb dieses Parks führte seitdem auch eine Holzbrücke über die Innerste. Sie stellte über 100 Jahre lang eine viel genutzte wichtige Flussüberquerung sowohl für die Gutsherrschaft auf Walshausen als auch für die Bewohner dar.
Als diese Brücke um die Mitte des 20. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit nach einem Hochwasser abgerissen werden musste, entwickelte sich bei der Bevölkerung bald der Wunsch, erneut eine Brücke zur Überquerung des Flusses zu schaffen.
Auf der Website der Stadt Bad Salzdetfurth heißt es dazu: „Aus einer Vision wurde nach jahrelangen Bemühungen Realität“. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete die Ortschaft Groß Düngen, u.a. mit der überregionalen Publicity des dort jährlich stattfindenden Weihnachtsmarktes und „eine noch nie da gewesene Solidargemeinschaft im Mittleren Innerstetal“.
2004 gestalteten acht Anrainer-Gemeinden gemeinsam mit ihren Vereinen und Verbänden, der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk ein außergewöhnlich großes Aufsehen erregendes Brückenfest. Von Rundfunk und Fernsehen begleitet demonstrierte man u.a. mit zwei provisorischen Brücken – eine Panzerbrücke der Bundeswehr und eine Hängebrücke des THW – den Wert einer Flussüberquerung für die Bewohner des Innerstetales und für die Erholung der Allgemeinheit schlechthin.“
Seit Sommer 2005 wird nun die schöne, nach Laves-Vorbild konstruierte Brücke unterhalb von Gut Walshausen nicht nur als einfache Flussüberquerung von den Menschen im Innerstetal genutzt. Sie ist mittlerweile auch ein Ziel für viele Fuß- und Radwanderer von nah und fern und erinnert an den bedeutenden Architekten und Landschaftsplaner und dessen Wirken im mittleren Tal der Innerste.
Spuren von historischen Produktionsstätten
Heinder Wassermühle (Innerste-Mühle)
Zu finden: Mühlenweg 8
Die Heinder Mühle liegt am südlichen Ortsrand von Heinde an der Innerste unterhalb des Kirchberges. Mühle und Kirchberg sind über einen Fußweg miteinander verbunden.
Die Heinder Mühle wird erstmals im Zusammenhang mit einem Streit am 15.10.1465 zwischen Graf Tedel von Wallmoden und dem Mühlenbesitzer erwähnt. Der Streit, in dem es um die Zugehörigkeit der Mühle zum angrenzenden Amt Marienburg oder zum Amt Heinde und in diesem Zusammenhang natürlich um Abgaben und Zahlungen ging, wurde nach Heinder Chronik „vor dem offenen Gericht am Thingplatz in Heinde ausgetragen. ... Wie der Streit ausging, ist nicht überliefert. Die Wallmoden werden wohl gewonnen haben, denn fortan verpachteten die Wallmoden die Mühle in eigener Regie.“
Die Mühle verfügte in der Vergangenheit über vier Schaufelräder, über die die Kraft der Mühle erzeugt wurde. Die Energieeffizienz ging mit der Stärke des Wasserzulaufes einher.
Da sich die Innerste einige hundert Meter vor der Mühle in zwei Arme teilte und sich erst hinter der Mühle zu einem Arm zusammenschloss, ging naturgemäß wertvolle Wasserkraft verloren. Diese Tatsachen führte über 200 Jahre später zu einem weiteren Streit, der in die Geschichte Heindes einging. Denn Ludwig Achaz von Wallmoden (1669-1713) ließ den einen der beiden Zuläufe mittels eines Damms zuschütten, ohne die Genehmigung des Domkapitels in Hildesheim als zuständigem Inhaber des benachbarten Amtes Marienburg einzuholen. Gegen den Dammbau setzten sich die Bauern des Nachbarortes Klein Düngen auf der anderen Seite der Innerste mit Recht zur Wehr, da sie Überschwemmungen befürchteten, die ihre Wiesen und Viehweiden schädigen würden. „Für die Viehhaltung auf den Dörfern, ja selbst in der Stadt, waren die Wiesen damals ängstlich gehütete Kostbarkeiten.“
Die Beschwerde der Klein Dünger Bauern beim Domkapitel war erfolgreich und am 20. August 1695 wurde dem Grafen von Wallmoden über den Amtmann von Marienburg mitgeteilt, dass der Damm wieder abgetragen und das Ufer der Innerste in den vorherigen Zustand versetzt werden müsse. Zudem warnte man den Grafen bei Nichtbeachtung der Forderungen davor, „dass man sonst gezwungen sein würde, sein Recht durch Selbsthilfe zu suchen“. Tatsächlich weigerte sich von Wallmoden, den für seine Mühle nützlichen Damm wieder einzureißen und so rückte der Amtmann von Marienburg gemeinsam „mit einem Haufen Bauern aus den umliegenden Dörfern, so u.a. aus Söhre und Wesseln, die z.T. mit geladenem Gewehr und sonst mit Schaufeln und Sippen bewaffnet waren“, an der Innerste an, „hat durch den Müller von Kleindüngen den Heinder Müller zu sich rufen lassen und ihn in Arrest genommen. Sodann wurde der Befehl des Domkapitels verlesen und darauf begann die Arbeit der Durchstechung des Damms. Die Mühle wurde besetzt, der Müllerbursch vertrieben; ja man habe sogar gedroht, ihn ins Wasser zu werfen. In Heinde und Listringen hat man daraufhin die Sturmglocken geläutet.“ Achaz von Wallmoden ließ den Damm durch Reisiggeflecht, Erdaufschüttung und neue Pfähle ausbessern, was zur Folge hatte, dass der Amtmann mit seiner Gefolgschaft eine Woche später wieder zu Werke ging.
Es folgte ein fünf Jahre andauernder Rechtsstreit zwischen dem Grafen von Wallmoden und dem Domkapitel vor dem fürstlichen Hofgericht in Hildesheim. „Ein ständiges Hin und Her der gegnerischen Anwälte ... mit gegenseitige(n) Beleidigungen waren an der Tagesordnung“. Der Fall wurde wegen Überforderung des fürstlichen Gerichts schließlich an die Juristenfakultät in Marburg weitergeleitet. Diese verurteilte beide Anwälte „zu Geldstrafen wegen Beleidigung und das Domkapitel musste an Wallmoden 12 Schock Strauchholz und sechs Fuder Pfahlholz liefern“.
Wer heute einen der schönen Spazier- und Wanderwege bei Heinde durch das Innerstetal nutzt, wird keinen Damm, aber noch immer die Mühle mit ihren Gebäuden vorfinden. Eine Inschrift an der Nordseite des heutigen Mühlengebäudes bezeugt sein Entstehungsjahr: „Erbauet von Graf Karl Wallmoden-Gimborn, 1881“.
Ebenfalls beteiligt am Bau der Mühle war offensichtlich Müller Heinrich Gottlieb Wedemeyer, Pächter ab 1797, denn auf der Südseite ist zu lesen: „In Hoffnung und Geduld hab ich gebaut auf gutem Grund. Heinrich Gottlieb Wedemeyer. 1824“. In den nachfolgenden Jahrzehnten nahm die Mühle bei einem Brand schweren Schaden, wurde aber wieder aufgebaut.
Der eigentliche Mühlenbetrieb wurde 1954 eingestellt, die Wasserkraftanlage produziert aber weiterhin und nun mittels zweier Turbinen erfolgreich Strom, der in das Netz der e.on Avacon AG eingespeist wird.
Teile des Mühlengebäude sind heute bewohnt und werden außerdem gewerblich genutzt.
Alte Molkerei (Volksbank, Tierarztpraxis)
Zu finden: Hauptstr. 36
Das Gebäude der Molkerei von Heinde wurde 1889 gebaut. Der Molkereibetrieb lag im Erdgeschoss, im Obergeschoss eine Wohnung.
Nach der Schließung des Molkereibetriebes kaufte die 1924 in Heinde gegründete Spar- und Darlehnskasse das Gebäude und baute die Räumlichkeiten als Warenlager für landwirtschaftliche Produkte um. Der Geschäftsraum der Bank befand sich zunächst im Wohnhaus des damaligen Rechnungsführers Gustav Harenberg, heute Am Thie 1.
Nach der Fusion der Spar-und Darlehnskasse Heinde mit den Geschäftsbetrieben in Heersum, Wesseln und Söhre bezog die Bank die Räume im Erdgeschoss des ehemaligen Molkereigebäudes und nutzte sie, zwischenzeitlich (1970) zur Volksbank umbenannt, bis 2023.
Im September 2025 zog schließlich eine Tierarztpraxis in das Gebäude an der Hauptstraße ein.