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Geschichtliches

Bettrum gehört zu den älteren Siedlungen in der Hildesheimer Börde. Die Ursprünge des Dorfes reichen vermutlich bis in die Zeit der fränkisch-sächsischen Siedlungsentwicklung zurück. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus einem Einnahmeregister des Hildesheimer Dompropstes Johann aus den Jahren 1277/86. Dort wird der Ort als „Bettenem“ beziehungsweise „en betten rum“ bezeichnet. Weitere Namensformen sind Betthenem (1317), Bettenum (1325), Bettelem (1412) und Bettrem (1542). Die genaue Herkunft des Ortsnamens ist nicht geklärt; möglich ist eine Deutung als „Bettos Heim“.

Eine bekannte Bettrumer Ortssage erklärt den Namen des Dorfes auf besondere Weise: Beim Bau des Kirchendachstuhls soll ein Zimmermann wegen eines schiefen Sparrens seinem Kollegen zugerufen haben: „Bett'n rum!“ – also „etwas herum“. Die Sage lebt bis heute im Ortswappen weiter: Der Sparren steht für den Dachstuhl der Kirche, die Rose erinnert an das Geschlecht derer von Saldern.

Im Mittelalter gehörte Bettrum zum Herrschaftsbereich des Hochstifts Hildesheim. Das Rittergeschlecht der von Saldern war hier begütert. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde kam Bettrum 1523 mit dem Amt Steinbrück an Braunschweig-Wolfenbüttel und 1643 wieder unter hildesheimische Herrschaft. Im Zuge der Säkularisation fiel der Ort 1802 an Preußen, gehörte ab 1807 zum Königreich Westphalen und kam 1815 zum Königreich Hannover.

Eine wichtige Rolle in der Ortsgeschichte spielt die St.-Martins-Kirche, deren Ursprünge vermutlich im 12. Jahrhundert liegen. 1542 wurde in Bettrum die Reformation eingeführt. Die Kirche wurde 1553 im Zweiten Markgrafenkrieg verwüstet und während des Dreißigjährigen Krieges erneut durch Truppen Tillys geplündert.

1807 bis 1813 gehörte Bettrum zum Königreich Westphalen, das Napoleon nach dem Frieden von Tilsit gründete und von seinem Bruder Jérôme Bonaparte regieren ließ. Das frühere Hildesheimer Gebiet wurde in den neuen Staat eingegliedert und nach französischem Vorbild verwaltet. Für die Bevölkerung bedeutete die Zeit neben neuen Verwaltungs- und Rechtsstrukturen vor allem Steuern, Einquartierungen und der Einsatz von Soldaten für Napoleons Armee. Nach Napoleons Niederlage 1813 endete die französisch geprägte Herrschaft; Bettrum kam anschließend zum Königreich Hannover.

Bettrum hat sich verändert – und dabei seinen dörflichen Charakter bewahrt. Wo früher die Landwirtschaft das Leben bestimmte, ist heute eine lebendige Wohn- und Pendlergemeinde entstanden. Besonders seit den 1960er-Jahren wuchs der Ort durch neue Baugebiete stetig weiter. Rund 800 Menschen leben heute in Bettrum. Viele von ihnen arbeiten in Hildesheim, Salzgitter oder der näheren Umgebung.

Bettrum liegt verkehrsgünstig: Die Bundesstraße 444 und die Landesstraße 475 führen am Ort vorbei. Mit dem Bus geht es nach Hildesheim und zum Bahnhof Hoheneggelsen. Von dort sind Braunschweig, Hildesheim und weitere Städte schnell erreichbar.

Rund um Bettrum erstreckt sich fruchtbares Bördeland. Landwirtschaft gehört weiterhin zum Ortsbild, auch wenn heute nur noch zwei Landwirte aktiv Ackerbau betreiben. Geschäfte, die früher zum Dorf gehörten, sind dagegen weitgehend verschwunden. Für den Einkauf geht es meist ins nahe Hoheneggelsen. Dafür gibt es mit dem Hofcafé im Obstgarten einen neuen beliebten Treffpunkt für Einheimische, Radfahrer und Ausflügler.

Was Bettrum besonders auszeichnet, ist seine Dorfgemeinschaft. Rund um das Dorfgemeinschaftshaus, das Pfarrhaus und die Jugendscheune an der Breiten Straße spielt sich ein großer Teil des Dorflebens ab. Vereine und engagierte Einwohner sorgen das ganze Jahr über für Veranstaltungen, Feste und gemeinsame Aktivitäten.

Und Bettrum schaut nicht nur nach vorn, sondern bewahrt auch seine Vergangenheit: Das Team der Bettrumer Dorfchronik hält die Geschichte des Ortes lebendig. Fotos, Geschichten, Dokumente und Erinnerungen werden gesammelt und die Entwicklung des Dorfes bis in die Gegenwart dokumentiert.

Bettrum ist damit ein Dorf im Wandel – modern genug zum Wohnen, dörflich genug zum Wohlfühlen und mit einer Gemeinschaft, die sich selbst um ihr Dorf kümmert.


Historische Baulichkeiten

St. Martin zu Bettrum

Zu finden: Breite Straße 7

Die St.-Martins-Kirche prägt seit Jahrhunderten das Ortsbild von Bettrum. Ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Damals wurde vermutlich der erste Wehrturm errichtet, der zugleich als Taufkapelle diente. Der heutige Westturm stammt in Teilen aus der Zeit um 1500. Sein markantes Bruchsteinmauerwerk und die sogenannte spanische Haube machen ihn zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen des Dorfes. Derzeit (2026) wird der Turm restauriert und ist eingerüstet.

Nach der Einführung der Reformation 1542 blieb die Kirche von den wechselvollen Zeiten nicht verschont. Brände und Kriegsereignisse richteten mehrfach Schäden an, im 17. und 18. Jahrhundert folgten umfangreiche Erneuerungen. Ihr heutiges Gesicht erhielt die Kirche jedoch vor allem durch den Neubau von 1848/49 nach Plänen des Baumeisters Friedrich August Ludwig Hellner. Der alte Westturm wurde dabei einbezogen, während das Kirchenschiff als großzügiger Ziegelbau mit hohen Rundbogenfenstern entstand. Rund 450 Menschen finden darin Platz.

Besonders ungewöhnlich ist die Gestaltung des Innenraums. Hellner machte die Kanzel zum Mittelpunkt und ließ sie wie einen Balkon gestalten. Die Botschaft dahinter ist sinnbildlich: Die Predigt soll nicht im Kirchenraum bleiben, sondern hinaus in die Welt wirken.

Auch die übrige Ausstattung ist bemerkenswert. An der Ostwand befindet sich eine gemalte Altarwand in der Art eines Kanzelaltars. Beiderseits der Kanzel zeigen Gemälde des Berliner Kunstmalers Piepenberg die Kreuzigung und Auferstehung Christi; unterhalb der Kanzel ist die Grablegung dargestellt. Eine achteckige Sandsteintaufe erinnert an die lange Tauftradition des Gotteshauses. Über der Kanzel schwebt in einem Buntglasfenster der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Weitere Fenster zeigen florale Ornamente und christliche Symbole wie Kelch und die Zehn Gebote.

1906 wurde die Kirche grundlegend im Stil des Jugendstils renoviert. Die dabei entstandene Gestaltung gilt in dieser Form als Besonderheit im Hildesheimer Land. Zum historischen Erscheinungsbild gehören außerdem der Kronleuchter, die Orgel und die Gemälde von Grablegung, Kreuzigung und Auferstehung. Über dem Altar steht die Einladung: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“

Ein Stück ihrer Geschichte wurde 2003 wieder sichtbar: Im Zuge des Einbaus einer Bankheizung wurde der historische Mittelgang wiederhergestellt.

Heute wird die St.-Martins-Kirche weiterhin von der evangelischen Kirchengemeinde genutzt. Sie ist nicht nur Mittelpunkt des kirchlichen Lebens, sondern auch ein außergewöhnliches Zeugnis der Bau-, Kunst- und Kirchengeschichte Bettrums.

Direkt an der St.-Martins-Kirche liegt der Bettrumer Friedhof. Kirche und Friedhof bilden seit Jahrhunderten eine Einheit und gehören bis heute zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Der Friedhof ist als Denkmal im Denkmalatlas Niedersachsens erfasst.

Auch die Kirchenbücher erzählen von der langen Geschichte des Ortes: Die Bettrumer Beerdigungsregister reichen bis ins Jahr 1640 zurück.

Auf dem Friedhof befinden sich außerdem zwei Gräber deutscher Zivilpersonen, die im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff ums Leben kamen. Damit ist der Friedhof nicht nur ein Ort des Abschieds, sondern auch ein stiller Erinnerungsort an die Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Scheune des Pfarrhofes (Jugendscheune)

Zu finden: Breite Straße 5

Die denkmalgeschützte Scheune des ehemaligen Pfarrhofes an der Breiten Straße ist ein Zeugnis der bäuerlichen Vergangenheit Bettrums. Der traditionelle Fachwerkbau mit seinem großen Tor gehört zum historischen Pfarrhofensemble und steht heute als Jugend- und Kirchenscheune mitten im Dorfleben.

Pfarrhaus

Zu finden: Breite Straße 5

Das historische Pfarrhaus von Bettrum wurde 1750 errichtet und gehört zu den ältesten erhaltenen Gebäuden des Dorfes. Über mehr als 250 Jahre war es eng mit dem kirchlichen Leben des Ortes verbunden und diente den Bettrumer Pastoren als Wohn- und Dienstsitz. 1958 wurde das Gebäude erweitert. Mit der Aufgabe der eigenständigen Pfarrstelle verlor das Haus seine ursprüngliche Funktion. Heute erinnert es gemeinsam mit der St.-Martins-Kirche und der ehemaligen Pfarrscheune an die jahrhundertealte Bedeutung des Pfarrhofes für das Dorf. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist ein wichtiges Zeugnis der Bettrumer Orts- und Kirchengeschichte.

Dorfgemeinschaftshaus

Zu finden: Breite Straße 9

Die Geschichte des heutigen Dorfgemeinschaftshauses beginnt als Schule: Bereits 1877 wurde die Bettrumer Schule erwähnt. Bis 1972 gingen die Bettrumer Kinder hier zur Schule. Der erste Jahrgang wurde im Sommer 1972 in Hoheneggelsen eingeschult. Anschließend wurde das Schulgebäude zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut und damit blieb es ein Mittelpunkt des Dorflebens.

Wohnhaus

Zu finden: Breite Straße 1a

Der zweigeschossige Ziegelbau mit Walmdach und Ziegelzierfachwerk ist ein charakteristisches Zeugnis der historischen dörflichen Baukultur Bettrums. Eine imposante, weit ausladende Blutbuche steht unmittelbar vor dem Haus und verbirgt es heute weitgehend vor den Blicken von der Straße.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Konservenfabrik

Zu finden: Himstedter Straße 5

Zwischen Bettrum und Klein Himstedt befand sich einst die Konservenfabrik Bettrum e.G.m.b.H. Hier wurde Gemüse aus der landwirtschaftlich geprägten Umgebung zu Konserven verarbeitet. Überliefert sind unter anderem farbige Etiketten für Konservendosen mit Gemüse, die im Niedersächsischen Landesarchiv aufbewahrt werden und aus der Zeit vor 1945 stammen.

Wie eng die Fabrik mit der Landwirtschaft der Region verbunden war, zeigt ein Bericht aus Nettlingen: Dort angebaute Bohnen wurden während der Ernte zur Konservenfabrik nach Bettrum gebracht, teilweise mehrere Zentner am Tag.

Noch heute stehen auf dem ehemaligen Fabrikgelände Gebäudereste. Beim Tornado im Jahr 2023 wurde eine dort erhaltene Halle schwer beschädigt; Dach und Dachstuhl wurden vollständig abgedeckt. An den früheren Produktionsstandort erinnert bis heute die Bezeichnung „Konservenfabrik“ im Namen der dortigen Bushaltestelle.

Edelpilze Okeano

Zu finden: Himstedter Straße 5

Auf dem Gelände der ehemaligen Konservenfabrik entstand später eine ganz besondere Nutzung: Andreas Gill züchtet hier unter dem Namen Edelpilze Okeano verschiedene Edel- und Vitalpilze. Damit erhielt der historische Produktionsstandort eine ungewöhnliche neue Nutzung.

Hinter den alten Mauern werden unter anderem Shiitake, Goldkäppchen sowie Limonen- und Rosenseitlinge gezüchtet. Die Pilze wachsen auf Holz- und Strohsubstraten. Nachhaltigkeit spielt dabei eine wichtige Rolle: Verbrauchte Holzsubstrate werden als Brennstoff für eine Hackschnitzelheizung genutzt, Strohsubstrate als Bodenverbesserer. Mehr zu diesem Projekt findet man hier.

Die Bettrumer Windmühle

Zu finden: Am Mühlenberg 15

Am Ortsausgang Richtung Nettlingen stand seit 1883 eine Holländerwindmühle. Sie diente der Verarbeitung von Getreide und wurde zunächst mit Windkraft, ab 1941 mit einem Motor betrieben. Zur technischen Ausstattung gehörten unter anderem ein Doppelwalzenstuhl und ein Schrotgang. Nach einem Brand blieben zunächst Teile des Mühlenturms erhalten, aber 2012 wurde die Brandruine bis auf 4 m Höhe abgerissen.

Die Mühle ist heute privat bewohnt. Vom einstigen Bauwerk ist vor Ort kaum noch etwas zu erkennen. Geblieben ist der Mühlenberg und damit zumindest der Name, der an das verschwundene Wahrzeichen Bettrums erinnert.